Hongkong-Kumquat
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| Hongkong-Kumquat | ||||||||||||
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| Datei:Fort-hindsii.jpg
Fruchtende Triebe der Hongkong-Kumquat | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Citrus hindsii | ||||||||||||
| (Champ. ex Benth.) K.M. Liu, G.W. Hu & X.Z. Cai |
Die Hongkong-Kumquat (Citrus hindsii, alternativ Fortunella hindsii) ist eine Art der Kumquats, die zu den Zitrusgewächsen im weiteren Sinne (Tribus Citreae) gehört. Die meisten Botaniker stellen alle Kumquats, also auch diese Art, heute in die Gattung Citrus selbst. Einige halten an einer eigenständigen Gattung Fortunella fest. Die Hongkong-Kumquat wächst als Wildpflanze im Südosten Chinas, sie wird als Zierpflanze, seltener und nur lokal auch für ihre Früchte, kultiviert.
Beschreibung
Die Honkong-Kumquat wächst als Strauch und erreicht eine Höhe von ein bis drei Metern.<ref name="Wang" /> Vor allem in Kultur als Zierpflanze kann es auch ein kleiner, stark verzweigter Baum sein.<ref name="Ancillo" /> Die Zweige können bedornt sein.<ref name="Ancillo" /> Die Laubblätter sind im Umriss lanzettlich, die Blattspreite auf der Oberseite dunkelgrün und glänzend, auf der Unterseite heller grün gefärbt.<ref name="Ancillo" /> Was wie ein einzelnes Blatt aussieht, ist aber in Wirklichkeit normalerweise ein Fiederblatt mit nur einem einzigen Blättchen. Dies ist erkennbar an einem Gelenk zwischen Blattstiel und Blattspreite. Echte Einzelblätter (ohne Gelenk) kommen auch vor, sind aber selten. Der Stiel erreicht 6 bis 9 Millimeter Länge,<ref name="Wang" /> er ist ungeflügelt.<ref name="Ancillo" />
Die Blüten sitzen einzeln in Blattachseln. Sie sind im Vergleich zu anderen Citrus-Arten verhältnismäßig klein und stark duftend. Die fünf Kronblätter sind weiß gefärbt.<ref name="Ancillo" /> Blütezeit der Wildvorkommen in China ist von Juni bis Oktober.<ref name="Zhu" />
Die bei den Zitruspflanzen besonders gestalteten, Hesperidium genannten Früchte sind verhältnismäßig klein, mit nur 8 bis 10 Millimeter Durchmesser, sie sind (nach Swingle) die kleinsten Zitrusfrüchte überhaupt. Sie sind gelborange bis orange gefärbt und werden später dunkler, ihre Form ist kugelig. Das Gynoeceum besitzt drei bis vier Fruchtfächer mit je einem großen Samen.<ref name="Wang" /> Die Fruchtschale ist glatt, das Fruchtfleisch gelblich-orange, es schmeckt sauer. Die Früchte sind als Nahrungsmittel wenig geeignet.<ref name="Ancillo" /> Die Art kann gelegentlich schon im ersten Lebensjahr blühen und fruchten, typischer dann ab dem zweiten Jahr.<ref name="Zhu" />
Es gibt von der Art eine diploide und eine tetraploide Form, die beide auch als Wildpflanze auftreten. Die diploide Form wurde als Varietät chintou Swingle beschrieben.<ref name="Krueger" />
Verbreitung
Die Art ist verbreitet im Süden Chinas, in Hongkong, Guangdong, Guangxi, Fujian und Jiangxi.<ref name="Wang" /> Es ist die einzige Art der Kumquats, von der auch Wildvorkommen bekannt sind. So soll sie in den Nan-Ling-Bergen und im Wuyi-Gebirge nicht selten sein.<ref name="Deng" /> Als echte Wildpflanze kann sie, anders als viele kultivierte Zitruspflanzen, auch nach sexueller Fortpflanzung aus dem Samen gezogen werden (die meisten Citrus-Varietäten bilden auf asexuellem Wege Samen und Früchte aus).
Nutzung
Die Art wird als Zierpflanze kultiviert,<ref name="Ancillo" /> wofür sie etwa durch den frühen Blühbeginn und die lange Blütezeit geeignet ist.<ref name="Zhu" /> In China wird sie manchmal als Unterlage beim Pfropfen verwendet, wenn besonders kleine Zitrusbäume beabsichtigt sind.<ref name="Krueger" /> Obwohl zum direkten Verzehr wenig geeignet, werden die eingelegten Früchte in Südchina etwa in Soßen oder Kräutertees verwendet. Sie wird daher auch kultiviert, in den Gebirgen Südchinas sind etliche Landrassen verbreitet.<ref name="Zhu" />
Taxonomie und Systematik
Die Art wird schon erwähnt als Shan Jin Gan im 1178 erschienenen Werk Ju Lu des Song-zeitlichen Gelehrten und Botanikers Han Yanzhi, der ältesten bekannten Monografie von Zitruspflanzen.<ref name="Zhu" /> Die wissenschaftliche Erstbeschreibung erfolgte 1851 als Sclerostylis hindsii durch den britischen Botaniker John George Champion (1815–1854). Der Name ehrt seinen Landsmann Richard Brinsley Hinds (1811–1846), der die Pflanze in Hongkong gesammelt und Champion zur Verfügung gestellt hatte. Daniel Oliver stellte sie 1861 in die Gattung Atalantia. Der amerikanische Botaniker Walter Tennyson Swingle stellte 1915 für die Kumquats eine neue, eigene Gattung Fortunella auf und stellte die Art als Fortunella hindsii in diese. Diese taxonomische Bearbeitung blieb viele Jahrzehnte lang verbindlich.
Fortunella umfasst(e) als Gattung bis zu 6 Arten, alles Sträucher oder kleine Bäume mit Verbreitung in Südostasien. Der Name ehrt den schottischen Forschungsreisenden Robert Fortune, der sie als erster in Europa bekannt machte. Swingle beschrieb vier Arten, alle aus China und Japan. Später kam eine weitere chinesische und eine Art aus Malaysia hinzu. In der 2008 erschienenen Flora of China erkennen die Bearbeiter (Dianxiang Zhang und der australische Botaniker David J. Mabberley) nur eine einzige Art der Kumquats an, die sie der Gattung Citrus zuordnen.<ref name="FoC" /> Nach der Auffassung von Zhang und Mabberley wäre also Fortunella hindsii ein Synonym von Citrus japonica Thunb. Andere Botaniker haben die Art allerdings auch danach weiter anerkannt und aus der Synonymie zurückgeholt.<ref name="Wang" /> Strittig ist aber bis heute die Gattungszugehörigkeit. Nach übereinstimmender Auffassung sind Citrus und Fortunella nahe miteinander verwandt, beide bilden frei miteinander Hybride aus. Fraglich ist, ob beide Schwestergruppen sind. Bis heute halten Botaniker alternativ an der Gattung Fortunella fest.<ref name="Karahuseyin" />
Nach neueren genetischen Untersuchungen sieht es allerdings so aus, dass Fortunella in Citrus eingeschachtelt wäre.<ref name="Wu" /> Nach einigen Analysen steht sie relativ basal, als Schwestergruppe der meisten Citrus-Arten mit Ausnahme weniger Vertreter wie der Bitterorange (Citrus trifoliata oder Poncirus trifoliata).<ref name="Wang" /> Nach anderen ist sie tiefer eingeschachtelt und wäre Schwestergruppe einer Klade, die vor allem die Mandarinen und Orangen umfasst.<ref name="Zhu" />
Einzelnachweise
<references> <ref name="Ancillo">Gema Ancillo and Alejandro Medina: Citrus. Botanical Monographs Jardín Botánico de la Universitat de València vol. 2. Universitat de València 2015. ISBN 978-84-370-9632-2. 152 S., Fortunella hindsii S. 100–101.</ref> <ref name="Deng">Xiuxin Deng, Xiaoming Yang, Masashi Yamamoto, Manosh Kumar Biswas: Domestication and history. Chapter 3 in Manuel Talon, Marco Caruso, Fred G. Gmitter Jr. (editors): The Genus Citrus. Woodhead Publishing (Elsevier) 2020. ISBN 978-0-12-812163-4.</ref> <ref name="FoC">Citrus Linnaeus, in Flora of China online, 2008. (Rutaceae in Volume 11, Oxalidaceae through Aceraceae, editors: Z.Y. Wu, P.H. Raven, D.Y. Hong)</ref> <ref name="Karahuseyin">Secil Karahuseyin and Merve Nenni: Kumquat. Chapter 9 in Sukhvinder Singh Purewal, Sneh Punia Bangar, Pinderpal Kaur (editors): Recent Advances in Citrus Fruits. Springer, Cham 2023. ISBN 978-3-031-37533-0</ref> <ref name="Krueger">Robert R. Krueger & Luis Navarro: Citrus Germplasm Resources. Chapter 4 in I.A. Khan (editor): Citrus Genetics, Breeding and Biotechnology. CABI 2007. ISBN 978-0-85199-019-4.</ref> <ref name="Wang">Ting Wang, Ling-Ling Chen, Hui-Juan Shu, Fang You, Xiao-Li Liang, Jun Li, Jing Ren, Vincent Okelo Wanga, Fredrick Munyao Mutie, Xiu-Zhen Cai, Ke-Ming Liu, Guang-Wan Hu (2022): Fortunella venosa (Champ. ex Benth.) C. C. Huang and F. hindsii (Champ. ex Benth.) Swingle as Independent Species: Evidence From Morphology and Molecular Systematics and Taxonomic Revision of Fortunella (Rutaceae). Frontiers in Plant Science 13: 867659. doi:10.3389/fpls.2022.867659 (open access)</ref> <ref name="Wu">Guohong Albert Wu, Javier Terol, Victoria Ibanez, Antonio López-García, Estela Pérez-Román, Carles Borredá, Concha Domingo, Francisco R. Tadeo, Jose Carbonell-Caballero, Roberto Alonso, Franck Curk, Dongliang Du, Patrick Ollitrault, Mikeal L. Roose, Joaquin Dopazo, Frederick G. Gmitter Jr, Daniel S. Rokhsar, Manuel Talon (2018): Genomics of the origin and evolution of Citrus. Nature 554: 311–316. doi:10.1038/nature25447</ref> <ref name="Zhu">Chenqiao Zhu, Xiongjie Zheng, Yue Huang, Junli Ye, Peng Chen, Chenglei Zhang, Fei Zhao, Zongzhou Xie, Siqi Zhang, Nan Wang, Hang Li, Lun Wang, Xiaomei Tang, Lijun Chai, Qiang Xu, Xiuxin Deng (2019): Genome sequencing and CRISPR/Cas9 gene editing of an early flowering Mini-Citrus (Fortunella hindsii). Plant Biotechnology Journal 17: 2199–2210. doi:10.1111/pbi.13132</ref> </references>