Hermann Roeren
Hermann Roeren (* 29. März 1844 in Rüthen in Westfalen; † 23. Dezember 1920 in Köln-Lindenthal) war ein deutscher Jurist und Reichstagsabgeordneter.
Leben
Roeren wurde in Rüthen geboren, wo sein Vater als Rechtsanwalt tätig war.<ref>Hermann Roeren †</ref> Er besuchte Gymnasien in Paderborn und Münster und die Ritterakademie in Bedburg.<ref>Hermann Roeren †</ref> Nach dem Abitur studierte er an den Universitäten Bonn, Heidelberg und Berlin Rechtswissenschaften.<ref>Hermann Roeren †</ref> 1866 trat er in den preußischen Staatsjustizdienst und wurde Referendar in Münster.<ref>Hermann Roeren †</ref> 1872 wurde er Kreisrichter in Rietberg, 1878 Amtsrichter in Altenkirchen, 1885 Landgerichtsrat in Elberfeld und 1891 Oberlandesgerichtsrat in Köln. 1882–85 und ab 1891 war er Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#ifeq: 0 | 0
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Roeren, der seit 1893 für die Deutsche Zentrumspartei im Reichstag saß, spielte eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung mehrerer Skandale rund um den Kolonialbeamten Geo A. Schmidt, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der deutschen Kolonie Togo ereignet hatten.<ref>Rebekka Habermas: Skandal in Togo – Ein Kapitel deutscher Kolonialherrschaft. S. Fischer, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-10-397229-0.</ref> Hermann Roeren war zusammen mit Matthias Erzberger Wortführer gegen die Weiterführung der Kolonialkriege in den Deutschen Kolonien und gegen die Regierungsvorlage eines Nachtragshaushaltes, die im Zusammenhang mit den hohen Verwaltungskosten und der Niederschlagung des Aufstandes der Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika stand.<ref>Reinhard Richter: Nationales Denken im Katholizismus der Weimarer Republik. LIT-Verlag, 2000, S. 66.</ref>
1898 gründete er mit einem Vorläuferverein des späteren Volkswartbunds die katholische Sittlichkeitsbewegung in Köln.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />{{#if:20080519113623
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}}.</ref> Er war der Wortführer des Zentrums in der Kampagne um die Verschärfung des Strafrechts durch die sog. Lex Heinze; bei einer Versammlung des Kölner Vereins zur Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit soll er einem Pressebericht zufolge ausgeführt haben, dass „ein großer Theil der jüdischen liberalen Blätter, deren Spalten mit pikanten Anzeigen gefüllt sind,“ zu den Gegnern dieser „Verschärfung des Sittlichkeitsgesetzes“ zu zählen sei wie überhaupt alle, „deren moralische Anschauungen mit der Lehre der christlichen Moral nicht in Einklang zu bringen“ seien.<ref>Abg. Roeren über die Gegner der lex Heinze. In: Münchner Neueste Nachrichten. Nr. 172, 12. April 1900, S. 2.</ref>
Im Februar 1907 legte er sein Amt als Oberlandesgerichtsrat in Köln nieder.<ref name="KZ_19120330-S01">Roeren tritt zurück. In: Kölnische Zeitung. Nr. 356, 30. März 1912, S. 1.</ref>
Vor den sogenannten „Hottentottenwahlen“ 1907 veröffentlichte Roeren Material, welches verschiedene Kolonialbeamte und Geschäftsleute wegen diverser Vergehen belastete. Etwa die Abschließung von Monopolverträgen zwischen dem Deutschen Reich und der Reederei Woermann und der Firma Tippelskirch für Militärausstattung, die Güter zu extrem überhöhten Preisen in die Kolonien lieferten. Mitinhaber von Tippelskirch & Co. war der damalige Landwirtschaftsminister Victor von Podbielski.<ref>Martin Baer: Eine Kopfjagd. Deutsche in Ostafrika. Spuren kolonialer Herrschaft. Ch. Links Verlag, 2001, S. 107.</ref> Im Laufe der Debatte erhoben politische Gegner Roerens den Vorwurf, Roeren habe die Reichsregierung mit dem Material erpressen und ihr seinen bzw. den Willen des Zentrums aufzwingen wollen.<ref>Der Prozeß Roeren. In: Münchner Neueste Nachrichten. Nr. 454, 18. September 1907, S. 3.</ref>
Roeren war gemeinsam mit Edmund Schopen und Franz Bitter einer der Initiatoren der sogenannten Osterdienstagskonferenz am 13. April 1909 in Köln, die als Leitsatz für die Zentrumspartei formulierte: „Das Zentrum ist eine politische Partei, die sich zur Aufgabe gestellt hat, die Interessen des gesamten Volkes im Einklange mit der katholischen Weltanschauung zu vertreten.“<ref name="VZ_19090814-S01">Der Streit im Zentrum. In: Vossische Zeitung. Nr. 377, 14. August 1909, S. 1.</ref> Die Osterdienstagskonferenz war ein Auslöser für den Zentrumsstreit. Im April 1909 erregte Roeren Aufsehen, als er in einer Versammlung des Volksvereins für das katholische Deutschland in Kiel meinte, ein Katholizismus ohne Ultramontanismus sei „nur ein denaturierter Katholizismus.“<ref>Denaturierter Katholizismus. In: Kölnische Zeitung. Nr. 374, 8. April 1909, S. 1.</ref> Er war der Meinung, dass der Volksverein unter die Kontrolle des Episkopats gestellt werden müsse, und setzte sich für dieses Anliegen beim Kölner Erzbischof Anton Fischer ein.<ref name="MNN_19090817-S01">Die Gegensätze im Centrum. In: Münchner Neueste Nachrichten. Nr. 381, 17. August 1909, S. 1.</ref> In der rheinischen Zentrumspartei war er der Gegenspieler von Karl Trimborn.<ref name="MNN_19090817-S01" /> Wie das Echo der Zentrumspresse auf eine von ihm und Franz Bitter 1909 nach Koblenz einberufene Zentrumsversammlung, die in einer Resolution die Beschlüsse der Osterdienstagskonferenz bekräftigte, zeigte, war er in der Zentrumspartei mit seiner integralistischen Einstellung weitgehend isoliert.<ref name="MNN_19090817-S01" /> Roeren berichtete auf der Zentrumsversammlung in Koblenz am 9. August 1909, Anton Fischer habe ihm geschrieben, der Episkopat habe hinsichtlich des Volksvereins für das katholische Deutschland im Sinne der integralistischen Richtung entschieden.<ref name="BB_19090814-S01">Badischer Beobachter Nr. 183, 14. August 1909, S. 1.</ref> Anton Fischer widersprach dieser Darstellung am 12. August 1909 in einem Brief an die Kölnische Volkszeitung und bezichtigte damit Roeren indirekt der Lüge.<ref name="BB_19090814-S01" /> Die Anhänger der Zentrumspartei, die den katholischen Charakter der Partei betont wissen wollten, nannte man die „Richtung Roeren-Bitter“<ref name="MNN_19090817-S01" /> oder die „Roeren-Bitter-Leute“.<ref>Volksverein, Episkopat und Zentrum. In: National-Zeitung . Nr. 221, 14. Mai 1910, S. 1.</ref> Auf die Zentrumsversammlung in Koblenz reagierten die Parteivorstände des Zentrums mit einer am 28. November 1909 im Berliner Reichstagsgebäude beschlossenen Erklärung, in der festgehalten wurde, dass das Zentrum „grundsätzlich eine politische nichtkonfessionelle Partei“ sei.<ref name="NZ_19091202-S01">Die „Entkonfessionalisierung“ des Zentrums. In: National-Zeitung. Nr. 563, 2. Dezember 1909, S. 1 (hier findet sich der vollständige Wortlaut der Erklärung mit den Namen aller Unterzeichner, darunter Karl Bachem, Julius Bachem und Franz Hitze).</ref> Auch Roeren unterzeichnete diese Erklärung.<ref>Die Partei ohne Definition. In: Kölnische Zeitung. Nr. 405, 12. April 1912, S. 1.</ref> Zudem veröffentlichte er noch eine eigene Erklärung: „Weil die Definition des Charakters des Zentrums im Satz 1 der Beschlüsse der sogenannten Osterdienstagskonferenz zu Missdeutungen Anlass gegeben hat, trete ich auf den Boden der in der heutigen Versammlung vorgeschlagenen Erklärung über den Charakter des Zentrums.“<ref name="NZ_19091202-S01" /> Am 24. Oktober 1910 gab er außerdem folgende Erklärung ab: „Ich trete nunmehr unzweideutig und vorbehaltlos auf den Boden des Beschlusses des Landesausschusses vom 28. November 1909 und werde alle weitere direkte oder indirekte Vertretung in anderer Formulierung unterlassen. [...] Ich hoffe und wünsche, dass der ganze Streit, der sich an die sogenannte Osterdienstagskonferenz geknüpft hat, auf Seiten der Teilnehmer der Konferenz wie ihrer Gegner weder in der Presse noch in Versammlungen fortgesetzt wird.“<ref>Schlesische Volkszeitung Nr. 315, 14. Juli 1911, S. 1.</ref> Die Vossische Zeitung nannte Roeren im Zusammenhang mit dem Zentrumsstreit einen „in konfessioneller Engherzigkeit befangenen Starrkopf“.<ref name="VZ_19090814-S01" />
1910 wurde in seinem Wahlkreis Saarburg-Merzig-Saarlouis der Vorwurf laut, er tue zu wenig für die Arbeiter und sei zu selten in seinem Wahlkreis gewesen.<ref name="Gm_19101221-S01">Im Wahlkreise Saarburg-Merzig-Saarlouis. In: Germania. Nr. 292, 21. Dezember 1910, S. 1.</ref> Als alternativer Kandidat für die nächsten Reichstagswahlen wurde Adolf Rosch, der Pfarrer von Derlen, vorgeschlagen, der seine Nominierung allerdings ablehnte.<ref name="Gm_19101221-S01" />
Am 28. März 1912 gab Roeren bekannt, sein Reichs- und Landtagsmandat wegen der Meinungsverschiedenheiten über den Charakter der Zentrumspartei niederzulegen.<ref name="KZ_19120330-S01" /><ref>Berliner Tageblatt Nr. 326, 29. Juni 1912, S. 1.</ref>
Seit 1894 war er Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindung KDStV Bavaria Bonn im CV. Er war Mitglied des Dritten Ordens des Heiligen Dominikus.<ref>Todesanzeige der Familie</ref>
Eine seiner Töchter war mit dem Juristen Jakob Schotten aus Mayen verheiratet.<ref>Todesanzeige der Familie</ref> Nach seinem Sohn Ludwig Roeren, einem Orthopäden, ist eine Straße in Viersen benannt.<ref>viersen.de</ref>
Literatur
- Hermann Christern (Hrsg.): Deutsches Biographisches Jahrbuch. Überleitungsband 2: 1917/1920. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart [u. a.] 1928
Weblinks
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Einzelnachweise
<references />
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- Reichstagsabgeordneter (Deutsches Kaiserreich)
- Zentrum-Mitglied
- Person (Rüthen)
- Person (deutsche Kolonialgeschichte)
- Korporierter im CV
- Deutscher
- Geboren 1844
- Gestorben 1920
- Mann