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Homosexualität in Kuba

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Geografische Lage von Kuba

Homosexualität wird in Kuba nach langjähriger Diskriminierung in zunehmendem Maße akzeptiert.

Legalität

Ab 1938 galt ein Gesetz zum Schutz der Gesellschaft, das von der entsprechenden Gesetzgebung in Spanien abgeleitet war, welche die präventive Inhaftierung von Homosexuellen und anderen vermeintlichen Abweichlern erlaubte. Der Artikel 490 des kubanischen Gesetzes von 1938 sah darüber hinaus Haftstrafen von bis zu sechs Monaten oder Geldstrafen für gewohnheitsmäßige homosexuelle Handlungen oder für die Erregung eines öffentlichen Skandals durch die Zurschaustellung der Homosexualität vor. Dieses Gesetz galt auch nach dem Sieg der Revolution praktisch unverändert weiterhin bis 1979.<ref name="lumdsen">I. Lumsden: Machos, Maricones and Gays, Seite 82ff</ref> Zwischen 1965 und 1968 wurden zahlreiche Homosexuelle zwangsweise in Umerziehungslager geschickt, in denen sie Feldarbeit verrichten mussten (die sogenannten UMAP/Unidades Militares de Ayuda a la Producción).<ref>Bert Hoffmann: Kuba, München: C.H. Beck (2000), S. 143</ref> Noch im Jahr 1971 hieß es im offiziellen Beschlussdokument des staatlichen Ersten Kongresses zu Bildung und Kultur, dass die Homosexualität eine Krankheit sei, die es zu bekämpfen gelte.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vale la pena pensar con psicología (Memento des Vorlage:IconExternal vom 20. Mai 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ipsnoticias.net (Spanisch) Interview mit dem Psychologen Manual Calviño, IPS Mai 2011, abgerufen am 17. Mai 2011</ref>

Seit 1979 sind homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen in Kuba straffrei.<ref name="Guardian">Calvin Tucker: Havanna rights in The Guardian, 28. März 2007</ref> Bis zu einer Strafrechtsreform im Jahr 1987 war es jedoch verboten, einen „Zustand“ der Homosexualität öffentlich zu zeigen und homosexuelle Handlungen im Angesicht Dritter auszuführen. Zudem konnten Erwachsene für homosexuelle Handlungen mit Minderjährigen sehr viel strenger bestraft werden als für entsprechende heterosexuelle Handlungen.<ref name="lumdsen" /> Obwohl seitdem Homosexualität nicht mehr explizit unter Strafe steht, wird sie zusammen mit Verhaltensweisen wie Trunk- und Drogensucht immer noch unter die allgemeine Kategorie der „Ausnutzung oder eines sozial zu tadelnden Übels“ oder „antisozialen Verhaltens“ gezählt, die im Artikel 73 des Strafgesetzbuches beschrieben wird und zu einem Eintrag in die Polizeiakte führen kann.<ref name="lumdsen" />

Mit der Reform von 1987, der eine dreijährige Diskussion vorausgegangen war, wurde die Strafandrohung für die Erregung eines öffentlichen Skandals sogar verschärft.<ref name="lumdsen" /> Das Schutzalter liegt bei 16 Jahren, während es vor 1984 für heterosexuelle Kontakte 12 Jahre betrug.<ref name="lumdsen" /><ref>Emily J. Kirk: Cuba’s Gay Revolution: Normalizing Sexual Diversity Through a Health-Based Approach. Lexington Books 2017, ISBN 978-1498557665</ref> Allerdings wurde das Einwilligungsalter für sexuelle Kontakte im Jahr 2022 wieder auf 12 harmonisiert, bezüglich einer neuen Strafrechtsreform.<ref>Kuba neuer Strafrechtsreform (Artikel 400, 408.4). In: gacetaoficial. Kubanische Seite, 9. Januar 2022, abgerufen am 22. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Schutz vor Diskriminierung

2014, 2018, 2019, 2022 und 2025 wurden gesetzliche Regulierungen zum Schutz der sexuellen Orientierung eingeführt.<ref name=":0">Cuba. In: Ilga World Database. 9. November 2025, abgerufen am 7. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

2019, 2021, 2022 und 2025 wurden gesetzliche Regulierungen zum Schutz der geschlechtlichen Identität eingeführt.<ref name=":0" />

Das am 18. Juli 2025<ref name=":1">Aprueba Asamblea Nacional Código de la Niñez, Adolescencias y Juventudes. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 7. August 2025; abgerufen am 7. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> vom Parlament beschlossene Kinder- und Jugendgesetzbuch (Código de la Niñez, Adolescencias y Juventudes)<ref>Neues Kinder- und Jugendgesetz verabschiedet. Abgerufen am 7. Dezember 2025.</ref> beinhaltet außerdem in Artikel 62.1. ein Verbot von Diskriminierung und Gewalt aufgrund des Geschlechts, des Serostatus ("estatus serológico") oder aufgrund anderer Gründe, die die sexuellen und reproduktiven Rechte von Kindern und Jugendlichen bzw. ihre Würde verletzen würden.<ref name=":0" /><ref name=":1" /> Es verbietet auch Bestästigung in Bildungseinrichtungen (Art. 55), was nach Artikel 26.2 auch explizit Gewalt aufgrund der sexuellen Orientierung einschließt.<ref name=":0" /> ILGA World wertet das als Schutz gegen Mobbing in Schulen in den Kategorien sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität und Geschlechtsmerkmalen, nicht aber in der Kategorie des geschlechtlichen Ausdrucks.<ref name=":0" /> Das Gesetz soll am 28. Januar 2026 in Kraft treten.<ref>Gesetzestext. Juli 2025, abgerufen am 7. Dezember 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> [veraltet] Die Kategorie:Wikipedia:Veraltet nach Januar 2026 existiert noch nicht. Lege sie mit folgendem Text {{Zukunftskategorie|2026|1}} an.

Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen

Seit 2008 wurde in der Kommunistischen Partei und im Parlament ein Vorschlag zur Anerkennung homosexueller Partnerschaften beraten.<ref name=Freedom /><ref>Progreso Weekly: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Change of sex will be free (Memento des Vorlage:IconExternal vom 2. September 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.progresoweekly.com</ref><ref>Queer.de: Homo-Ehe auf Cuba?, 22. Januar 2008</ref>

Im September 2010 übernahm Fidel Castro persönlich die Verantwortung für die auf Kuba stattgefundene Schwulenverfolgung. Er bedauerte, auf Grund von Kriegen und politischen Problemen nicht die nötige Aufmerksamkeit für dieses Problem gefunden zu haben.<ref>Blu.fm: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Fidel Castro übernimmt Verantwortung (Memento vom 23. September 2010 im Internet Archive), 1. September 2010</ref> Allerdings hatte Castro die Diskriminierung Homosexueller keineswegs nur übersehen oder geduldet, sondern aktiv gefördert. So hatte er sich in den ersten Jahren der Revolution mehrfach negativ zu Homosexuellen geäußert und ihnen pauschal die Fähigkeit abgesprochen, „echte Revolutionäre“ zu sein.<ref>Ein Geschlecht haben wir alle In: ila vom Mai 2007, abgerufen am 18. August 2015</ref>

Am 22. Juli 2018 verabschiedete das kubanische Parlament eine neue Verfassung, in der unter anderem die Ehe nicht mehr als ein Verbund aus Mann und Frau, sondern als freiwillige Verbindung zwischen zwei Personen festgeschrieben wird. Am 24. Februar 2019 hat das kubanische Volk diese Verfassung in einem Referendum mit einer Zustimmung von 86,6 % angenommen, die Wahlbeteiligung lag bei 84 %.<ref>Referendum: Kubaner stimmen für eine neue Verfassung. In: Die Zeit. 26. Februar 2019, abgerufen am 17. Oktober 2020.</ref> Allerdings wurde die Passage, in der faktisch eine Ehe für alle ermöglicht werden sollte, auf Druck der Kirchen sowie der Bevölkerung fallen gelassen und wurde somit im Referendum nicht beschlossen. Eine Neufassung des Familiengesetzbuchs, welche die Frage nach der Ehe für alle endgültig klären soll, sollte später beschlossen werden.<ref>Boris Herrmann: Kuba: Regierung fortschrittlicher als das Volk. Abgerufen am 17. Oktober 2020.</ref><ref>https://www.laprensalatina.com/cuba-launches-public-consultations-on-new-family-code/</ref> In einer Volksabstimmung über ein neues Familienrecht am 25. September 2022 nahm bei einer Wahlbeteiligung von 74 % eine Mehrheit von 66,87 % das Gesetz an. Es sieht gleichgeschlechtliche Ehen und ein Adoptionsrecht für Lesben und Schwule vor.<ref>Kuba: Große Mehrheit für die Ehe für alle bei Queer.de am 26. September 2022</ref>

Gesellschaftliche Situation

Datei:El Mejunje and Santa Clara de Asís Cathedral.jpg
Kulturzentrum El Mejunje

Eine LGBT-Community gibt es in der Hauptstadt Havanna,<ref name="Guardian" /> in der Provinzhauptstadt Santa Clara, vor allem im Umfeld des dortigen Kulturzentrums El Mejunje,<ref>Glasnost für Homo- und Transsexuelle In: NZZ Online vom 14. Juli 2009, abgerufen am 17. Mai 2011</ref> und in anderen größeren Städten. Das Centro Nacional de Educación Sexual (CENESEX) setzt sich in Kuba für Toleranz gegenüber schwul-lesbischen, bisexuellen und transgeschlechtlichen Themen auf der Insel ein. Regierungsunabhängige LGBT-Aktivisten werden jedoch häufig von CENESEX und den Behörden in ihren Aktivitäten behindert und unter Druck gesetzt.<ref name=Freedom>Freedom House: Cuba Report 2012, vom 22. März 2012, abgerufen am 11. Oktober 2012 (englisch)</ref> Die Direktorin dieses Zentrums, Mariela Castro, Tochter von Raúl und Nichte Fidel Castros setzt sich seit vielen Jahren für die Verbesserung der LGBT-Rechte ein und startet Kampagnen gegen Homophobie. Noch 2008 wurden Gay-Pride-Paraden von den Behörden aufgelöst.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Cuba: Gay Pride march banned (Memento des Vorlage:IconExternal vom 28. Mai 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.permanentrevolution.net vom 10. Juli 2008</ref> 2011 durfte dann erstmals eine offiziell genehmigte Veranstaltung stattfinden.<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.stern.deErste Homosexuellen-Parade Gay Pride in Kuba (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2018. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot, stern.de vom 29. Juni 2011</ref> Im August 2011 fand die erste Hochzeit zwischen einer transgeschlechtlichen Person und einem Schwulen statt. Zwar waren gleichgeschlechtliche Hochzeiten damals noch nicht möglich, jedoch gilt Wendy Iriepa, operativ zur Frau geworden, laut Gesetz nicht mehr als Mann, sodass diese Heirat möglich wurde.<ref>Cuba: primer matrimonio entre una transexual y un gay, BBC Mundo vom 13. August 2011</ref><ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.elnuevodiario.com.niMatrimonio en Cuba transexual-gay con coro de disidentes (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juni 2025. Suche im Internet Archive )Vorlage:Toter Link/archivebot, AFP in El Nuevo Diario vom 14. August 2011</ref> Dennoch beklagen Homosexuelle eine fortgesetzte Diskriminierung.<ref>Staatlicher CSD in Havanna, queer.de vom 14. Mai 2012</ref>

Literatur und Film

Siehe auch

Literatur

  • Ian Lumsden: Macho, Maricones and Gays, Temple University Press, 1996, ISBN 978-1-566-39371-3

Weblinks

Commons: LGBT in Kuba – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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