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Hermann Boßdorf

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Datei:Grab Hermann Boßdorf FriedhofOhlsdorf (3).jpg
Porträtrelief von Hermann Boßdorf

Hermann Boßdorf (* 29. Oktober 1877 in Wiesenburg, Landkreis Zauch-Belzig; † 24. September 1921 in Hamburg) war ein deutscher Dramatiker und Balladendichter. Er wuchs mit Flämingisch als erster Muttersprache auf, zog aber in seinem zehnten Lebensjahr nach Hamburg um.<ref name="krogmann1950">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref><ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Boßdorf gilt als Mitbegründer des plattdeutschen Dramas. Seine Stücke werden bis heute aufgeführt.<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref>

Leben

Datei:Geburthaus von Hermann Boßdorf in Wiesenburg.JPG
Geburtshaus in Wiesenburg

Hermann Boßdorf stammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Seine Mutter war Sophie Boßdorf (geb. Dornbusch, 1850–1939).<ref name="NDB" /> Sein Vater Friedrich Boßdorf (1847–1914) war Schneidermeister und Büdner, ab etwa 1882 Heimatunterbeamter in Wiesenburg im Hohen Fläming. Hermann besuchte zunächst die Knabenschule seines Heimatortes. Sein Vater nahm Anfang 1888 eine neue Arbeit als Briefträger in Hamburg an und holte im Mai 1888 seine Frau und seine beiden Kinder, Hermann und seine Schwester Anna, nach Hamburg.

<poem style="font-style: italic; margin: 0 1.6em; float: left;"> All in min Flämingheemat würd plattdütsch spraken<ref>{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}</ref> </poem>

Nach der Schulzeit wurde Boßdorf zuerst Postgehilfe und machte danach eine Ausbildung zum Post- und Telegraphenassistent. 1909 wurde ihm der Titel Obertelegraphenassistent verliehen. Während seiner Arbeit im Hamburger Haupttelegraphenamt und durch seine schwedischen Kollegen dort lernte er Dänisch und Schwedisch. Dadurch war er in der Lage, Werke der nordischen Literatur in den Originalsprachen zu lesen.

1899 lernte Boßdorf seine Frau Bertha (1873–1934) kennen, die sich für übersinnliche Phänomene interessierte. Unter ihrem Einfluss beschäftigte er sich mit Astrologie und Telepathie.

Boßdorf litt an einem schweren Nervenleiden. Im Mai 1915 brach er infolge zu häufigen Nachtdienstes bei der Telegraphie im ersten Kriegsjahr zusammen, so dass sein Arzt Hermann Plaut ihn schon aufgegeben hatte. Im Mai 1917 wurde Hermann Boßdorf mit einem Ruhegehalt von 150 RM monatlich in den Ruhestand versetzt. Am Unterkörper fast gelähmt, versuchte er mit schriftstellerischer Arbeit für seine Frau Bertha und seine bei sich wohnende Schwiegermutter zu sorgen. Ebenfalls hatte er nach dem Tod des Vaters für seine Mutter, sowie für seine Schwester und deren beiden Kinder zu sorgen.

Bereits in früher Jugend hatte Boßdorf begonnen, Dramen auf Hochdeutsch zu schreiben, die um biblische Motive kreisten. Um 1900 verfasste er dann erste Gedichte.<ref name="NDB">{{#invoke:Vorlage:Literatur|f}}{{#ifeq: 0 | 0

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Datei:Grab Hermann Boßdorf FriedhofOhlsdorf (2).jpg
Grabmal Hermann Bossdorf auf dem Friedhof Ohlsdorf

Zeitgenossen berichten von der „gewaltig erschütternde(n) Wirkung“, die von Boßdorfs 1918 uraufgeführtem Drama De Fährkrog ausgegangen ist.<ref>G. H. J. Scholz: Der niederdeutsche Gedanke. Ms. ungedr. Archiv Ohnsorg-Theater.</ref> Diese Wirkung nutzte die hamburgische Gesellschaft für dramatische Kunst für ihre kulturpolitischen Ziele. Das von Richard Ohnsorg geleitete Amateurtheater nannte sich fortan Niederdeutsche Bühne und verschrieb sich der Aufgabe, niederdeutsches Schauspiel öffentlich durchzusetzen. In schneller Folge verfasste Boßdorf – von Ohnsorg dazu angeregt und dramaturgisch unterstützt – seine Bühnenwerke für die Niederdeutsche Bühne Hamburg. Neben Fritz Stavenhagen ist Boßdorf so zum Wegbereiter der besonderen Kulturmission des Plattdeutsch-Theaters geworden.

Boßdorf schrieb vor allem in der nordniedersächsischen Mundart Hamburgs, neben Hochdeutsch. In mehreren seiner Texte finden sich auch Ausdrücke auf Flämingplatt, aber sehr wenige Texte sind komplett in seiner Heimatmundart verfasst, darunter das Gedicht En flämingschen Bure (1915) und der Aufsatz Plattdietsch up'n Fläming.<ref name="krogmann1950" /> Boßdorfs literarisches Schaffen weist vier Hauptmotive auf: die verlorene Jugendgeliebte, die Sehnsucht nach dem Kind, den Ehebruch und den Tod. In seiner Wahl der dramatischen Stoffe ist Boßdorf sicherlich durch August Strindberg beeinflusst worden. Boßdorfs gesammelte Werke wurden posthum von Willy Krogmann herausgegeben. Im Nachlass befindet sich jedoch eine Reihe unveröffentlichter Entwürfe und Fragmente. Seine Dramen werden auch heute noch gelegentlich aufgeführt, unter anderem im Hamburger Ohnsorg-Theater.

Boßdorf starb im Alter von 43 Jahren und wurde in Hamburg auf dem Friedhof Ohlsdorf im Planquadrat B 14 südlich von Kapelle 4 beigesetzt.<ref>Verzeichnis von Ohlsdorfer Porträts bei fof-ohlsdorf.</ref><ref>(Auskunft 2020 Friedhofsverwaltung)</ref>

Ehrungen

Zum 100. Todestag am 24. September 2021 fand in seiner alten Heimat in Wiesenburg eine Gedenkveranstaltung statt. Für den Dichter erschallten die Glocken der Marienkirche und in seiner Taufkirche wurde bei platt- und hochdeutschen Vorträgen, sowie Chorgesang an ihm erinnert. Szenen aus der Komödie "Kramer Kray", eine alte Aufzeichnung des Ohnsorg-Theaters, wurden in der Marienkirche gezeigt.

  • In seinem Geburtsort ist eine Hauptstraße nach ihm benannt, vor seinem Geburtshaus steht ein Gedenkstein.
  • Der Hermann-Boßdorf-Weg in Kiel-Pries ist nach ihm benannt.<ref>Hans-G. Hilscher, Dietrich Bleihöfer: {{#if: Hermann-Boßdorf-Weg | Hermann-Boßdorf-Weg. In:|}} Kieler Straßenlexikon. Fortgeführt seit 2005 durch das Amt für Bauordnung, Vermessung und Geoinformation der Landeshauptstadt Kiel, Stand: Januar 2021 ({{#if: 359 | kiel.de | Suchbegriff hier eingeben: kiel.de}}).</ref>
  • Die Boßdorfstraße in Bremen-Neustadt im Ortsteil Huckelriede ist nach ihm benannt.
  • 1922 erfolgte die Benennung der Boßdorfstraße in Hamburg-Eimsbüttel.
  • Im Hamburg-Haus Eimsbüttel gibt es den Hermann-Boßdorf-Saal.
  • Im ehemaligen Haupttelegraphenamt (heute Universitätsgebäude, Gorch-Fock-Wall 7) findet sich eine Gedenktafel.

Werke

  • Willy Krogmann: Hermann Boßdorf. Gesammelte Werke. 11 Bände, Hamburg 1952–1957
  • Eekboom, plattdeutsche Ballade, 1911
  • De Fährkrog, niederdeutsches Mysterium, 1919
  • Bahnmeester Dod, niederdeutsche Tragödie, 1919
  • Ole Klocken, niederdeutsche Balladen, 1919
  • Eichen im Sturm, hochdeutsche Balladen, 1919
  • De verhexte Karnickelbuck, lustige niederdeutsche Geschichten, 1919
  • Der Postinspektor, hochdeutsche Humoresken, 1920
  • Der Schädel vom Grasbrook, kuriose unheimliche Geschichten, 1920
  • Kramer Kray, niederdeutsches Lustspiel, 1920
  • Simson und die Philister, eine biblische Tragödie
  • Dat Schattenspel. Plattdütsche Komeedie in een Akt
  • De rode Ünnerrock, niederdeutsches Lustspiel, 1921
  • Rode Ucht un anner Geschichten, übersinnliche Geschichten, 1921
  • Letzte Ernte (Lieder, Balladen, Prosa), postum erschienen, 1922

Fragmente:

  • Bernd Beseke, Tragödie, 1923
  • Schane Hagenah, Schauspiel, 1925
  • Störtebeker, Tragödie, 1928

Verfilmung

Hörspiele

Literatur

  • Carl Budich: Boßdorf als Lyriker und Balladendichter. Dissertation, Universität Hamburg 1927
  • Heinrich Detjen: Hermann Boßdorf als Dramatiker. Pröpper, Hamburg 1936
  • Albrecht Janssen: Hermann Boßdorf. Der Mensch, das Werk, der Dichter (= Niederdeutsche Bücherei. 111). Hermes, Hamburg 1927
  • Willy Krogmann: Die Jugendgeliebte. Ein unbeachtetes Motiv im Schaffen Hermann Boßdorfs (= Niederdeutsche Bücherei. 207). Hermes, Hamburg 1948
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  • Ulf-Thomas Lesle: Stationen des Kampfes. In: Das niederdeutsche Theater. Von 'völkischer Not' zum Literaturtrost. Hamburg 1986, S. 104–116.
  • Friedrich W. Michelsen (Hrsg.): Hermann Boßdorf. 1877–1921. Arbeitsgemeinschaft Niederdt. Tage in Hamburg e. V., Hamburg 1977.
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  • Johann Tietjen: Der dichterische Gebrauch der neuniederdeutschen Sprache im Drama anhand der plattdeutschen Dramen von Stavenhagen und Boßdorf. Dissertation, Universität Hamburg 1949.

Weblinks

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Einzelnachweise

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