Idzinga
Idzinga (auch: Itzinga, Itsenga) ist der Name einer der ältesten, heute ausgestorbenen ostfriesischen Häuptlingsfamilien. Abzugrenzen davon sind die in den Niederlanden, das heißt in den heutigen Provinzen Friesland und Groningen, vorkommenden Familien Idsinga<ref>Johannes Baptista Rietstap: De wapens van den tegenwoordigen en den vroegeren Nederlandschen adel. Groningen 1890, S. 350.</ref><ref>Ahnentafel von Simeon Petrus van Idsinga, gest. 10. November 1853</ref> und Tjaerda van Idsinga<ref>Johannes Baptista Rietstap: De wapens van den tegenwoordigen en den vroegeren Nederlandschen adel. Groningen 1890, S. 403.</ref>.
Geschichte
Die Idzinga stammen aus Norden und hatten ihren Sitz auf der Idzingaburg in Lintel (zwischen dem heutigen Norden und Norddeich gelegen) und auf einer Burg am Norder Markt.
Der älteste bekannte Träger dieses Namens war Hicco Ytzinga, urkundlich genannt 1278 unter den „advocati et iudices terre Nordensis universis“<ref name="OUB2">Ernst Friedländer: Ostfriesisches Urkundenbuch, Bd. 2. Emden 1881, Nr. 1680.</ref> und 1277 als Consul (friesisch: Redjeve) des Norderlandes.<ref name="Annalen">Günther Möhlmann: Norder Annalen. Aurich 1959.</ref>
Im Jahre 1337 trat Poppo Ytzinga unter den „consulibus et advocatis terrae Nordensis“ in Erscheinung.<ref name="Annalen" /> 1340 siegelte wiederum ein Hicko Itzinga, welcher, wenn man den friesischen Namensregeln folgt, höchstwahrscheinlich ein Enkel des o. g. Hicco war, mit „S. ADVOCATORV(M) ET CONSULUM TERRE NORDE“.<ref name="Hicko">Hajo van Lengen: Die friesische Freiheit des Mittelalters. Aurich 2003, S. 105 f.</ref> Hicko führte das erste nachweisbare Wappen der Idzinga, einen nach heraldisch links auffliegenden Adler.<ref name="Hicko" /> Er heiratete wohl eine Dyurled,<ref name="Dyurled">Almuth Salomon: Die Attena. In: Emder Jahrbuch 83 (2003).</ref> mit der er den Sohn Evenardus und die Tochter Idze hatte. Idze heiratete Eger, den Sohn des Häuptlings Hero Eylwerdessen (Olde Hero) von Dornum und wurde damit zur Ahnherrin der Häuptlingsfamilie der Kankena von Dornum.<ref name="Dyurled" />
Evenardus Ytzengha erschien 1367 zusammen mit Martin Zyertza (Cirksena) und Hylo Attana (Attena) als „advocati terre Nordensis“.<ref name="OUB1">Ernst Friedländer: Ostfriesisches Urkundenbuch, Bd. 1. Emden 1878, Nr. 104.</ref> Noch im selben Jahr 1367 nannten sich dieselben drei allerdings bereits „advocati et capitales terre Nordensis“,<ref name="Dyurled" /> womit sie ihren Aufstieg zu Häuptlingen (capitales) beurkundeten. Evenardus fiel im Jahr 1372<ref name="Annalen" /> und hinterließ lediglich eine Erbtochter Djudelt (auch Diudleta, Djurled, Djulke oder Dudelef geschrieben), benannt nach ihrer Großmutter.
Djudelt Itzingha heiratete Liuward Abdena, Drost von Emden, der den Namen seiner Frau annahm und mit „S: LINWARDI ITZINGHA“ siegelte. Im Siegelbild sind unter dem Abbild des Heiligen Liudger zwei Wappenschilde zu sehen, die beide einen Löwen zeigen, wobei der erste den Abdena von Emden, die dieses Wappen nachweislich führten und der zweite den Idzinga zuzuordnen ist, woraus geschlossen werden kann, dass Djudelts Vater Evenardus einen Löwen im Wappen geführt haben muss.<ref name="Hicko" />
Liuwards Nachfolge als Häuptling zu Norden trat sein Sohn Evenard an, der als letzter männlicher Idzinga 1414 zu Farmsum im Gefecht mit den Groningern fiel.<ref name="Emmius">Ubbo Emmius: Friesische Geschichte. Frankfurt/Main 1980–1982, S. 250 und 262.</ref> Aus seiner Ehe mit Sibbe Allena, der Tochter des Häuptlings zu Osterhusen, Folkmar Allena, ging die Erbtochter Hima Idzinga hervor, welche Udo Fockena, den Sohn Focko Ukenas, heiratete.<ref name="Hicko" /> Auf einer Goldmünze, die Udo zwischen 1427 und 1430 prägen ließ, sieht man in einem Dreipass den Ukena’schen Löwen, begleitet in den drei Ecken von je einem Wappenschild, welcher ein Spornrad zeigt.<ref name="Hicko" /> Bei dem Spornrad muss es sich um Himas Wappen handeln, das sie von ihrem Vater Evenard geerbt hatte. Diese drei Spornräder fanden später Eingang in das Wappen der Stadt Norden. Udo fiel 1433 bei Bargebur und Hima starb kinderlos 1439 im Kloster Marienthal. Damit endete die Geschichte der Familie Idzinga.
Die Überlieferung schreibt den Idzinga ein Familienwappen zu: In Blau drei goldene Spornräder (2:1)<ref name="Wappen1">Johannes Baptista Rietstap: Illustriertes allgemeines Wappenbuch. Lyon 1938.</ref>; allerdings existiert kein Beleg dafür, dass ein solches Wappen je von einem Idzinga geführt wurde.
Inwieweit der 1387 in Upgant urkundlich genannte Enrico Ytsinga<ref name="OUB1.2">Ernst Friedländer: Ostfriesisches Urkundenbuch, Bd. 1. Emden 1878, Nr. 157.</ref> in diese Verwandtschaft gehört, muss genauso offenbleiben, wie bei den im sechzehnten Jahrhundert ebenfalls zu Upgant wohnhaften Itzen bzw. Ytz.<ref name="DGB">Bernhard Koerner: Deutsches Geschlechterbuch, Bd. 103. Görlitz 1938.</ref>
Einzelnachweise
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