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Heinrich Stoll (Jurist)

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Datei:Heinrich Stoll Stadtfriedhof Tübingen.jpg
Stadtfriedhof Tübingen

Heinrich Stoll (* 4. August 1891 in Weinheim; † 19. Juni 1937 in Tübingen) war ein deutscher Jurist und Rechtshistoriker.

Vorlage:Hinweisbaustein Er promovierte 1921 in Bonn und habilitierte sich 1923 in Heidelberg. Ab 1927 war er Professor für Bürgerliches Recht und römisches Recht in Tübingen.<ref>Martin Avenarius: Stoll, Heinrich Wilhelm Georg. In: Neue Deutsche Biographie. 25 (2013), S. 413–414. Auf Deutsche-Biographie.de, abgerufen am 4. Dezember 2020.</ref>

Während der Weimarer Republik gehörte Stoll der Deutschen Deutschen Volkspartei (DVP) an.<ref>Vgl. Martin Avenarius: ''Stoll, Heinrich.'' In: ''Neue Deutsche Biographie'' (NDB). Band 25, Duncker & Humblot, Berlin 2013, S. 415 f.</ref> Im Juni 1934 wurde er im Zuge der korporativen Eingliederung seines Regimentsverbandes (Bund ehemaliger Angehöriger des Badischen Fußartillerie-Regiments Nr. 14) sowie des Reichsbundes Deutscher Offiziere Mitglied der SA-Reserve II.<ref>Vgl. Philipp Heck: ''Nachruf auf Heinrich Stoll'', in: Archiv für die civilistische Praxis (AcP), 143. Bd., H. 3 (1937), S. 257</ref> Zudem fungierte er als Gau-Fachberater der Fachgruppe Hochschullehrer des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen (BNSDJ) und engagierte sich für die Akademie für Deutsches Recht, wo er den Ausschuss für Boden- und Fahrnisrecht leitete.<ref>Vgl. Karl F. Kreuzer: ''Stoll, Heinrich.'' In: ''Badische Biographien.'' NF 2, Stuttgart 1987, S. 269–272</ref>

Stoll ist vor allem für seine Arbeiten auf dem Gebiet des Schuldrechts bekannt. In seinem 1936 erschienenen Buch Die Lehre von den Leistungsstörungen prägte er den Begriff der Leistungsstörung, der heute eine der Grundkategorien des Schuldrechts darstellt. Das Buch gab als Denkschrift des Ausschusses für Personen-, Vereins- und Schuldrecht Stolls Überlegungen zu einer Reform des Schuldrechts wieder, die er im Auftrag der Akademie für Deutsches Recht entwickelt hatte.

1937 geriet Stoll in Konflikt mit den Zensurbehörden. Nach der Veröffentlichung seines Lehrbuchs Deutsches Bauernrecht (1935) wurde ihm vorgeworfen, zu stark an zivilrechtlichen Prinzipien wie der Vertragsfreiheit festzuhalten. Dies führte zur Beschlagnahmung von Teilen der Auflage und zu öffentlichen Anfeindungen durch Vertreter der NS-Rechtslehre kurz vor seinem Tod.<ref>Vgl. Martin Avenarius: Stoll, Heinrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 25, Duncker & Humblot, Berlin 2013, S. 415 f.; Karl F. Kreuzer: Stoll, Heinrich. In: Badische Biographien. NF 2, Stuttgart 1987, S. 271.</ref>

Sein Sohn war der Rechtswissenschaftler Hans Stoll.

Werke (Auswahl)

  • Deutsches Bauernrecht, 1935, 2. Auflage 1938 (ergänzt von Fritz Baur, 3. Auflage 1942, 4. Auflage 1943 (= Grundrisse des Deutschen Rechts, Band 1).
  • Vertrag und Unrecht, 2 Halbbände, 1936, 2. Auflage 1941/42, 3. Auflage 1943, 4. Auflage 1944 (= Grundrisse des Deutschen Rechts, Band 2).
  • Die Lehre von den Leistungsstörungen. Denkschrift des Ausschusses für Personen-, Vereins- und Schuldrecht (= Schriften der Akademie für Deutsches Recht), Tübingen 1936.

Literatur

Einzelnachweise

<references />

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