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Homosexualität in Ghana

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Homosexualität in Ghana ist gesellschaftlich stark tabuisiert und rechtlich nur eingeschränkt toleriert. Gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen zwischen Männern stehen unter Strafe, während gleichgeschlechtliche Beziehungen zwischen Frauen nicht ausdrücklich gesetzlich geregelt sind. Die rechtliche Grundlage für die Kriminalisierung homosexueller Handlungen stammt aus der britischen Kolonialzeit und wurde seit der Unabhängigkeit Ghanas 1957 beibehalten. In der Gesellschaft herrscht weitgehend eine ablehnende Haltung gegenüber sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten, die durch politische, religiöse und mediale Diskurse verstärkt wird. Der öffentliche Diskurs über LGBTQIA+-Rechte ist zunehmend von repressiven Gesetzesinitiativen geprägt, die internationale Kritik hervorgerufen haben.

Geschichtliche Einordnung

Vor der britischen Kolonialherrschaft war das Verständnis von Geschlecht und Sexualität in den verschiedenen Gesellschaften des heutigen Ghana differenzierter als heute. Geschlechterrollen und Beziehungsformen waren eng mit lokalen Traditionen und sozialen Strukturen verknüpft.<ref>Barbara Agyapong: The Complex Landscape of LGBTQ+ Inclusion Within the Politics of Africa and the Dynamics of Anti-LGBTQ+ Laws and Development. Wright State University, [Dayton, Ohio], 2023, OCLC 1450899387 (Master-Arbeit; wright.edu; ohiolink.edu).</ref>

So waren beispielsweise im 18. und 19. Jahrhundert am Hof der Aschanti männliche Diener nicht nur als Bedienstete, sondern auch als intime Gefährten von Adligen tätig. Diese Männer stammten häufig aus dem Norden des heutigen Ghana und wurden in bestimmten Fällen sogar gezielt für die Zeugung kräftiger Nachkommen eingesetzt. Nach dem Tod ihrer Herren wurden sie teilweise rituell getötet.<ref name=":0">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: BBC, 28. Februar 2024 (british English).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Ghana's Hidden History Explored for LGBTQ+ History Month.] In: African Activities for Schools workshops, Events and Team Building. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 22. Januar 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Bei den Nzema existierte die Praxis sogenannter agyale, gleichgeschlechtlicher Ehen zwischen erwachsenen Männern mit größerem Altersunterschied. Diese Partnerschaften beinhalteten typische Elemente heterosexueller Ehen, etwa die Zahlung eines Brautpreises und eine traditionelle Hochzeitszeremonie.<ref name="guardian">Vorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/NameVorlage:Cite book/Name: Vorlage:Cite book/URL In: The Guardian, 8. März 2014. Abgerufen am 14. September 2018 (english).Vorlage:Cite book/URL Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref><ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Boy-Wives and Female Husbands.] In: willsworld.org. , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 16. September 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>

Auch bei den Nankani waren gleichgeschlechtliche Verbindungen bekannt, vor allem zwischen Frauen. Diese dienten nicht sexuellen Zwecken, sondern dem Fortbestehen der familiären Linie. Die Religionswissenschaftlerin Rose Mary Amenga-Etego interpretiert sie als kulturelle Strategie zur symbolischen Wahrung männlicher Abstammung innerhalb der Gesellschaft.<ref name="BoT">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>

Im Glaubenssystem der Fante wurde die sexuelle Anziehung als Ausdruck der „Seelenbeschaffenheit“ gedeutet: Menschen mit einer „schweren Seele“ fühlten sich demnach zu Frauen hingezogen, jene mit einer „leichten Seele“ zu Männern, unabhängig vom biologischen Geschlecht.<ref>John P. Falcone, Davis Mac-Iyalla: Drinking from our own wells in Ghana: interfaith education, civic engagement, and resisting the anti-LGBT agenda. In: British Journal of Religious Education. Band 47, Nr. 1, 2. Januar 2025, ISSN 0141-6200, S. 5–15, doi:10.1080/01416200.2024.2305859 (tandfonline.com [abgerufen am 11. Juni 2025]).</ref>

Homosexualität wurde erst im Jahr 1892 strafrechtlich verfolgt, als Ghana unter britischer Kolonialherrschaft stand. Grundlage dafür war der britische Offences Against the Person Act von 1861, der in sämtlichen Kolonien des britischen Reiches eingeführt wurde und gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen kriminalisierte.<ref>Raymond A. Atuguba: Homosexuality in Ghana: Morality, law, human rights. In: Canadian Center of Science and Education (Hrsg.): Journal of Politics and Law. Band 12 (2019), ISSN 1913-9047, S. 113, doi:10.5539/jpl.v12n4p113 (ccsenet.org [PDF; 238 kB]).</ref><ref name="illegal">Enze Han, Joseph P. A. O'Mahoney: British colonialism and the criminalization of homosexuality: queens, crime and empire (= Focus on global gender and sexuality). Routledge, London 2018, ISBN 978-0-8153-6792-5, S. 34.</ref>

Legalität

Homosexuelle Handlungen unter Männern sind in Ghana illegal, während homosexuelle Handlungen unter Frauen legal sind. Nach Kapitel 6 Artikel 105 des Strafgesetzbuchs von 1960 werden homosexuelle Handlungen unter Männern mit Gefängnisstrafen bedroht.<ref>ILGA: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Legal survey on gay rights in Ghana. (Memento vom 24. Juli 2012 im Internet Archive) In: ilga.org.</ref>

Am 28. Februar 2024 verabschiedete das Parlament von Ghana ein verschärftes Gesetz gegen Homosexualität, Promotion of Proper Human Sexual Rights and Ghanaian Family Values ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)). Es sah Gefängnisstrafen von bis zu drei Jahren für Menschen vor, die sich als Mitglieder der LGBTQIA+-Gemeinschaft identifizieren lassen, und von bis zu fünf Jahren für die „Förderung von LGBTTQQIAAP+-Aktivitäten“.<ref>Promotion of Proper Human Sexual Rights and Ghanaian Family Values Bill, 2021. (PDF; 39,4 MB) Parlament von Ghana, S. 21 ff., abgerufen am 6. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Text des Gesetzesentwurfs auf der Website des Parlamentes von Ghana).</ref> Das Gesetz trat nicht in Kraft, da es von Staatspräsident Nana Akufo-Addo nicht unterzeichnet wurde.<ref name="kas">Arne Wulff: Ghanas Parlament verabschiedet Anti-LGBTQ+ Gesetz. (PDF; 465 kB) Konrad Adenauer Stiftung, Mai 2024, abgerufen am 6. Januar 2025.</ref> Nach Ende von dessen Amtszeit wurde der Entwurf im Februar 2025 erneut eingebracht.<ref>Auswärtiges Amt: Ghana: Reise- und Sicherheitshinweise (Teilreisewarnung). Abgerufen am 4. September 2025.</ref> Kritik an dem Gesetzesvorhaben wird unter anderem von Seiten der Vereinigten Staaten, von Amnesty International, vom Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte Volker Türk und von UNAIDS geübt.<ref>Claudia Bröll: Ghana verschärft Anti-LGBTQ-Gesetz. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 29. Februar 2024, abgerufen am 4. März 2024.</ref><ref>Ghana intensifies crackdown on rights of LGBTQ people and activists. In: The Guardian. 28. Februar 2024, abgerufen am 4. März 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Vor der Präsidentschafts- und Parlamentswahl in Ghana 2024 sprachen sich beide führenden Präsidentschaftskandidaten, Vizepräsident Mahamudu Bawumia von der NPP und der ehemalige Präsident und Oppositionskandidat John Dramani Mahama vom NDC, für schärfere Strafen bei homosexuellen Handlungen aus.<ref name="kas" /> Die Wahl Anfang Dezember gewann schließlich Mahama. Am 18. Dezember 2024 wies der Oberste Gerichtshof zwei Einsprüche gegen das Anti-LGBT-Gesetz ab.<ref>Komla Adom, Danai Nesta Kupemba: Ghana’s Supreme Court dismisses challenges to anti-LGBT bill. BBC, 18. Dezember 2024, abgerufen am 6. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>AFP/cw: Oberstes Gericht in Ghana billigt queerfeindliches Gesetz. In: queer.de. 28. Dezember 2024, abgerufen am 6. Januar 2025.</ref>

Antidiskriminierungsgesetze

Es existiert kein Antidiskriminierungsgesetz in Ghana. Die ghanaische Verfassung kennt keinen Schutz der sexuellen Orientierung.<ref>Regierung von Ghana: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Constitution. (Memento vom 23. Mai 2007 im Internet Archive) In: ghana.gov.gh.</ref>

Anerkennung homosexueller Partnerschaften

Eine staatliche Anerkennung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften besteht weder in der Form der Gleichgeschlechtlichen Ehe noch in der einer Eingetragenen Partnerschaft.

Gesellschaftliche Situation

Eine LGBT-Organisation aus Ghana mit dem Vorsitzenden Prince MacDonald bemühte sich, die Legalisierung homosexueller Handlungen zu erreichen.<ref>Ghana's gays organise to fight British criminal law. In: afrol News, 19. August [2004?], abgerufen am 13. Juni 2025.</ref><ref>Ghanasian Gay conference banned. In: BBC News. 1. September 2006, abgerufen am 13. Juni 2025.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gay Ghana Online Community Home. (Memento vom 26. September 2013 im Internet Archive) In: gayghana.org.</ref>

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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