Ildikó Enyedi
Ildikó Enyedi [<templatestyles src="IPA/styles.css" />] (* 15. November 1955 in Budapest) ist eine ungarische Filmregisseurin und Drehbuchautorin.
Leben und Werk
Enyedi studierte zunächst Betriebswirtschaft, dann Filmregie in Budapest und Montpellier. Mit ihrem Erstlingsfilm Mein 20. Jahrhundert begeisterte sie 1989 Kritik und Publikum auf dem Filmfestival in Cannes und erhielt die Caméra d’Or für den besten Nachwuchsfilm.
Für ihren fünften Spielfilm Körper und Seele, ein romantisches Melodram,<ref>Ildikó Enyedi is back with On Body and Soul bei cineuropa.org, 23. Juni 2015 (abgerufen am 16. Dezember 2016).</ref> erhielt Enyedi 2017 den Goldenen Bären der 67. Internationalen Filmfestspiele Berlin. Der Film wurde bei der Oscarverleihung 2018 als bester fremdsprachiger Film nominiert. Körper und Seele beschreibe die Gefahren des professionellen Pragmatismus, der den Menschen in der modernen Gesellschaft von der aufrichtigen Wahrnehmung seines Lebens abhalte, erklärte Enyedi zu den Motiven des Films.<ref>Paul Katzenberger: Bitte, hab' keine Angst. In: SZ.de, 23. September 2017, Interview.</ref>
2017 wurde sie in die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) aufgenommen, die jährlich die Oscars vergibt.<ref>„Class of 2017“. Zugegriffen 30. Juni 2017. http://www.app.oscars.org/class2017/.</ref> Im selben Jahr wurde Enyedi auch in die Wettbewerbsjury der 74. Internationalen Filmfestspiele von Venedig sowie 2021 in die Jury der 71. Internationalen Filmfestspiele Berlin eingeladen.
Im Jahr 2021 stellte Enyedi mit Die Geschichte meiner Frau eine Romanverfilmung nach Milán Füst fertig. Für das Historiendrama erhielt sie erstmals eine Einladung in den Wettbewerb um die Goldene Palme des Filmfestivals von Cannes. Zwei Jahre später leitete sie dort die Kurzfilmjury.<ref>Hungarian filmmaker Ildikó Enyedi to chair the short film and La Cinef jury. In: festival-cannes.com, 20. April 2023 (abgerufen am 21. April 2023).</ref>
Mit dem Film Silent Friend (2025) wurde sie in den Hauptwettbewerb des Filmfestivals von Venedig eingeladen.
Enyedis künstlerische Haltung ist fächerübergreifend und von langjähriger naturwissenschaftlicher Neugier geprägt; seit ihrer Jugend liest sie populärwissenschaftliche Texte und verfolgt Grundfragen nach Zeit, Bewusstsein und Realität.<ref name="taz2026">Thomas Abeltshauser: „Kommunikation ist immer unvollständig“. Interview mit Ildikó Enyedi. In: taz, 11. Januar 2026, 20:06 Uhr, online (abgerufen am 11. Januar 2026).</ref> Sie bezieht sich auf Goethes Begriff der „zärtlichen Empirie“, welcher den Beobachter als Teil des Beobachteten versteht, und überträgt diese Haltung auf ihr Regieverständnis, das auf geduldige Beobachtung ohne Dominanz zielt.<ref name="taz2026" /> Wiederkehrende Themen, die sie dafür benennt, sind Verbundenheit und Fremdsein; Kommunikation begreift sie als unvollständig und fordert die Anerkennung der Wirklichkeit des Gegenübers – auch über Artgrenzen hinweg.<ref name="taz2026" /> Enyedi pflegt einen fachlichen Austausch mit dem Neurowissenschaftler und Bewusstseinsforscher Anil Seth.<ref name="taz2026" />
Seit 1989 ist sie mit dem in Ungarn lebenden deutschen Germanisten Wilhelm Droste verheiratet und hat mit ihm zwei Kinder.
Filmografie
- 1989: Mein 20. Jahrhundert (Az én XX. századom)
- 1994: Freischütz – Magic Hunter (Bűvös vadász)
- 1997: Winterliebe (Tamás és Juli)
- 1999: Simon mágus
- 2004: Európából Európába 8 (Kurzfilm)
- 2008: Első szerelem (Kurzfilm)
- 2012–2014: Terápia (Fernsehserie)
- 2017: Körper und Seele (Testről és lélekről)
- 2021: Die Geschichte meiner Frau (The Story of My Wife)
- 2025: Stille Freundin (Silent Friend)
Literatur
- 2026: Thomas Abeltshauser, Auf der Suche nach dem radikal fremden Bild; in: epd Film 1/26: S.21-25
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Enyedi, Ildikó |
| KURZBESCHREIBUNG | ungarische Filmregisseurin und Drehbuchautorin |
| GEBURTSDATUM | 15. November 1955 |
| GEBURTSORT | Budapest |