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Hausberg (Jena)

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Vorlage:Infobox Berg

Der Hausberg bei Jena ist ein langgestreckter Vorlage:HöheVorlage:GeoQuelle hoher Muschelkalkberg östlich von Jena in Thüringen. Der Berg, auf dem sich der Aussichtsturm Fuchsturm befindet, ist ein beliebtes stadtnahes Wanderziel.

Geografie

Der Hausberg liegt östlich des Jenaer Stadtzentrums und ist über die Ziegenhainer Höhe (ca. 375 m) mit der Muschelkalkhochfläche der Wöllmisse verbunden. Die unmittelbar oberhalb des Saaletales gelegene Bergkuppe der Wilhelmshöhe erreicht noch eine Höhe von 350 m. Nördlich im Tal des Gembdenbaches liegt der Stadtteil Wenigenjena, östlich Jenaprießnitz und südlich im Ziegenhainer Tal der Ort Ziegenhain.

Jenaer Hausbergburgen („Kirchberger Schlösser“)

Auf dem Hausberg befanden sich vier mittelalterliche Burganlagen, von denen außer einigen Mauerresten heute nur noch der markante 30 m hohe Fuchsturm erhalten ist. Die vier Burgen auf dem Hausberg werden fälschlicherweise auch Kirchberger Schlösser genannt, obwohl nur drei den Burggrafen von Kirchberg gehörten. Der Hausberg erwies sich im Mittelalter als strategisch günstig, da unterhalb des Berges ein alter Saaleübergang lag. Von der Höhe aus konnte außerdem der Verkehr über die Wöllmisse, durch das Gembdental und durch das Ziegenhainer Tal kontrolliert werden.

Zwei der vier Burgen, nämlich Greifberg und Kirchberg I, wurden im Rahmen der sogenannten Kirchberger Fehde im Jahre 1304 von Truppen der Städte Erfurt, Mühlhausen, Nordhausen und den Landgrafen von Thüringen erobert und wohl auch zerstört. Kirchberg I wurde danach nicht wieder aufgebaut.

Vorlage:Anker Burg Greifenberg

Das edelfreie Geschlecht der Greifberger wurde erstmals 1156 erwähnt. Ihre anfängliche edelfreie Stellung mussten sie aufgeben und gerieten in Abhängigkeit der Wettiner. Nach deren Aussterben kam es in burggräflichen Besitz, weswegen es 1304 auch stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. 1345 übergaben die Burggrafen von Kirchberg als Vergleich die Burg an die Wettiner. Danach fiel die Anlage in die Bedeutungslosigkeit. Nach ihr werden keine Burgherren mehr benannt.

Vorlage:Anker Burg Kirchberg I

Ob es sich bei der auf der zweiten Kuppe von Westen befindlichen Ruine um die ottonische Burg, die vermutlich 937 erstmals erwähnt wird, handelt, ist umstritten. Für das 10. Jh. ist zumindest eine so bezeichnete Burg als Mittelpunkt eines Krongutbezirkes belegt, die gleichzeitig eine Kaiserpfalz war. Selbige Burg besuchten nachweislich Otto I., Otto II. und Heinrich II. Die hier vorhandene Burgruine birgt zwar Keramik des 10. Jh., steht aber aus methodischen Gründen im Gegensatz zu anderen bekannten Anlagen dieser Art. Bauliche Reste können lediglich ins 12. Jh. datiert werden und spielen zusammen mit dem Auftreten der Burggrafen von Kirchberg 1149. Die Burggrafen von Kirchberg, die um 1200 zu den mächtigsten Herren im östlichen Thüringen gehörten, waren anfänglich königliche, später wettinische Ministerialen und behaupteten ihren Besitz bis 1348. 1469 wird noch eine Kapelle auf Kirchberg erwähnt, die nach Jenaprießnitz gepfarrt war.

Im Areal von Burg Kirchberg I ist auch eine in den Muschelkalkfelsen geteufte runde Zisterne erhalten, sowie ein Stück Füllmauer mit Opus spicatum (Fischgrätmuster flacher Füllsteine)<ref>Sven Ostritz (Hrsg.): Archäologischer Wanderführer Thüringen, Band 8. "Jena und Umgebung. Saale-Holzland-Kreis, West." Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar 2019. Kommissionsverlag Beier & Beran Langenweißbach. ISBN 978-3-95741-099-3, Hausbergburgen Jena S. 55–57, hier 56</ref>.

Reinhard Spehr sieht die frühmittelalterliche Befestigung auf dem Jenaer Johannisberg als urkundlich belegte "Burg Kirchberg" (Kaiserpfalz) an.<ref>Reinhard Spehr: Zur spätfränkischen Burg „Kirchberg“ auf dem Johannisberg über Lobeda. In: Landesgruppe Thüringen der Deutschen Burgenvereinigung e. V. zur Erhaltung der historischen Wehr- und Wohnbauten (Hrsg.): Burgen und Schlösser in Thüringen. Jahresschrift der Landesgruppe Thüringen der Deutschen Burgenvereinigung. 1997, S. 21–38.</ref>

Burg Kirchberg II

Auf der nächsten Bergkuppe in Richtung Osten findet sich eine weitere Burgruine, die ebenfalls als Kirchberg bezeichnet wird und lange als identisch mit der Königspfalz angesehen wurde. Matthias Rupp hat dies anschaulich widerlegt. Wahrscheinlicher ist, dass diese Burg durch die Wettiner errichtet wurde, auf der auch Markgraf Heinrich II. den Grafen Konrad von Wettin festhielt. Seit dem 13. Jh. wird sie von wettinischen Ministerialen verwaltet, die sich u. a. auch nach Kirchberg benannte. 1304 wurde diese Burg verschont, verlor aber nach der Verlegung des Amtssitzes der wettinischen Pflege nach Wintberg an Bedeutung und verfiel. Lediglich der Bergfried (Fuchsturm) der Burg Kirchberg blieb erhalten, wurde mehrfach restauriert und ist heute wieder als Aussichtsturm zugänglich. Gleich daneben wurde im 19. Jahrhundert das Fuchsturmhaus errichtet, das heute noch als beliebte Gaststätte und Ausflugslokal besteht.

Burg Wintberg

Die östlichste Anlage<ref>Klaus Hallof, Luise Hallof: Die Inschriften des Landkreises Jena. 1995, S. 68.</ref> auf dem Hausberg wurde 1279 erstmals erwähnt und wegen der Konsolidierung der Herrschaft der Kirchberger errichtet. Nach den Befunden bestand die Burg etwa von 1200 bis ins 14. Jahrhundert. Von Wintberg konnten einige Gebäudereste freigelegt werden, u. a. Grundmauern eines Wohnturmes. Wintberg soll als Wohnschloss der Burggrafen von Kirchberg errichtet worden sein und fiel später an die Wettiner. Auch dort befand sich bis ins 15. Jh. eine Kapelle, die nach Jenaprießnitz eingepfarrt war.

Sonstiges

Der erste Geologische Lehrpfad von Jena führt von Jena-Ost kommend über die Nordseite des Hausberges bis zu den Geologischen Steinmalen hinter dem Fuchsturm; eine 1936 eingerichtete Weihestätte des Bundes der Thüringer Berg-, Burg- und Waldgemeinden.

Sagen und Romane

  • Ferdinand Köcher: Die Burggrafen von Kirchberg. Verlag Beier & Beran, Langenweißbach 2025, 288 S., ISBN 978-3-910141-15-5 (romanartige Erzählung der Kirchberger Fehde mit der Stadt Erfurt im 14. Jh., wobei die Hausbergburgen belagert und zerstört wurden)
  • M. Köhler (Hrsg.): Thüringer Berge und ihre Sagen, 3. Auflage, Jenzig Verlag Jena 2021/Beier & Beran Langenweißbach, ISBN 978-3-941791-02-2

Literatur

  • Kirchberg, Burg. In: Hans Patze, Peter Aufgebauer (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 9: Thüringen. 2., verbesserte und ergänzte Auflage. Kröner, Stuttgart 1989, ISBN 3-520-31302-2, S. 233 (= Kröners Taschenausgabe, Band 313).
  • Werner Marckwardt: Die Kaiserpfalz Kirchberg und die Ersterwähnung der Kirche in Lobeda 1228. Notwendige Bemerkungen zu einer Rezension von Pierre Fütterer. In: Burgenforschung aus Sachsen Band „31/32 (2019/20)“. Verlag Beier & Beran, Langenweißbach 2020. ISBN 978-3-95741-142-6
  • Vorlage:Literatur
  • Vorlage:Literatur
  • Vorlage:Literatur
  • Vorlage:Meyers-1905
  • Vorlage:Brockhaus-1911
  • Gustav Eichhorn: Die Funde vom Hausberg im Germanischen und städtischen Museum zu Jena. In: Der Hausberg und die Fuchsturmgesellschaft. Festschrift zur Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Gesellschaft im Sommer 1911. Verlag der Fuchsturmgesellschaft, Jena 1911, S. 69–80, Tafeln 5–6.
  • Michael Platen: Vier Burgen auf dem Hausberg bei Jena. Neue Untersuchungen zur Geschichte einer Burgengruppe in Thüringen. In: Burgen und Schlösser in Thüringen. 1996; Vorlage:ISSN.
  • Matthias Rupp: Die vier mittelalterlichen Wehranlagen auf dem Hausberg bei Jena. Jena 1995.
  • Matthias Rupp: Wehrorganisation und Wehrarchitektur der Stadt Jena im Mittelalter. (Dokumentation der Städtischen Museen Jena 14), u. a. Weimar 2004 (mit Angaben zu den Hausbergburgen)
  • Eduard Schmid, J.K.G. Wagner: Geschichte der Kirchberg’schen Schlösser auf dem Hausberge bei Jena: Nach Urkunden und anderen Nachrichten, 1830 Digitalisat
  • Hans-Ulrich Barsekow: Die Hausbergburgen über Jena und die Geschichte der Burggrafen von Kirchberg. Jena 1931.

Weblinks

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Einzelnachweise

<references />

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