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Hippolyte Havel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zeichnung eines jungen Manns mit Schnurrbart, dunklem Haar und Brille mit der Unterschrift „This is the Man With Whom Emma Goldman Is in Love and to Whom She Sent Money.“
Zeitungsbild von Hippolyte Havel (1901)

Hippolyte Havel (* 1869 in Böhmen, Österreich-Ungarn; † 1950 in New Jersey) war ein Anarchist und enger Freund Emma Goldmans.

Leben

Eine vergilbte Seite mit einer Bleistiftzeichnung eines Mannes, der den Kopf nachdenklich auf seiner Hand abstützt.
Karikatur von Hippolyte Havel im Nachlass von Pierre Ramus

Havel wurde 1893 oder 1894 in Wien festgenommen, weil er eine aufrührerische Rede gehalten habe, und nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt deportiert. Nach seiner Rückkehr nach Wien, um seine Familie zu besuchen, wurde er erneut kurz festgenommen.<ref name=":0">Candace Falk, Barry Pateman, Jessica M. Moran (Hrsg.): Made for America, 1890–1901 (= Emma Goldman. A documentary history of the American years. Band 1). University of California Press, Berkeley 2003, ISBN 0-520-08670-8, S. 534.</ref> Seiner Haft in einem psychiatrischen Gefängnisflügel entkam er, weil Richard von Krafft-Ebing bestätigte, dass er nicht geisteskrank sei, obwohl er nicht an eine Regierung glaubte.<ref>Alice Wexler: Emma Goldman in America. Beacon Press, Boston 1984, ISBN 0-8070-7003-3, S. 88 (online, registrierungspflichtig).</ref> Über Zürich, Paris und Berlin erreichte er London, wo er 1899 Emma Goldman kennenlernte, mit der er eine Affäre hatte.<ref name=":0" /> Sie zeigte sich beeindruckt von Havels enzyklopädischem Wissen über die anarchistische Bewegung.<ref>Allan Antliff: Anarchist modernism. Art, politics, and the first American avant-garde. University of Chicago Press, Chicago/London 2001, ISBN 0-226-02103-3, S. 95.</ref> Er begleitete sie im folgenden Jahr nach Paris, um den im September stattfindenden internationalen antiparlamentarischen Kongress vorzubereiten.<ref>Candace Falk, Barry Pateman, Jessica M. Moran (Hrsg.): Made for America, 1890–1901 (= Emma Goldman. A documentary history of the American years. Band 1). University of California Press, Berkeley 2003, ISBN 0-520-08670-8, S. 509 und 534.</ref> Im Dezember 1900 folgte Havel Emma Goldman nach New York und zog kurz nach seiner Ankunft nach Chicago um. Dort gehörte er zu den zwölf Anarchisten, die nach dem Attentat auf William McKinley verhaftet wurden. Havel zog erneut nach New York, wo er Teil der „Mother-Earth-Familie“ wurde. Es fiel Havel, der laut Emma Goldmans Freund Ben Reitman „auf Deutsch dachte, auf Englisch sprach und in allen Sprachen trinken konnte“, schwer, sich an das Leben in den USA zu gewöhnen.<ref>Alice Wexler: Emma Goldman in America. Beacon Press, Boston 1984, ISBN 0-8070-7003-3, S. 90, S. 103–104 und S. 126 (online, registrierungspflichtig).</ref> Er benötigte oft Geld von Freunden, hatte nur kurzlebige Jobs und trank viel.<ref>Doris Alexander: The tempering of Eugene O’Neill. Harcourt, Brace & World, New York 1962, S. 225 (online, registrierungspflichtig).</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> Als er vor Gericht landete, weil er auf der 5th Avenue in der Öffentlichkeit uriniert hatte, wurde er vom Richter gefragt, warum er nicht wenigstens in eine Seitengasse gegangen sei; Havel antwortete empört, er werde nicht extra dorthin gehen, wo die Armen leben.<ref>Paul Avrich: The modern school movement. Anarchism and education in the United States. Princeton University Press, Princeton 1980, ISBN 0-691-04669-7, S. 123.</ref> Mit seiner zeitweisen Partnerin Polly Holladay und ihrem Bruder eröffnete er 1913 im Greenwich Village Polly’s Restaurant, wo er als Koch und Kellner arbeitete und sich bei den Gästen – vor allem Künstlern und Intellektuellen – dadurch großer Beliebtheit erfreute, dass er Gäste als „Bourgoisieschweine“ beleidigte.<ref>Gerald W. McFarland: Inside Greenwich Village. A New York city neighborhood, 1898–1918. University of Massachusetts Press, Amherst (Mass.) 2001, ISBN 1-55849-299-2, S. 197.</ref> Er bemühte sich, Verbindungen zwischen Künstlern und Anarchisten herzustellen, organisierte Veranstaltungen wie Bälle und Dinner-Partys, um den Austausch anzuregen, und hielt Vorträge im Ferrer Center.<ref>Allan Antliff: Anarchist modernism. Art, politics, and the first American avant-garde. University of Chicago Press, Chicago/London 2001, ISBN 0-226-02103-3, S. 97–99 und S. 104.</ref> Zu seinen Freunden gehörte der Dramatiker Eugene O’Neill, dessen Figur Hugo Kalmar in The Iceman Cometh auf Havel basiert.<ref>Doris Alexander: The tempering of Eugene O’Neill. Harcourt, Brace & World, New York 1962, S. 226 (online, registrierungspflichtig).</ref> Havel kümmerte sich auch um die im Alter von 19 nach New York gezogene Berenice Abbott.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

1917 wurde er erneut kurz verhaftet. Von 1923 bis 1924 arbeitete er als Koch in der Mohegan Colony, bevor er nach Stelton (wohin das Ferrer Center umgezogen war) zurückkehrte, wo er für 25 Jahre lebte. 1932 veröffentlichte er What’s Anarchism?, das hauptsächlich aus zusammengestückelten Plagiaten bestand und nicht mehr das Niveau seiner früher veröffentlichten Texte erreichen konnte. 1934 ging er auf eine letzte Tour durch die Vereinigten Staaten. In den letzten Jahren seines Lebens litt er an den Folgen seines Alkoholkonsums und vermutlich an Alzheimer. Er starb 1950 in einem psychiatrischen Krankenhaus in New Jersey.<ref>Barry Pateman: Introduction. In: Nathan Jun (Hrsg.): Proletarian days. A Hippolyte Havel reader. AK Press, Chico 2018, ISBN 978-1-84935-329-8 (online, registrierungspflichtig).</ref>

Werk

In den USA arbeitete Havel Anfang des 20. Jahrhunderts eine Zeit lang als Herausgeber mehrerer anarchistischer Zeitungen und Zeitschriften, unter anderem der deutschsprachigen Chicagoer Arbeiter-Zeitung.<ref>Doris Alexander: The tempering of Eugene O’Neill. Harcourt, Brace & World, New York 1962, S. 225 (online, registrierungspflichtig).</ref> Außerdem schrieb er für Mother Earth und war später Herausgeber von The Revolutionary Almanac (1914) und der Zeitschrift The Revolt (1916).<ref>Allan Antliff: Anarchist modernism. Art, politics, and the first American avant-garde. University of Chicago Press, Chicago/London 2001, ISBN 0-226-02103-3, S. 95.</ref> Er schrieb Biografien über Voltairine de Cleyre und Emma Goldman sowie einen einleitenden Aufsatz für Goldmans Sammlung Anarchism and Other Essays.

Weblinks

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Einzelnachweise

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