Heiligtum der Isis und Mater Magna (Mainz)
Das Heiligtum der Isis und Mater Magna entstand im 1. Jahrhundert im römischen Mogontiacum und bestand bis in das 3. Jahrhundert. Bei Bauarbeiten zur Einkaufsgalerie „Römerpassage“ in der Mainzer Innenstadt wurden seine archäologischen Überreste Ende 1999 entdeckt und im Rahmen einer Notgrabung freigelegt. Ein ursprünglich geplanter Abbruch der antiken Mauerzüge nach Abschluss der Grabungen wurde nach Bürgerprotesten aufgegeben.
Weihe-Inschriften belegen die Verbindung des flavischen Kaiserhauses mit der Errichtung des Heiligtums und lassen einen möglichen Zusammenhang zwischen der Stiftung des Heiligtums und einem politisch brisanten Anlass für die Weihung vermuten. Die baulichen Überreste, ausgewählte Funde und eine multimediale Rahmenpräsentation sind in Form eines kleinen Museums (Taberna archaeologica) im Untergeschoss der Römerpassage zu besichtigen. Eine umfassende monographische Publikation der Grabungsergebnisse ist bislang nicht erfolgt.
Geschichtlicher Hintergrund
Im Jahr 13/12 v. Chr. begann mit dem Bau eines Legionslagers auf dem Mainzer Kästrich, einer Erhebung oberhalb des Rheintals, die fast 500 Jahre dauernde römische Geschichte von Mainz. Die sich schnell entwickelnden Canabae, der zivile Vicus in Richtung Rhein sowie die öffentlichen Bauten der späteren Provinzhauptstadt, wie Thermen, Theater, Verwaltungsgebäude und Tempel, folgten schnell, vor allem unter dem flavischen Kaiserhaus. In dieser Zeit wurde auch die Tempelanlage für Isis und Magna Mater errichtet.
Im Heiligtum in Mogontiacum wurden laut den gefundenen Inschriften sowohl Isis – hier mit den Zusätzen Panthea (‚Allgöttin‘) und Regina (‚Königin‘) versehen – als auch die Muttergottheit Magna Mater verehrt. Beide Göttinnen wurden höchstwahrscheinlich im Rahmen der Ausweitung des römischen Imperiums von den römischen Truppen in Mainz eingeführt, die ihre Religion mitbrachten. Der Kult der Isis stammt ursprünglich aus Ägypten, die Gottheit Mater Magna geht zumindest bis auf die kleinasiatische Göttin Kybele zurück (siehe Isis- und Osiriskult und Kybele- und Attiskult). Beide Kulte hatten im römischen Reich bereits eine längere Tradition: Kybele/Mater Magna wurde seit dem Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. in Rom verehrt.<ref>Titus Livius, 29, 10, 4–11, berichtet, dass im Krieg mit Karthago nach Konsultation der sibyllinischen Bücher der kultische Meteorit-Stein von Pessinus in Phrygien nach Rom verbracht wurde.</ref> Isis war bereits seit langem im ägyptischen Pharaonenreich Bestandteil des Pantheons. Über die Ptolemäer und den hellenistischen Kulturkreis kam auch die römische Welt in Kontakt mit dem Isis-Kult. In der römischen Republik und zu Beginn der Kaiserzeit bis zu Tiberius teilweise verboten, etablierte sich der Isis-Kult endgültig unter Kaiser Caligula. In der neuen Provinz Germania superior mit seiner Provinzhauptstadt Mogontiacum waren diese Kulte hingegen neu.<ref>Vgl. Maarten J. Vermaseren: Der Kult der Kybele und des Attis im römischen Germanien. Stuttgart 1979.</ref>
Seitdem der Gründer des flavischen Kaiserhauses, Kaiser Vespasian, in Alexandria von der ägyptischen Gottheit Serapis seine Bestimmung zur Herrschaft erhalten hatte, hatten die Flavier einen engen Bezug zu orientalischen Kulten.<ref>Tacitus, Historien 4, 82.</ref> Die ägyptische Göttin Isis war dabei eine Repräsentantin des Kaiserkultes, vergleichbar der Position der Venus im julischen Kaiserhaus.<ref>Marion Witteyer: Göttlicher Baugrund – Die Kultstätte für Isis und Mater Magna unter der Römerpassage in Mainz. S. 14. Laut Flavius Josephus, Jüdischer Krieg 7, 123f. verbrachte Vespasian die Nacht vor seinem gemeinsam mit Titus abgehaltenen Triumph im Isistempel in Rom.</ref> Vor Ort gefundene Ziegel mit militärischen Ziegelstempeln lassen in diesem Kontext auf ein im staatlichen Auftrag errichtetes Gebäude zur vom Kaiser geförderten Kultausübung schließen.
Das Heiligtum wurde in den nächsten 200 Jahren mehrfach grundlegend umgebaut und befand sich nach dem Bau der ersten Stadtmauer um 250 auch innerhalb des geschützten Stadtgebietes. Gegen Ende des 3. Jahrhunderts n. Chr., eventuell sogar später, wurde der Kult der Isis und Mater Magna in Mainz nicht mehr praktiziert. Das Heiligtum wurde aufgegeben und der Gebäudekomplex verfiel. Konkrete Gründe für die Einstellung des Kultbetriebs sind nicht bekannt. Datierbare Funde liegen vor allem aus dem 1. und 2. Jahrhundert vor und belegen die rege Nutzung des Heiligtums in diesem Zeitraum. Eventuell kann die weitere Aufarbeitung des umfangreichen Fundmaterials eine präzisere Datierung der Nutzungsdauer des Heiligtums ermöglichen.
Wahrscheinlich lag das Gelände aufgrund der Randlage im frühmittelalterlichen Mainz längere Zeit brach. Beginnend mit der Errichtung des Klosters der Armen Klarissen nach 1330 und dem zeitlich ähnlich einzuordnenden Bau des Hofs zum Gensfleisch wurde im Mittelalter das Gelände mit Klosteranlagen und Patrizierhöfen überbaut.
Wiederentdeckung, Ausgrabung
Ende der 1990er Jahre rückte die Nachkriegsbebauung der Lotharpassage in Mainz in den Blickpunkt städtebaulicher Neugestaltungen.<ref>Christof Kullmann: Die Lotharpassage. In: Deutsche Bauzeitung 130 (1996), S. 22; vgl. auch Rita Heuser: Namen der Mainzer Straßen und Örtlichkeiten. Sammlung, Deutung, Sprach- und Motivgeschichtliche Auswertung, Stuttgart 2008, S. 342.</ref> Um eine Einkaufspassage zu errichten, wurde die vorhandene Bebauung abgerissen und für die Fundamente eine entsprechend große Baugrube ausgehoben. Das Bauprojekt wurde vom Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Amt Mainz, begleitet. Da in diesem Areal die Römerstraße vom Legionslager in Richtung Rheinbrücke verlief (Teile davon wurden bei den Ausgrabungen freigelegt), rechneten die beteiligten Archäologen mit einer typischen Streifenhausbebauung und kleineren Werkstätten aus der Römerzeit.<ref>Marion Witteyer: Göttlicher Baugrund – Die Kultstätte für Isis und Mater Magna unter der Römerpassage in Mainz, Mainz 2003, S. 4f.; dies.: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, S. 1.</ref>
In fünf Metern Tiefe stieß man Ende 1999 unerwartet auf zwei archäologisch wichtige Befunde: Die Reste eines Heiligtums aus römischer Zeit sowie einen darunter liegenden, rund 700 Jahre älteren Bestattungsplatz der Hallstattzeit. Bei den sich anschließenden archäologischen Grabungen wurden sowohl der Gebäudekomplex des Heiligtums wie auch ein Frauengrab des hallstattzeitlichen Begräbnisplatzes, dokumentiert. Die Ausgrabungen dauerten rund 17 Monate und endeten Anfang 2001.<ref>Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, S. 6–9.</ref> In dieser Zeit wurde der antike Gebäudekomplex des Heiligtums und das Frauengrab des Hallstattzeit freigelegt und dokumentiert. Zur weiteren archäobotanischen und archäozoologischen Auswertung wurden dem Ausgrabungsareal 15 Tonnen Erdreich entnommen, zusätzlich zu 49 m³ weiteren geborgenen Fundmaterials.
Eine monographische Publikation der Grabungsergebnisse steht bislang noch aus.<ref>2004 war die Herausgabe eines Sammelbandes zu verschiedenen Material- und Befundgruppen der Grabung geplant, dessen Publikation bei Philipp von Zabern vorgesehen war. Eine Publikation erfolgte jedoch nie, sodass manche Fundkomplexe bis heute unpubliziert sind; Joachim Gorecki: „Mos stipis“ – Die Sitte des Geldopfers. Zu den Münzvotiven aus dem Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Stefan Krmnicek/Jérémie Chameroy (Hrsg.): Money Matters. Coin Finds and Ancient Coin Use, Bonn 2019, S. 209–24, hier: S. 209.</ref>
Zunächst war vorgesehen, die baulichen Überreste nach der archäologischen Dokumentation zu entfernen und mit den Bauarbeiten zur Einkaufspassage fortzufahren. Ein ähnliches Schicksal war bereits in den 1970er Jahren dem Mithräum am Ballplatz aus dem 1. oder 2. Jahrhundert widerfahren, das im Zuge von Bauarbeiten freigelegt, nur unzureichend erfasst und schließlich zerstört worden war.<ref>Zu diesem Ingeborg Huld-Zetsche: Der Mithraskult in Mainz und das Mithräum am Ballplatz, Mainz 2008.</ref> Doch diesmal formierte sich Widerstand. In Mainz entbrannte eine öffentliche Debatte. Die aus diesem Anlass neu gegründete Initiative Römisches Mainz e. V. warb für den Erhalt des Heiligtums und sammelte rund 20.000 Unterschriften – ein unübersehbares Votum gegen die Zerstörung des antiken Heiligtums.<ref>Marion Witteyer: Göttlicher Baugrund – Die Kultstätte für Isis und Mater Magna unter der Römerpassage in Mainz, Mainz 2003, S. 15.</ref> Zudem initiierte die Initiative eine Demonstration an deren Spitze der Universitätsprofessor Helmut Mathy stand.<ref>vgl. Wolfgang Dobras: Prof. Dr. Helmut Mathy (1934–2008). Ein Leben für die Mainzer Geschichte. In: Mainzer Zeitschrift. Mittelrheinisches Jahrbuch für Achäologie, Kunst und Geschichte 104 (2009), S. V–VII, hier: S. VII.</ref>
Der öffentliche Druck blieb nicht folgenlos. Erreicht wurde dadurch eine dauerhafte Konservierung des Heiligtums und dessen Einbeziehung in die neu gebaute Einkaufspassage. Auf Anregung der Initiative Römisches Mainz erhielt die Einkaufspassage den Namen „Römerpassage“, der zunächst in kommunalen Gremien auf erheblichen Widerstand stieß, sich letztlich jedoch durchsetzte.<ref>Marion Witteyer: Göttlicher Baugrund – Die Kultstätte für Isis und Mater Magna unter der Römerpassage in Mainz, Mainz 2003, S. 15.</ref> Wegen eines geplanten Tiefgaragenbaues an dieser Stelle mussten die baulichen Überreste des Heiligtums in einem aufwändigen Verfahren zerlegt und um mehrere Meter transloziert werden. Weitere baulichen Überreste fielen den Baumaschinen zum Opfer.<ref>Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, S. 7.</ref> Die bei der Versetzung entstandenen Kosten von 3,43 Millionen Euro teilten sich die Stadt Mainz und das Land Rheinland-Pfalz.
Seit der Eröffnung am 30. August 2003 – zu dem Fest kamen schätzungsweise 25.000 Besucher in die Mainzer Innenstadt – kann das Heiligtum der Isis und Mater Magna in der so genannten Taberna archaeologica im Kellergeschoss der Römerpassage Mainz besichtigt werden.<ref>Gerhild Klose, Katharina Angermeyer: Isis hält Hof. Ein Römerfest zur Eröffnung der Kultstätte der Isis Panthea und Mater Magna in Mainz. In: Antike Welt. 34. Jg. Nr. 5, 2003, S. 521–524.</ref>
Museale Präsentation in der Taberna archaeologica
Eine museale Präsentation erfolgt rund um die Reste des Heiligtums im Bauzustand des 2. Jahrhunderts. Eingebaut wurde es in das Kellergeschoss der Römerpassage in fünf Metern Tiefe (entspricht der Fundtiefe) und exakter ehemaliger Ausrichtung zur römischen Straße. Zusammen mit der Geschäftsstelle der Initiative Römisches Mainz e. V. im Erdgeschoss werden die Räumlichkeiten, die im August 2003 eröffnet wurden, auch als Taberna archaeologica bezeichnet. Die Präsentation des Heiligtums mit den wichtigsten Funden der Ausgrabung wurde mit Hilfe moderner Methoden der Museumspädagogik und multimedialer Technik aufwändig umgesetzt. Filme, Hörstationen und interaktive Angebote ergänzen die Vitrinen mit Originalfunden. Besucher können die im Raum zentral eingebauten Überreste des Heiligtums von allen Seiten über einen Glassteg begehen und einsehen. Mittels Diaprojektion werden verschiedene Abbildungen der Isis und Mater Magna inmitten der Mauerreste projiziert. Neben den Schauvitrinen vermitteln multimediale Komponenten anschaulich einzelne thematische Aspekte. Eine inszenierte Ritualszene veranschaulicht den Kultalltag mit einem Isis-Priester und einer Römerin, die heimlich einen Mitbürger verfluchen lässt. Dabei werden im Original ausgestellte Funde als Repliken in die Spielszenen eingebunden. In regelmäßigen Abständen wird eine Hörsequenz abgespielt, in der Claudius Secundus (gesprochen vom Mainzer Kabarettisten und Musiker Lars Reichow), ein Bürger des römischen Mainz, über den Isiskult und die Saturnalien im römischen Mainz im Jahr 69 n. Chr. berichtet. Eine Diaserie und mehrere Computerterminals mit weiteren interaktiven Informationen und archäologischen Spielen für Kinder vervollständigen das Multimediakonzept. Zehn in die Wand eingebaute und mit einer anhebbaren Klappe verschlossene Schaukästen zeigen Originalfunde zum Kultgeschehen und erläutern Zusammenhänge. Der Raum ist dunkel gehalten, um eine mystische Atmosphäre zu erzeugen; kleine Lämpchen an der Decke simulieren den Sternenhimmel vom 21. Dezember 69 n. Chr. Informationstafeln und ein Plan der antiken Stadt und des Heiligtums runden die kompakte Ausstellung ab.<ref>Vgl. Jens Dolata/Marion Witteyer: Publikumsorientierte Geschichtsvermittlung – Die inszenierte Fundstelle des Heiligtums für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Archäologie in Rheinland-Pfalz 2004 (2005), S. 40–43; Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004; André Brauch/Rudolf Büllesbach: Römisches Mainz entdecken, München 2020, S. 86.</ref> Anlässlich seines 20. Jubiläums wurde das Heiligtum vom rheinland-pfälzischen Kulturministerium zum „Museum des Monats Oktober 2023“ ernannt.<ref>Museumsblog Rheinland-Pfalz: Museum des Monats Oktober 2023: Heiligtum für Isis und Mater Magna, online unter museumsportal-rlp.de [abgerufen am 21. März 2026].</ref>
Datierung, Weihung und Bauphasen
Obschon Tacitus gegen Ende des 1. Jahrhunderts beiläufig berichtet,<ref>Tacitus, Germania 9,1.</ref> dass unter den Sueben die von außen eingeführte Isis verehrt werde – wobei er zugleich angibt, den Grund dafür nicht zu kennen –, galt diese Stelle lange als Missverständnis, und die Einführung des Isiskultes in Germania superior wurde frühestens in die Mitte des 2. Jahrhunderts datiert. Zwar war bereits vor der Entdeckung des Mainzer Doppelheiligtums plausibel für die Historizität der taciteischen Aussage argumentiert worden,<ref>Mareile Haase: Signum in modum liburnae figuratum (Tacitus, Germania 9, 1). Überlegungen zum Beginn des Isis-Kults in Germanien. In: Wolfgang Spickermann u. a. (Hrsg.): Religion in den germanischen Provinzen Roms, Tübingen 2001, S. 317–38.</ref> doch erst der Fund des Heiligtums lieferte den endgültigen Beweis für die frühe Ankunft des Kultes in Obergermanien.<ref>Svenja Nagel: Isis im Römischen Reich, Tbd. 2: Adaption(en) des Kultes im Westen, Wiesbaden 2019, S. 1191f.</ref>
Ein Fragment einer Bauinschrift mit eingemeißelter Tabula ansata belegt die Errichtung des Heiligtums durch den Kassenverwalter Primigenius, der einem Procurator des Kaisers Vespasian (69–79 n. Chr.) unterstand. Auch die überraschend hohe Zahl von im Heiligtum gefundenen Dachziegeln mit Militärstempeln könnte auf ein staatlich organisiertes Bauvorhaben hinweisen, wobei der Befund jedoch nicht eindeutig ist. Als göttliche Adressatin ist in der Inschrift lediglich [Mater] deum genannt, womit wohl Kybele gemeint ist. Zwei weitere inhaltlich zugehörige Tabulae ansatae mit nahezu identischem Wortlaut, gestiftet von einer kaiserlichen Freigelassenen und einem kaiserlichen Sklaven oder Freigelassenen unter dem Priester Claudius Atticus, nennen hingegen die Magna Mater beziehungsweise Isis Panthea. Die beiden Inschriften lassen sich in das späte 1. Jahrhundert datieren und sind dem Wohl des Kaisers, des Senats und Volkes von Rom sowie des Heeres gewidmet. Die Einbeziehung des Heeres ist ungewöhnlich und dürfte durch einen lokalen Kontext bedingt sein. Bisweilen ist auf Grundlage der genannten Inschriften für die Anfangsphase des Heiligtums eine direkte Verbindung zum Kaiserhaus angenommen worden; die hierfür angeführten Argumente sind jedoch nicht zwingend.
Die Errichtung eines gemeinsamen Heiligtums für Magna Mater und Isis unter Vespasian besitzt Parallelen in Italien. Die Inschriften lassen erkennen, dass beide Weihen von demselben Priester vorgenommen wurden, was auf eine Personalunion der Priesterschaft schließen lässt. Archäologisch sind mehrere Bauphasen zu unterscheiden. In der ersten Phase bestanden kleine rechteckige Kultbauten innerhalb einer Umfassungsmauer sowie mehrere Fachwerkgebäude mit Herdstellen. Letztere dienten vermutlich als Küchen und Versammlungsräume für kultische Bankette. In diesen Kultgaststätten wurden wohl die Dienstleistungen erbracht, die den wirtschaftlichen Fortbestand des Heiligtums sicherten. Im 2. Jahrhundert wurden die kleinen Kultbauten durch einen großen, mehrgliedrigen Bau mit Steinsockel, Fachwerkaufbau und eigener Brunnenstube ersetzt. Die Innenräume waren nur spärlich bemalt. Der Kultbetrieb bestand mindestens bis zum Ende des 3. Jahrhunderts; in der Spätantike wurde der Bau aufgegeben. Aussagen zur architektonischen Entwicklung des Heiligtums lassen sich nur eingeschränkt treffen, da die Grabungen nicht das gesamten Kultbezirk erfassen konnten.<ref>Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, S. 26; Wolfgang Spickermann: Mysteriengemeinde und Öffentlichkeit. Überlegungen zur Integration von Mysterienkulten in die lokalen Panthea in Gallien und Germanien. In: Jörg Rüpke (Hrsg.): Gruppenreligionen im römischen Reich. Sozialformen, Grenzziehungen und Leistungen, Tübingen 2007, S. 127–60, hier: S. 139–41; Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, hier: S. 317–19; dies.: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 101f. (mit Abb. 1), 118; Svenja Nagel: Isis im Römischen Reich, Tbd. 2: Adaption(en) des Kultes im Westen, Wiesbaden 2019, S. 1192f.</ref>
Lage und Architektur
Die genaue Stellung des Isis- und Mater-Magna-Heiligtums innerhalb der Mainzer Sakraltopographie lässt sich aufgrund des Mangels an weiteren eindeutig lokalisierbaren Heiligtümern innerhalb des römischen Stadtgebiets nicht eindeutig bestimmen. Dennoch erlaubt die Lage des Heiligtums selbst einige Rückschlüsse auf die Überlegungen, die bei seiner Anlage eine Rolle gespielt haben dürften. Der Kultbezirk befand sich an einer stark frequentierten Hauptstraße, die vom Legionslager zur Rheinbrücke führte. Damit lag er an einer wichtigen Verkehrsachse und nahm eine gut sichtbare Position im öffentlichen Raum ein. Trotz dieser exponierten Lage war die zentrale Verkehrsanbindung wahrscheinlich nicht das ausschlaggebende Kriterium für die Wahl des Standortes. Stattdessen spricht vieles dafür, dass die Anlage bewusst in räumlicher Nähe zu deutlich älteren Grabhügeln aus der Hallstadtzeit errichtet wurde, die im 1. Jahrhundert offenbar noch sichtbar waren. Besonders aufschlussreich ist dabei der Umstand, dass die steinerne Einfassung eines solchen Hügels nicht entfernt, sondern in den Neubau integriert wurde. Über dem zentralen Grab richtete man ein gemauertes Geviert ein, das offenbar zur Aufnahme von verbranntem Opfergut diente. Offenbar bestand bei der Errichtung des Heiligtums die Vorstellungen von der magischen bzw. heiligen Wirkung des Ortes.
Der Zugang zum Heiligtum erfolgte von der Hauptstraße aus über einen abzweigenden Nebenweg. Entlang dieses Weges standen auf beiden Seiten kleine, einfache Gebäude in Holz-Lehm-Bauweise. Hinter diesem vorgelagerten Bereich lag die eigentliche Kultstätte, die von einer Temenosmauer umfriedet war und sich deutlich von der umgebenden Bebauung abhob. Insgesamt lässt sich damit eine Anlage erkennen, die aus zwei räumlich und funktional voneinander getrennten Zonen bestand: einem vorgelagerten Bereich mit einfachen Gebäuden und dem eigentlichen ummauerten Kultbezirk.
Die Baugeschichte des Areals erweist sich als überaus komplex und verwirrend und ist durch zahlreiche Umbauten und Erweiterungen gekennzeichnet. Die erhaltenen architektonischen Reste wirken insgesamt vergleichsweise bescheiden und zeigen eine einfache, mitunter sogar minderwertige Bauweise, wie sie in Mainz sonst nur selten belegt ist. Dies überrascht umso mehr, als epigraphische Zeugnisse eine Verbindung zur staatlichen Administration erkennen lassen. Auch die zahlreichen mit Militärstempeln versehenen Ziegel sind als Hinweis auf eine mögliche Beteiligung des Militärs an den Baumaßnahmen gedeutet worden; allerdings stammen diese offenbar aus sekundärer Verwendung und wurden beispielsweise zur Abdeckung eines größeren Brandopferkomplexes verwendet.<ref>Die Ziegel tragen Stempel der Legio XXII Primigenia, der Legio I Adiutrix und der Legio IIII Macedonica; Jens Dolata: Römische Ziegelstempel aus Mainz. Teil I: Militärische Ziegelstempel des 1. Jahrhunderts, Mainz 2014; die Studie liefert keine Antwort zur Frage nach Bezug des Heiligtums zum Militär. Zur Schwierigkeit der klaren Deutung des Befundes vgl. Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, hier: S. 320.</ref> Möglicherweise spiegelt das vorgefundene bauliche Erscheinungsbild überwiegend einen Zustand wider, der auf eine stärker privat geprägte Phase der Anlage zurückgeht, während sich der ursprüngliche offiziöse Teil der Bebauung nicht erhalten hat.
In der frühesten Bauphase gehörte zu dem Heiligtum ein kleiner, später erweiterten Temenos. Innerhalb dieses ummauerten Bereichs standen zwei quadratische Bauten mit einer Ausdehnung von etwa 3,5 × 3,5 m und 4 × 4 m sowie ein benachbarter Schacht zur Aufnahme von Opfergut. Aufgrund ihrer ähnlichen Größe und Form wird angenommen, dass diese beiden kleinen Gebäude jeweils einer der beiden verehrten Gottheiten gewidmet waren; an ihnen waren wohl auch die beiden Tabulae ansatae angebracht.
Spätere Umbauten veränderten das Erscheinungsbild des Heiligtums erheblich. Das ursprüngliche Ensemble wurde aufgegeben, der Temenos neu gestaltet und vergrößert, und an die ältere Mauer wurde ein später häufig veränderteres, größeres Gebäude angeschlossen, das schließlich eine symmetrische Form von etwa 16 × 11 m erreichte. Dem Bau war auf einer Seite eine Brunnenstube vorgelagert, während auf der gegenüberliegenden Seite mehrere große Mauerblöcke lagen. Im Inneren befanden sich verschiedene Räume und Funktionsbereiche, darunter zwei gleich große Räume, die von schmalen Gängen umgeben waren, sowie ein Zugang zum Brunnen in der Mittelachse, der später wieder verschlossen wurde. Ausstattungselemente sind nur spärlich erhalten. Reste von Wandverputz mit einfacher Feldermalerei belegen eine schlichte dekorative Gestaltung; figürliche Darstellungen scheinen auf einzelne Motive beschränkt gewesen zu sein. Das einzige besser erhaltene Bild zeigt Anubis mit Palmzweig und Caduceus.<ref>Zu diesem Motiv vgl. Apuleius, Metamorphoseon 11,11,1.</ref> Die Fußböden des Heiligtums bestanden lediglich aus Stampflehm; die Dächer waren überwiegend mit Ziegeln gedeckt, teilweise aber auch nur mit Holzschindeln. In der letzten Bauphase errichtete man einen kleinen rechteckigen Baukörper, an dessen Schmalseite zwei große Postamente platziert wurden. Anschließend setzte offenbar ein allmählicher Niedergang der Anlage ein; Hinweise auf eine gewaltsame Zerstörung fehlen. Zu den jüngsten Siedlungsspuren gehören mehrere Pfostenreihen eines bislang nicht eindeutig deutbaren Baubefundes, die sämtliche älteren Schichten durchschneiden.<ref>Für Lage und Architektur siehe insbes. Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, hier: S. 320–23; auch Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, S. 26f.; dies.: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 101f. (mit Abb. 1); Svenja Nagel: Isis im Römischen Reich, Tbd. 2: Adaption(en) des Kultes im Westen, Wiesbaden 2019, S. 1193f.</ref>
Funde und Weihinschriften
Übersicht
Innerhalb des von einer Umfassungsmauer begrenzten Themenosareals lassen sich zahlreiche Befunde wie Gruben, Gräben, Brandstellen und Holzkohlenanhäufungen feststellen.<ref>Zum archäologischen Befund vgl. insbes. Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52; Übersicht auch bei Svenja Nagel: Isis im Römischen Reich, Tbd. 2: Adaption(en) des Kultes im Westen, Wiesbaden 2019, S. 1195–97.</ref> Diese Elemente können als materielle Zeugnisse sozialer Aktivitäten gedeutet werden und spiegeln individuelle Ritualhandlungen ebenso wieder, wie gemeinschaftlich vollzogene. Die Interpretation ist dabei nicht immer eindeutig: Bei einzelnen Befunden bleibt offen, ob sie absichtliche Opferablagen repräsentieren oder Teil von Schuttschichten sind, die im Zuge von Baumaßnahmen oder Umstrukturierungen des Sakralbereichs entstanden.
Ein weiteres Problem ergibt sich daraus, dass vergleichbare Befunde auch außerhalb des umfriedeten Bereichs in den benachbarten Holz-Lehm-Bauten auftreten, was auf die Durchführung ähnlicher Praktiken jenseits des Kultbezirks hinweist. Gleichwohl zeigen sich zwischen beiden Arealen deutliche Unterschiede, vor allem im Fundspektrum. Während auf dem Vorgelände Kochgeschirr dominiert, sind Ess- und Trinkgefäße weniger häufig, und die Speisereste unterscheiden sich sowohl botanisch als auch faunistisch, wobei die Tierknochen dort überwiegend unverbrannt vorliegen. Zusammen mit den vorhandenen Herdstellen spricht dies dafür, dass die Gebäude auf dem Vorgelände vor allem der Zubereitung und dem Verzehr von Speisen dienten, was auf eine Nutzung durch Mahlgemeinschaften hinweist. Zugleich lassen sich aber auch Spuren ritueller Handlungen nachweisen, die über den rein profanen Gebrauch hinausgehen.<ref>Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, hier: S. 323.</ref>
300 Lampen, häufig paarweise auf Brandopferstellen deponiert, belegen die ritualisierte Nutzung; größere Öllampen gehörten vermutlich zur dauerhaften Ausstattung des Heiligtums. Zentrales Element der Verehrung war die Brandopferhandlung, während dauerhafte Weihgaben in den Hintergrund traten. Zusammensetzung und Ablauf der Opferhandlungen erscheinen über alle Zeitphasen hinweg bemerkenswert konstant. Das verbrannte Opfergut folgt einem nahezu normierten Schema: Rund 90 % der Tierknochen stammen von ausgewachsenen Hähnen, ergänzt durch Singvögel, während andere Arten im ummauerten Areal kaum vertreten sind.<ref>Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, zusammenfassend S. 348.</ref> In den Gruben fanden sich vollständige Hundeskelette sowie ein abgetrennter Hundeschädel;<ref>Marion Witteyer: Göttlicher Baugrund – Die Kultstätte für Isis und Mater Magna unter der Römerpassage in Mainz, Mainz 2003, S. 11f.</ref> zudem wurden mehrere Rinderschädel geborgen. Botanische Reste zeigen keine einzelne Dominanz, doch häufig erscheinen Pinienkerne und -zapfen, Feigen, Datteln, Getreide sowie Weintrauben, Nüsse und Hülsenfrüchte.<ref>Barbara Zach: Vegetable Offerings on the Roman Sacrificial Site in Mainz, Germany – Short Report on the First Results. In: Vegetation History and Archaeobotany 11/1–2 (2002), S. 101–6.</ref> Öllampen und Münzen<ref>Zu den Münzfunden Joachim Gorecki: „Mos stipis“ – Die Sitte des Geldopfers. Zu den Münzvotiven aus dem Heiligtum für Isis undMater Magna in Mainz. In: Stefan Krmnicek/Jérémie Chameroy (Hrsg.): Money Matters. Coin Finds and Ancient Coin Use, Bonn 2019, S. 209–24.</ref> finden sich regelmäßig im Brandschutt, meist ohne Brandspuren. Sie wurden offenbar erst nach dem Abbrennen deponiert; die im oberen Schichtbereich liegenden Lampen markieren vermutlich den rituellen Abschluss. Typenwahl spielte keine Rolle, wohl aber ihre Einbindung in die Handlung. Unterschiedliche Grubengrößen weisen auf variierende Teilnehmerzahlen hin, von Einzelpersonen bis zu Kollektiven. Den Materiellen Zeugnissen nach stammten die Kultteilnehmer aus allen sozialen Schichten.<ref>Zum Themenkomplex insbes. Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, insbes. S. 348; Svenja Nagel: Isis im Römischen Reich, Tbd. 2: Adaption(en) des Kultes im Westen, Wiesbaden 2019, S. 1195–97.</ref>
Besondere Objekte des Fundinventars
Weihinschriften
Bei den Ausgrabungen fanden sich neben mehreren Weihesteinen bzw. deren Fragmenten auch eine Anzahl von Altären. Diese epigraphischen Zeugnisse ermöglichen einerseits die eindeutige Bestimmung der Gottheiten, denen das Heiligtum geweiht war, und andererseits Rückschlüsse auf seine Datierung. Im Gegensatz zu den Defixiones liegt für die Steininschriften bislang keine umfassende wissenschaftliche Bearbeitung ihrer Texte und Fundkontexte vor.<ref>Wolfgang Spickermann: Mysteriengemeinde und Öffentlichkeit. Überlegungen zur Integration von Mysterienkulten in die lokalen Panthea in Gallien und Germanien. In: Jörg Rüpke (Hrsg.): Gruppenreligionen im römischen Reich. Sozialformen, Grenzziehungen und Leistungen, Tübingen 2007, S. 127–60, hier: S. 139; ders.: Überlegungen zu zwei Inschriftentafeln für Isis Panthea und Magna Mater aus der Römerpassage in Mianz. In: Gabrile Koiner/Ute Lohner-Urban (Hrsg.): „Ich bin dann mal weg“. Festschrift für einen Reisenden, Thuri Lorenz zum 85. Geburtstag, Wien 2016, S. 203–9, hier: S. 203.</ref> Majuskelabschriften der Bau- und Dedikationsinschriften mit Übersetzungen von Gerd Rupprecht u. Géza Alföldy findet sich jedoch im Ausstellungskatalog Isis und Mater Magna;<ref>Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Broschüre des Landesamts für Denkmalpflege, Mainz 2004, S. 15–21.</ref> zudem wurden sie in die Année Épigraphique aufgenommen.
Das Fragment einer Bauinschrift in Form eines Blocks mit eingemeißelter Tabula ansata weist die Errichtung auf einen Kassenverwalter namens Primigenius zurück, der einem Procurator des Kaisers Vespasian unterstellt war, und dokumentiert damit einen staatlich beauftragten und geförderten Bau.<ref>Svenja Nagel: Isis im Römischen Reich, Tbd. 2: Adaption(en) des Kultes im Westen, Wiesbaden 2019, S. 1192.</ref> Der Inschriftenblock saß vermutlich am oberen Abschluss einer Mauer.<ref>Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, hier: S. 319.</ref> Der Text der Bauinschrift lautet:
| Text<ref>AE 2004, 1014.</ref> | Übersetzung<ref>Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, S. 15, Nr. 1.</ref> |
| [--- Primi]genius --- | Primigenius (…) |
| [--- Imp(eratoris) Ve]spasiani Aug(usti) | … des Kaisers Vespasianus Augustus |
| [--- procur]atoris(?)<ref>Möglich ist auch die Ergänzung [dispens]atoris.</ref> a[r]carius | … unter dem Prokurator als Kassenverwalter |
| [--- Matri] deum ex im[p]erio | … hat auf dessen Geheiß für die (große) Göttermutter |
| [eius ---] posuit | (das Bauwerk mit Inschrift) errichten lassen. |
Die beiden Dedikationsinschriften in Form von Tabulae ansatae bestehen aus lothringischem Kalkstein. Die Inschriftfelder sind vertieft und zeigen Ligaturen sowie bisweilen Hederae als Worttrenner.<ref>Wolfgang Spickermann: Überlegungen zu zwei Inschriftentafeln für Isis Panthea und Magna Mater aus der Römerpassage in Mianz. In: Gabrile Koiner/Ute Lohner-Urban (Hrsg.): „Ich bin dann mal weg“. Festschrift für einen Reisenden, Thuri Lorenz zum 85. Geburtstag, Wien 2016, S. 203–9, hier: S. 203.</ref> Der Steinmetz teilte bei der Fertigung eine ältere, ebenfalls beschriftete Steintafel in zwei Teile.<ref>Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, hier: S. 319.</ref> Die Weihtafeln wurden innerhalb des Heiligtums gefunden und sind offenbar im 2. Jahrhundert von ihrem ursprünglichen Aufstellungsort entfernt und für die Einfassung einer Brandopferstelle wiederverwendet worden. Beide Tafeln sind je in drei Teile gebrochen und weisen nahezu identische Maße auf: ca. 30 cm Höhe, 115 cm Breite und 9 cm Tiefe, die Buchstaben messen zwischen 2,5 und 4 cm.<ref>Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, S. 15; Wolfgang Spickermann: Überlegungen zu zwei Inschriftentafeln für Isis Panthea und Magna Mater aus der Römerpassage in Mianz. In: Gabrile Koiner/Ute Lohner-Urban (Hrsg.): „Ich bin dann mal weg“. Festschrift für einen Reisenden, Thuri Lorenz zum 85. Geburtstag, Wien 2016, S. 203–9, hier: S. 203.</ref> Die erste Weihinschrift für Isis lautet:
| Text<ref>AE 2004, 1016.</ref> | Übersetzung<ref>Übers. nach Wolfgang Spickermann: Überlegungen zu zwei Inschriftentafeln für Isis Panthea und Magna Mater aus der Römerpassage in Mianz. In: Gabrile Koiner/Ute Lohner-Urban (Hrsg.): „Ich bin dann mal weg“. Festschrift für einen Reisenden, Thuri Lorenz zum 85. Geburtstag, Wien 2016, S. 203–9, hier: S. 203; andere Lesung bei Audre Ferlut: Le culte des divinités féminines en Gaule Belgique et dans les Germanies sous le Haut-Empire romain, Bd. 2, Bordeaux 2022, S. 441, Nr. 260.</ref> |
| Pro salute Augustorum et / | Für das Heil der Augusti und |
| s(enatus) p(opuli)q(ue) R(omani) et exercitus / | des römischen Senats und Volks und des Heeres |
| Isidi Pantheae Claudia Aug(usti) l(iberta) Icmas / | haben der Isis Pantea Claudia Icmas, kaiserlicher Freigelassener |
| et Vitulus Caes(aris) sacer(dote) Claud(io) Attico lib(erto) | und Vitulus (Sklave) des Caesar (diese Inschrift setzen lassen) unter dem Prister, dem Freigelassenen Claudius Atticus |
Isis Panthea ist lediglich ein weiteres Mal bezeugt, nämlich in Antequera in der Baetica; der Dedikant dieser Weihung ist unbekannt.<ref>Übers. nach Wolfgang Spickermann: Überlegungen zu zwei Inschriftentafeln für Isis Panthea und Magna Mater aus der Römerpassage in Mianz. In: Gabrile Koiner/Ute Lohner-Urban (Hrsg.): „Ich bin dann mal weg“. Festschrift für einen Reisenden, Thuri Lorenz zum 85. Geburtstag, Wien 2016, S. 203–9, hier: S. 204.</ref>
Die zweite Inschrift, fast identisch, ist der Magna Mater gewidmet:
| Text<ref>AE 2004, 1015.</ref> | Übersetzung<ref>Übers. nach Wolfgang Spickermann: Überlegungen zu zwei Inschriftentafeln für Isis Panthea und Magna Mater aus der Römerpassage in Mianz. In: Gabrile Koiner/Ute Lohner-Urban (Hrsg.): „Ich bin dann mal weg“. Festschrift für einen Reisenden, Thuri Lorenz zum 85. Geburtstag, Wien 2016, S. 203–9, hier: S. 204.</ref> |
| Pro salute Augustorum / | Für das Heil der Augusti und |
| s(enatus) p(opuli)q(ue) R(omani) et exercitus / | des römischen Senats und Volks und des Heeres |
| Matri Magnae Claudia Aug(usti) l(iberta) Icmas / | haben der Mater Magna Claudia Icmas, kaiserlicher Freigelassener |
| et Vitulus Caes(aris) sacer(dote) Cla(udio) Attico li(berto) | und Vitulus (Sklave) des Caesar (diese Inschrift setzen lassen) unter dem Prister, dem Freigelassenen Claudius Atticus |
In beiden Tafeln finden sich in der vierten Zeile Ligaturen; auf der zweiten sind darüber hinaus einzelne Buchstaben miteinander verschränkt. Obwohl die Inschriften nahezu identisch formuliert sind, weichen sie in der letzten Zeile voneinander ab. Offenbar geriet der Steinmetz bei der Ausführung der Inschrift für Magna Mater in Platznot: Er setzte zusätzliche Ligaturen, doch ließ sich das abschließende B nicht mehr innerhalb der vorgesehenen Zeile unterbringen. Insgesamt lässt die Ausführung – ungeachtet der hohen sozialen Stellung der Stifter – keine besondere handwerkliche Qualität erkennen. Nicht einmal zwei identische Inschriften wurden erzielt, obwohl dies angesichts der Dimensionen und der Konzeption der Tafeln mit Sicherheit beabsichtigt war. Die lediglich mittlere Ausführungsqualität könnte damit zusammenhängen, dass der Steinmetz auf die Spuren einer älteren Inschrift Rücksicht nehmen musste; entsprechende Reste sind noch sichtbar, wenn auch nicht mehr lesbar.<ref>Wolfgang Spickermann: Überlegungen zu zwei Inschriftentafeln für Isis Panthea und Magna Mater aus der Römerpassage in Mianz. In: Gabrile Koiner/Ute Lohner-Urban (Hrsg.): „Ich bin dann mal weg“. Festschrift für einen Reisenden, Thuri Lorenz zum 85. Geburtstag, Wien 2016, S. 203–9, hier: S. 203f., 208.</ref>
Bei den beiden Weihinschriften für Isis und die Magna Mater handelt es sich offenbar um Stiftungen kleinerer Kultgebäude innerhalb des Tempelbezirks. Als Stifter erscheinen eine kaiserliche Freigelassene sowie ein kaiserlicher Freigelassener oder Sklave namens Vitulus – ein häufiger Name unter Sklaven; die Weihungen erfolgten unter dem Priester Claudius Atticus, ebenfalls Freigelassener. Der Gentilname der Dedikantin, Claudia, verweist auf eine Freilassung unter einem claudischen Kaiser; das griechische Cognomen Icmas ist im Umfeld claudisch-neronischer Freigelassener mehrfach belegt. Die Nennung desselben Priesters für beide Weihungen legt nahe, dass Claudius Atticus sowohl als Isis- als auch als Kybele-Priester fungierte, was bislang nur aus Italien belegt ist.<ref>Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, hier: S. 317–19; Wolfgang Spickermann: Überlegungen zu zwei Inschriftentafeln für Isis Panthea und Magna Mater aus der Römerpassage in Mianz. In: Gabrile Koiner/Ute Lohner-Urban (Hrsg.): „Ich bin dann mal weg“. Festschrift für einen Reisenden, Thuri Lorenz zum 85. Geburtstag, Wien 2016, S. 203–9, hier: S. 204.</ref>
Die Anlage zog offenbar auch höhergestellte Kreise an, wie ein Isis-Altar aus lokalem Kalkstein<ref>AE 2004, 1018; Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, S. 18, Nr. 5.</ref> der Frau eines Legionslegaten zeigt, der sich allerdings nur grob datieren lässt.<ref>Wolfgang Spickermann: Überlegungen zu zwei Inschriftentafeln für Isis Panthea und Magna Mater aus der Römerpassage in Mianz. In: Gabrile Koiner/Ute Lohner-Urban (Hrsg.): „Ich bin dann mal weg“. Festschrift für einen Reisenden, Thuri Lorenz zum 85. Geburtstag, Wien 2016, S. 203–9, hier: S. 206; Svenja Nagel: Isis im Römischen Reich, Tbd. 2: Adaption(en) des Kultes im Westen, Wiesbaden 2019, S. 1195.</ref>
Die genaue Datierung der Inschriften gestaltet sich schwierig. Die Formel pro salute Augustorum deutet eher auf antoninische Zeit, da der Plural der Augusti hier verwendet wird. Andererseits sprechen der Name der Dedikantin und die Fundumstände für eine frühflavische Einordnung, womit ein Zusammenhang mit der Niederschlagung des Saturninus-Aufstandes 89 n. Chr. unter Domitian denkbar ist. Analogien zum flavischen Kaiserkult-Tempel in Ephesos (89/90 n. Chr.) legen nahe, dass hier nicht einzelne Kaiser, sondern die gesamte flavische Dynastie (Vespasian, Titus, Domitian) verehrt wurde. Die Dedikanten aus der Umgebung des Kaisers waren möglicherweise während der Chattenfeldzüge Domitians 83 n. Chr. in Mainz anwesend, was auch erklären könnte, warum das Heer ausdrücklich genannt wird.<ref>Wolfgang Spickermann: Überlegungen zu zwei Inschriftentafeln für Isis Panthea und Magna Mater aus der Römerpassage in Mianz. In: Gabrile Koiner/Ute Lohner-Urban (Hrsg.): „Ich bin dann mal weg“. Festschrift für einen Reisenden, Thuri Lorenz zum 85. Geburtstag, Wien 2016, S. 203–9, hier: S. 206f.</ref>
Zwar ist über die Inschriften der Claudia und des Vitulus eine Verbindung des Mainzer Heiligtums mit dem Kaiserkult bezeugt; die Wahl der Isis muss jedoch nicht zwingend auf eine unmittelbare Beziehung zum flavischen Kaiserhaus verweisen.<ref>Eine solche ist von Marion Witteyer: Göttlicher Baugrund – Die Kultstätte für Isis und Mater Magna unter der Römerpassage in Mainz, Mainz 2003, 14; angenommen worden.</ref> Zwar entkam Domitian im Konflikt mit Aulus Vitellius in Rom, indem er sich als Isispriester verkleidete,<ref>Sueton, Domitian 1,2.</ref> doch war seine persönliche Schutzgottheit nicht Isis, sondern Minerva.<ref>Sueton, Domitian 15,3; Cassius Dio 67,16,1.</ref> Das Heiligtum ist daher eher in den weiteren Zusammenhang der allgemeinen Beziehung der Magna Mater zum römischen Staat und zum Kaiserhaus einzuordnen. Die Gottheit erfuhr bereits unter Claudius Förderung, in größerem Umfang epigraphisch fassbar ist sie jedoch erst seit antoninischer Zeit. Die in der Inschrift formulierte Zuordnung der Isis Panthea – und wohl auch der Magna Mater – zu Kaiser, Senat, Volk und Heer dürfte sich aus dem sozialen Status der Dedikanten erklären: kaiserliche Freigelassene oder Sklaven aus dem Umfeld des Verwaltungsapparates, die ihre Weihungen auf das Wohl jener Institutionen bezogen, welche den Zentralort Mainz prägten.
Außerhalb Italiens ist eine Verbindung von Magna Mater- und Isis-Heiligtum nur noch für Aachen belegt, wo eine Frau als Stifterin eines gemeinsamen Heiligtums in Erscheinung trat. Angesichts des begrenzten Formats der Tafeln und der Tatsache, dass sie erneut beschriftet wurden, steht zu vermuten, dass es sich um Stiftungsinschriften für kleinere, wenig repräsentative Kultbauten handelte, die vielleicht bis ins 2. Jahrhundert sichtbar waren.<ref>Wolfgang Spickermann: Mysteriengemeinde und Öffentlichkeit. Überlegungen zur Integration von Mysterienkulten in die lokalen Panthea in Gallien und Germanien. In: Jörg Rüpke (Hrsg.): Gruppenreligionen im römischen Reich. Sozialformen, Grenzziehungen und Leistungen, Tübingen 2007, S. 127–60; ders.: Überlegungen zu zwei Inschriftentafeln für Isis Panthea und Magna Mater aus der Römerpassage in Mianz. In: Gabrile Koiner/Ute Lohner-Urban (Hrsg.): „Ich bin dann mal weg“. Festschrift für einen Reisenden, Thuri Lorenz zum 85. Geburtstag, Wien 2016, S. 203–9, hier: S. 205f.</ref>
Weitere Weihungen aus dem Heiligtum gelten ausschließlich Isis und nennen sie weder mit Magna Mater noch mit anderen Gottheiten.<ref>Svenja Nagel: Isis im Römischen Reich, Tbd. 2: Adaption(en) des Kultes im Westen, Wiesbaden 2019, S. 1194.</ref> Ein kleines Altärchen<ref>AE 2004, 1017; Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, S. 18f., Nr. 4.</ref> nennt einen Linus als Dedikanten für INSID(I),<ref>Der Altar wurde in einem Schacht versenkt und mit Bauschutt abgedeckt; Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, hier: S. 335.</ref> eine in Gallien und Hispanien vereinzelt bezeugte Namensvariante.<ref>Svenja Nagel: Isis im Römischen Reich, Tbd. 2: Adaption(en) des Kultes im Westen, Wiesbaden 2019, S. 1194.</ref> Eine stark beschädigte Tabula ansata aus Bronze bezeugt eine weitere Weihung an Isis;<ref>AE 2004, 1023; Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, Bild S. 34f.</ref> von dem Epitheton ist lediglich die Endung „[...]ae“ erhalten. Drei kleine Statuenbasen stammen von Pausarii; auf zweien sind die Füße einer Genius-Statue erhalten, die einmal auch inschriftlich als Weihobjekt erscheint, während eine weitere Inschrift den Genius der Pausarii der vexillatio der Veteranen als Adressaten nennt.<ref>AE 2004, 1020–1022.; Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, S. 20f., Nr. 7–9. </ref> Bei den hier genannten Pausarii handelt es sich wohl nicht – wie Witteyer glaubt<ref>Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, Bild S. 21; dies.: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, hier: S. 346f.</ref> – um das Kultpersonal des Isiskultes, das die Kultbilder in Prozessionen trug, sondern um Rudermeister der Rheinflotte, die in militärische Einheiten eingebunden waren.<ref>Svenja Nagel: Isis im Römischen Reich, Tbd. 2: Adaption(en) des Kultes im Westen, Wiesbaden 2019, S. 1194</ref> Weitere privat gestiftete Monumente bleiben ohne Gottesnennung.<ref>Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, S. 21, Nr. 10.</ref> Anepigraphe Funde umfassen einen Räucheraltar mit Rußspuren sowie ein Relieffragment eines jugendlichen Gottes mit Strahlenkrone, möglicherweise Sol.<ref>Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, S. 21; Svenja Nagel: Isis im Römischen Reich, Tbd. 2: Adaption(en) des Kultes im Westen, Wiesbaden 2019, S. 1194f.</ref>
Zwergenfigur
Zu den herausragenden Objekten aus dem Kleinen Heiligtum zählt die Figur eines ithyphallischen, tanzenden Zwergs. Sie ist wahrscheinlich im 1. Jahrhundert v. Chr. entstanden und damit älter als das Legionslager und das Heiligtum selbst. Die in bemerkenswerter handwerklicher Qualität gefertigte Statuette wurde im Bronzevollguss ausgeführt. Fuß- und Fingernägel sind mit Silber eingelegt, Haarbinde und Lippen aus Kupfer gearbeitet. Mit der rechten Hand greift die Zwergenfigur an einen auf dem Kopf liegenden Blütenkranz, während die linke ursprünglich ein Tablett oder ein vergleichbares Objekt hielt. Dieses ist wie auch die Basis der Figur verloren. Das Figürchen ist mit einem weit fallenden Mantel bekleidet. Die Gestalt ist leicht nach hinten geneigt, was wohl Trunkenheit andeuten soll. Denkbar ist daher, dass es sich um die Darstellung eines berauschten Teilnehmers einer kultischen Feier – vielleicht der Inventio Osiridis – handelt.<ref>Anna Schöne: Mainzer Zwerg. In: Stephan Seiler (Hrsg.): Armut in der Antike. Perspektiven in Kunst und Gesellschaft, Begleitheft zur Sonderausstellung, Trier 2011, S. 16; Svenja Nagel: Isis im Römischen Reich, Tbd. 2: Adaption(en) des Kultes im Westen, Wiesbaden 2019, S. 1195. </ref>
Terrakotten
In einem der Depots im Sakralbezirk konnte eine höhere Zahl an Terrakotten geborgen werden, auch wenn diese gegenüber anderen Kultstätten insgesamt unterrepräsentiert bleiben. Die Terrakotten sind zu einem wesentllichen Tierfiguren – darunter ein Hund, Vögel und ein mit Opferbinde geschmückter Stier; daneben finden sich aber auch andere Darstellungen, etwa ein Liebespaarmotiv. Hinzu treten zwei singuläre Tonreliefs aus derselben Form, deren Bodenleiste jedoch jeweils individuell nachbearbeitet wurde. Eines zeigt ein vor dem Brand eingestochenes Loch zur vorgesehenen Befestigung. Dargestellt ist ein Mann in militärischer Tracht mit Lederpanzer, erhobener Lanze, Schwert und Rechteckschild. Die altertümliche militärische Ausstattung deutet darauf hin, dass hier nicht einfach ein Soldat dargestellt ist. Wahrscheinlich handelt es sich um die historisierende Darstellung eines Kultdieners, vielleicht eines Mitglieds des in Mainz im 3. Jahrhundert epigraphisch belegten Kollegiums der Hastiferi.<ref>Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, hier S. 338f.; auch dies.: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004, S. 36f.</ref>
Zeugnisse verborgener Magie
Bei den Ausgrabungen im Kultbezirk und seiner näheren Umgebung trat neben der öffentlich sichtbaren Kultpraxis eine zweite, verborgene Ebene religiöser Kommunikation zutage. Während Weihinschriften, Votive und Opferreste die reguläre Interaktion zwischen Mensch und Gottheit bezeugen – laut gesprochenes Gebet, Gelübde (votum), demonstrative Stiftung und soziale Selbstverortung –, weisen die Mainzer Bleilamellen und Zauberpuppen auf eine im Verborgenen praktizierte, ritualisierte Form individueller Konfliktbewältigung hin. Diese entzog sich dem öffentlichen Zugriff, war aber gleichwohl fest in den sakralen Raum eingebettet.<ref>Dazu: Marion Witteyer: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 102f.</ref> Der erhaltene Bestand umfasst 34 beschriftete Bleitäfelchen (defixionum tabellae) sowie drei Tonfigürchen (zu letzteren siehe unten). Die ursprüngliche Stückzahl dürfte höher anzusetzen sein; angeschmolzene Bleiklumpen verweisen auf eine rituelle Zerschmelzung der Lamellen und die damit einhergehenden Verluste. In einem Nebengebäude wurde zudem eine größere Menge unbeschrifteter Bleilamellen und Bleiklumpen geborgen; möglicherweise wurden beschriftete Lamellen und Fragmente wieder eingesammelt und dort zur erneuten Beschriftung aufbereitet.<ref>Marion Witteyer: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 103, 118, vgl. auch S. 102, Abb. 1. Auffällig ist auch der Umstand, dass die bisher untersuchten Bleistücke alle einen Bleigehalt von über 95 Prozent zeigen, ebd., S. 125, Anm. 65.</ref> Mindestens eine der Figuren war bei der Auffindung im Wesentlichen zerfallen; andere ursprünglich vorhandene Zauberpuppen mögen aus vergänglichem Material bestanden haben und haben sich daher nicht erhalten.<ref>Marion Witteyer: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 103.</ref> Während die Zauberpuppen außerhalb des Heiligtums deponiert waren, wurden die Fluchtäfelchen überwiegend innerhalb des Temenos und hier im Wesentlichen auf zwei stellen konzentriert aufgefunden.<ref>Jürgen Blänsdorf: Die Defixionum Tabellae des Mainzer Isis- und Mater Magna-Heiligtums, Mainz 2012, S. 1–6; Marion Witteyer: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 112.</ref> Die im Heiligtum aufgefundenen Fluchtäfelchen und Zauberpuppen sind im Unterschied zu den übrigen Fundgattungen dieses Befundes vergleichsweise gut untersucht.<ref>Marion Witteyer: Verborgene Wünsche. Befunde antiken Schadzaubers aus Mogontiacum-Mainz. In: Kai Brodersen/Amina Kropp (Hrsg.): Fluchtafeln – neue Funde und neue Deutungen zum antiken Schadenzauber, Frankfurt a.M. 2004, S. 41–50; dies.: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52; dies.: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23; Jürgen Blänsdorf: „Guter, heiliger Atthis“. Eine Fluchtafel aus dem Mainzer Isis- und Mater-Magna-Heiligtum (Inv.-Nr. 201 B 36). In: Kai Brodersen/Amina Kropp (Hrsg.): Fluchtafeln: neue Funde und neue Deutungen zum antiken Schadenzauber, Frankfurt a.M. 2004, hier: S. 51–58; ders.: Die Defixionum Tabellae des Mainzer Isis- und Mater Magna-Heiligtums, Mainz 2012; ders.: Jürgen Blänsdorf: Die Fluchtäfelchen des Isis- und Mater Magna-Heiligtums Mainz/Römerpassage, Mainz 2017.</ref>
Fluchtäfelchen
Die Mainzer Lamellen gehören formal zur Gruppe der Verfluchungstäfelchen. Sie wurden im Glauben an die performative Kraft des geschriebenen Wortes gefertigt, um mittels übernatürlicher Mächte auf Leben, Handeln oder Wohlergehen anderer Personen gegen deren Willen einzuwirken. Gleichwohl zeigen die meisten Tafeln inhaltlich eine deutliche Nähe zu sogenannten „Gebeten um Gerechtigkeit“.<ref>Marion Witteyer: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 103–5, 109–11.</ref> Fast ausnahmslos werden Mater Magna, bzw. ihr Paredros Attis als Rächer angerufen;<ref>Vgl. Jürgen Blänsdorf: Die Defixionum Tabellae des Mainzer Isis- und Mater Magna-Heiligtums, Mainz 2012, S. 50–110.</ref> Isis erscheint auf keiner der Tafeln, obgleich sie andernorts durchaus auf Fluchtäfelchen angerufen wurde.<ref>Jürgen Blänsdorf: Die Defixionum Tabellae des Mainzer Isis- und Mater Magna-Heiligtums, Mainz 2012, S. 17f.; dies.: Die Fluchtäfelchen des Isis- und Mater Magna-Heiligtums Mainz/Römerpassage, Mainz 2017, S. 3.</ref> Die Anrede erfolgt ehrerbietig,<ref>Marion Witteyer: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 109.</ref> Zauberformeln im engeren Sinne fehlen überwiegend.<ref>Jürgen Blänsdorf: Die Defixionum Tabellae des Mainzer Isis- und Mater Magna-Heiligtums, Mainz 2012, S. 33.</ref> Die Texte verbinden Elemente der Bannmagie mit Gebetsstrukturen – eine typische Mischform im Grenzbereich von Religion und Magie.<ref>Jürgen Blänsdorf: Die Defixionum Tabellae des Mainzer Isis- und Mater Magna-Heiligtums, Mainz 2012, S. 23; Marion Witteyer: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 111.</ref>
Inhaltlich dominieren Delikte wie Diebstahl, Betrug, Unterschlagung oder Verleumdung.<ref>Jürgen Blänsdorf: Die Defixionum Tabellae des Mainzer Isis- und Mater Magna-Heiligtums, Mainz 2012, S. 30.</ref> So bittet eine Geschädigte Mater Magna um Rache an einem Mann namens Ulattius Severus – wahrscheinlich ihr Vormund –, der sie um eheliches Vermögen gebracht habe (DTM 3). Der Rachewunsch wird klar zur Sprache gebracht, ein Wunsch auf Rückgabe wird nicht formuliert: Alles möge ihm „verkehrt“ gelingen; wie Salz im Wasser solle sich sein Tun auflösen – möglicherweise eine Anspielung auf eine bei der Verfluchung durchgeführte Kulthandlung.<ref>Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, hier: S. 343.</ref> Die Ränder der Tafel wurden nach der Beschriftung eingekerbt – eine häufiger bei Fluchtafeln auftretende Manipulation zur Verstärkung des Gesagten.<ref>Jürgen Blänsdorf: Die Defixionum Tabellae des Mainzer Isis- und Mater Magna-Heiligtums, Mainz 2012, S. 76–81.</ref> Analogien (similia similibus) strukturieren die Texte: Das Schmelzen des Bleis steht für das Zerfließen von Gliedern und Mark; die Umkehrung der Schrift oder das Drehen der Tafel fungiert als Zeichen performativer Inversion.<ref>Marion Witteyer: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 103–9.</ref>
Mehrere Tafeln (DTM 1, 6) greifen die kultische Selbstkastration der Galli,<ref>Zu den Galli vgl.: Gabriel Michel Sanders: Gallos. In: Reallexikon für Antike und Christentum, Bd. 8, Stuttgart 1972, Sp. 984–1034; Jürgen Blänsdorf: Die Defixionum Tabellae des Mainzer Isis- und Mater Magna-Heiligtums, Mainz 2012, S. 11f.</ref> der ekstatischen Kultanhänger der Magna Mater, auf: Wie diese sich schnitten, so möge sich auch der Verfluchte verletzen, seine körperlichen und geistigen Kräfte verlieren und zu einem Ausgestoßenen werden. Über die Analogie des in das Heiligtum gebrachten verdorrenden Baumes stellt DTM 6 zudem einen Bezug zum offiziellen Kultkalender der Magna Mater her. In einer weiteren Tafel (DTM 5) erscheint Attis in gottgleichem Rang, verbunden mit Anklängen an die Dioskuren (Castor und Pollux); die cistae penetrales – kultische Behälter mit den virilia des Attis – werden beschworen (DTM 5).<ref>Marion Witteyer: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 105–7.</ref> Formeln wie mando et rogo religione („ich übergebe und bitte unter Wahrung des Kultes“) stellen die Verfluche als ritualisiertes Übergabeverfahren dar, das die Tat zur religiösen Verfehlung umdeutet und der Gottheit zur Ahndung anheimstellt (DTM 11/12). Teilweise wird eine Frist gesetzt – binnen eines Jahres oder innerhalb von zehn Monaten soll der Tod eintreten. In einem außergewöhnlichen Fall wird ein römischer Bürger als „Opfergabe“ im Megaron des Heiligtums übereignet (DTM 4); die Erwähnung von Herz und Leber evoziert die Examen der exta und damit die Annahme des Opfers durch die Gottheit.<ref>Marion Witteyer: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 108f.</ref> Neben Rechtsdelikten erscheint einmal wohl eine Rivalitätssituation ohne klaren Straftatbestand (DTM 15), was an die Kategorie der tabellae amatoriae erinnert.<ref>Marion Witteyer: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 109.</ref>
Autorschaft und soziale Reichweite bleiben meist anonym. Paläographische Unterschiede sprechen gegen professionelle Schreiber; die Betroffenen verfassten ihre Texte offenbar überwiegend selbst. Stil und Ausdruck reichen von geübt bis unbeholfen; vereinzelt treten vulgärlateinische Formen auf, überwiegend liegt jedoch eine hochsprachliche Ausdrucksweise vor.<ref>Jürgen Blänsdorf: Die Defixionum Tabellae des Mainzer Isis- und Mater Magna-Heiligtums, Mainz 2012, S. 26–28, 37f.; Marion Witteyer: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 109.</ref>
Zauberpuppen
Die neben den Fluchtäfelchen bestehende zweite, im Heiligtum archäologisch nachweisbare Möglichkeit, das Schicksal anderer Personen den überirdischen Mächten zu übereignen, bestand in der Anfertigung tönerner Stellvertreterfiguren. In der Antike waren derartige Figürchen weit verbreitet; sie waren meist sehr einfach gestaltet und bestanden aus unterschiedlichen Materialien. Magische Manipulationen wie Einstiche oder Durchbohrungen kennzeichnen sie in ihrer Funktion als Zauberpuppen. In Mainz zeigen zwei von ursprünglich mindestens drei Figuren entsprechende Spuren. Die Zauberpuppen wurden außerhalb des Tempelbezirks in einem Graben bzw. in einem Brunnen aufgefunden;<ref>Marion Witteyer: Verborgene Wünsche. Befunde antiken Schadzaubers aus Mogontiacum-Mainz. In: Kai Brodersen/Amina Kropp (Hrsg.): Fluchtafeln – neue Funde und neue Deutungen zum antiken Schadenzauber, Frankfurt a.M. 2004, S. 41–50, hier: S. 42.</ref> die beiden erhaltenen Figuren weisen eine Höhe von wenigen Zentimetern auf und sind durch eine stark schematisierte Wiedergabe von Gesichtszügen, Extremitäten und Genitalien gekennzeichnet. Letztere weisen sie grundsätzlich als männlich aus. Bei einer der Darstellungen lassen sich allerdings seitliche Ausformungen am Oberkörper erkennen, die als Brüste gedeutet werden könnten, sodass hier auch die Interpretation als Hermaphrodit in Betracht zu ziehen ist. Die größere, besser erhaltene der beiden Figur weist zahlreiche Einstiche am Körper auf, während das kleinere Figürchen kaum entsprechende Spuren zeigt. Die größere Figur war zudem in der Mitte zerbrochen und beim Ablegen mit verdrehten Körperhälften zusammen mit weiteren Objekten deponiert worden. Unter diesen befand sich ein Bleitäfelchen<ref>AE 2005, 1128.</ref> mit der Nennung des Opfers: Trutmo Florus, Sohn des Clitmo. Da Abseits des Namens keine weiteren Angaben vorliegen, lässt sich über den Grund für die Verfluchung nur spekulieren. Die über den Körper verteilten Einstiche und Durchbohrungen – insgesamt zehn oder zwölf – erscheinen als aggressive Metaphern, die an die Formulierungen im Heiligtum aufgefundener Bleilamellen erinnern, auf denen Bestrafung, körperliches und geistiges Leiden, Lähmung, Krankheit oder Tod erfleht werden. Die Verletzungen betreffen unter anderem das linke Auge, den Hals, die Brust, den Bauch, die Hüften, den Rücken sowie den Anus. Sie lassen sich als gezielte Verwünschung der jeweils markierten Körperpartien deuten, während die Verdrehung der Körperhälften möglicherweise Desorientierung oder Handlungsunfähigkeit symbolisieren sollte. Die beiden anderen, nur schwach gebrannten Figuren wurden in einen Brunnen geworfen, was möglicherweise auf das Ziel hindeutet, dass sie sich analog zu den Bleitäfelchen auflösen – tatsächlich hatte sich eine der Figuren fast vollständig zersetzt.<ref>Zu den Zauberpüppchen siehe: Marion Witteyer: Curse Tablets and Voodoo Dolls from Mainz. The Archaeological Evidence for Magical Practices in the Sanctuary of Isis and Mater Magna. In: MHNH. Revista internacional de investigación sobre magia y astrología antiguas 5 (2005), S. 105–23; dies.: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, hier: S. 328–31; dies.: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, hier: S. 111f.</ref>
Deponierung und Öffentlichkeit
Wie man sich die Deponierung der Zauberpuppen und der Fluchtäfelchen im einzelnen vorstellen muss, ist nur schwer zu bestimmen. Bei defixiones, also Schadenszaubern gegen konkrete Personen, ist aufgrund der drohenden strafrechtlichen Konsequenzen von einem Ausschluss der Öffentlichkeit auszugehen. Der Vorwurf magischer Praktiken konnte Anklage und harte Bestrafung nach sich ziehen; daher erfolgten Herstellung und Niederlegung solcher Objekte vermutlich in einem engen Kreis, bestehend aus dem Auftraggeber und gegebenenfalls einem spezialisierten Ritualkundigen. Anders verhält es sich bei den in Heiligtümern deponierten „Gebeten um Gerechtigkeit“, die Witteyer von den Fluchtafeln unterscheidet. Hier erscheint ihr eine zumindest vorübergehende öffentliche Präsentation denkbar.
Dass zahlreiche Täfelchen sorgfältig vorbereitet wurden und nicht erst am Ablageort beschrieben wurden, sowie die über längere Zeiträume hinweg nachweisbare Praxis ihrer Niederlegung sprechen für geplante Abläufe, die zumindest unter Duldung der Priesterschaft stattfanden. Auch die wiederholte Nutzung desselben Ritualorts und das Belassen von Resten im Brandschutt legen eine eingeschränkte Öffentlichkeit nahe: Offenkundig konnten Personen, die mit den entsprechenden Praktiken vertraut waren, Beobachtung oder Teilnahme in einem kontrollierten Rahmen wahrnehmen. Eine vollständige Verborgenheit erscheint daher wenig plausibel; wahrscheinlicher ist ein halböffentlicher Rahmen unter Einbeziehung der Priester.<ref>Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52, hier: S. 344–47; dies.: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23, S. 119f., 125, Anm. 66. Zum Aspekt der Strafbarkeit der Handlungen und der Mitwirkung der Priesterschaft auch Jürgen Blänsdorf: Die Defixionum Tabellae des Mainzer Isis- und Mater Magna-Heiligtums, Mainz 2012, S. 33.</ref>
Hallstattzeitliches Frauengrab
Bei den Ausgrabungen trat im November 2000 neben den römischen Funden unter den Fundamenten des Kultbezirks aus dem 1. Jahrhundert ein rund sieben Jahrhunderte älterer Tumulus mit einem Körpergrab aus der frühen Eisenzeit zutage. Der Grabhügel gehört zu einer kleinen Grabgruppe, die sich neben einem hallstattzeitlichen Grabensystem auf der Niederterrasse des Rheins im heutigen Stadtgebiet von Mainz befindet. Die Bestattung lag zentral unter dem Tumulus und war von einem etwa 7,5 m messenden Steinkreis eingefasst. Der Befund konnte durch dendrochronologische Methoden in die Zeit zwischen 680 und 650 v. Chr. datiert werden und gehört damit in die frühe Hallstattzeit (Ha C). Die Tote, eine 35–45 Jahre alte Frau mittlerer Körpergröße mit degenerativen Veränderungen am Knie, war in Nord-Süd-Richtung gebettet. Ihr Grab war bereits in römischer Zeit gestört worden; das Skelett und Teile der Trachtausstattung lagen zerstreut. An beiden Armen trug sie eiserne Hohlringe mit rhombischem Querschnitt und massiven Stempelenden. Eine linsenförmige Bernsteinperle dürfte apotropäische Bedeutung besessen haben. Rechts neben dem Leichnam stand ein keramisches Totenservice mit Speisebeigaben: ein Kegelhalsgefäß mit ausladender Schulter, darin ein fein poliertes Omphalosschälchen, flankiert von zwei kalottenförmigen Schalen. Formenspektrum und Ausstattung verankern das Grab eindeutig im kulturellen Horizont Rheinhessens und der Pfalz; Parallelen finden sich in Kammergräbern des Oberrheingebiets. Besonderes Gewicht kommt der hölzernen Grabeinrichtung zu. In einer 3,0 × 1,7 m großen, mindestens 30 cm eingetieften Grabgrube war ein Rahmen aus verkämmten Bohlen errichtet worden. Darin lag ein 2,1 × 0,9 m messendes Totenbrett aus drei gespaltenen Eichenbohlen. Der Fund besitzt überregionale Bedeutung. Dendrodatiertbares Holz aus hallstattzeitlichen Gräbern ist selten; die Mainzer Bestattung ergänzt die schmale Reihe absolutchronologisch gesicherter Grabfunde des 8. und 7. Jahrhunderts v. Chr. im Westhallstattkreis. Die spätere Integration des eisenzeitlichen Hügels in das römische Heiligtum und die Anlage eines gemauerten Opferschachtes über dem Zentralgrab deuten auf fortwirkende Vorstellungen von der magischen bzw. heiligen Wirkung des Ortes in römischer Zeit.<ref>Sibylle Bauer: Ein Dendrodatum für die Frühe Eisenzeit aus dem römischen Isis- und Mater Magna-Heiligtum in Mainz. In: Archäologisches Korrespondenzblatt 38/4 (2008), S. 505–12.</ref>
Archäologische Erkenntnisse
Die zusammenfassende Auswertung der archäologischen Befunde, ihrer Zusammenhänge und ihrer wissenschaftlichen Interpretation dauert nach wie vor an. Die mit der Auswertung befassten Archäologen haben allerdings schon einen Teil der Arbeiten durchführen können und eine Reihe von Aussagen zu dem Fund gemacht.
So war der Wissenschaft bislang nicht bekannt, dass der Isiskult bereits so früh in die Nordprovinzen des römischen Imperiums vorgedrungen war. Die eindeutig ermittelbare Zeitstellung des Heiligtums in das letzte Drittel des ersten Jahrhunderts n. Chr., also in die Zeit Kaiser Vespasians, führte dazu, dass die bisherige Lehrmeinung revidiert werden musste. Auch wurde mit dem Mainzer Heiligtum erstmals außerhalb Italiens ein den beiden orientalischen Gottheiten gemeinsam geweihtes Heiligtum gefunden.<ref>Laut Archäologische Denkmalpflege – Amt Mainz, Rubrik Forschung: Heiligtum.</ref> In Mogontiacum war der Isiskult bis dahin nicht bzw. nur durch Kleinfunde, der Kult der Mater Magna erst ab dem Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. bezeugt. Auch die Anrufung des der Mater Magna zuzuordnenden Attis ist erstmals in den Mainzer Fluchtäfelchen belegt.
Bei den Ausgrabungen wurde insgesamt eine Vielzahl von Befunden gemacht. Dabei nimmt das Frauengrab des Gräberfeldes der Hallstattzeit eine Sonderstellung ein und wird getrennt vom Heiligtum betrachtet. Dem Mainzer Grab wird ein auch überregional besonderer Platz in der eisenzeitlichen Forschung im Kontext der Dendrochronologie zugesprochen.<ref>Sybille Bauer: Die Mainzer Römerpassage als Heiliger Ort - die früheisenzeitliche Grabanlage im römischen Tempelbezirk der Isis und der Magna Mater.</ref> von Dr.
Im Zusammenhang mit dem Heiligtum wurden Weiheinschriften gefunden, deren Stiftungstext und daraus hervorgehende Datierungen Aufschlüsse über regional bedeutende politische Ereignisse zulassen. Weitere herausragende epigrafische Zeugnisse sind die gefundenen bleiernen Fluchtäfelchen, die zusammen mit den aufgefundenen Zauberpuppen einen Einblick in die nach römischem Recht verbotene und illegal praktizierte magisch-rituelle Kultwelt der einfachen Provinzialrömer geben. Über Durchführung und Organisation des offiziell ausgeübten Kultes für Isis und Mater Magna geben vorgefundene Brandaltäre, Kleinfunde von Weihegaben und Opferdepots detailliert Auskunft. So wurden beispielsweise neben den üblichen Opfergaben wie Terrakotten oder Kleinbronzen bei den Brandopfern untypischerweise viele Knochen von erwachsenen Hähnen und Singvögeln gefunden, die im Heiligtum anscheinend als bevorzugte Opfertiere galten.<ref>Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Broschüre Archäologische Denkmalpflege Mainz 2004, S. 57 ff.</ref> Typischerweise wurden orientalischen Gottheiten eher Hennen geopfert, die Opferung von Singvögeln war bis dahin unbekannt.
Insgesamt wurde mit dem gefundenen Isis- und Mater Magna-Heiligtum in Mainz ein weiteres wichtiges Detail der römischen Stadtgeschichte entdeckt. Nach wie vor stehen gesicherte Erkenntnisse beispielsweise über den Standort des Sitzes des Provinzstatthalters, des Forums, des Amphitheaters und vor allem des sakralen Bezirkes mit den Tempelanlagen für den Reichsgott Jupiter oder auch Juno von Mogontiacum aus.
Literatur
- Marion Witteyer: Das Heiligtum für Isis und Mater Magna. Texte und Bilder, Mainz 2004.
- Marion Witteyer: Verborgene Wünsche. Befunde antiken Schadzaubers aus Mogontiacum-Mainz. In: Kai Brodersen/Amina Kropp (Hrsg.): Fluchtafeln – neue Funde und neue Deutungen zum antiken Schadenzauber, Frankfurt a.M. 2004, S. 41–50.
- Jürgen Blänsdorf: „Guter, heiliger Atthis“. Eine Fluchtafel aus dem Mainzer Isis- und Mater-Magna-Heiligtum (Inv.-Nr. 201 B 36). In: Kai Brodersen/Amina Kropp (Hrsg.): Fluchtafeln: neue Funde und neue Deutungen zum antiken Schadenzauber, Frankfurt a.M. 2004, hier: S. 51–58.
- Marion Witteyer: Curse Tablets and Voodoo Dolls from Mainz. The Archaeological Evidence for Magical Practices in the Sanctuary of Isis and Mater Magna. In: MHNH. Revista internacional de investigación sobre magia y astrología antiguas 5 (2005), S. 105–23.
- Wolfgang Spickermann: Mysteriengemeinde und Öffentlichkeit. Überlegungen zur Integration von Mysterienkulten in die lokalen Panthea in Gallien und Germanien. In: Jörg Rüpke (Hrsg.): Gruppenreligionen im römischen Reich. Sozialformen, Grenzziehungen und Leistungen, Tübingen 2007, S. 127–60 (borndigital).
- Jürgen Blänsdorf: Die Defixionum Tabellae des Mainzer Isis- und Mater Magna-Heiligtums, Mainz 2012.
- Marion Witteyer: Gaben, Opfer, Deponierungen im Kontext des Isis- und Mater Magna-Heiligtums in Mainz. In: dies. u. Alfred Schäfer (Hrsg.): Rituelle Deponierunen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Int. Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainz 2013, S. 317–52 (borndigital).
- Wolfgang Spickermann: Überlegungen zu zwei Inschriftentafeln für Isis Panthea und Magna Mater aus der Römerpassage in Mianz. In: Gabrile Koiner/Ute Lohner-Urban (Hrsg.): „Ich bin dann mal weg“. Festschrift für einen Reisenden, Thuri Lorenz zum 85. Geburtstag, Wien 2016, S. 203–9.
- Jürgen Blänsdorf: Die Fluchtäfelchen des Isis- und Mater Magna-Heiligtums Mainz/Römerpassage, Mainz 2017.
- Svenja Nagel: Isis im Römischen Reich, Tbd. 2: Adaption(en) des Kultes im Westen, Wiesbaden 2019, S. 1192–97.
- Joachim Gorecki: „Mos stipis“ – Die Sitte des Geldopfers. Zu den Münzvotiven aus dem Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Stefan Krmnicek/Jérémie Chameroy (Hrsg.): Money Matters. Coin Finds and Ancient Coin Use, Bonn 2019, S. 209–24.
- Marion Witteyer: Rogo te domina. Bitten um göttlichen Beistand im Heiligtum für Isis und Mater Magna in Mainz. In: Nina Gallion/Johannes Lipps (Hrsg.): Beten in Mainz: Religion als Herausforderung in der Geschichte der Stadt, Oppenheim am Rhein 2023, S. 101–23.
Weblinks
- Das Isis- und Mater Magna-Heiligtum auf der Website der Landeshauptstadt Mainz.
- Das Heiligtum auf der Website der Römerpassage.
- Website der Initiative Römisches Mainz e.V.
- <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Sybille Bauer: Die Mainzer Römerpassage als Heiliger Ort – die früheisenzeitliche Grabanlage im römischen Tempelbezirk der Isis und der Magna Mater. ( vom 29. Januar 2013 im Internet Archive)
Anmerkungen
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