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Herbergsrecht

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Das Herbergsrecht oder Ablager war die Berechtigung auf Beherbergung, Verpflegung und Beförderung während einer Reise. Es stand geistlichen und weltlichen Herrschern oder ihren Amtsträgern inklusive des jeweiligen Gefolges zu. Das Privileg entwickelte sich im Europa des Mittelalters und stellte nicht selten eine drückende Last dar.<ref name="BayerWende1995_228–229">Erich Bayer, Frank Wende: Wörterbuch zur Geschichte. 5. Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-520-28905-9, Herbergsrecht, S. 228–229.</ref><ref name="EndersAlt_319–322">Lieselott Enders: Die Altmark. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8305-1504-3, III. Die Lebensverhältnisse der Dorfbewohner. 2. Die Bauern und Kossäten. d) Die öffentlichen Lasten. Ablager, S. 319–322.</ref>

Außerhalb Deutschlands, so in Frankreich, Spanien und den nordischen Reichen, wurde das Herbergsrecht oft in eine Steuer umgewandelt. Dem deutschen König oblag es ab dem 12. Jahrhundert nur noch in Reichsstädten, -kirchen und -vogteien.<ref name="BayerWende1995_228–229" />

In den Reichsterritorien fiel den Landesherren das Herbergsrecht zu.<ref name="BayerWende1995_228–229" /> Besonders an den Hauptverkehrsstraßen wurden viele Hintersassen dazu verpflichtet.<ref name="HRG_Herberge">Kai Detlev Sievers: Herberge. In: Albrecht Cordes, Heiner Lück, Dieter Werkmüller (Hrsg.), Christa Bertelsmeier-Kierst (philologische Beratung): Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte (HRG). Band II. Geistliche Gerichtsbarkeit – Konfiskation. 2., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-503-07912-4, Herberge, Sp. 951–953.</ref> Für die Mark Brandenburg arbeitete Lieselott Enders heraus: Das anfangs landesherrliche Ablager ging mittels Belehnung und widerrechtlicher Aneignung zunehmend an andere Grundherren über. In der Frühneuzeit war es faktisch privatisiert, diente rein persönlichen Zwecken und unterlag der Willkür des Besitzers des Privilegs.<ref name="EndersAlt_319–322" /> Prinzipiell verpflichtete die Gerechtsame Alle, der Adel konnte sich aber weitgehend von ihr befreien.<ref name="BayerWende1995_228–229" />

Innerhalb der römisch-katholischen Kirche genossen höhere Kleriker die freie Beherbergung durch niedere Geistliche. Zu dessen Entlastung verbot Papst Lucius III. 1184 den Kirchenpatronen, -advokaten und -vögten die Ausübung des Herbergsrechts. Ausgenommen blieben Herrscher, die Lehen an die Kirche vergeben hatten. Der Westfälische Friede bestätigte dieses Vorrecht.<ref name="HRG_Herberge" />

Siehe auch

  • Gastungspflicht als Gegenstück<ref>Erich Bayer, Frank Wende: Wörterbuch zur Geschichte. 5. Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-520-28905-9, Gastung, S. 177.</ref>
  • Hospitium als Oberbegriff

Literatur

  • Erich Bayer, Frank Wende: Wörterbuch zur Geschichte. Begriffe und Fachausdrücke (= Kröners Taschenausgabe. Band 289). 5., neugestaltete und erweiterte Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-520-28905-9.
  • Lieselott Enders: Die Altmark. Geschichte einer kurmärkischen Landschaft in der Frühneuzeit (Ende des 15. bis Anfang des 19. Jahrhunderts) (= Klaus Neitmann [Hrsg.]: Veröffentlichungen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs. Band 56). Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8305-1504-3.

Einzelnachweise

<references />