Zum Inhalt springen

Herbert Böhme (Superintendent)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Vorlage:Hinweisbaustein

Datei:Gedenktafel Domplatz (Meißen) Herbert Böhme (Superintendent).jpg
Gedenktafel im Dom in Meißen

Herbert Böhme (* 2. März 1879 in Oederan; † 7. Juni 1971 in Dresden) war von 1933 bis 1950 Superintendent der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche im Kirchenbezirk Meißen.

Bevor Herbert Böhme am 22. Januar 1933 zum Superintendenten berufen wurde, wirkte er als Pfarrer in Löbau sowie an der Zionskirche und in der Kreuzkirche in Dresden.<ref>Markus Hein: Die sächsische Landeskirche nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges (1945–1948). Neubildung der Kirchenleitung und Selbstreinigung der Pfarrschaft (= Herbergen der Christenheit Sonderband. Nr. 6). Evang. Verl.-Anst, Leipzig 2002, ISBN 978-3-374-01918-2.</ref>

Bekannt wurde Herbert Böhme, als sich der damals 66-Jährige am 27. April 1945 gegen die Stadtoberen auflehnte und versuchte, in der zwischenzeitlich zur Festung erklärten Stadt Meißen, den SS-Festungskommandanten Voß und den damaligen Bürgermeister Walther Kaule davon abzubringen, die Stadt bis auf das Letzte zu verteidigen, und somit unter anderem den Dom und die Burg zu verschonen. Daraufhin wurde er auf Veranlassung von NSDAP-Kreisleiter Helmut Böhme verhaftet und zum Tode verurteilt. Da sich die beiden Meißner Juristen – Amtsgerichtsrat Burckhardt und Landgerichtsrat Leonhardt – trotz Drohungen weigerten, am Standgericht teilzunehmen, wurde Herbert Böhme am 1. Mai 1945 in das Untersuchungsgefängnis am Münchner Platz in Dresden gebracht.<ref name="stsg">Gerald Hacke: Kalenderblatt: Entlassung der letzten Häftlinge aus der Untersuchungshaftanstalt am Münchner Platz in Dresden am 7. Mai 1945. In: stsg.de. Gedenkstätte Münchner Platz Dresden, Stiftung Sächsische Gedenkstätten, 7. Mai 2020, abgerufen am 24. Februar 2026.</ref> Nachdem er zur Urteilsvollstreckung in das Landgericht Dresden überstellt worden war, hatte Generalstaatsanwalt Heinz Jung angeordnet, die etwa 300 in der Haftanstalt am Münchner Platz einsitzenden Gefangenen freizulassen.<ref name="stsg" /><ref>Annette Dubbers: Die Südvorstadt. Aus der Geschichte eines Dresdner Stadtteils. Eigenverlag Annette Dubbers in Kooperation mit dem Michel Sandstein Verlag, 2004, ISBN 3-937199-32-2, S. 49.</ref> Herbert Böhme schreibt in seinen Erinnerungen: „Umso mehr empfand ich die Rettung wie ein Wunder. Am Sonntag, 6. Mai, hörten wir schon in Dresden Kanonendonner. Montag, 7. Mai, entstand Unruhe im Gefängnis, unsere Sachen wurden hereingeworfen, dann durften wir auf die Gänge, wo schon die Aufseher Zivilkleider trugen. Das ganze Landgericht rüstete sich zur Flucht. Am Nachmittag erhielt ich meinen Entlassungsschein und stand dann – es war wie im Traum – vor dem Landgericht in Freiheit.“<ref name="stsg" />

Nach dem Ende seiner Tätigkeit als Superintendent 1950 wirkte er zum Teil noch in der Dresdner Dreikönigskirche und als Domherr in Meißen.

1952 porträtierte Rudolf Nehmer den „Retter von Meißen“ für den Meißner Dom<ref>Infotafel neben dem Portrait von Herbert Böhme</ref>. Das Bild hing mit einer Widmungstafel Jahrzehnte im hinteren Teil des Domes, im Dommuseum. Im Dezember 2024 wurde festgestellt, dass Porträt und Widmungstafel sich nicht mehr an ihrem Platz befinden. Gründe für die Entfernung von Bild und Widmungstafel sind nicht bekannt.

Ebenfalls für die Rettung Meißens vor der totalen Zerstörung sein Leben riskiert hat der Sozialdemokrat Willy Anker. Er rief am 6. Mai 1945 die Meißner Bürger öffentlich auf, dem Evakuierungsbefehl nicht zu folgen und keinen Widerstand beim Einmarsch der Roten Armee zu leisten. Die ihm angedrohte Hinrichtung fand nicht mehr statt, weil die Ereignisse sich überstürzten.<ref>Willy Anker - Widerstand unter der Naziherrschaft in Meissen. Abgerufen am 24. Februar 2026.</ref> 1975 ehrte die Stadt Meißen Willy Anker durch eine Gedenktafel am Rathaus und die Benennung einer Straße und einer Schule. Der Kirchenmann Herbert Böhme wurde nicht erwähnt oder geehrt. Erst 1987 wurde eine Straße in Meißen nach Herbert Böhme benannt. Diese Straßenbenennung existiert noch. Alle Ehrungen, bzw. Erinnerungen an Willy Anker wurden nach 1990 beseitigt. Auch in anderen Städten und Ortschaften Sachsen wurde nach 1990 die Erinnerung an Kommunisten und Sozialdemokraten beseitigt, die Widerstand in der NS-Zeit geleistet haben. Seit 2011 erinnert eine kleine Tafel im Bürgersteig vor dem Rathaus an die Ereignisse zum Kriegsende. „Für die Bewahrung ihrer Stadt erhoben hier im April/Mai 1945 Meissner Bürger ihre Stimme. Dank ihres Mutes überstand Meissen den Krieg nahezu unzerstört.“

Namen werden nicht genannt.

Weblinks

Commons: Herbert Böhme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein