Notice: Unexpected clearActionName after getActionName already called in /var/www/html/includes/context/RequestContext.php on line 338
Trockener Kahlkopf – Wikipedia Zum Inhalt springen

Trockener Kahlkopf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Heide-Kahlkopf)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Trockener Kahlkopf
Datei:Psilocybe.montana.-.lindsey.jpg

Trockener Kahlkopf (Deconica montana)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Champignonartige (Agaricales)
Familie: Träuschlingsverwandte (Strophariaceae)
Gattung: Deconica
Art: Trockener Kahlkopf
Wissenschaftlicher Name
Deconica montana
(Pers. : Fr.) P.D. Orton

Der Trockene Kahlkopf oder Heide-Kahlkopf (Deconica montana, syn. Psilocybe montana, Psilocybe atrorufa) ist ein Ständerpilz aus der Familie der Träuschlingsverwandten (Strophariaceae). Er bildet sehr kleine bis kleine Fruchtkörper.

Sein gängiges Synonym ist Psilocybe atrorufa. Weitere, veraltete Synonyme der Art sind P. muscorum und P. physaloides. Galt früher die Einordnung in den Subtyp Deconica und P. montana als die Typusart der Kahlköpfe, so wird die Art heute der Gattung Deconica zugerechnet.<ref name="Noordeloos" />

Merkmale

Datei:Psilocybe.montana2.-.lindsey.jpg
Hutunterseite mit den Lamellen

Makroskopische Merkmale

Der kräftig (rot)braun bis dunkelbraun gefärbte Hut ist anfangs kugelig, dann polsterartig geformt und verflacht mit zunehmendem Alter schirmförmig. Der Durchmesser beträgt 5–25 mm. Zudem ist er stark hygrophan,<ref>Steve Trudell, Joe Ammirati: Mushrooms of the Pacific Northwest. Timber Press 2009, ISBN 978-0-88192-935-5, S. 208.</ref> was den einzelnen Exemplaren Variabilität in der Farbe, hin zu dunkleren Tönen verleiht, welche während des Eintrocknens unter Umständen wieder verblassen. Die Huthaut ist glatt, unter schwülen Verhältnissen feucht-klebrig und lässt sich abziehen. Von der Hutmitte gehen radiale Riefen aus. Der Hutrand verläuft glatt, später gerieft und bisweilen wellig.

Die Lamellen sind bauchig, fast dreieckig, gerade und kurz herablaufend angewachsen. Sie stehen normal bis mäßig weit 2 mm auseinander und sind mit bis zu 3 Lamelletten untermischt. Die Farbe ist erst cremefarben, dann ocker-braun und schließlich kräftig braun-violettartig. Die Kanten sind fein umsäumt. Das Sporenpulver hat eine lila-bräunliche oder grau-braune Farbe.

Der spröde Stiel ist glatt, 1,5–4 cm lang, 1–2 mm dick und in der Farbe dem dunklen Hut sehr ähnlich. Seine Textur ist längsfaserig. Die Form ist entweder gerade oder gewunden, mit höchstens leicht verdickter Stielbasis. Die Spitze ist bereift. Ältere Exemplare haben hohle Stiele.

Das Fleisch ist im Hut dünn, klebrig und bräunlich, im Stiel zäh, elastisch. Es riecht schwach mehlig und schmeckt leicht bitter.

Mikroskopische Merkmale

Die Sporen messen etwa 7,0–9,5 × 4,5–6,0 µm. Sie sind oval bis mandelförmig sowie glatt- und dickwandig. Sie besitzen jeweils einen apikalen Keimporus und ein unauffällig hiläres Anhängsel. Die 4-sporigen Basidien sind 12–23 × 4–9 µm groß.

Artabgrenzung

Eine hohe Verwechslungsgefahr geht von kleinsporigen Kahlköpfen, etwa dem Moos-Kahlkopf (Psilocybe muscorum) oder dem Heide-Kahlkopf (Psilocybe physaloides) aus. Die beiden Taxa werden in aktueller Bestimmungsliteratur jedoch als Synonym aufgeführt und gelten dadurch nicht mehr als eigene Arten. Ein weiterer Doppelgänger ist der Feingeriefte Kahlkopf, der einen nur unscheinbar gerieften Hutrand besitzt, dessen Textur bei Feuchtigkeit deutlicher erkennbar ist.

Ökologie

Psilocybe montana zählt zu den Saprobionten, ernährt sich aber möglicherweise auch parasitär. Die Art wird oft zwischen Moosen aufgefunden.<ref>Orlando Petrini, Egon Horak: Taxonomic monographs of Agaricales. Band 1, J. Cramer 1995, ISBN 3-443-59061-6.</ref> Dazu zählen vor allem die Widertonmoose (Polytrichum),<ref>Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien. Bände 115–120, Zoologisch-Botanische Gesellschaft Wien, 1976.</ref> Schönschnabelmoose (Eurhynchium) und Kegelmoose (Brachythecium). Der Pilz wächst in exponierten Habitaten wie Dünen, Heide, baumloser Tundra und lichten Nadelwäldern, meist auf sauren, nährstoffarmen Böden. Von der Beschaffenheit können diese sandig und gut wasserdurchlässig sein. Auch Wegränder und Magerrasen zählen zu seinem Lebensraum,<ref>Wissenschaftliche Zeitschrift: Mathematisch-naturwissenschaftliche Reihe. Bände 18–19, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald, 2009.</ref> das Vorhandensein von Dung ist wachstumsfördernd. Diesen besiedelt er jedoch nicht direkt.

Das Artepitheton montana deutet auf Vorkommen in bergigen Lagen hin, die zum Teil bis über die Baumgrenze gehen. Die Wachstumszeit beginnt im März und erstreckt sich bis November, in frostfreien Wintermonaten auch über das ganze Jahr.

Vorkommen

Der Trockene Kahlkopf ist weltweit, in einer Vielzahl von Regionen und Klimazonen verbreitet, am dichtesten kommt er in Europa, bzw. Deutschland, Großbritannien,<ref>A. F. Parker-Rhodes: The Basidiomycetes of Thetford Chase. I. Correlation with age of plantation. In: New Phytologist. Band 52, Nr. 1, 1953, S. 65–70.</ref> Norwegen<ref>K. Hoiland: The genus Psilocybe in Norway. In: Nordic Journal of Botany. Band 25, Nr. 2, 1978, S. 111–122.</ref> und den voralpinen Gebieten der Schweiz<ref>J. Favre: Catalogue descriptif des champignons supérieurs de la zone subalpine du Parc National Suisse. Vol. 6, Druck Ludin AG, Liestal, Switzerland 1960, S. 323–610.</ref> vor. Auch in Nordamerika, darunter Kalifornien,<ref name="mykoweb" /> Kolumbien<ref>A. M. Nieves-Rivera, Santos Flores, C. Betancourt: Notes on the Agaricales of the high plains of Guasca, Cundinamarca Department, Colombia. In: Caldasia. Band 19, Nr. 1–2, 1997, S. 349–351.</ref> und Mexiko wurde die Art nachgewiesen.<ref>G. Guzman, L. Varela, J. P. Ortiz: The known non-hallucinogenic species of Psilocybe in Mexico. In: Boletin de la Sociedad Mexicana de Micologia. Band 11, 1977, S. 23–24.</ref> In Südamerika (Venezuela)<ref>F. Salazar, V. Marcano, F. Castellano, L. Martinez, A. Morales: Chemical and microstructural study of the genus Psilocybe (Agaricales) in the Venezuelan Andes: Part I. Psilocybe montana (Pers. ex Fr.) Kummer. In: Ernstia. Band 4, Nr. 1–2, S. 11–19 1994.</ref> ist er an feuchten Standorten anzutreffen. Dazu kommen weite Teile Asiens, hauptsächlich Russland,<ref>V. A. Urbonas: The taxonomy and range of fungi of the family Strophariaceae in the USSR. Part 3. The genus Psilocybe. In: Lietuvos TSR Mokslu Akademijos Darbai Serija C Biologijos Mokslai. Band 1, 1978, S. 9–18.</ref> China<ref>M. Zang, Y. Xia: Notes on the fungi from Western Kunlun Mountains China. In: Acta Botanica Yunnanica. Band 11, Nr. 4, 1989, S. 397–406.</ref> und selten Japan, wo er im Hochgebirge wächst. In Mitteleuropa kommt die Art, in Anbetracht der passenden ökologischen Bedingungen, weit verbreitet aber zerstreut vor.

Systematik und Taxonomie

Psilocybe montana war früher die Typusart der Gattung Psilocybe.<ref name="Singer" /> Weil die Fruchtkörper aber keine halluzinogenen Tryptamin-Derivate wie Psilocybin oder Psilocin enthalten,<ref name="Salazar1994" /><ref name="pmid7967656" /> werden die Fruchtkörper beim Berühren auch nicht blaufleckig, wie es für die halluzinogenen Vertreter der Gattung typisch ist. Molekulare Studien in den späten 2000er Jahren zeigten, dass die Gattung Psilocybe polyphyletisch war und aus zwei deutlich getrennten Abstammungslinien bestand, mit blauenden Arten in einem Ast und nicht blauenden Arten im anderen.<ref name="Moncalvo2002" /><ref name="Nugent2004" /><ref name="Matheny2006" /> Dennoch war ein Aufteilen der Gattung nicht unproblematisch, da der Name Psilocybe mit der Typusart Psilocybe montana verbunden war und somit die Abstammungslinien mit den nicht blauenden Arten den Namen hätte behalten müssen, während man dem Ast mit den halluzinogenen, blauenden Arten einen neuen Gattungsnamen hätte geben müssen. Da der Name Psilocybe aber allgemein mit halluzinogenen Pilzen assoziiert wurde, wurde der Vorschlag gemacht, entgegen den Richtlinien der botanischen Nomenklatur, den Namen für den halluzinogenen Abstammungsast zu konservieren und Psilocybe semilanceata zur neuen Typusart der Gattung zu machen. Die nicht blauenden Arten sollten stattdessen den Namen Deconica bekommen.<ref name="Redhead2005" /> Im Jahr 2009 wurde dieser Vorschlag vom Nomenklatur-Ausschuss für Pilze einstimmig angenommen.<ref name="Norvell2009" />

Speisewert

Die Kahlköpfe sind generell keine Speisepilze und geschmacklich unangenehm. Die meisten sind als ungenießbar beschrieben, manche Arten als nicht minder giftig. Der Trockene Kahlkopf ist als giftig eingestuft, seine Pharmakologie jedoch kaum erforscht. Es wurden bisher keine psychoaktiven Stoffe wie die Indolalkaloide Psilocybin, Baeocystin oder Psilocin nachgewiesen, die von anderen Vertretern der Gattung Psilocybe bekannt sind.<ref name="Beug-1" /><ref name="Beug-2" />

Quellen

Literatur

  • Gastón Guzmán: The Genus Psilocybe. J. Cramer, New York 1983, ISBN 3-7682-5474-7.
  • Roy Watling, Norma M. Gregory: British Fungus Flora: Agarics and Boleti. Vol 5: Strophariaceae & Coprinaceae p.p.: Hypholoma, Melanotus, Psilocybe, Stropharia, Lacymaria, & Panaeolus. Royal Botanic Garden, Edinburgh 1987, ISBN 0-9504270-4-7.
  • E. Horak: Röhrlinge und Blätterpilze in Europa, Bestimmungsbuch. Elsevier, Spektrum Akademischer Verlag 2005, ISBN 3-8274-1478-4.
  • M. E. Noordeloos, Th. W. Kuyper (Hrsg.): Flora agaricina neerlandica. Vol. 4: critical monographs on families of agarics and boleti occurring in the Netherlands. Taylor & Francis, 1999, ISBN 90-5410-493-7.
  • Trockener Kahlkopf (Psilocybe montana). In: natur-in-nrw.de. Abgerufen am 16. April 2012.
  • Psilocybe montana. In: mycobank.org. Abgerufen am 16. April 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).

Einzelnachweise

<references> <ref name="Beug-1"> Michael W. Beug: The Genus Psilocybe in North America. In: Fungi. Vol. 4, No. 3, 2011, S. 6–17 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />fungimag.com (Memento vom 31. März 2012 im Internet Archive) (PDF-Datei; 3,17 MB)). </ref> <ref name="Beug-2"> Michael W. Beug: Psilocybin - History, Personal Stories and Potential Future. In: Fungi. Vol. 4, No. 3, 2011, S. 31–41 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />fungimag.com (Memento vom 31. März 2012 im Internet Archive) (PDF-Datei; 3,17 MB)). </ref> <ref name="mykoweb"> California Fungi: Psilocybe. In: mykoweb.com. Abgerufen am 16. April 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> M. E. Noordeloos (2009): Die Gattung Deconica in Europa: neue Kombinationen. Österreichische Zeitschrift f. Pilzkunde 18: 207–211 Steve Trudell, Joe Ammirati (2009), Timber Press: Mushrooms of the Pacific Northwest, S. 208. Parker-Rhodes, A. F. (1953). "The Basidiomycetes of Thetford Chase. I. Correlation with age of plantation". New Phytologist 52 (1): 65–70 Zoologisch-Botanische Gesellschaft Wien (1976), Verhandlungen der Zoologisch-Botanischen Gesellschaft in Wien, Bände 115–120 Orlando Petrini, Egon Horak (1995), J. Cramer: Taxonomic monographs of Agaricales, Band 1 Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (2009), Wissenschaftliche Zeitschrift: Mathematisch-naturwissenschaftliche Reihe, Bände 18–19 Hoiland, K. (1978). "The genus Psilocybe in Norway". Nordic Journal of Botany 25 (2): 111–122 Favre, J. (1960). Catalogue descriptif des champignons supérieurs de la zone subalpine du Parc National Suisse. Vol. 6. Druck Ludin AG. Liestal, Switzerland, S. 323–610. https://www.mykoweb.com/CAF/genera/Psilocybe.html Nieves-Rivera, A. M.; Flores, Santos; Betancourt, C. (1997). "Notes on the Agaricales of the high plains of Guasca, Cundinamarca Department, Colombia". Caldasia 19 (1–2): 349–51 Guzman, G.; Varela, L.; Ortiz, J. P. (1977). "The known non-hallucinogenic species of Psilocybe in Mexico"Boletin de la Sociedad Mexicana de Micologia 11: 23–24 Salazar, F.; Marcano, V.; Castellano, F.; Martinez, L.; Morales, A. (1994). "Chemical and microstructural study of the genus Psilocybe (Agaricales) in the Venezuelan Andes: Part I. Psilocybe montana (Pers. ex Fr.) Kummer". Ernstia 4 (1–2): 11–19 Urbonas, V. A. (1978). "The taxonomy and range of fungi of the family Strophariaceae in the USSR. Part 3. The genus Psilocybe". Lietuvos TSR Mokslu Akademijos Darbai Serija C Biologijos Mokslai 1: 9–18 Zang, M.; Xia, Y. (1989). "Notes on the fungi from Western Kunlun Mountains China". Acta Botanica Yunnanica 11 (4): 397–406 Christian Rätsch: Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen, AT-Verlag 2007, ISBN 978-3-03800-352-6.

<ref name="Singer"> R. Singer: The Agaricales in Modern Taxonomy. J. Cramer, Vaduz 1975, ISBN 3-7682-0143-0, S. 912. </ref> <ref name="Salazar1994"> F. Salazar, V. Marcano, F. Castellano, L. Martinez, A. Morales: Chemical and microstructural study of the genus Psilocybe (Agaricales) in the Venezuelan Andes: Part I. Psilocybe montana (Pers. ex Fr.) Kummer. In: Ernstia. Band 4, Nr. 1–2, 1994, S. 11–19. </ref> <ref name="pmid7967656"> V. Marcano, A. Morales Méndez, F. Castellano, F. J. Salazar, L. Martinez: Occurrence of psilocybin and psilocin in Psilocybe pseudobullacea (Petch) Pegler from the Venezuelan Andes. In: Journal of Ethnopharmacology. Band 43, Nr. 2, Juli 1994, S. 157–159, doi:10.1016/0378-8741(94)90013-2, PMID 7967656. </ref> <ref name="Moncalvo2002"> J. M. Moncalvo, R. Vilgalys, S. A. Redhead, u. a.: One hundred and seventeen clades of euagarics. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 23, Nr. 3, 2002, S. 357–400, doi:10.1016/S1055-7903(02)00027-1, PMID 12099793. </ref> <ref name="Matheny2006"> P. B. Matheny, J. M. Curtis, V. Hofstetter, u. a.: Major clades of Agaricales: a multilocus phylogenetic overview. In: Mycologia. Band 98, Nr. 6, 2006, S. 982–995, doi:10.3852/mycologia.98.6.982, PMID 17486974 (mycologia.org [PDF]). </ref> <ref name="Noordeloos"> M. E. Noordeloos: Die Gattung Deconica in Europa: neue Kombinationen. In: Österreichische Zeitschrift f. Pilzkunde. Band 18, 2009, S. 207–211. </ref> <ref name="Norvell2009">L. Norvell: Report of the Nomenclature Committee for Fungi: 15. In: Mycotaxon. Band 110, 2009, S. 487–492 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ima-mycology.org (Memento vom 31. März 2012 im Internet Archive) [abgerufen am 2. Mai 2012]).</ref> <ref name="Nugent2004"> K. G. Nugent, B. J. Saville: Forensic analysis of hallucinogenic fungi: a DNA-based approach. In: Forensic Science International. Band 140, Nr. 2–3, 2004, S. 147–57, doi:10.1016/j.forsciint.2003.11.022, PMID 15036436. </ref> <ref name="Redhead2005"> </ref> </references>

Weblinks

Commons: Trockener Kahlkopf (Deconica montana) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien