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Hoa (Volk)

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Datei:HCMC Quan Am.jpg
Chinesischer Tempel in Cholon, Ho-Chi-Minh-Stadt
Datei:Commercant chinois Hanoi 2.jpg
Hoa-Kaufmann (Hanoi, 1885)

Unter den Hoa versteht man eine bedeutende chinesische Minderheit in Vietnam. Die Hoa sind ethnische Han-Chinesen, die zwar schon lange in Vietnam leben, ohne sich allerdings bis heute assimiliert zu haben. Vielmehr leben sie in Abschottung und bleiben traditionell unter sich.<ref>Choi Byung Wook: Southern Vietnam under the reign of Minh Mạng (1820–1841). Central policies and local response (= Southeast Asia Program Series. Bd. 20). Southeast Asia Program Publishing, Cornell University, Ithaca NY 2004, ISBN 0-87727-138-0, S. 145.</ref>

Geschichte

Seit der Unabhängigkeit Vietnams waren immer wieder vereinzelt chinesische Händler und auch Flüchtlinge nach Vietnam gekommen. Mit dem Untergang der Ming-Dynastie in China kam es zu einem verstärkten Zustrom nach Vietnam. Die Chinesen gründeten Chợ Lớn (heute besser bekannt als das Chinatown des 5. Bezirks von Ho-Chi-Minh-Stadt, ehemals Saigon) und erschlossen sich das Mekong-Delta. Sie lebten isoliert –, als sogenannte Bang.<ref>Hans-Jörg Keller: KulturSchlüssel Vietnam. Hueber, Ismaning 2000, ISBN 3-19-005309-X, S. 33.</ref> Im Süden des Landes beherrschten die Hoa den Reishandel. Die Produktion wurden von Hokkien-Chinesen bestimmt. Parallel dazu verschlechterten sich die Beziehungen zu China.

Im 20. Jahrhundert belastete die Lage in Kambodscha die Beziehungen zu China, da dort maoistische Kräfte die Kontrolle über Phnom Penh erlangt hatten. Am 24. März 1978 wurde der Lebensnerv der Hoa im Süden Vietnams empfindlich getroffen. Rund 90.000<ref name=":1">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Hoa wurden aus dem abgeriegelten Chợ Lớn vertrieben und flüchteten nach China oder als Boatpeople übers Meer. Ihr zurückgelassenes Eigentum wurde konfisziert. Dies betraf laut einer Statistik von Ho-Chi-Minh-Stadt vom März 1979 vor allem den Besitz von 200 „großkapitalistischen chinesischen Familien“,<ref name=":1" /> die bereits vor dem 30. April 1975 (letzter Tag des Vietnamkriegs) ausgereist waren. Von 161 verblieben „Komprador-Bourgeois“<ref name=":1" /> in der Stadt wurden 98 zwischen September 1975 bis ins Jahr 1977 der öffentlichen Bestrafung danh (deutsch wörtlich: Schlagen) unterzogen. Fast 3500 Händler-Familien wurden in Entwicklungszonen auf dem Land verbannt.

Insgesamt verließen rund 270.000<ref name=":1" /> Hoa Vietnam in Richtung China. Vietnam ergriff mit „Phoong An 2“<ref name=":1" /> („PA 2“ = Plan 2) ein diskriminierendes Maßnahmenpaket, um Hoa an der Teilnahme am vietnamesischen Wirtschaftsleben auszuschließen. Hoa wurden in Vietnam als eine sogenannte „Fünfte Kolonne“<ref name=":1" /> bezeichnet, also eine der Subversion verdächtige Bevölkerungsgruppe, deren Ziel der Umsturz einer bestehenden Ordnung im Interesse einer fremden aggressiven Macht sei.<ref name=":0" /> Der nördliche Nachbar stellte darauf seine Unterstützung für Vietnam ein, worauf sich die Kommunistische Partei Vietnams zunehmend der Sowjetunion annäherte.<ref name=":1" />

Ab 1987 vereinfachten politische Liberalisierungen im Zuge der Đổi-mới-Politik auch die Lebensbedingungen der Hoa. Chinesisch wurde an den Schulen wieder zugelassen. Eine kleinformatige Textil-, Schuhhandwerk- und Elektronikkleinindustrie blühte auf und damit auch der korrespondierende Handel. 1991 war die chinesische Minderheit auf bis zu 10 % der Stadtbevölkerung angewachsen, die wirtschaftliche Produktivität durch die Hoa sogar um ein Mehrfaches.<ref name=":0">James W. Morley, Masashi Nishihara (Hrsg.): Vietnam joins the world. M. E. Sharpe, Armonk NY u. a. 1997, ISBN 1-563-24974-X, S. 86.</ref> Einige der 1978 konfiszierten Immobilien, so die Gebäude an der Phan-Châu-Trinh-Straße<ref name=":1" /> beim Bên-Thanh-Markt, die einer Familie in den USA gehörten, sind laut dem Journalisten Huy Duc, bis 2016 nicht zurückerstattet worden.

Siehe auch

Literatur

  • Hella Kothmann, Wolf-Eckart Bühler: Vietnam. Handbuch für individuelles Entdecken. Die Perle Indochinas individuell entdecken und erleben, auch abseits der Touristenrouten. 9., neu bearbeitete, aktualisierte Auflage. Reise-Know-How-Verlag Rump, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-8317-1720-0.

Einzelnachweise

<references/>