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Heinrich Ferdinand von Österreich-Toskana

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Datei:HeinrichFerdinand-ÖsterreichToskana-Sport&Salon-26-07-1900.png
Porträt Heinrich Ferdinands in Sport & Salon (1900)

Heinrich Ferdinand Salvator von Österreich-Toskana (* 13. Februar 1878 in Salzburg, Österreich-Ungarn;<ref>Pfarre Dompfarre, Taufbuch TFBXIV 1868–1880, S. 378., abgerufen am 10. Jänner 2026.</ref> † 21. Mai 1969 ebenda) aus dem Hause Habsburg-Lothringen (Linie Habsburg-Lothringen-Toskana) war Erzherzog von Österreich, Offizier, Maler und Fotograf. Vielfältig technisch und künstlerisch interessiert und ausgebildet, diente er bis zum Ende des Ersten Weltkriegs als Offizier und zog sich dann als Künstler ins Privatleben nach Salzburg zurück.

Leben

Datei:Alter Markt Salzburg4.jpg
Geburtsort: Toskanatrakt der Salzburger Residenz

Der Erzherzog wurde auf den vollen Namen Heinrich Ferdinand Salvator Maria Joseph Leopold Karl Ludwig Pius Albert Rupert Katharina von Ricci von Österreich-Toscana getauft. Er war der vierte Sohn des vormaligen Großherzogs Ferdinands IV. von Toskana (1835–1908) aus dessen Ehe mit Alix (1849–1935), Tochter des Herzogs Karl III. von Parma. Nach dem Verlust der Herrschaft über das Großherzogtum Toskana, das im italienischen Nationalstaat aufging, hatte sich Ferdinand IV., der letzte nominelle Großherzog, ins Exil nach Österreich begeben.<ref>Zum Zusammenhang Bernd Braun: Das Ende der Regionalmonarchien in Italien. Abdankungen im Zuge des Risorgimento. In: Susan Richter, Dirk Dirbach (Hrsg.): Thronverzicht. Die Abdankung in Monarchien vom Mittelalter bis in die Neuzeit. Böhlau, Köln, Weimar, Wien 2010, S. 251–266, hier S. 254–257.</ref> Franz Joseph I., der eng verwandte österreichische Kaiser, überließ Ferdinand IV. und seiner Familie als Wohnsitz einen Trakt der Salzburger Residenz, der daraufhin Toskanatrakt genannt wurde.<ref>Toskanatrakt bei der Fakultätsbibliothek für Rechtswissenschaften, Universität Salzburg.</ref> Hier wurde Heinrich Ferdinand von Habsburg-Lothringen, Erzherzog von Österreich, als sechstes Kind im Jahr 1878 geboren.

Heinrich Ferdinand erhielt (bis 1891 im Elternhaus) „eine bemerkenswert moderne italienische Erziehung“ in vielen der Anliegen und Sprachen der Habsburgermonarchie, wie seine Enkelin Helvig Jordis von Lohhausen schildert: Er habe „mit unbändiger Neugier, Abenteuerlust und Wissensdurst, sowie einer ausgeprägten künstlerischen und technischen Begabung“ damals aufkommenden Entwicklungen nachgespürt. So habe er sich die Fotografie, Buchbinderei und Botanik autodidaktisch angeeignet, das Autofahren in den Alpen und die Ballonfahrt als Pionier betrieben.<ref name="Lohausen" /> Er entwickelte seine Fotografien selbst und konstruierte Sonnenuhren; er komponierte für die Zither und zeichnete Bücher für seine Kinder; seit 1890 hielt er alle wichtigen Lebensereignisse und ausgedehnte Reisen in Skizzenbüchern fest.<ref name="Schilgen" />

Unterbrochen wurden diese Erkundungen durch den Offiziersdienst; seit 1891 besuchte er die Militär-Oberrealschule in Mährisch Weißkirchen und dann bis 1897 die Theresianische Militärakademie in Wiener Neustadt.<ref name="Zetsche" /> 1897 wurde Heinrich Ferdinand Mitglied des habsburgischen Hausordens vom Goldenen Vlies.<ref>Alois Jahn: Das Haus Habsburg. Band 2: Anhang, die Ordens-Zugehörigkeiten. Teil 1–3, Selbstverlag, Wien 2001, S. 40.</ref> 1903 absolvierte er die Korpsschule in Innsbruck<ref name="Zetsche" /> und wurde daraufhin Oberleutnant im 6. Dragonerregiment.<ref>Laut Peter Broucek (Hrsg.): Ein General im Zwielicht – Erinnerungen des Edmund Glaises von Horstenau. Böhlau, Graz 1980, ISBN 3-205-08740-2, S. 163, Fn. 83 war Heinrich Ferdinand schon ab 1897 Leutnant und ab 1903 Rittmeister dieses Regiments.</ref> Ab 1903 wohnte Heinrich Ferdinand in einem Appartement in der Innsbrucker Hofburg.<ref>Lieselotte Hanzl-Wachter: Hofburg zu Innsbruck: Architektur, Möbel, Raumkunst. Repräsentatives Wohnen in den Kaiserappartements von Maria Theresia bis Kaiser Franz Joseph. Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2004, ISBN 3-205-77202-4, S. 111.</ref> Zwischen 1906 und 1914 ließ er sich aus Gesundheitsgründen<ref name="broucek" /> vom Militärdienst beurlauben und widmete sich in München, Enns und Wien – begleitet von seiner späteren Frau – den weitgespannten anderen Interessen.<ref name="Ausstellung-Bio" /> Er setzte seine künstlerische Ausbildung, die er schon während der Armeezeit begonnen hatte,<ref name="Lohausen">Helvig Jordis von Lohausen: Erzherzog Heinrich Ferdinand von Habsburg-Lothringen. Offizier, Maler und Fotograf (1878–1969) <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />(PDF; 463 kB). (Memento vom 7. April 2013 im Internet Archive) Vortragsankündigung. In: Haus der Fotografie Burghausen. 2. September 2012; abgerufen am 2. Nov. 2012.</ref> fort – im Radieren bei William Unger<ref>Josef Holzapfel: William Unger. In: 1133.at. Januar 2005.</ref> und im Aquarell bei Eduard Zetsche.<ref name="Zetsche">Eduard Zetsche: Zu einer Radierung Erzherzog Heinrich Ferdinands. In: Die Graphischen Künste. Bd. 26, 1903, S. 116.</ref> Zu seinem Kammervorsteher hatte er am 7. Dezember 1907 Alexander Wassilko von Serecki ernannt.

Datei:Denkschrift über die Donau-Main-Wasserstrasse 1903 Blatt 002.JPG
Zur Kanalbaudebatte Eduard Faber: Bestehende und geplante Wasserstraßen in Deutschland (1903)

Im Ersten Weltkrieg diente Heinrich Ferdinand an verschiedenen Kriegsschauplätzen in Galizien und Oberitalien.<ref name="Ausstellung-Bio" /> Sein militärischer Einsatz<ref>Zum operettenhaften Auftreten der Erzherzöge hinter der Front generell Michael Epkenhans: Das Ende eines Zeitalters. Europäische Monarchen und ihre Armeen im Ersten Weltkrieg. In: Winfried Heinemann, Markus Pöhlmann (Hrsg.): Monarchen und ihr Militär. Militärgeschichtliches Forschungsamt, Potsdam 2010, ISBN 978-3-941571-07-5, S. 59–74, hier S. 71.</ref> bot Karl Kraus in Die letzten Tage der Menschheit Anlass zum Spott:

Der Erste: Erzherzog Karl Stephan entfaltet eine rastlose Tätigkeit, Erzherzog Heinrich Ferdinand verrichtet ermüdende Melderitte, Erzherzog Maximilian ist eingerückt … und alle sind unerschrocken.
Der Zweite: Fürwahr ein reicher Lorbeerstrauß.<ref>Karl Kraus: Die letzten Tage der Menschheit. Volk und Welt, Berlin 1971, Kapitel 5, III. Akt, 24. Szene. Online bei Projekt Gutenberg-DE seit dem 25. November 2007.</ref>

In seiner Schrift über Die Wasserstraße Mitteleuropas<ref>Erzherzog Heinrich Ferdinand: Die Wasserstraße Mitteleuropas. 2. Auflage. Deuticke, Wien 1917.</ref> und in einem Zeitungsartikel<ref>Binnenwasserstraße und Massengüterbahn. In: Neue Freie Presse. 20. Juni 1917 (Digitalisat).</ref> positionierte sich Heinrich Ferdinand 1917 politisch: Er setzte sich darin für den Kanalbau zwischen Nordsee und Donau ein und bezeichnete die Donau als „die Binnenwasserstraße der Zukunft“,<ref>Rezension der Schrift, in: Montanistische Rundschau. Band 7, 1917, S. 259.</ref> um auf die fehlende Anbindung an die Weltmeere hinzuweisen, was in die laufende Mitteleuropa-Debatte bis hin zur großdeutschen Vereinigung der beiden deutschsprachigen Kaiserreiche eingriff.<ref>Jiří Janáč: European Coasts of Bohemia. Negotiating the Danube-Oder-Elbe Canal in a Troubled Twentieth Century. Amsterdam University Press, Amsterdam 2012, ISBN 978-90-8964-501-2, S. 43, Fn. 55. Heinrich Ferdinands Schrift wird u. a. erwähnt bei Herbert Gottwald: Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Mitteleuropapolitik der herrschenden Klasse in Deutschland von der Jahrhundertwende bis 1918. In: Jahrbuch für Geschichte. ISSN 0448-1526, Band 15, 1977, S. 145–189, hier S. 163.</ref> Am 16. August 1917 wurde er zum Generalmajor ernannt, am 2. Februar 1918 beurlaubt sowie zum 1. Dezember 1918 außer Dienst gestellt.<ref>Antonio Schmidt-Brentano: Die k. k. bzw. k. u. k. Generalität 1816–1918. Österreichisches Staatsarchiv, 1907, S. 130; etwas andere Angaben bei Theodor von Zeynek: Ein Offizier im Generalstabskorps erinnert sich. Hrsg. von Peter Broucek. Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2009, ISBN 978-3-205-78149-3, S. 198, Fn. 263.</ref><ref name="broucek">Peter Broucek (Hrsg.): Ein General im Zwielicht – Erinnerungen des Edmund Glaises von Horstenau. Böhlau, Graz 1980, ISBN 3-205-08740-2, S. 163, Fn. 83.</ref> Damit endete seine Militärlaufbahn.<ref name="Ausstellung-Bio">Biographie beim Webangebot des Salzburg Museum im Rahmen der Ausstellung Erzherzog Heinrich Ferdinand von Habsburg-Lothringen (1878–1969). Offizier – Fotograf – Maler vom 10. April 2009 bis zum 25. April 2010.</ref>

Datei:Flederbachschlössl-1.jpg
Wohnsitz der Familie ab 1919 im Flederbachschlössl
Datei:Enrico d'Asburgo.jpg
Porträtfoto aus den 1930er Jahren

Er verzichtete 1919 in einer Erklärung, wie in § 2 des Habsburgergesetzes gefordert, auf alle politischen oder finanziellen Ansprüche gegen die Republik Österreich.<ref name="Lohausen" /> Seitdem führte Heinrich Ferdinand, dem „Öffentlichkeitsscheu und persönliche Zurückhaltung“<ref>Informationsseite Vielseitige Talente und Interessen zur Ausstellung Erzherzog Heinrich Ferdinand von Habsburg-Lothringen (1878–1969). Offizier – Fotograf – Maler im Salzburg Museum vom 10. April 2009 bis zum 25. April 2010.</ref> attestiert wird, „ein schlichtes und zurückgezogenes Leben im Kreis seiner Familie“<ref name="Schilgen">Eva von Schilgen: Ein fürstlicher Künstler und Entrepreneur. (PDF; 1,1 MB). In: Society. Heft 3/4, 2009, S. 138–140.</ref> im 1912 erworbenen Flederbachschlössl in Parsch (Salzburg). Dort widmete er sich seinen künstlerischen Interessen: Er förderte den Salzburger Kunstverein, trat in der Landschaftsmalerei und Radierung hervor<ref>Heinrich Fuchs: Habsburg-Lothringen, Heinrich Ferdinand von. In: ders.: Die österreichischen Maler des 19. Jahrhunderts. Ergänzungsband 1. H. Fuchs, Wien 1978, S. 143.</ref> und bestritt seitdem (neben der Offizierspension) einen Teil seines Lebensunterhalts mit Verkäufen seiner Werke.<ref name="Schilgen" />

Habsburg-Lothringen trat nach dem Anschluss Österreichs zum 1. Mai 1938 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 6.346.998).<ref>Bundesarchiv R 187/400 Aufstellung derjenigen Parteigenossen, die Angehörige fürstlicher Häuser sind http://niqolas.de/weltlauf/adel.pdf</ref><ref>Habsburg-Lothringen, Heinrich Ferdinand, in: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main : S. Fischer, 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 209</ref>

Er starb 1969 mit 91 Jahren in Salzburg. Seine Enkelin Helvig Jordis von Lohausen übergab dem Salzburg Museum 2009 den umfangreichen Nachlass, der aus etwa 500 Aquarellen, 1000 Zeichnungen, 50 technischen Geräten und 80 Fotoalben besteht.<ref name="Schilgen" />

Ehe und Nachkommen

Habsburg-Lothringen hatte eine Beziehung zur Bürgerlichen Caecilie Obermayer, die im August 1907 durch Zahlung einer Abfindung von 100.000 Talern gelöst wurde.<ref>Brigitte Sokop: Jene Gräfin Larisch. Marie Louise Gräfin Larisch-Wallersee. Vertraute der Kaiserin – Verfemte nach Mayerling. 4. Auflage. Böhlau, Wien, Köln, Weimar 2006, ISBN 3-205-77484-1, S. 356.</ref> Er heiratete am 29. November 1919 in München Maria Karoline Ludescher (1883–1981), Tochter von Johann-Georg Ludescher und Barbara Prantl – ebenfalls eine nicht standesgleiche Verbindung, die daher gemäß dem Hausgesetz der Habsburger nicht anerkannt wurde.<ref>Gabriele Praschl-Bichler: Dresden und Wien. Allianz der Dynastien. Amalthea, Wien 2001, S. 123 f.</ref> Mit Maria Karoline hatte er folgende Kinder:<ref>Stammtafel (PDF; 100 kB) zur Ausstellung Erzherzog Heinrich Ferdinand von Habsburg-Lothringen (1878–1969). Offizier – Fotograf – Maler im Salzburg Museum vom 10. April 2009 bis zum 25. April 2010.</ref>

  • Heinrich Graf von Habsburg-Lothringen (1908–1968)
⚭ 1939 Helvig Schutte (1910–1990)
Ulrich Habsburg-Lothringen (1941-)
  • Ottmar Graf von Habsburg-Lothringen (1910–1988)
⚭ 1944 Helene Moser (1920–1994)
  • Veronika Gräfin von Habsburg-Lothringen (1912–2001)

Vorfahren

Ahnentafel von Heinrich Ferdinand von Österreich-Toskana
Ururgroßeltern

Kaiser Leopold II. (1747–1792)
⚭ 1765
Maria Ludovica von Spanien (1745–1792)

König Ferdinand I. (Sizilien) (1751–1825)
⚭ 1768
Maria Karolina von Österreich (1752–1814)

König Ferdinand I. (Sizilien) (1751–1825)
⚭ 1768
Maria Karolina von Österreich (1752–1814)

König
Karl IV. (Spanien) (1748–1819)
⚭ 1765
Maria Luise von Bourbon-Parma (1751–1819)

König
Ludwig von Etrurien (1773–1803)
⚭ 1795
Maria Luisa von Spanien (1782–1824)

König
Viktor Emanuel I. (1759–1824)
⚭ 1789
Maria Theresia von Österreich-Este (1773–1832)

König
Karl X. (1757–1836)
⚭ 1773
Maria Theresia von Savoyen (1756–1805)

König
Franz I. (Sizilien) (1777–1830)
⚭ 1797
Maria Klementine von Österreich (1777–1801)

Urgroßeltern

Großherzog Ferdinand III. (Toskana) (1769–1824)
⚭ 1790
Luisa Maria von Neapel-Sizilien (1773–1802)

König Franz I. (Sizilien) (1777–1830)
⚭ 1802
Maria Isabel von Spanien (1789–1848)

Herzog Karl II. Ludwig von Parma (1799–1883)
⚭ 1820
Maria Theresia von Savoyen (1803–1879)

Herzog
Karl Ferdinand von Artois (1778–1820)
⚭ 1816
Maria Karolina von Bourbon-Sizilien (1798–1870)

Großeltern

Großherzog Leopold II. (Toskana) (1797–1870)
⚭ 1833
Maria Antonia von Neapel-Sizilien (1814–1898)

Herzog Karl III. von Parma (1823–1854)
⚭ 1845
Louise Marie Thérèse d’Artois (1819–1864)

Eltern

Großherzog Ferdinand IV. (Toskana) (1835–1908)
⚭ 1868
Alicia von Bourbon-Parma (1849–1935)

Heinrich Ferdinand von Österreich-Toskana (1878–1969)

Literatur

  • Heinrich Fuchs: Habsburg-Lothringen, Heinrich Ferdinand von. In: ders.: Die österreichischen Maler des 19. Jahrhunderts. Ergänzungsband 1. H. Fuchs, Wien 1978, S. 143.
  • Peter Laub (Red.): Erzherzog Heinrich Ferdinand von Habsburg-Lothringen (1878–1969). Offizier – Maler – Fotograf (= Monografische Reihe zur Salzburger Kunst. Band 33). Salzburg Museum, Salzburg 2009, ISBN 978-3-900088-30-9.

Weblinks

Commons: Archduke Heinrich Ferdinand (1878–1969) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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