Holzwegeffekt
Der Holzwegeffekt (englisch {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}) bezeichnet das Phänomen, wenn ein Leser bei einem sprachlichen Ausdruck mit mehreren Lesarten während des schrittweisen Verstehens zunächst die falsche Lesart wählt und sich im weiteren Verlauf berichtigt, da er den Fehler aus dem folgenden Kontext erkennt. Wolf Schneider spricht von falschem Zwischensinn.<ref>Wolf Schneider: Deutsch für Profis. Hamburg 1987 (3. Auflage): Gruner + Jahr AG & Co., ISBN 3-442-11536-1, S. 100.</ref> Einen solchen Satz nennt man auch Holzwegsatz, Beispiel: „Die Wärter sperrten sie ein“ – „sie“ sind die Sträflinge, doch je nach Kontext sperrten die Wärter die Sträflinge ein oder die Sträflinge die Wärter.
Der namengebende Holzweg findet sich auch in der Metapher „Auf dem Holzweg sein“.
Holzwegeffekte werden in der psycholinguistischen Forschung vor allem verwendet, um zu untersuchen,
- ob Hörer oder Leser beim Sprachverstehen nur eine oder mehrere Interpretationen berechnen und
- ob phonetische oder prosodische Hinweise genutzt werden, um die folgende syntaktische Struktur vorauszusagen.
Sprachrezeption
Der Holzwegeffekt entsteht, weil das menschliche Sprachverarbeitungssystem inkrementell arbeitet. Das bedeutet, Hörer und Leser beginnen sofort mit der strukturellen und inhaltlichen Interpretation, noch bevor der Satz zu Ende gehört wurde. Ein Holzwegsatz zwingt das System dazu, eine bereits aufgebaute Struktur zu verwerfen und eine Reanalyse durchzuführen, sobald ein desambiguierendes Element auftaucht.<ref name=":0">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Strukturelle Ambiguität
Eine zentrale Ursache von Holzwegeffekten ist die strukturelle Ambiguität. Ein klassisches Beispiel ist die Anbindung von Präpositionalphrasen (PP-attachment), wie in: „Lena sieht den Mann mit dem Fernglas.“ Hier muss entschieden werden, ob „mit dem Fernglas“ das Objekt („den Mann“) näher bestimmt oder das Instrument der Handlung bezeichnet. Solche Mehrdeutigkeiten führen häufig zu vorläufigen Fehlanalysen, die später korrigiert werden.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Experimentelle Methoden
Zur Erforschung des Holzwegeffekts nutzt die Psycholinguistik verschiedene experimentelle Verfahren. Dazu gehört insbesondere die Messung von Augenbewegungen beim Lesen (Eye-Tracking), mit deren Hilfe festgestellt werden kann, an welchen Stellen die Verarbeitung ins Stocken gerät oder Leser zu früheren Satzteilen zurückspringen. Solche Daten liefern Hinweise darauf, wann und wo eine Reanalyse im Verstehensprozess stattfindet.<ref name=":0" />
Beispiele
- Falsches Setzen von Leerzeichen innerhalb zusammengesetzter Hauptwörter kann diesen Effekt provozieren. Beispielsweise in „Er telefonierte 24 Monate ohne Grund Gebühr“ entsteht ohne das letzte Wort ein korrekter Satz mit völlig anderer Bedeutung. Besonders stark ist der Effekt, wenn die Wörter am Zeilenende nicht mehr direkt nebeneinander stehen.
- „Modern bei dieser Bilderausstellung werden vor allem die Rahmen, denn sie sind aus Holz und im feuchten Keller gelagert worden“. Die Leseart von „Modern“ auf der zweiten Silbe betont als „der Mode folgend“ ist durch die Nähe zur „Bilderausstellung“ vorbereitet, die richtige Interpretation als „modrig“ erschließt sich erst am Ende des Satzes.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
- Bei „Maria legte zu ihren Spargeldern, was sie bei der Spargelernte verdient hatte“ ist die eine Leseart Spar-gelernte, während Spargel-ernte die richtige ist.
- „Welche Politikerin hat die Minister getroffen?“ Hier ist es möglich, dass das Subjekt („Welche Politikerin“) zunächst als Akkusativobjekt gelesen wird.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
- Das klassische englischsprachige Beispiel aus der Forschung von Thomas Bever lautet: {{
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}} Dieser Satz kann im Allgemeinen erst nach mehreren Lesedurchgängen richtig verstanden werden. Dies liegt hier am reduzierten Relativsatz. Nicht reduziert lautet der Satz: {{
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}} (Das Pferd, das an der Scheune vorbeigeritten wurde, stürzte.)<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>
Literatur
- Helmut Glück (Hrsg.): Metzler-Lexikon Sprache. 2000
- J. Field: Psycholinguistics: The Key Concepts. Routledge, London / New York 2004.
Einzelnachweise
<references />