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Herz-Jesu-Kirche (Köln)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Hert-Jesu-Kirche-1895.jpg
Die Herz-Jesu-Kirche 1895
Datei:Herz-Jesu, Church, Cologne.jpg
Die wiederaufgebaute Herz-Jesu-Kirche
Datei:Herz-Jesu, Köln, Sakramentskapelle.jpg
Sakramentskapelle
Datei:Köln, Herz Jesu (Innenansicht) (7).jpg
Innenansicht

Die Herz-Jesu-Kirche ist eine römisch-katholische Kirche in Köln in Nordrhein-Westfalen. Das am Zülpicher Platz gelegene Gotteshaus wurde zwischen 1893 und 1895 nach Plänen von Friedrich von Schmidt erbaut, 1906 bis 1909 folgte der Bau des Glockenturms. Das im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörte Kirchengebäude wurde in den Jahren 1953 bis 1957 wiederaufgebaut, seit 1964 wird sie seelsorgerisch von Maristenpatres betreut. Die Kirche ist dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht.

Geschichte

Die Herz-Jesu-Kirche wurde als eine der neuen Pfarrkirchen in der von Josef Stübben ab 1880 errichteten Kölner Neustadt gegründet. 1887 forderte Erzbischof Philipp Krementz zu Spenden für den geplanten Kirchenneubau auf, 1889 wurde ein Kirchbauverein gegründet und ein Architektenwettbewerb unter der Vorgabe ausgeschrieben, dass die neue Kirche den „Vergleich mit dem an Schönheit und Vollendung unübertrefflichen Kölner Dome aufzunehmen habe“. Dem Preisgericht gehörten neben Vertretern der Kirchengemeinde Baurat Paul Wallot, der ehemalige Dombaumeister von Frankfurt und Regensburg Franz Josef von Denzinger aus München, der Politiker August Reichensperger aus Köln sowie Stadtbaurat Josef Stübben an. Unter den acht Einreichungen, zu denen auch Entwürfe von Vincenz Statz sowie von Alfred Tepe und Friedrich Wilhelm Mengelberg aus Utrecht gehörten,<ref>Alfred Tepe und Wilhelm Mengelberg: Konkurrenzentwurf von A. Tepe in Utrecht zu der Herz Jesu-Kirche in Köln. In: Zeitschrift für Christliche Kunst 3, 1890, S. 43–55.</ref> wurde der Entwurf des Wiener Dombaumeisters Friedrich von Schmidt ausgewählt, nach dessen vorzeitigem Tod am 23. Januar 1891 die Ausführung seinem Sohn Heinrich von Schmidt übertragen wurde, die örtliche Bauleitung übernahm der Kölner Architekt Theodor Roß. Für den Grundstein der Kirche stiftete 1892 Papst Leo XII. einen Stein mit dem Christusmonogramm aus der Priscillakatakombe in Rom, die Grundsteinlegung selbst wurde am 8. Mai 1893 durch Erzbischof Krementz vollzogen. Am 17. Oktober 1895 konnten Lang- und Querhaus der Kirche fertiggestellt werden, der Chor folgte bis zur Einweihung der Kirche durch Erzbischof Hubert Theophil Simar am 31. Mai 1900. Der Bau der Kirche erfolgte unter der Leitung des Kaplans von St. Mauritius, Hermann-Josef Hundgeburt, der 1895 zum Rektor des neugeschaffenen Rektoratsbezirks Herz Jesu und am 8. April 1901 nach der Konsekration der Kirche zum ersten Pfarrer der Gemeinde ernannt wurde. Am 19. März 1906 begann unter dem Architekten Wilhelm Hospelt der Bau des Turmes, der am 5. Mai 1909 vollendet wurde.

Bei den Luftangriffen vom Oktober 1944 und März 1945 wurde der Kirchenbau weitgehend zerstört, wobei der Turm und die Nordmauer beim Wiederaufbau wiederverwendet werden konnten. Innerhalb der zerstörten Kirche wurde zunächst durch den Kölner Architekten Faensen eine Notkirche eingebaut, die am Christi Himmelfahrtstag 1946 in Benutzung genommen werden konnte. Der Wiederaufbau der zerstörten Kirche unter Wiederverwendung des erhaltenen Turmes erfolgte in den Jahren 1953 bis 1957 durch Dombaumeister Willy Weyres und Wilhelm Hartmann. Am 1. Juli 1956 konnte die Sakramentskapelle durch Kardinal Joseph Frings und am 17. März 1957 der Kirchenneubau geweiht werden.

1966 wurden witterungsbedingte Schäden am Mauerwerk des erhaltenen Turmes festgestellt, die bis 1967 erste Instandsetzungsarbeiten erforderten. Ein umfassendes Sanierungsprogramm des Turms erfolgte schließlich in den Jahren 1979 bis 1984.

Architektur

Datei:Herz-Jesu Church, Cologne, statue of Jesus Christ , Iven 1902.jpg
Christusstatue von Alexander Iven

In ihrem ersten Bauzustand war die Kölner Herz-Jesu-Kirche eine in neugotischen Bauformen errichtete Hallenkirche mit Querhaus, basilikalem Umgangschor und Westturm. Der vom Erstbau übernommene Kirchturm schließt sich in seinem Aufbau eng an den Freiburger Münsterturm an.

Der Wiederaufbau geschah unter Verwendung der noch verwertbaren Reste des Erstbaus, der damit die Proportionen und Dimensionen des Neubaus bestimmte. Anstelle der bisherigen Kreuzrippengewölbe wurde über schlanken Stahlstützen eine gefaltete Holzdecke ausgeführt. Der bisherige Chorbau wurde auf die Arkadenzone reduziert und als selbständige Sakramentskapelle eingerichtet. An ihrem Eingang wurde das 1902 geschaffene Herz-Jesu-Standbild des Kölner Bildhauers Alexander Iven aufgestellt. Die Farbverglasung wurde durch den Kölner Glasmaler Franz Pauli (1927–1970) gestaltet.

Glocken

Während der Glockenkonfiskation im Zweiten Weltkrieg wurde das ursprüngliche Geläut der Herz-Jesu-Kirche bis auf die Immaculata-Glocke eingeschmolzen. Als Ersatz wurden 1966 durch die Glockengießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher fünf neue Bronzeglocken gegossen.

Glocke Name Durchmesser Masse (ca.) Schlagton
(HT-1/16)
1 Immaculata 1470 mm 1957 kg des′
2 Herz Jesu 1310 mm 1450 kg es′
3 Margareta Alacoque 1100 mm 0800 kg ges′
4 Josef 0980 mm 0550 kg as′
5 Heinrich 0890 mm 0400 kg b′
6 Hermann-Josef 0720 mm 0240 kg des″

Orgel

Datei:Herz-Jesu, Köln, Orgel.jpg
Hauptorgel

1910 erhielt die Herz-Jesu-Kirche auf ihrer Turmempore eine Orgel, deren Freipfeifenprospekt Heinrich von Schmidt entwarf.<ref>Alternativpläne auf der Website der Deutschen digitalen Bibliothek</ref> Heute besitzt die Kirche eine 1962 erbaute Orgel der Firma Emanuel Kemper & Sohn. Das auf einer Empore im Querhaus der Kirche stehende und mit Schleifladen ausgestattete Instrument zeigt die folgende Disposition:<ref>Informationen zur Orgel auf der Website organindex.de</ref>

I Rückpositiv C–g3
1. Singend Gedackt 8′
2. Rohrflöte 4′
3. Prinzipal 2′
4. Quinte 113
5. Sesquialtera I–III
6. Scharff IV
7. Musette 8′
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
08. Quintade 16′
09. Prinzipal 08′
10. Holzflöte 08′
11. Oktave 04′
12. Gemshorn 08′
13. Quinte 0223
14. Schweizerpfeife 02′
15. Mixtur VI
16. Spanische Trompete 08′
III Schwellwerk C–g3
17. Spitzgedackt 08′
18. Salicional 08′
19. Prinzipal 04′
20. Kupferflöte 04′
21. Rohrnasat 0223
22. Waldflöte 02′
23. Oktävchen 01′
24. Scharffzimbel IV–V
25. Dulzian 16'
26. Schalmei 08′
27. Klarine 04′
Tremulant
Pedal C–d1
28. Prinzipalbaß 16′
29. Subbaß 16′
30. Offenbaß 08′
31. Choralbaß 04′
32. Nachthorn 02′
33. Rauschbaß V
34. Posaune 16′
35. Posaune 08′
  • Koppeln: I/P, II/P, III/P, I/II, III/II, III/I
  • Spielhilfen: Tutti, 2 Freie Kombination

Literatur

  • Gerhard Bürgel: Die Kölner Herz Jesu-Kirche. Festschrift zur Feier der Vollendung der Kirche am 6. August 1909. Bachem: Köln 1909.
  • Johannes Pieck (Hrsg.): Aus der Geschichte der Herz Jesu-Pfarre. Festschrift zur Feier des 25jährigen Wirkens des Dechanten Wilhelm Kremer als Pfarrer an Herz Jesu, Köln 1902-1927. Köln 1927

Weblinks

Commons: Herz-Jesu-Kirche (Köln) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Koordinaten: 50° 55′ 49,6″ N, 6° 56′ 24,1″ O

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