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Henri Meschonnic

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Henri Meschonnic (2003)

Henri Meschonnic (* 18. September 1932 in Paris; † 8. April 2009 in Villejuif) war ein französischer Sprachtheoretiker, Dichter und Übersetzer. Bis 1997 lehrte er als Professor für Sprach- und Literaturwissenschaft an der Universität Paris VIII. Zu seinen Hauptwerken zählen Le signe et le poème (1975), Critique du rythme (1982), Le langage Heidegger (1990) und Poétique du traduire (1999).

Leben

Henri Meschonnic wurde in Paris geboren, wohin seine Eltern, die aus Chișinău (heute Moldawien) stammten, in den 1920er-Jahren emigriert waren. Die jüdische Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen, der Vater Izya Meschonnic verkaufte Kleidung auf einem Pariser Flohmarkt, die Mutter Tania, geb. Schwartzman, arbeitete als Näherin. Meschonnics Eltern sprachen miteinander Russisch oder Jiddisch, mit dem Sohn jedoch Französisch. Nachdem er die Lehramtsprüfung (frz. Agrégation) im Fach Klassische Sprachen abgelegt hatte, wurde Meschonnic zum Militärdienst eingezogen und 1960 im Algerienkrieg eingesetzt, eine prägende Erfahrung, die er in seinen Poèmes d’Algérie (1962) verarbeitete. In die Algerienzeit fällt auch die autodidaktische Aneignung der hebräischen Sprache. 1963 stellte der Linguist und Grammatiker Jean-Claude Chevalier Meschonnic als seinen Assistenten ein, was den Beginn seiner Universitätskarriere markierte: Meschonnic arbeitete zunächst an der Universität Lille, dann im Centre universitaire de Vincennes, später an der Universität Paris VIII. Im Umkreis von Chevalier, einem überzeugten Anhänger des Strukturalismus, lernte Meschonnic die wesentlichen Schriften von Claude Lévi-Strauss, Roman Ossipowitsch Jakobson, Louis Hjelmslev kennen, zu denen er jedoch bald Distanz entwickelte. Parallel zur Arbeit in den von Chevalier geleiteten Projekten arbeitete er ersten Übersetzungen aus dem Tanach, der hebräischen Bibel. In den frühen 1970er-Jahren trat Meschonnic nahezu gleichzeitig als Sprach- und Literaturtheoretiker (Pour la poétique I, 1970) Bibelübersetzer (Les Cinq Rouleaux, 1970) und Dichter (Dédicaces proverbes, 1972) an die Öffentlichkeit. Danach erschienen in rascher Folge weitere Werke: Pour la poétique II: Épistémologie de l’écriture. Poétique de la Traduction ; Pour la poétique III: Une parole écriture ; Pour la poétique IV. Écrire Hugo. Paris: Gallimard 1977; Pour la poétique V. Poésie sans réponse. Paris: Gallimard 1978. 1975 erschien als erste Summa seines Sprachdenkens der große Essay Le signe et le poème, in dem er sich u. a. mit Martin Heidegger und Jacques Derrida kritisch auseinandersetzt und Saussure gegen dessen strukturalistische Vereinnahmung verteidigt. Auch seine Theorie des Heiligen, die die Dichotomie von Heiligkeit und Profanität das Heilige aus der Logik des Zeichens herleitet, entfaltet Meschonnic bereits in diesem Buch. 1976 heiratete Meschonnic die Bildhauerin Régine Blaig, die er 1972 kennengelernt hatte. Mit ihr teilte er ein großes Interesse an bildender Kunst, insbesondere an nicht-figurativer Malerei und an Masken aus dem afrikanischen und ozeanischen Raum.

Während die ersten Werke Meschonnics bei Gallimard erschienen, publizierte er seit den 1980er-Jahren die meisten seiner Schriften bei dem südfranzösischen Verlag Verdier. Dort erschien 1982 mit Critique du rythme. Anthropologie historique du langage eine weitere umfangreiche Grundlegung seiner Sprachtheorie. Durch den Untertitel zeigt er einerseits an, dass er bewusst an Humboldts Sprachanthropologie anknüpft, andererseits, dass er sich von Lévi-Strauss’ strukturaler (also gerade nicht historischer) Anthropologie distanziert.

1990 veröffentlichte Meschonnic unter dem Titel Le langage Heidegger das erste von zwei Büchern, in denen er seine Kritik an der Rhetorik Heideggers (der „Heideggersprache“, die zu praktizieren er auch den Nachfolgern Heideggers vorwirft) und am Essentialismus des Heidegger’schen Denkens entfaltet.

1993 folgt mit Modernité Modernité eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Konzept der modernité, ein Begriff der sich im Französischen einerseits als Epochenbegriff („die Moderne“), andererseits als ein auf das jeweils Neue und Aktuelle referierendes Substantiv („die Modernität“). Meschonnic setzt gegen die Überbietungslogik des Moderne-Diskurses, auf den er durch den Titel des Buches anspielt (jede Moderne ist im nächsten Augenblick schon wieder passé und wird durch eine neue Moderne ersetzt) seine Auffassung von modernité als poetische Funktionsweise der Sprache, die Transformation des Ich-Jetzt-Hier durch die Begegnung mit einem Kunstwerk.

2001 erregte sein Buch Célébration de la poésie in Frankreich erhebliches Aufsehen, weil Meschonnics darin geäußerte Kritik an der zeitgenössischen französischen Literatur als unangemessen hart empfunden wurde. Das Buch enthält im Anhang auch sein Manifeste pour un parti du rythme, in dem er seine Kritik am Zeichendenken und an dessen sozialen, kulturellen und politischen Auswirkungen, sarkastisch an die Tradition der Avantgarde-Manifeste anknüpfend, auf den Punkt bringt.

Meschonnic lebte zuletzt in der östlich von Paris gelegenen Gemeinde Chelles im Département Seine-et-Marne. Er starb am 8. April 2009 im Krankenhaus von Villejuif an einer Leukämieerkrankung.

Sprachtheorie und Poetik

Abkehr vom Strukturalismus

1970 erschien der erste Band der fünfteiligen Reihe „Pour la poétique“. Er ist der Analyse der strukturalistischen Literaturtheorie gewidmet, die zum Zeitpunkt der Publikation die akademischen Diskurse bestimmte: „Die Aufgabe besteht heute darin, den im Dualismus gefangenen Strukturalismus zu überwinden, denn er kann nichts mit dem Leben im literarischen Text anfangen.“<ref>Meschonnic, Pour la poétique I, S. 169: „Le problème est aujourd’hui de dépasser le structuralisme enfermé dans la pensée dualiste, et qui ne sait pas s’arranger du vivre qui est dans l‘écriture“.</ref> Nach Meschonnic trennt der Strukturalismus das, wodurch sich die Poetik konstituiert: die Wechselwirkung zwischen Literatur und Leben, Sprache und Subjekt, Theorie der Literatur und Praxis des Schreibens. Die Untrennbarkeit von Theorie und Praxis ist grundlegend für Meschonnics eigene Arbeitsweise: Theorie der Sprache und Praxis der Kritik, Theorie des Übersetzens und Praxis der Bibelübersetzung, Theorie der Literatur und Praxis des Dichtens.<ref>Meschonnic, Pour la poétique I, S. 7.</ref> Diese Wechselwirkungen sind auch die Voraussetzung dafür, dass die Poetik zur Kritik der Theorie werden kann.<ref>Meschonnic, Critique du rythme, S. 13.</ref> Im ersten Band von „Pour la poétique“ zielt diese Kritik unter anderem auf Roman Jakobsons Konzept der „poetischen Funktion“, das nach Meschonnic auf eine Rhetorisierung der poetischen Sprache hinauslaufe und das Gedicht im Formalismus syntagmatischer und grammatikalischer Figuren zum Verschwinden bringe.<ref>Meschonnic, Pour la poétique I, S. 29.</ref> Ausgelöscht werden dabei die in den rhythmischen, prosodischen und metaphorischen Transformationen wirksame Subjektivierungen der Sprache und die jeweiligen semantischen Wert-Systeme der Texte.<ref>Meschonnic, Pour la poétique I, S. 32 ff. u. 175.</ref> „Pour la poétique II“ (1973) erweitert diese Kritik durch Analysen zu Louis Althusser, Julia Kristeva, Roland Barthes, Michail Bachtin und anderen. Vieles von dem, was Meschonnic in späteren Arbeiten immer wieder aufgreift, wird hier entwickelt, insbesondere die Kritik an der Semiotisierung der Sprache in der Linguistik und im Poststrukturalismus. Von Meschonnics Interesse für die Subjektivierung der Sprache in der Dichtung zeugt auch der im gleichen Jahr erscheinende dritte Band der Reihe mit Analysen u. a. zu Gérard de Nerval, Paul Éluard, Guillaume Apollinaire und mit einer 60-seitigen Lektüre von Charles Baudelaire Gedicht „Chant d’automne“.<ref>Meschonnic, Pour la poétique III, S. 278 ff.</ref> In den beiden Bänden des vierten Teils der Reihe, „Écrire Hugo“ (1977, Bd. I und II), wird diese Fragestellung auf das Werk Victor Hugos vor den Jahren seines Exils erweitert. Meschonnic zeigt am Beispiel von Hugo, wie der Dichter die Sprache einer Epoche verwandelt und daraus ein subjektives Wert-System schafft, das zur poetischen und politischen Stellungnahme wird: „Hugo, das ist ein kämpferisches Schreiben. Die Wirksamkeit seiner Sprache liegt in der spezifischen Wechselwirkung zwischen Poetik und Politik, nicht allein in dem, was gesagt wird, sondern im Akt des Sagens selbst.“<ref>„Hugo est une écriture combattante. L’activité de son langage est spécifiquement l’interaction de la poétique et de la politique, pas dans ce qui est dit seulement mais dans le dire lui-même.“ Meschonnic, Pour la poétique IV. Écrire Hugo, S. 7.</ref> Im fünften und letzten Band der Reihe („Poésie sans réponse“, 1978) werden diese Perspektiven vertieft, in der Auseinandersetzung u. a. mit Ludwig Wittgenstein, Maurice Blanchot, der generativen Grammatik und der Rolle der Sprachtheorie im Marxismus und der Psychologie.

Der andere Saussure

Meschonnic wendet sich gegen die strukturalistische Vereinnahmung von Ferdinand de Saussure (1857–1913), die von gravierenden Irrtümern geprägt sei.<ref>Meschonnic, Le signe et le poème, S. 208–221. Auf diese Missverständnisse weist auch Ludwig Jäger hin. Ludwig Jäger: Ferdinand de Saussure. Zur Einführung. Hamburg: Junius 2010.</ref> Die Missverständnisse der Saussure-Rezeption betreffen insbesondere vier Konzepte, die für Saussures Denken zentral sind: das des Wertes, des Systems, der Funktionsweise und der Arbitrarität.<ref>Meschonnic, Critique du rythme, S. 29.</ref> So löse der Begriff des Wertes (valeur) bei Saussure das dualistische Verständnis des Sinns (als Gegenstück zu einer Form) ab: Nach herkömmlicher Auffassung sind Wort und Bedeutung durch Konvention miteinander verknüpft. Die Sprache erscheint als Code, auf dessen Konstitution das sprechende Subjekt keinen Einfluss hat und dem es sich daher unterwerfen muss. Der Begriff des Wertes geht dagegen vom Gesichtspunkt der Geschichtlichkeit aus und damit von der unaufhörlichen Veränderung der Sprache im Sprechen.<ref>Meschonnic, Critique du rythme, ebd.</ref> Durch den Begriff des Systems (système) überwindet Saussure die alte Vorstellung einer mentalen Liste, in der Wort und Bedeutung verknüpft werden. Da jede Einzelsprache ein je eigenes System aufeinander bezogener Werte darstelle, meine „System“ bei Saussure gerade nicht „Struktur“. Das strukturalistische Postulat universeller Sprachstrukturen verfehle die unaufhebbare Geschichtlichkeit der Sprache, die sich in jedem Moment und in jedem Sprechakt manifestiere: Die Umwertung der Werte findet in der Rede statt.<ref>„Enfin, c’est la parole qui fait évoluer la langue.“ Ferdinand de Saussure: Cours de linguistique générale. Édition critique préparé par Tullio de Mauro. Paris : Payot 1972, S. 37.</ref> Das dritte Missverständnis rührt von der Ausblendung des Begriffs der Funktionsweise (fonctionnement) her, der bei Saussure den Blick auf das lenkt, was in der Sprache überall beobachtbar ist, während die Sprachphilosophie jahrhundertelang versucht hat, die Sprache aus einem spekulativ konstruierten Ursprung zu erklären. Darin liegt auch das vierte Missverständnis, das Saussures Postulat der radikalen Arbitrarität des Zeichens betrifft. Mit ihm überwindet Saussure die konventionalistische Fiktion eines ursprünglichen Vertrages, bei dem die Wörter mit den Bedeutungen verknüpft wurden. Einen solchen Vertrag hat es nach Saussure nie gegeben, da die Menschen bereits über die Sprache hätten verfügen müssen, um ihn zu schließen.<ref>„Den Moment, in dem man sich über die Zeichen einigt, gibt es real nicht, bloß als Vorstellung. Und wenn es ihn gäbe, wäre er zu vernachlässigen gegenüber der Seite des regelmäßigen Lebens der Sprache („langue“). Die Frage des Ursprungs der Sprachen („langues“) hat nicht die Wichtigkeit, die man ihr gibt. Diese Frage existiert überhaupt nicht.“ Ferdinand de Saussure: Linguistik und Semiologie. Notizen aus dem Nachlaß. Texte, Briefe und Dokumente. Gesammelt, übersetzt und eingeleitet von Johannes Fehr. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1997, S. 148. Vgl. Meschonnic 1975, S. 219.</ref> Meschonnic betont, dass „arbiträr“ bei Saussure „geschichtlich“ bedeute und dass dieser deshalb ausdrücklich vom „radikal“ arbiträren Zeichen gesprochen habe: Die sprachlichen Werte innerhalb einer Einzelsprache sind radikal arbiträr, weil sie radikal geschichtlich sind. Meschonnic geht es – wie auch Saussure – darum, dass nichts in der Sprache durch den Bezug auf eine metaphysische Realität oder eine ontologische Substanz erklärt werden kann. Das gilt auch und gerade für die Dichtung selbst. In Critique du rythme schreibt Meschonnic: „Das Gedicht steht nicht im Widerspruch zur radikalen Arbitrarität, zur radikalen Geschichtlichkeit des Zeichens. Es sei denn man verwechselt Arbitrarität und Konventionalismus, um der falschen Alternative zwischen Konvention oder Natur zu verfallen. Ausnahmslos gilt die empirische Feststellung, dass jede Sakralisierung-Naturalisierung des Ursprungs der Dichtung eine Sakralisierung-Naturalisierung des Ursprungs der Sprache bedeutet.“<ref>„Le poème ne s’oppose pas au radicalement arbitraire, au radicalement historique du signe. Sauf si on confond l’arbitraire avec la convention, pour revenir au faux duel entre la convention et la nature. Alors on mêle le poème à la motivation linguistique, à la métaphysique de l’origine et de la nature dans le langage. Il n’est pas d’exception à cette remarque empirique, que toute sacralisation-naturalisation de l’origine de la poésie est une sacralisation-naturalisation de l’origine du langage.“ Meschonnic, Critique du rythme, S. 40.</ref> Die Logik des Zeichens impliziert eine Metaphysik des Ursprungs, weil es die Sprache aus dem erklärt, was sie nicht ist und ihr vorausgeht. In dieser Logik spielt das Gedicht die Rolle einer Hintertür zur ursprünglichen Natur und zum Heiligen jenseits des Sagbaren. Gegen diese Strategie der Naturalisierung und Enthistorisierung des Gedichts und der Sprache wendet sich Meschonnic, wenn er an Saussure anknüpft.<ref>„Ich aber vertrete in Anlehnung an Saussure die Auffassung, dass das Zeichen lediglich eine Vorstellung von Sprache ist, eine Vorstellung, die ihre Verortung und ihre Begrenztheit nicht offenlegt. Schlimmer noch: eine Vorstellung, die ihren bloßen Vorstellungscharakter verschleiert.“ Meschonnic, Ethik und Politik des Übersetzens, S. 60.</ref> Saussure, der den Begriff der „Sprachtheorie“ („théorie du langage“) in die Sprachwissenschaft eingeführt hat<ref>Vgl. Ferdinand de Saussure: Cours de linguistique générale. Édition critique préparé par Tullio de Mauro. Paris : Payot 1972, S. 38.</ref>, wird für Meschonnic so zum Ausgangspunkt für eine historische Anthropologie der Sprache.<ref>„L’anthropologie historique du langage“ lautet der Untertitel von Meschonnics 1982 erschienenem Hauptwerk Critique du rythme.</ref>

Benveniste weiterdenken

Vom zweiten Band der Reihe „Pour la poétique“ an („Épistémologie de l’écriture. Poétique de la traduction“, 1973) nimmt Émile Benveniste einen gewichtigen Platz in Meschonnics Sprachdenken ein. Im ersten Absatz des Kapitels „Sémiotique et poétique partant de Benveniste“ schreibt er: „Durch seine Gegenposition zum Positivismus eröffnet Benveniste eine Wissenschaft der Sprache als menschlicher Erfahrung. Diese Ausrichtung bleibt bestimmend, von seiner Theorie der Pronomen und verbalen Tempusformen an bis zum Konzept der Rede (discours), das den Saussure’schen Gegensatz zwischen Einzelsprache (langue) und Sprechen (parole) in der intersubjektiven Verständigung auflöst, bis hin zur Unterscheidung zwischen zwei Sprachwissenschaften, einer semiotischen und einer semantischen […]“<ref>„Par sa tension contre le positivisme, Benveniste ouvre une scientificité du langage-«expérience humaine». C’est sa direction continue, depuis sa théorie des pronoms et des temps verbaux jusqu’au concept de discours qui résout l’opposition saussurienne entre langue et parole dans la communication intersubjective, jusqu’à la distinction des deux linguistiques, celle du sémiotique et celle du sémantique […].“ Meschonnic, Pour la poétique II, S. 173.</ref> Benveniste denkt die Sprache sowohl von der Funktionsweise der langue, also von Saussure her, als auch vom Akt der Äußerung (l’énonciation) und der Rede (discours) als Sprachhandlung eines Subjekts. Dadurch wird er zum Begründer einer Linguistik der Rede, die Saussures Sprachtheorie gleichzeitig fortführe und über sie hinausgehe.<ref>Vgl. Meschonnic, Critique du rythme, S. 45.</ref> Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen der semiotischen und der semantischen Dimension der Sprache. Das Semiotische definiert die Beschreibungsebene der Einzelsprache (langue), während das Semantische im Äußerungsakt (énonciation) und in der konkreten Rede (discours) hervorgebracht wird.<ref>Émile Benveniste: «Le langage et l’éxpérience humaine» [1969]. In: É. Benveniste: Problèmes de linguistique générale II. Paris Gallimard 1974, S. 65.</ref> Sinn gibt es nur in der Rede, nicht in der Sprache als solcher, denn Sinn ist immer der Sinn der Rede eines Subjekts. Und so wie das Subjekt den Sinn im Äußerungsakt formt, wird es selbst durch diesen als Subjekt konstituiert: „Der Mensch konstituiert sich durch die Sprache und in ihr als Subjekt, denn allein die Sprache («langage») begründet in Wirklichkeit, in ihrer Wirklichkeit, nämlich derjenigen des Seins, den Begriff des ,ego‘.“<ref>„C’est dans et par le langage que l’homme se constitue comme sujet; parce que le langage seul fonde en réalité, dans sa réalité qui est celle de l’être, le concept d’»ego«.“ Émile Benveniste: «De la subjectivité dans le langage» [1958]. In: É. Benveniste: Problèmes de linguistique générale I. Paris Gallimard 1966, S. 259.</ref> Wenn Benveniste postuliert, dass die Sprache das Bewusstsein begründet, meint er nicht das Repertoire der langue, sondern die geäußerte Rede, den discours. Diese Unterscheidung, die verwandt ist mit der zwischen der Sprache als Ergon und als Energeia bei Wilhelm von Humboldt, ist grundlegend für Meschonnics Sprachdenken, das die Sprache von der Tätigkeit der Subjekte in ihrer Geschichtlichkeit her denkt.<ref>„Die Sprache, in ihrem wirklichen Wesen aufgefasst, ist etwas beständig und in jedem Augenblicke Vorübergehendes. Selbst ihre Erhaltung durch die Schrift ist immer nur eine unvollständige, mumienartige Aufbewahrung, die es doch erst wieder bedarf, dass man dabei den lebendigen Vortrag zu versinnlichen sucht. Sie selbst ist kein Werk (Ergon), sondern eine Tätigkeit (Energeia). Ihre wahre Definition kann daher nur eine genetische seyn. Sie ist nemlich die sich ewig wiederholende Arbeit des Geistes, den articulirten Laut zum Ausdruck des Gedankens fähig zu machen. Unmittelbar und streng genommen, ist dies die Definition des jedesmaligen Sprechens.“ Wilhelm von Humboldt: Ueber die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluss auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts [1830–1835]. In: Wilhelm von Humboldt – Werke in fünf Bänden, Band 3: Schriften zur Sprachphilosophie. Herausgegeben von Andreas Flitner und Klaus Giel. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2010, S. 368–756, hier S. 418.</ref>

Die Kritik des Zeichens

Meschonnic wendet sich gegen die landläufige Auffassung, dass die Sprache lediglich aus Zeichen bestehe und dass das Zeichen daher das adäquate Modell für ihre Beschreibung liefere. Die Stärke der Zeichentheorie liegt nach Meschonnic in ihrer kulturellen Dominanz, die das verdeckt, was sie ausblendet: das Gedicht und das Subjekt in der Sprache.<ref>„Cette théorie passe pour une description objective, admise comme une vérité scientifique qui ne saurait être autrement, décrivant un état de fait. J’ai tenté de montrer […], que ce n’était là qu’une description culturelle, qui ne s’impose pas en soi, et qui produit au contraire, par son rejet du poème et du sujet, de quoi la rejeter elle-même.“ Meschonnic, Dans le bois de la langue, S. 131.</ref> Das Zeichenmodell bietet ein denkbar einfaches Prinzip für die Funktionsweise der Sprache, das schon in der mittelalterlichen Scholastik auf eine griffige Formel gebracht wurde: aliquid stat pro aliquo – etwas steht für etwas Anderes. So definiert sich das Zeichen durch das, was in ihm abwesend ist: die Bedeutung, für die es steht und die durch eine Form repräsentiert wird, die als solche austauschbar ist (etwa wenn ein Wort von einer Sprache in eine andere übersetzt wird). Die dem Zeichen inhärente Logik der Abwesenheit impliziert eine ontologische Spaltung zwischen Sprache und Leben: Das Wort verweist auf etwas, von dem es eben dadurch getrennt bleiben muss.<ref>„Cette double absence, de la chose et du signifiant, se renforce dans et par l’opposition du langage à la vie.“ Meschonnic, Dans le bois de la langue, S. 132.</ref> Zu dieser zeichentheoretisch bedingten Entfremdung zwischen Sprache und Leben trägt auch die Tatsache bei, dass das Zeichen nur das Allgemeine bezeichnen und daher nicht dem Besonderen, Individuellen, aus dem das Leben besteht, gerecht werden kann. Die Logik des Zeichens führt daher nach Meschonnic zu einer Metaphysik des Ursprungs, bei der die Wirklichkeit der immer ersehnte, aber unerreichbare Ausgangspunkt der Sprache bleibt, zu dem sie niemals zurückkehren kann. Aus diesem Grund ist die Zeichentheorie für Meschonnic keine Theorie der Sprache, sondern eine Theorie gegen sie: „Darauf läuft, jedenfalls zum Teil, der falsche Prozess der Zeichentheorie gegen die Sprache hinaus: Paradoxerweise führt sie ihn gegen die Sprache, – um sie zu verdammen, ihre Unzulänglichkeit zu denunzieren, das Trügerische, das Unsagbare in ihr etc.“<ref>„À quoi, en partie, tient le faux procès au langage que constitue cette thèorie du signe : paradoxalement, elle est faite contre le langage, – pour le condamner, dénoncer son insuffisance, sa tromperie, l’incommunicable, etc. “ Meschonnic, Dans le bois de la langue, S. 132.</ref> Mit dem Leben und der Wirklichkeit schließt die Zeichentheorie auch das Subjekt und das Gedicht aus der Sprache aus, denn sie kann die Sprache nur als Repertoire auffassen, als langue, nicht als discours im Sinne von Benveniste, also als Tätigkeit von Subjekten, die sich im Sprechen als solche konstituieren. In der Zeichentheorie kann die Sprache deshalb nur ein Instrument zur Kommunikation sein: „die Zeichen dienen zu etwas, sie dienen dazu zu kommunizieren. Was das Subjekt zu einem Effekt der Sprache macht, einer Kreatur, die aus den instrumentellen Beziehungen der Zeichen untereinander resultiert.“<ref>„Et le signes servent. Ils servent à communiquer. D’où le sujet ne peut être que l’effet du langage, la créature des rapports instrumentaux des signes entre eux.“ Meschonnic, Dans le bois de la langue, S. 133.</ref> Im Instrumentalismus des Zeichens liegt das, was Meschonnic „die Politik des Zeichens“ nennt: „Die Politik des Zeichens kann nur der Instrumentalismus sein. Denn sie geht nicht vom Subjekt als Äußerungsakt aus. Und sie zielt nicht darauf ab, es als solches zu konstituieren. Von ihm bleibt nichts als eine grammatische Struktur. Der Strukturalismus hat sie in methodischer Hinsicht zur Vollendung gebracht.“<ref>„La politique du signe ne peut être que l’instrumentalisme. Car elle ne part pas du sujet comme énonciation, discours. Elle ne vise pas non plus à le constituer comme tel. Il n’est qu’une structure grammaticale. Le structuralisme a été son accomplissement technologique.“ Meschonnic, Dans le bois de la langue, S. 133.</ref> Die Politik des Zeichens, die sich bis zu Platons idealem Staat, den er seiner Politeia entwirft, zurückverfolgen lässt, tritt überall dort zutage, wo die Sprache auf diesen Instrumentalismus reduziert wird, etwa in der Gleichsetzung zwischen Sprache und Ideologie bei Marx oder wie in Sartres Reduktion der Literatur auf die Verweigerung, die Sprache zu „benutzen“.<ref>Meschonnic, Le signe et le poème, S. 161 ff. u. 248 ff.</ref> Ausgegangen wird dabei immer von einem Dominanzverhältnis der Struktur über das Subjekt: „Die Transzendenz der Struktur gegenüber dem Subjekt scheint die grundlegende Gemeinsamkeit zu sein, die Sprache und Macht hier miteinander teilen.“<ref>„La transcendance de la structure par rapport au sujet semble le trait fondamental que partagent ici le langage et le pouvoir. “ Meschonnic, Dans le bois de la langue, S. 134.</ref> Trotz ihrer wissenschaftlichen, kulturellen und politischen Wirkmächtigkeit bleibt die Zeichentheorie nach Meschonnic empirisch schwach, denn sie kennt nur das Diskontinuum zwischen Sinn und Form, Subjekt und Sprache, Sprache und Leben, nicht aber die vielfältigen Aspekte des sprachlichen Kontinuums: „Es ist höchste Zeit, das zu denken, was das Zeichen nicht denkt und zu denken verhindert, und was dennoch überall und jederzeit existiert und seine Grenzen überschreitet: das Kontinuum in der Sprache, das radikal Geschichtliche in der Sprache, das sich in der Interaktion aller Sinne des Körpers mit der Sprache ereignet, der Sprache mit dem Körper, der Einzelsprache mit der Literatur und umgekehrt, der Einzelsprache mit der Kultur und der Kultur mit der Einzelsprache. Etwas, das meines Wissens Humboldt als erster gedacht hat. Und das, mehr noch als er es zu denken vermochte, im Rhythmus begründet ist.“<ref>„Il y a nécessité de penser ce que le signe ne pense pas et empêche de penser, et que pourtant, de partout, de toujours, existe et le déborde, le continu dans le langage, le radicalement historique dans le langage, qui est l’interaction dans tous les sens du corps sur le langage, du langage sur le corps; de la langue sur la littérature, de la littérature sur la langue; de la langue sur la culture, de la culture sur la langue. Ce que, à ma connaissance, Humboldt a été le premier à penser. Et que plus fortement qu’il ne pouvait le penser, tient dans le rythme.“ Meschonnic, Politique du rythme, politique du sujet, S. 125 f.</ref> Der Rhythmus – als Sprechbewegung in der Rede und als Modus der Subjektivierung der Sprache im Sprechen – entgeht der Logik des Zeichens, die deshalb durch jedes Gedicht widerlegt wird: „Denn die Stärke des Zeichens macht seine Schwäche aus. Das Diskontinuum scheitert am Kontinuum. Das Zeichen zerbricht an zahlreichen Stellen. Es scheitert am Gedicht. Und das Gedicht beginnt mit dem kleinsten Stück Gedicht und hört nicht auf, weil es sich auf die ganze, praktisch unendliche Masse erstreckt, die die Literatur und die heiligen Texte, die Märchen, Legenden und Sprichwörter umfasst.“<ref>„Parce que la force même du signe fait sa fragilité. Le discontinu échoue à penser le continu. Le signe casse en de nombreux endroits. Il échoue devant le poème. Et le poème commence au plus petit bout de poème et ne finit pas, parce qu’il s’étend à toute la masse, pratiquement infinie, qui englobe la littérature et les textes sacrés, les contes, les légendes, les proverbes.“ Meschonnic, Politique du rythme, politique du sujet, S. 126.</ref> So wird Gedicht für Meschonnic zur besonders anschaulichen Widerlegung des semiotischen Form-Inhalt-Dualismus. Die Funktionsweise des Rhythmus im Gedicht, aber auch in der Alltagssprache, im Gesprochenen ebenso wie im Geschriebenen, in der Literatur und in Sachtexten aller Art wird für Meschonnic zum archimedischen Punkt, um die Herrschaft des Zeichens aus den Angeln zu heben.<ref>„[…] je prends le rythme comme le levier théorique qui peut déplacer toute la théorie du langage. “ Meschonnic, Éthique et politique du traduire, S. 98.</ref>

Rhythmus und Oralität

Der Begriff des Rhythmus bildet Meschonnics Antwort auf die negative Anthropologie des Zeichens. Wenn das Zeichen für das Diskontinuum in der Sprache steht (vgl. seine Kritik des Zeichens), dann verwirklicht sich im Rhythmus das Prinzip des sprachlichen Kontinuums. Durch den Rhythmus wird die Rede zu einer Konfiguration des Subjekts; der Rhythmus macht die Körperlichkeit des Sprechens hörbar, die Stimmlichkeit eines Ichs, seine Emotionen und Affekte, seine Situativität und seine Geschichtlichkeit.<ref>„En revenant à la notion héraclitéene de rythme […] j’ai tenté de montrer, dans Critique du rythme, pour la première fois depuis Platon, que le rythme dans le langage peut apparaître comme l’organisation du mouvement dans la parole, l’organisation d’un discours par un sujet et d’un sujet par son discours. […] Si le rythme redevient, ou plutôt est reconnu (empiriquement, il n’a jamais cessé de lêtre) l’organisation du continu dans le langage, le binaire du signe n’a plus aucune pertinence ans les limites du discours. […] Le discours s’accomplit dans une sémantique rythmique et prosodique. Une physique du langage.“ Meschonnic, Poétique du traduire, S. 116 f.</ref> Jedes Sprechens impliziert damit eine Subjektivierung der Sprache durch den Rhythmus des sprechenden Subjekts. Rhythmus und Subjekt sind in Meschonnics Sprachdenken ebenso untrennbar aufeinander bezogen, wie Körperlichkeit und Rhythmus, Performativität und Rhythmus oder Sinnaktivität und Rhythmus. Der Rhythmus formt den Sinn, weil die rhythmische Gestaltung einer Rede seine Sinnhaftigkeit prägen, er ist performativ, weil er nur im Vollzug des Sprechens, des Zuhörens oder Lesens erfahren werden kann und er ist körperlich, weil das Gestische, Stimmhafte des Sprechens sich in den Rhythmus einschreiben.<ref>„Ce que j’entends par rythme ne s’oppose plus au sens, c’est l’organisation continue du langage par un sujet, telle qu’elle transforme les règles du jeu par la partie qu’il joue et qu‘il est seul à jouer. Par là seulement il y a passage du sujet, quand un langage tout entier est je. La voix y rétablit la corporalité, la gestualité dans le mode de signifier. Le discours n’y est plus un choix dans la langue, ou des opérateurs logiques, mais l’activité d’un homme réellement en train de parler.“ Meschonnic, La rime et la vie, S. 111.</ref> Die mächtigste empirische Evidenz für Postulat des Rhythmus als Modus des Kontinuums in der Sprache stellt für Meschonnic die Dichtung dar, wobei er unter dem Begriff des „Gedichts“ jedes poetische Werk versteht, das in der Sprache eine neue Form des Sprechens, Fühlens, Denkens eines Subjekts erfindet.<ref>„Als Gedicht bezeichne ich die Verwandlung einer Lebensform durch eine Sprachform und die Verwandlung einer Sprachform durch eine Lebensform […] [Diese] Definition geht weit über die gängige Definition des Gedichts hinaus, die sich in einer rein formalen Begriffsbestimmung erschöpft: das Gedicht als formales Gebilde. Sie umfasst auch, was ich als Dichtung im weitesten Sinne bezeichnen würde. “ Meschonnic, Ethik und Politik des Übersetzens, S. 32 f.</ref> Wenn Meschonnic vom Rhythmus spricht, im Gedicht, in der Alltagssprache, im Gesprochenen oder im Geschriebenen, meint er kein metrisches Muster, kein Versmaß und auch keine mehr oder weniger regelmäßige Abfolge von betonten und unbetonten Silben. Metrische Formen können zwar – etwa in einem Gedicht – Teil der rhythmischen Gestaltung eines Textes sein, aber der Rhythmus im Sinne Meschonnics ist kein Metrum und keine Form. Die Grundlage für Meschonnics Definition des Rhythmus als „Sprechbewegung im Text“ bildet zum einen seine Entdeckung der Funktionsweise der te’amim für den Rhythmus des Textes beim Übersetzen der Bibel und zum anderen Benvenistes Aufsatz zur vorsokratischen Bedeutung des Wortes „Rhythmus“ aus dem Jahr 1951 („La notion de «rythme» dans son expression linguistique“). Darin weist Benveniste darauf hin, dass der Begriff „ῥυθμός – rhuthmós“ bei den Vorsokratikern anders verwendet wurde als in der späteren, Rhythmus und Metrum gleichsetzenden platonischen Tradition, nämlich in der Bedeutung von „improvisierter, vorübergehender und veränderbaren Form“ und in Bezug auf eine „je eigene Art des Fließens“, was die etymologische Verwandtschaft zu dem Verb. „rhein“ (fließen) erklärt.<ref>Émile Benveniste: «La notion de rythme dans son expression linguistique» [1951]. In: É. Benveniste: Problèmes de linguistique générale I. Paris Gallimard 1966, S. 333.</ref> Meschonnic knüpft an dieses vorsokratische Verständnis des Begriffs „Rhythmus“ an, wenn er den Rhythmus als Sprechbewegung im Text begreift, in der eine je eigene Subjektivität sprachlich gestaltet wird und die sich nicht auf ein metrisches Schema zurückführen lässt. Die Bibelübersetzung wird für Meschonnic die entscheidende Erfahrung in Bezug auf die Funktionsweise des Rhythmus in der Sprache. Dabei gelangt er zu einer Neubestimmung des Begriffs der Mündlichkeit (oralité), die er als Teil einer begrifflichen Trias auffasst, die außerdem die Begriffe l’écrit (das Geschriebene) und le parlé (das Gesprochene) umfasst. Meschonnic setzt das Mündliche nicht mit dem Gesprochenen gleich, sondern versteht Oralität als Eigenschaft, die sowohl die geschriebene als auch die gesprochene Rede (discours) prägen kann: „Geht man vom Rhythmus […] aus, lässt sich das Gesprochene (le parlé) vom Mündlichen (l’oral) unterscheiden. Es gibt dann nicht mehr das binäre Modell des Zeichens des Mündlichen und des Schriftlichen, das von der Modalität der Stimme und der Verschriftlichung ausgeht. Sondern eine Trias, das Gesprochene, das Geschriebene und das Mündliche. Das Mündliche entsteht aus dem Primat des Rhythmus der der Prosodie im Äußerungsakt. Es schafft eine eigene Semantik – Apollinaire sprach von ,persönlichen Prosodien‘ und Gerard Manley Hopkins vom ,record of speech in writing‘“.<ref>„À partir du rythme […] on peut distinguer le parlé et l’oral. Il n’y a donc plus le modèle binaire du signe, l’oral et l’écrit, sur le patron de la voix et de la mise par écrit. Mais un modèle tripe, le parlé, l’écrit et l’oral. L’oral est compris comme un primat de rythme et de la prosodie dans l’énonciation. Il compose une sèmantique particulière – Apollinaire parlait de «prosodies personnelles», et Gerad Manley Hopkins du «record of speech in wirting».“ Meschonnic, Poétique du traduire, S. 117.</ref> Rhythmisch ausgestaltete Texte, also vor allem literarische Werke, sind demnach immer oral, vollkommen unabhängig davon, ob sie Mündlichkeit simulieren oder nicht: Rabelais ebenso wie Racine, Proust ebenso wie Kafka. Hochgradig rhythmisierte Texte nennt Meschonnic daher poèmes (Gedichte), ungeachtet ihrer Gattungszugehörigkeit. Ein Gedicht von Baudelaire kann ebenso ein poème sein wie eine Tragödie von Shakespeare: Beide sind oral im Sinne der maximalen Subjektivierung von Sprache im Rhythmus. Auch theoretische Texte können diese Eigenschaft aufweisen, wie Meschonnic u. a. an Spinoza (Spinoza – Poème de la pensée) verdeutlicht hat. Meschonnic lässt durch seine Oralitätsbegriff die alte Gegenüberstellung von Körper und Geist ebenso hinter sich (siehe auch Abschnitt 2.6.1 zum anthropologischen Paradigma des Zeichens) wie die in der abendländischen Tradition verfestigte Opposition zwischen lebendiger Stimme und erstarrter Schrift. Ein rhythmisierter, also oraler Text ist nicht erstarrt, er bleibt „aktiv“ und erneuert sich in jeder Lektüre, sofern diese Lektüre écoute ist, also ein Hören auf die Sprechbewegung im Text.

Die sechs Paradigmen des Zeichendenkens

Immer wieder hat Meschonnic analysiert, inwiefern das Zeichen nicht nur als Modell für die Sprache dient, sondern ein Schema bereitstellt, das in vielen Domänen des Denkens wirksam ist, die weit über das Feld der Sprachtheorie hinausgehen. Es sind vor allem sechs Paradigmen, in denen die Logik des Zeichens eine vorherrschende Rolle spielt:<ref>Vgl. Meschonnic, Politique du rythme, politique du sujet, S. 114 ff.</ref>

  1. Das sprachliche Paradigma verwirklicht die klassische Definition des Zeichens. Das Zeichen wird verstanden als eine Zusammensetzung von Laut und Bedeutung („son et sens“), Signifikant und Signifikat. Derivate dieser Zweiteilung sind die Unterscheidung zwischen eigentlicher und uneigentlicher Bedeutung, die Gegenüberstellung von Poesie und Prosa mit ihrer Gleichsetzung von Poesie und Form bzw. Poesie und Emotion gegenüber der Prosa als nicht-formalisierte, rationale Sprache sowie die metrische Formalisierung des Rhythmus auf Kosten seiner semantischen Funktionsweise. Die Logik des Zeichens impliziert dabei jeweils die Abwertung der Formseite gegenüber der Inhaltsseite.
  2. Das anthropologische Paradigma stellt die Seele dem Körper und das Leben dem Tod gegenüber. Dieser Dualismus findet sich wieder in dem Gegensatz zwischen dem lebendigen Geist und der toten Schrift („Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig“, 2. Kor. 3, Vers 6), der Opposition zwischen lebendiger Stimme und toter Schrift und der daraus folgenden Gleichsetzung zwischen Mündlichkeit („oralité“) und gesprochener Sprache („le parlé“). In der Anthropologie begründet es die Stereotype des Gegensatzes zwischen dem Wilden und dem Zivilisierten, zwischen Okzident und Orient oder dem Männlichen und dem Weiblichen.<ref>Vgl. Meschonnic, Politique du rythme, politique du sujet, S. 116 f.</ref>
  3. Das philosophische Paradigma bringt die Wörter in einen Gegensatz zu den Dingen. Dabei wird die scholastische Definition des Zeichens („aliquid stat pro aliquo“) fortgeführt, ungeachtet der Tatsache, dass in der Linguistik seit langem bekannt ist, dass Referent und Bedeutung nicht dasselbe sind. Nach Meschonnic „entleert“ das philosophische Paradigma die Sprache in dreifacher Hinsicht: erstens weil es sie auf die Funktion der Benennung und damit auf das einzelne, isolierte Wort reduziert, zweitens weil es sie als Stellvertreter der Dinge begreift, die dadurch den unmittelbaren Zugang zur Realität verhindere, und drittens, weil das philosophische Paradigma am Konventionalismus festhält, also an der Idee eines ursprünglichen Vertrages zur Festlegung der Wortbedeutungen, und so die unaufhörliche Sinnbildung in der Sprachtätigkeit ausblende.<ref>Vgl. Meschonnic, Politique du rythme, politique du sujet, S. 118 ff.</ref>
  4. Das theologische Paradigma ist nach Meschonnic auf einen besonderen Fall beschränkt: auf die Beziehung zwischen dem „Alten“ und dem „Neuen Testament“ in der christlichen Theologie der Präfiguration. Das Alte Testament spielt dabei die Rolle der Form, die auf den eigentlichen Inhalt, die christliche Verheißung im Neuen Testament hinweist. Zu dieser dualistischen Konstellation gehört der ideologische Gegensatz zwischen der Religion der Hasses (bei Hegel) und der Religion der Liebe sowie das neutestamentliche Motiv des Verus Israel, durch das das Christentum die Nachfolge des Judentums für sich beansprucht. Das theologische Paradigma ist nach Meschonnic der entscheidende Motor nicht nur für den christlichen Antijudaismus, sondern auch für seine Fortführung im modernen Antisemitismus durch das Prinzip der Affirmation der Identität durch die Eliminierung der Alterität.<ref>Vgl. Meschonnic, Politique du rythme, politique du sujet, S. 120 ff.</ref>
  5. Das soziale Paradigma modelliert das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft nach der Logik des Zeichens. Dabei nimmt Individuum den Platz des Signifikanten ein, dessen Signifikat die Gesellschaft bildet. Dort, wo das Individuum sich behauptet, tritt es in einen unversöhnlichen Gegensatz zum Sozialen, die Erfüllung seiner sozialen Funktionen, führt dagegen zu seinem Verschwinden, wie im Marxismus, wo die Klasse an die Stelle des Subjekts tritt, oder bei Roland Barthes, der allein dem Schriftsteller den Subjektstatus zubilligt, weil er den „Faschismus“ der Sprache unterläuft.<ref>Die betreffende Passage findet sich in Barthes’ Antrittsvorlesung im Collège de France von 1977: „Mais la langue, comme performance de tout langage, n’est ni réactionnaire ni progressiste ; elle est tout simplement : fasciste ; car le fascisme, ce n’est pas d’empêcher de dire, c’est d’obliger à dire.“ Roland Barthes: Œuvres Complètes, Tome V, Textes établis par Éric Marty, Paris : Le Seuil 2002, S. 432.</ref> Charakteristisch für dieses Paradigma ist nach Meschonnic die systematische Gleichsetzung von Individualismus, Subjektivismus und Subjekt, etwa, wenn die Überwindung des Subjektbegriffs als Überwindung des Individualismus und des Subjektivismus propagiert wird.<ref>Vgl. Meschonnic, Politique du rythme, politique du sujet, S. 121 ff.</ref>
  6. Das politische Paradigma begründet die Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit. Dabei übernimmt die Mehrheit die Position des Signifikats, also der Ganzheit des Zeichens, da sie in der Logik des Contrat social von Jean-Jacques Rousseau die Gesamtheit des Volkswillens darstellt. Für die Minderheit bleibt die Seite des Signifikanten, der formalen Zugehörigkeit und der Unterordnung unter die Mehrheit. Meschonnic spricht in diesem Zusammenhang von einer „Aporie der Demokratie“. Die Folgen lassen sich etwa in der Sprachpolitik beobachten, wenn gefordert wird, dass Minderheiten ihre Sprache zugunsten der Mehrheitssprache aufgeben sollen, so wie Marx meinte, dass die Kroaten doch lieber Deutsch sprechen sollten.<ref>Vgl. Meschonnic, Politique du rythme, politique du sujet, S. 123 ff.</ref>

Gegen Derridas Dekonstruktion der Sprache

Mit dem 1975 erschienenen Band „Le signe et le poème“ legt Meschonnic eine Geschichte der Zeichentheorie im abendländischen Denken vor, die zugleich seine Antwort auf Jacques Derridas 1967 erschienene „Grammatologie“ darstellt. Auch wenn es auf den ersten Blick so scheint, als würden beide das Projekt einer Kritik der Metaphysik des Zeichens verfolgen,<ref>Derrida stellt auf den ersten Seiten seines Buches „die Dekonstruktion des Begriffs des »Zeichens« und seiner ganzen Logik“ (S. 18) in Aussicht und weist auf dessen metaphysische Implikationen hin: „Die Differenz zwischen Signifikat und Signifikant gehört zutiefst in die Totalität jener großen, von der Geschichte der Metaphysik eingenommenen Epoche; ausdrücklicher und systematischer artikuliert sie sich in der begrenzteren Epoche des christlichen Schöpfungs- und Unendlichkeitsglaubens, der sich die Mittel der griechischen Begrifflichkeit zunutze macht. Die Zusammengehörigkeit ist wesentlich und unauflösbar: man kann die Bequemlichkeit und die »wissenschaftliche Wahrheit« des stoischen und später des mittelalterlichen Gegensatzes zwischen signans und signatum nicht weiter beanspruchen, ohne daß man auch all seine metaphysisch-theologischen Wurzeln mit übernimmt.“ Jacques Derrida: Grammatologie, Frankfurt: Suhrkamp, S. 27; vgl. Meschonnic, Le signe et le poème, S. 405.</ref> geht es Meschonnic darum nachzuweisen, wie Derridas Dekonstruktivismus diese fortführt, indem er eine diskursive Strategie der „Ungreifbarkeit“ ins Werk setzt, die sich an der phänomenologischen Unverortbarkeit des Subjekts und der Sprache orientiert.<ref>Meschonnic, Le signe et le poème, S. 402 u. S. 446.</ref> Das „Ungreifbare“ (l’insaissisable) ist für Meschonnic das beherrschende Motiv des dekonstruktivistischen Diskurses, der das, was er sagt, durch die Art, wie dies geschieht, jeder begrifflichen Festlegung entzieht. Dieses Prinzip motiviert Wortschöpfungen wie die der différance, die den Begriff der „Unterscheidung“ (différence) aufruft und in der Schwebe lässt. An die Stelle der begrifflichen Unterscheidung tritt bei Derrida ein performatives Oszillieren zwischen den Begriffen, die jede Argumentation in einen unendlichen Aufschub verwandelt, den Derrida als Destabilisierung des Zeichens begreift, während sich für Meschonnic die Figuren der Unsagbarkeit direkt aus der Metaphysik des Zeichens herleiten. Derridas performative Rhetorik realisiere demnach das Postulat einer negativen Semantik (semantique négative), die, wie sein Konzept der „Spur“, die Benennung und die Auslöschung des Benannten gleichzeitig suggeriert.<ref>Meschonnic, Le signe et le poème, S. 411.</ref> Meschonnic bezeichnet Derridas Theorie der Schrift als Spur als „Gegen-Metaphysik“, weil sie die metaphysischen Dualismen nicht auflöst, sondern lediglich mit umgekehrten Vorzeichen versieht: die Schrift wird gegen die Stimme, die Abwesenheit gegen die Präsenz, die Spur gegen den Ursprung privilegiert.<ref>„C’est faire de la théorie de l’écriture une contre-métaphysique. Celle de l’absence contre celle de la présence.“ Meschonnic, Le signe et le poème, S. 420.</ref> Von der Sprache bleibe bei Derrida deshalb nur etwas Übersprachlich-Ungreifbares übrig, eine abstrakte Bewegung ohne Sinn und Subjekt, und jenseits der Möglichkeit eines Gedichts, das Derrida auf ein bloßes „Philosophem“ reduziere, auf ein rein „hermeneutisches Ereignis“.<ref>Vgl. Jacques Derrida : Schiboboleth, pour Paul Celan. Paris: Glilée 1986, S. 88. Kritisch dazu: Meschonnic Dans le bois de la langue, S. 644 u. Meschonnic, Politique du rythme, politique du sujet, S. 31.</ref> Für Meschonnic steht Derridas Meta-Theorie der Sprache in der Tradition Heideggers, dessen sprachrealistische Typographie er ebenso übernimmt wie die phänomenologische Transzendierung des Subjekts in der Sprache und seine essentialistische Parabegrifflichkeit („Dekonstruktion“ greift den Begriff der „Destruktion“ bei Heidegger auf).<ref>Meschonnic, Le signe et le poème, S. 480 u. Meschonnic, Politique du rythme, politique du sujet, S. 253, 370, 375 u. 464.</ref> Im Fazit seines Buches von 1975 hält Meschonnic fest: „Im selben Augenblick, in dem diese Theorie und Praxis des Schreibens als radikal neu entworfen und begrüßt wird, uneinholbar durch die Tradition […], getragen von einer Bewegung, in der sie eine an Nietzsche gemahnende ,Vitalität‘ zu entfalten scheint, übt sie sich im ewiggestrigen Substanzialismus des Heiligen.“<ref>„Au moment précis où cette théorie et cette pratique de l’écriture est faite et reçue comme radicalement novatrice, irrécupérable par la tradition […], dans le mouvement où elle semble exercer une vitalité nietzschéenne, elle pratique le plus vieux substantialisme du sacré.“ Meschonnic, Le signe et le poème, S. 492.</ref> In späteren Arbeiten geht Meschonnics nur noch vereinzelt auf Derrida ein.

Heidegger und die Essenzialisierung der Sprache

Die sich durch Meschonnics Werk ziehende Überzeugung, dass alles, was über Sprache und Sprachlichkeit ausgesagt wird, weitreichende politische und ethische Konsequenzen hat, erklärt den Stellenwert, den bei ihm die Auseinandersetzung mit Martin Heidegger einnimmt. Heidegger ist für Meschonnic nicht ein Philosoph unter anderen, sondern das paradigmatische Beispiel eines essenzialistischen Sprachdenkens, das seine politischen Implikationen durch Strategien der rhetorischen Faszination zugleich offenlegt und verschleiert. So habe man Heidegger zwar sein Bekenntnis zum Nationalsozialismus vorgeworfen, aber seine Philosophie – Meschonnic schreibt über ihn vor der Publikation der „Schwarzen Hefte“ – dann doch als im Grunde unpolitische Angelegenheit behandelt. Heideggers philosophischer Essenzialismus, so Meschonnics These, beginnt lange vor 1933 in der Art und Weise, wie er die Sprache denkt und wie er selbst mit ihr umgeht. Seiner Philosophie hat Meschonnic zwei Bücher gewidmet, die 1990 erschienene Analyse „Le langage Heidegger“ und den 2007, kurz vor seinem Tod erschienenen Band „Heidegger ou le national-essentialisme“. Jenseits der Alternative zwischen Werk oder Autor, politischer oder philosophischer Auseinandersetzung, geschichtlicher Kontextualisierung oder werkimmanenter Interpretation, fragt Meschonnic danach, was Heidegger in seiner Sprache, der „Heideggersprache“, macht und was, diese mit dem Denken, dem Subjekt, der Ethik und der Politik macht: „Die Sprache ist verräterisch. Zeigen Sie mir, was sie mit der Sprache machen, was Sie mit einem Gedicht machen, und ich werde Ihnen sagen, wer sie sind.“<ref>„Le langage est le révélateur. Montrez-moi ce que vous faites du langage, ce que vous faites d’un poème, et je vous dirai qui vous êtes.“ Meschonnic, La rime et la vie, S. 20.</ref> Ein solches Projekt verlangt einen Standpunkt, von dem aus die Sprache in ihren kulturell-politischen Wechselwirkungen beobachtbar wird. Meschonnic findet ihn in der Poetik:<ref>„C’est le travail de la poétique, au sens où elle est le point de vue d’où le langage, l’éthique et l’histoire sont inséparables, et où la poème, la littérature, l’art inventent et confirment cette inséparation.“ Meschonnic, Le langage Heidegger S. 20.</ref> „Von diesem Gesichtspunkt aus analysiere ich die Heidegger-Sprache, um zu zeigen, dass […] durch die Sprachanalyse und nur auf diese Weise, und insbesondere durch die Analyse der Stellung des Gedichts und der Kunst die wechselseitige Implikation zwischen Sprache, Poetik und Politik bei Heidegger erkennbar und identifizierbar wird“.<ref>„De ce point de vue j’entreprends d’analyser le langage Heidegger pour montrer que […] c’est en passant par l’analyse du langage, et par là seulement, et particulièrement par l’analyse du statut du poème et de l’art, qu’on peut reconnaitre, et identifier, l’implication réciproque du langage, du poétique et du politique chez Heidegger.“ Meschonnic, Le langage Heidegger, S. 22.</ref> Eine berühmte Passage aus Unterwegs zur Sprache, in der Heidegger über ein Gedicht von Trakl unter anderem schreibt: „… Die Sprache ist in ihrem Wesen weder Ausdruck, noch eine Betätigung des Menschen. Die Sprache spricht. Wir suchen jetzt das Sprechen der Sprache im Gedicht“,<ref>Martin Heidegger: Unterwegs zur Sprache. Pfullingen: Neske 1959, S. 19.</ref> kommentiert Meschonnic mit den Worten: „Wenn er ein Gedicht untersucht, dann um die Sprache als Einzelsprache [langue] zu hören. Der angebliche Dialog des Denkens mit dem Gedicht erweist sich als Dialog des Denkens mit sich selbst, um das Sein der Einzelsprache zu beschwören.“<ref>„S’il ausculte le poème, c‘est pour entendre la langue. Le dialogue prétendu de la pensée et du poème, dialogue de la pensée avec elle-même, consiste à évoquer l’être de la langue. “ Meschonnic, Le langage Heidegger, S. 367.</ref> Meschonnic findet in Heideggers Gedichtinterpretationen vor allem Paraphrasen, die dem Gedicht unterstellen, das zu sagen, was der Philosoph denkt. Suggeriert werde auf diese Weise, dass die Essenz des Gedichts die Essenz der Sprache sei, die ihrerseits die Essenz von Heideggers Philosophie enthalte: „Die Essenzialisierung der Sprache, die Essenzialisierung der Dichtung laufen auf etwas hinaus, das nur diejenigen verwundern wird, die vom Heidegger-Effekt geblendet werden, dass nämlich Heidegger nicht weiß, was es heißt, ein Gedicht zu lesen. Heidegger liest nur die Essenz. Die Essenz des Seins spricht von der Essenz der Dichtung im Gedicht.“<ref>„L’essentialisation du langage, l’essentialisation de la poésie ont pour résultat, qui ne peut surprendre que ceux que l’effet Heidegger a enivrés, que Heidegger ne sait pas lire un poème. Heidegger ne lit que l’essence. L’essence de l’être parle de l’essence de la poésie dans un poème.“ Meschonnic, Le langage Heidegger, S. 364.</ref> Heideggers gesamtes Denken orientiere sich am Prinzip der Essenzialisierung, das seine rhetorische Verwirklichung in der immer weiter entfalteten Substantivierung finde.<ref>„L’essentialisation est une substantialisation, et produit une substantivation généralisée. Ce qu’on retrouve, autrement, dans la pensée et pratique du langage comme substance, déjà dans Sein und Zeit et surtout à partir de la poétisation de la pensée chez Heidegger.“ Meschonnic, Le langage Heidegger, S. 176.</ref> Damit positioniere sich Heidegger innerhalb des alten, aus der Scholastik stammenden Universalienstreit zwischen Realismus und Nominalismus. Die Realisten vertraten bekanntlich die Ansicht, dass die Begriffe reale, ewige Entitäten darstellten („universalia sunt realia ante rem“), während die Nominalisten diese für nachträgliche Abstraktionen des Denkens hielten („universalia sunt nomina post rem“). In diesem Sinn bezeichnet Meschonnic Heidegger als Vertreter eines sprachphilosophischen Realismus (= Essenzialismus), während er selbst, auch wenn er beiden Positionen in ihrer Reinform kritisch gegenübersteht, für eine nominalistische Sprachauffassung votiert. Diese Gegenüberstellung steht im Mittelpunkt seines zweiten Buchs von 2007, in dem Heidegger neben anderen Denkern (u. a. Jaspers, Husserl, Arendt, Agamben) eine gewichtige Rolle spielt und dessen Titel („Heidegger ou le national-essentialisme“) Meschonnic folgendermaßen erläutert: „Insbesondere die allgemeine Essenzialisierung des logischen Realismus bei Heidegger wird zu dem, was ich als National-Essenzialismus bezeichnen möchte. Auch wenn es bislang noch nicht so genannt wurde. Damit ist die maximale Verwirklichung des logischen Realismus als unaufhörliche Essenzialisierung des Sprachdenkens gemeint, das auf ein Denken der Einzelsprache reduziert wird […], die Essenzialisierung des Deutschtums, die Essenzialisierung der Rasse. Eine totale Faschisierung des Denkens, das für eine Verabsolutierung des Denkens gehalten wurde, ein Fundamentalismus der Transzendenz und zugleich deren nationalistische Vereinnahmung.“<ref>„En particulier, l’essentialisation généralisée du réalisme logique chez Heidegger devient ce que je propose d’appeler le national-essentialisme. Ce qu’on n’avait jamais dit. C’est la réalisation maximale du réalisme logique comme essentialisation en continu de la pensée du langage ramenée à une pensée de la langue […] l’essentialisation de la germanité, l’essentialisation de la race. Une fascisation absolue de la pensée, qui a été prise comme une absolutisation de la pensée, un intégrisme de la transcendance en même temps que sa nationalisation.“ Meschonnic, Heidegger ou le national-essentialisme, S. 14 f.</ref> Der Kern von Meschonnics Kritik an Heidegger ist die Zurückweisung jedweder Form der Essenzialisierung, sei sie nationalistisch, faschistisch, rassistisch, sexistisch oder antisemitisch: Jeder Essenzialismus zielt auf die Auslöschung des Subjekts in der Sprache, der Philosophie, der Kunst, der Kultur, der Politik und der Gesellschaft.<ref>Meschonnic, Heidegger ou le national-essentialisme, S. 173 f.</ref>

Theorie und Praxis des Übersetzens

Übersetzungen

Meschonnic begann während seines Algerienaufenthalts im Jahr 1960, sich autodidaktisch Hebräischkenntnisse anzueignen, und hat von dieser Zeit an bis zu seinem Tod kontinuierlich die Bücher des Tanach übersetzt. Dabei machte er die Entdeckung, dass die im masoretischen Text notierten Artikulationszeichen, die te’amim, die bei der Kantillation in der Synagoge den mündlichen Vortrag regeln sollen, in den bis dahin vorliegenden Übersetzungen der Bibel ins Französische, aber auch in andere europäische Sprachen, nicht als textkonstituierend erkannt und daher nicht mitübersetzt wurden. Gerade durch diese Akzentuierungs- und Pausenzeichen aber würde der Rhythmus des Textes, seine Sprechbewegung gestaltet. Seine Aufgabe sieht Meschonnic also darin, die Texte von der in sie eingeschriebenen Sprechbewegung, von ihrem Rhythmus her neu zu übersetzen, um so das wieder hörbar zu machen, was einer rein semiotischen Übersetzungsweise entgehen muss: „Ich wollte und mir scheint, dieser Versuch ist nie zuvor unternommen worden – die Akzente und Pausen wiedergeben, deren komplexe Hierarchie den Verlauf des biblischen Verses, seinen Rhythmus und manchmal sogar seine Bedeutung ausmacht. Der Rhythmus ist der tiefe Sinn eines Textes.“<ref>Henri Meschonnic: „Für eine Poetik der Übersetzung“ [= Vorrede zu Les Cinq Rouleaux]. In: Marco Agnetta, Vera Viehöver u. Nathalie Mälzer (Hg.): Sprache, Rhythmus, Übersetzen. Ausgewählte Schriften von Henri Meschonnic. Baden-Baden: Nomos 2025, S. 25–34, hier S. 31.</ref> Das Übersetzen der biblischen Texte, das Schreiben von Gedichten und das Verfassen theoretischer Schriften bilden für Meschonnic von Anfang an einen unauflöslichen Zusammenhang, in dem Sinne, dass keine der drei Werkkompontenten ohne die andere denkbar wäre bzw. überhaupt hätte entstehen können.<ref>„Théorie, lecture, traductions et poèmes se veulent une seule pratique et théorie de l’ecriture, non un art, mais un langage que tende une pratique du continu vers une pensée du continu. “ Henri Meschonnic, Pour la poétique I, unpag. Seite.</ref> Meschonnics ungewöhnliche Neuübersetzungen erregten in der französischen Öffentlichkeit mehr Interesse als seine theoretischen Schriften, was sich u. a. darin niederschlägt, dass die Tageszeitung Le Monde ihm eins ihrer Sonderhefte widmete (Sait-on traduire la Bible?, 5. Februar 2005). Auch Intellektuelle und Künstler wurden auf die ungewöhnlichen Übersetzungen aufmerksam. Eine besondere Beziehung ergab sich zu dem Regisseur Claude Régy, der auf der Grundlage von Meschonnics Texten zwei Inszenierungen schuf (Paroles du Sage 1995, Comme un chant de David, 2005). Meschonnic hat seine Übersetzungen auch selbst öffentlich gelesen und auf Tonträger eingesprochen. Nur vereinzelt hat er nicht-biblische Texte übersetzt. Sein Projekt, sämtliche Gedichte Paul Celans zu übersetzen, scheiterte u. a. daran, dass Gisèle Celan-Lestrange ihre Zustimmung verweigerte. Realisiert hat Meschonnic hingegen Übersetzungen von Gedichten israelischen Dichter David Rokeah, wie dieser auch umgekehrt einige Gedichte Meschonnics ins Hebräische übertrug. Aufschlüsse darüber, wie er Lyrikübersetzungen Dritter bewertet, geben verschiedene Kapitel aus seinen Schriften sowie einzelne Aufsätze, u. a. zu Celan-, Trakl- und Bachmann-Übersetzungen.<ref>Vgl. Dirk Weissmann: Poésie, Judaïsme, Philosophie. Une histoire de la réception de Paul Celan en France, des débuts jusqu’à 1991. Thèse de doctorat. Paris: Université Sorbonne Nouvelle – Paris III 2003, S. 288–293.</ref>

Übersetzungstheorie

Meschonnics Übersetzungstheorie hat sich aus der Praxis der Bibelübersetzung entwickelt, was sich auch darin spiegelt, dass seine erste Veröffentlichung zur Theorie des Übersetzens zugleich das Vorwort zu seiner Übersetzung der Fünf Festrollen (Les Cinq Rouleaux, 1970) bildet. Auch anderen Übersetzungen hat er umfangreiche theoretische bzw. kommentierende Texte beigefügt, z. B. Traduire la Bible, de Jonas à Jona in Jona et le signifiant errant (1981) und La poétique du divin pas le marché du signe in Gloires. Traduction des psaumes (2001). Bereits 1973 erschienen außerdem die „Propositions pour une poétique de la traduction“ (in Pour la poétique II). Als sein übersetzungstheoretisches Hauptwerk muss jedoch das Buch Poétique du traduire (1999) gelten, das die unauflösliche Verflechtung von Theorie und Praxis des Übersetzens hervorhebend, in zwei große Teile geteilt ist: „La pratique, c’est la théorie“ und „La théorie, c’est la pratique“. Es ist bislang noch nicht ins Deutsche übertragen worden. In dem 2007 erschienenen, in deutscher Übersetzung vorliegenden Buch Éthique et politique du traduire nimmt Meschonnic wesentliche Gedanken aus Poétique du traduire auf und fragt nach dem Platz der Übersetzungstheorie innerhalb einer Gesamttheorie der Sprache („théorie d’ensemble du langage“). Meschonnic fordert ein Denken, das Sprachtheorie und Übersetzungstheorie, Poetik und Ethik als Kontinuum begreift, in dem der Praxis des Übersetzens eine Schlüsselrolle zukommt. Für Meschonnic können Ethik und Sprache nur gemeinsam gedacht werden: „Der Bezug auf das Selbst, auf das Denken, der Bezug zum anderen, vollzieht sich immer und immer wieder in der Sprache. Es kann also keine Ethik geben, wenn es keine Ethik der Sprache gibt, wenn die Ethik nicht – in fortwährender Bewegung vom Ich zum Du bis hin zum abwesenden Er – eine Ethik der Sprache ist.“<ref>Henri Meschonnic, Ethik und Politik des Übersetzens, S. 24.</ref> Eine solche Ethik der Sprache impliziert eine Poetik, denn Dichtung, im Sinne von Meschonnic, findet dort statt, wo ein Subjekt seine Beziehung zu sich und zu anderen in der Sprache neu erfindet.<ref>Henri Meschonnic, Ethik und Politik des Übersetzens, S. 32.</ref> Aus dieser reziproken Bestimmung von Poetik und Ethik ergibt sich eine Ethik des Übersetzens, die sich zugleich als Kritik eines semiotischen Übersetzungsbegriffs versteht: Die Aufgabe des Übersetzers bestehe darin, das Wert-System eines Äußerungsaktes, den Rhythmus der Rede, in einer anderen Sprache neu zu erfinden. Die Vorstellung, dass es beim Übersetzen lediglich um den Transfer einer Information von einer Ausgangs- in eine Zielsprache ginge, verhindert dagegen eine Ethik des Übersetzens.<ref>Henri Meschonnic, Ethik und Politik des Übersetzens, S. 13, 91 f. u. 120 ff.</ref> Aus diesem Grund kritisiert Meschonnic auch Walter Benjamins berühmten Aufsatz über die Aufgabe des Übersetzers und seine „Theologie der ,reinen Sprache‘“, da er „im Denken der Einzelsprache bleibt, statt die Übersetzung von Rede zu Rede zu denken“, und auf diese Weise lediglich dazu beitrage, „den babylonischen Mythos fortzuschreiben.“<ref>Henri Meschonnic, Ethik und Politik des Übersetzens, S. 122 f.</ref> Das entscheidende empirische Feld für eine Transformation der Theorie und Praxis des Übersetzens bildet für Meschonnic die Bibelübersetzung, da sie aufgrund der Notation der te’amim, also der trennenden und verbindenden Akzente im masoretischen Original, das Primat des Rhythmus und der Sprechbewegung erfahrbar macht: „Ich übersetze die Bibel neu, um das zu Gehör zu bringen, was alle anderen Übersetzungen – ich sage wohlgemerkt alle – auslöschen. Es bereitet mir eine unsägliche Freude, die Akzente oder te’amim, das heißt die Rhythmen, die Prosodie und die grammatischen Verstöße für französische Ohren vernehmbar zu machen.“<ref>Henri Meschonnic, Ethik und Politik des Übersetzens, S. 155 f.</ref> Aufgrund der einzigartigen Rolle der te’amim in der jüdischen Bibel erweist sich die Bibelübersetzung als empirischer Hebel, um eine Wende in der Sprachtheorie und im Sprachdenken insgesamt einzuleiten. Für diese Wende erfindet Meschonnic das Wort „Taamisierung“ (von ta’am der Einzahl von te’amim) und fordert: „Die Sprache taamisieren bedeutet, sie zu ent-platonisieren. Dies wiederum bedeutet, das Körper-Sprache-Kontinuum hörbar machen, das Kontinuum der seriellen Semantik – einer Sprachvorstellung zum Trotz, die seit 2500 Jahren dem Diskontinuum Platons frönt, […].“<ref>Henri Meschonnic, Ethik und Politik des Übersetzens, S. 181.</ref> Meschonnic ist sich bewusst, dass eine Abkehr von den Dualismen des Zeichens im abendländischen Denken eine Utopie bleibt, aber eine, die er – auch hier in biblischer Tradition – als „Prophezeiung“ begreift, wobei er darauf hinweist, dass beiden Begriffen „der unbeugsame Wille gemeinsam [sei], das Noch-nicht-Gedachte zu denken.“<ref>Henri Meschonnic, Ethik und Politik des Übersetzens, 149.</ref>

Gedichte

Meschonnic begann im Jugendalter Gedichte zu schreiben. In der Radiosendung Affinités électives erzählt er, dass er sich zunächst an den Surrealisten (Apollinaire, Aragon, Desnos, Éluard) orientierte und erst nach den Erfahrungen während des Algerienkrieges eine neue poetische Schreibweise entwickelte. Nachdem bereits einige Gedichte in Zeitschriften erschienen waren, veröffentlichte er 1972 einen ersten Gedichtband, der prompt mit dem Prix Max Jacob ausgezeichnet wurde. 1986 erhielt er für Voyageurs de la voix den noch renommierteren Prix Mallarmé.

Insgesamt veröffentlichte Meschonnic zu Lebzeiten 14 Gedichtbände, zwei weitere erschienen posthum. Hinzu kommen zahlreiche Künstlerbücher, die in Zusammenarbeit mit renommierten Buchkünstlern entstanden (u. a. Catherine Zask, Joël Leick) und Gedichte in Handschrift in Beziehung zu bildhaften Elementen (Grafik, Fotografie) setzen.

Rezeption

Insgesamt hat Meschonnics Werk weder in Frankreich noch im Ausland eine mit anderen Literatur- und Sprachtheoretikern seiner Zeit (Derrida, Foucault, Barthes, Bourdieu u. a.) vergleichbar breite Rezeption erfahren, was u. a. mit seiner spezifischen Schreibweise – Meschonnic schrieb seine Bücher in Form von kritischen Lektüren der Bücher anderer – wie auch mit dem großen Umfang vieler seiner Essays zusammenhängt. Verglichen mit den anderen Büchern hat seine Poétique du traduire (1999) im frankophonen Raum die breiteste Rezeption erfahren und kann heute als ein Klassiker der Übersetzungstheorie gelten, der allerdings meist losgelöst vom Gesamtwerk rezipiert wird. Das späte Werk Éthique und politique du traduire (2007), das einen Überblick über Meschonnics Denken gewährt, wurde in mehrere Sprachen, u. a. ins Deutsche und Englische, übersetzt. Bereits 1997 hat die kanadische Literaturwissenschaftlerin Lucie Bourassa eine ebenso kompakte wie kenntnisreiche Einführung in französischer Sprache vorgelegt. Außerhalb Frankreichs wurde Meschonnic vor allem in Italien (vermittelt durch Marcella Leopizzi, Fabio Scotto u. a.), im englischsprachigen Raum (vermittelt durch Pier Pascale Boulanger, Marko Pajević und David Nowell Smith), in Russland (vermittelt durch Youlia Sioli), in Kanada (vermittelt durch Arnaud Bernadet und Lucie Bourassa), in Brasilien (vermittelt durch Haroldo de Campos), im spanischsprachigen Süd- und Mittelamerika (vermittelt durch Diógenes Céspedes, Hugo Savino, Eduardo Uribe Flores) sowie in Japan (vermittelt durch Shungo Morita) wahrgenommen. Für den deutschsprachigen Raum haben Jürgen Trabant, Hans Lösener, Achim Geisenhanslüke und Marko Pajević erste Vermittlungsdienste geleistet. In jüngster Zeit haben sich darüber hinaus Marco Agnetta, Béatrice Costa, Nathalie Mälzer und Vera Viehöver dafür engagiert, Meschonnics Werk im deutschen Sprachraum zugänglich zu machen. Der Schweizer Schriftsteller und Übersetzer Felix Philipp Ingold hat bereits seit den 1980er-Jahren einzelne Gedichte von Meschonnic ins Deutsche übertragen und 2025 unter dem Titel Das Dunkel arbeitet eine Auswahl von Übersetzungen später Gedichte in Buchform veröffentlicht. Weiterhin sind jedoch große Teile seines Werks nicht in deutscher Sprache verfügbar.

Auszeichnungen

Meschonnic erhielt mehrere Preise, darunter

  • 1972: Prix Max Jacob
  • 1986: Prix Mallarmé
  • 2005: Prix Nathan Katz für sein Lebenswerk
  • 2007: Grand Prix International de Poésie Guillevic-Ville de Saint-Malo

Werke

Theoretische Schriften

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Bibelübersetzungen

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Gedichtbände

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Film

Henri Meschonnic ou la poétique du rythme. Film von Élodie Lélu, Paris: Diwali Productions 2009 [Version mit deutschen Untertiteln, Liège: CIRTI 2024].

Schriften in deutscher Übersetzung

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Ethik und Politik des Übersetzens. Aus dem Französischen von Béatrice Costa. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Hans Lösener und Vera Viehöver. Matthes & Seitz, Berlin 2021, ISBN 978-3-7518-0349-6.
  • Der Sinn für das Unbekannte. Kleine Schriften. Aus dem Französischen und mit einem Vorwort von Vera Viehöver. Matthes & Seitz, Berlin 2025 (= Fröhliche Wissenschaft, Band 257), ISBN 978-3-7518-3051-5.
  • Modernität Modernität. Aus dem Französischen von Siglind Schüle-Ehrenthal. Berlin: Matthes & Seitz 2025. ISBN 978-3-7518-5255-5
  • Das Dunkel arbeitet. Ausgesuchte Gedichte. Übersetzt von Felix Philipp Ingold, Verlag Moloko Print, Schönebeck 2025, ISBN 978-3-910431-87-4.
  • Sprache – Rhythmus – Übersetzen. Ausgewählte Schriften. Herausgegeben von Marco Agnetta, Vera Viehöver und Nathalie Mälzer. Georg Olms, Baden-Baden 2025, ISBN 978-3-487-17203-3.

Literatur

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Weblinks

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Einzelnachweise

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