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Hugo Rahner

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Datei:Ascona- Dokumentationsfotos im Museum, Portrait Hugo Rahner - LABW - Staatsarchiv Freiburg W 134 Nr. 123464.jpg
Hugo Rahner

Hugo Karl Erich Rahner SJ (* 3. Mai 1900 in Pfullendorf; † 21. Dezember 1968 in München) war ein deutscher Jesuit, Theologe und Historiker. Er gilt als Vertreter einer kerygmatischen Theologie.

Familie

Rahner wuchs in einem traditionell katholischen Elternhaus in Emmendingen auf; 1908 zog die Familie nach Freiburg im Breisgau. Er war das dritte von sieben Kindern aus der Ehe von Karl Rahner (1868–1934), Lehrerseminar- und Gymnasialprofessor für Deutsch, Geschichte und Französisch, und seiner Frau Luise, geb. Trescher (1875–1976).<ref name="leo">Eintrag über Hugo Rahner auf „LEO-BW“, abgerufen am 4. Januar 2012.</ref> Hugo ist der Bruder von Elisabeth Rahner<ref>Franz Weigl, Ludwig Battista, Anton Heinen, Elisabeth Rahner, Maria Montessori: Pädagogik und Didaktik der Altersstufen. Verlag Kösel & Pustet, München 1931–1934.</ref><ref>Anton Heinen, Elisabeth Rahner, Maria Montessori: Familien- und Kleinkinderpädagogik. Verlag Kösel & Pustet, 1934.</ref><ref>Der Gedanke der Mütterschulung in seiner Entwicklung von Comenius bis zur Gegenwart. Dissertation Elisabeth Rahner, 1936.</ref>, verheiratete Cremer, und Karl Rahner SJ.

Leben

Nach einem halbjährigen Militärdienst in der Freiburger Karlskaserne am Ende des Ersten Weltkrieges, unmittelbar nach dem Abitur 1918 am Realgymnasium Freiburg im Breisgau, trat Rahner am 11. Januar 1919 in die Gesellschaft Jesu, den Jesuitenorden, ein. Nach seinen philosophischen Studien in der Ordenshochschule in Valkenburg aan de Geul war er von 1923 bis 1926 Präfekt und Erzieher am Jesuitengymnasium „Stella Matutina“ Feldkirch. Von 1926 bis 1931 studierte er Philosophie und Katholische Theologie an der Universität Innsbruck. 1929 empfing er in Pullach bei München die Priesterweihe durch den Münchner Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber. Nach seinem patristischen Doktorat zum Dr. theol. in Innsbruck (1931) studierte er von 1931 bis 1934 Geschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, u. a. bei Franz Joseph Dölger, Wilhelm Levison und Wilhelm Neuß. 1934 wurde Rahner in Bonn über „Die gefälschten Papstbriefe aus dem Nachlaß von Jerome Vignier“ zum Dr. phil. promoviert. 1935 habilitierte er sich in Innsbruck für die Fächer Alte Kirchengeschichte und Patrologie.<ref name="leo" />

Ab 1935 dozierte er an der Universität Innsbruck. Am 12. März 1936 wurde er zum Vizerektor der Innsbrucker Jesuitenkommunität gewählt. 1937 wurde Rahner Ordentlicher Professor für Kirchen- und Dogmengeschichte und Patrologie an der Innsbrucker Universität. Die Aufhebung der Fakultät durch die Nationalsozialisten und der Zweite Weltkrieg erzwangen die Verlegung der Innsbrucker Jesuiten und des internationalen Priesterseminars Canisianum nach Sion (Sitten), Schweiz, wo er von 1938 bis 1945 an der Päpstlichen Theologischen Fakultät dozierte.<ref name="leo" /> Von 1940 bis 1946 hielt er religionsgeschichtliche Vorträge beim Eranos-Verein in Locarno,<ref name="syre">Otto Syre SJ: Eintrag über Rahner Hugo, Kalendarium der Gesellschaft Jesu, abgerufen am 4. Januar 2012.</ref> wo er auch C. G. Jung, Mircea Eliade und Rudolf Otto kennenlernte.<ref>Eintrag über Rahner Hugo, Fuge - Journal für Religion und Moderne, abgerufen am 4. Januar 2012.</ref>

Nach Wiedererrichtung der Fakultät in Innsbruck (1945) war Rahner zuerst Dekan der theologischen Fakultät (1945/46) und schließlich Rektor der Gesamtuniversität (1949/50). 1952/53 wurde er erneut Dekan der theologischen Fakultät. Von 1950 bis 1956 wirkte er als Rektor des Kollegs Canisianum. 1957 ist er Vertreter der österreichischen Ordensprovinz bei der 30. Generalkongregation.

Ein Schlaganfall 1962 und eine schwere Krankheit (Morbus Parkinson) erzwangen 1963 seine vorzeitige Pensionierung.<ref>Andreas R. Batlogg, Nikolaus Klein: Kollektive Wahrheitsfindung auf dem Zweiten Vatikanum. Zu einer Momentaufnahme von Karl Rahner SJ. In: Stimmen der Zeit, Bd. 230 (2012), S. 579–589, hier S. 580.</ref> Er lebte ab 1966 in München und wurde auf dem Friedhof des Berchmanskollegs in Pullach beigesetzt.

Er hat zahlreiche Beiträge zur Patrologie, zur Ignatiusforschung und zur geistigen Situation der Gegenwart veröffentlicht. Zu seinem 60. Geburtstag wurde ihm die Festschrift Sentire Ecclesiam mit 720 Angaben zu der Bibliographie seiner gedruckten Werke gewidmet.<ref name="syre" />

Wirken

Zusammen mit zeitgenössischen Theologen (unter anderem seinem Bruder Karl Rahner) arbeitete er für eine Theologie, die sich ganz in den Dienst der Verkündigung stellt. Die diesbezüglichen Grundgedanken legte er in seinem Werk Eine Theologie der Verkündigung (Freiburg 1939) vor. Seine kirchengeschichtlichen Studien untersuchten die Beziehung der Kirche zum abendländischen Humanismus und das Verhältnis von Kirche und Staat allgemein. Seine Untersuchungen über die Kirchenväter, deren Spiritualität und über Bedeutung von Mythos und Symbolik ihrer Schriften führten zu zahlreichen Büchern und Vorträgen. Seine Untersuchung über die christliche Deutung der griechischen Mythologie eröffnete einen neuen Blick auf die Entstehung der Kirche. Rahner hat großes Verdienst an der Wiederentdeckung kirchlicher Symbolik. Besondere Aufmerksamkeit widmete Rahner dem Gründer des Jesuitenordens Ignatius von Loyola, insbesondere in Ignatius von Loyola. Geistliche Briefe (Einsiedeln/Köln 1956), Ignatius von Loyola. Briefwechsel mit Frauen (Freiburg 1956) und Ignatius von Loyola als Mensch und Theologe (Freiburg 1964).

Engagement in Studentenverbindungen

1937 wurde er Alter Herr der beiden Innsbrucker Unitas-Vereine Norica und Greifenstein, deren Ehrenseniorate er innehatte. Nach Zwangsauflösung 1938 stellte er den Verbindungen eine Bude im Jesuitenkolleg zur Verfügung. 1954 hielt er die Festrede bei der Wiederbegründungsfeier der Unitas-Greifenstein.

Er war zudem Ehrenmitglied der KÖHV Alpinia Innsbruck, AV Austria Innsbruck und KÖHV Leopoldina Innsbruck, jeweils im ÖCV.<ref>Gerhard Hartmann: Rektor Univ.-Prof. P. Dr. Hugo Rahner, SJ. In: Österreichischer Cartellverband (Hrsg.): Biographisches Lexikon, abgerufen am 23. April 2024.</ref>

Rahner setzte sich ebenso für die Wiederzulassung anderer Studentenverbindungen an der Universität Innsbruck ein, wie dem Corps Athesia Innsbruck.<ref>Corps Athesia. Rekonstitution 1951 bis Suspension 1981. In: archive.org.</ref>

Auszeichnungen

Werke

  • Eine Theologie der Verkündigung, Freiburg 1939
  • Abendländische Kirchenfreiheit, Einsiedeln/Köln 1943
  • Mater Ecclesia – Lobpreis der Kirche aus dem ersten Jahrtausend, Einsiedeln/Köln 1944
  • Mariens Himmelfahrt und das Priestertum, Innsbruck 1951
  • Maria und die Kirche. Zehn Kapitel über das geistliche Leben, Innsbruck 1951
  • Kirche und Staat im frühen Christentum, München 1951
  • Der spielende Mensch, Einsiedeln 1952
  • Die Märtyrerakten des zweiten Jahrhunderts, Freiburg 1953
  • Symbole der Kirche, Salzburg 1954
  • Die Kirche – Gottes Kraft in menschlicher Schwäche, Freiburg 1956
  • Ignatius von Loyola. Geistliche Briefe, Einsiedeln/Köln 1956
  • Ignatius von Loyola. Briefwechsel mit Frauen, Freiburg 1956
  • Griechische Mythen in christlicher Deutung, Zürich 1957/Basel 1984
  • Sinn der Geschichte – Persönlichkeit und Geschichte, Kevelaer 1959
  • Himmelfahrt der Kirche, Freiburg 1961
  • Ignatius von Loyola als Mensch und Theologe / Hugo Rahner. – Freiburg [u. a.]: Herder, 1964
  • Abendland, Freiburg 1966

Literatur

  • Andreas R. Batlogg SJ: Hugo Rahner als Mensch und Theologe. Beobachtungen und Einschätzungen. In: Zeitschrift für Katholische Theologie 141 (2019), S. 147–170.
  • Jean Daniélou, Herbert Vorgrimler: Sentire Ecclesiam – Das Bewußtsein von der Kirche als gestaltende Kraft der Frömmigkeit. Festschrift zum 60. Geburtstag von H. Rahner Freiburg/Basel/Wien 1961 (inklusive Verzeichnis der Werke).
  • Johannes Holdt: Hugo Rahner: sein geschichts- und symboltheologisches Denken. Paderborn 1997, ISBN 3-506-73956-5.
  • Cornelius Keppeler: Hugo Rahner – der (berühmte) Bruder. In: Cornelius Keppeler, Justinus C. Pech (Hrsg.): Einflussreich, aber vergessen? Theologische Denker aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Heiligenkreuz 2015, S. 181–201.
  • Abraham Peter Kustermann, Karl Heinz Neufeld (Hrsg.): Gemeinsame Arbeit im brüderlicher Liebe – Hugo und Karl Rahner. Dokumente und Würdigung ihrer Weggemeinschaft. Stuttgart 1993, ISBN 3-926297-48-4.
  • Karl Heinz Neufeld: Die Brüder Rahner: eine Biographie. Herder, Freiburg im Breisgau/Basel/Wien 1994, ISBN 3-451-23466-1.
  • Karl Heinz Neufeld, Wolfgang G. Schöpf: Hugo Rahners Schrifttum. In: Zeitschrift für katholische Theologie. Band 122 (2000), S. 114–156.
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  • Paul Oberholzer: Hugo Rahners Abendlandkonzept in seiner erinnerungskulturellen Relevanz. In: Franziska Metzger u. a. (Hrsg.): Abendlanddiskurse und Erinnerungsräume Europas im 19. und 20. Jahrhundert. Böhlau, Wien, Köln 2022 (Erinnerungsräume, Geschichte – Literatur – Kunst; 4), ISBN 978-3-412-52612-2, S. 99–128.
  • {{#if: Ekkart Sauser|Ekkart Sauser: }}RAHNER, Hugo. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL){{#if:7|. Band 7, Bautz, {{#switch:7

|1=Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage. Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1 |2=Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8 |3=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2 |4=Herzberg 1992, ISBN 3-88309-038-7 |5=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-043-3 |6=Herzberg 1993, ISBN 3-88309-044-1 |7=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4 |8=Herzberg 1994, ISBN 3-88309-053-0 |9=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-058-1 |10=Herzberg 1995, ISBN 3-88309-062-X |11=Herzberg 1996, ISBN 3-88309-064-6 |12=Herzberg 1997, ISBN 3-88309-068-9 |13=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7 |14=Herzberg 1998, ISBN 3-88309-073-5 |15=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-077-8 |16=Herzberg 1999, ISBN 3-88309-079-4 |17=Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8 |18=Herzberg 2001, ISBN 3-88309-086-7 |19=Nordhausen 2001, ISBN 3-88309-089-1 |20=Nordhausen 2002, ISBN 3-88309-091-3 |21=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3 |22=Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-133-2 |23=Nordhausen 2004, ISBN 3-88309-155-3 |24=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9 |25=Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-332-7 |26=Nordhausen 2006, ISBN 3-88309-354-8 |27=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-393-2 |28=Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-413-7 |29=Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-452-6 |30=Nordhausen 2009, ISBN 978-3-88309-478-6 |31=Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-544-8 |32=Nordhausen 2011, ISBN 978-3-88309-615-5 |33=Nordhausen 2012, ISBN 978-3-88309-690-2 |34=Nordhausen 2013, ISBN 978-3-88309-766-4 |35=Nordhausen 2014, ISBN 978-3-88309-882-1 |36=Nordhausen 2015, ISBN 978-3-88309-920-0 |37=Nordhausen 2016, ISBN 978-3-95948-142-7 |38=Nordhausen 2017, ISBN 978-3-95948-259-2 |39=Nordhausen 2018, ISBN 978-3-95948-350-6 |40=Nordhausen 2019, ISBN 978-3-95948-426-8 |41=Nordhausen 2020, ISBN 978-3-95948-474-9 |42=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-505-0 |43=Nordhausen 2021, ISBN 978-3-95948-536-4 |44=Nordhausen 2022, ISBN 978-3-95948-556-2 |45=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-584-5 |46=Nordhausen 2023, ISBN 978-3-95948-590-6 |47=Nordhausen 2024, ISBN 978-3-689-11006-2 |48=Nordhausen 2025, ISBN 978-3-689-11017-8 }}{{#if:|, Sp. }}{{#if:1271-1275|, Sp. {{#iferror:{{#expr:1271-1275}}|1271-1275|{{#expr:1*1271-1275*0}}–{{#expr:-(0*1271-1275*1)}}}}}}}}{{#if:|}}{{#if:https://web.archive.org/web/20070613132830/http://www.bautz.de/bbkl/r/rahner_h.shtml%7C}}.{{#if: 7 | |{{#ifeq:||}}}}

  • Burkhart Schneider: Hugo Rahner 1900–1968. In: Historisches Jahrbuch 89 (1969), S. 509 f.
  • Herbert Vorgrimler: Hugo Rahner. In: Baden-Württembergische Biographien. Band 2, Kohlhammer, Stuttgart 1999, ISBN 978-3-17-014117-9, S. 355 f. (online).

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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