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Hauptluftbehälterleitung

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Datei:Front BR 110.png
Triebfahrzeug der Baureihe 110 mit Hauptluftleitung und Hauptluftbehälterleitung.

Die Hauptluftbehälterleitung (Abkürzung HBL, veraltet HB), in der Schweiz Speiseleitung genannt,<ref>Schweizerische Fahrdienstvorschriften (FDV) A2025. Bundesamt für Verkehr (BAV), 16. Juli 2025 (PDF; 11 MB). R 300.14 Beilage 1, Abschnitt 5.1.2 Speiseleitung</ref> ist eine optional zur Hauptluftleitung verlegte Druckluftleitung bei Schienenfahrzeugen. Fahrzeuge werden damit ausgerüstet, wenn Systeme auf Druckluft abseits der Druckluftbremse angewiesen sind, z. B. bei Einrichtungen wie dem Gleitschutz, der Türen oder der Magnetschienenbremse.

Technischer Hintergrund

Triebfahrzeuge speisen die Hauptluftbehälterleitung durch den Hauptluftbehälter, der vom Luftpresser auf einen Regeldruck zwischen 8,5 und 10 bar gefüllt wird. Bei Unterschreiten von 8,5 bar wird dieser aktiv und ab 10 bar inaktiv. Überdruckventile schützen den Hauptluftbehälter vor einer Befüllung über 12 bar.

Die Hauptluftbehälterleitung speist je nach Vorhandensein pneumatische Türeinrichtungen, WC-Anlagen, Magnetschienenbremsen, Gleitschutz-Einrichtungen, Spurkranzschmieranlagen, Sandstreueinrichtungen, Luftfedern, ep-Bremsen und alle weiteren Systeme, die auf Druckluft angewiesen sind.<ref name=":0">Jürgen Janicki: Hauptluftbehälterleitung (HBL). In: Bremstechnik und Bremsproben. Bahn Fachverlag GmbH, 2022, ISBN 978-3-943214-33-8.</ref>

Die Hauptluftbehälterleitung wurde 1975 endgültig in das RIC-Reglement aufgenommen, so dass sie seit diesem Zeitpunkt in international eingesetzten Reisezugwagen zur Grundausrüstung gehört. Beispielsweise mussten die SBB aus diesem Grund ihre seit rund 50 Jahren im Einsatz befindlichen Kupplungsköpfe ersetzen, da sie nicht der nun allgemein gültigen Norm entsprachen (dabei wurde die Kennfarbe von grün zu weiß geändert). Die von der RIC-Regel abweichende Anordnung mit innenliegenden Anschlüssen der Hauptluftbehälterleitung wurde bei Triebfahrzeugen und Reisezugwagen, die lediglich im Inlandsverkehr eingesetzt werden, aber nicht abgeändert.<ref>Eisenbahnamateur 5/1975, Seite 224</ref>

Anwendung

Datei:Kupplungskopf Hauptluftbehälterleitung.png
Kupplungskopf einer Hauptluftbehälterleitung

Der Triebfahrzeugführer kann den Füllzustand der Hauptluftbehälterleitung und teilweise des Hauptluftbehälters im Führerstand durch Manometer prüfen.

Bei Fahrzeugen mit Magnetschienenbremse benötigt man den Druck der Hauptluftbehälterleitung zum Absenken der Bremsmagnete, weshalb nach neuer Zugbildung die Durchgängigkeit der HBL sowie die Funktion aller Magnetschienenbremsen im Rahmen der Bremsprobe geprüft wird. Dazu wird der Luftabsperrhahn am letzten Wagen für circa 30 Sekunden geöffnet, wodurch der Druck auf dem Triebfahrzeug erkennbar um mindestens 2 bar abfällt. Nach dem Schließen des Absperrhahns muss der Druck in kurzer Zeit wieder auf den Regeldruck ansteigen.<ref name=":0" details="siehe Abschnitt Magnetschienenbremse prüfen" />

Das Vorhandensein einer durchgehenden Hauptluftbehälterleitung ist zusätzlich Voraussetzung für den Wendezugbetrieb, um vom Steuerwagen die indirekte Bremse und die Zusatzbremse bedienen zu können. Bei Güterzügen wird in wenigen Einzelfällen die Hauptluftbehälterleitung zum schnellen Ergänzen des nach einer Bremsung verbrauchten Luftvorrats der einzelnen Wagen verwendet.

Zur Unterscheidung zwischen Hauptluft- und Hauptluftbehälterleitung während des Kuppelns sind an der Stirnseite eines Fahrzeugs die beiden Anschlüsse der Hauptluftbehälterleitung außen und die beiden Anschlüsse der Hauptluftleitung innen angebracht. Zusätzlich sind auf dem Kupplungskopf der Hauptluftbehälterleitung kreuzförmige Rippen aufgegossen. Außerdem sind die Kupplungsköpfe von Hauptluft- und Hauptluftbehälterleitung spiegelbildlich ausgeführt, damit ein irrtümliches Verbinden ausgeschlossen ist.<ref>Horst Reinhard, Jürgen Janicki, Michael Rüffler: Kupplung im Betrieb. In: Schienenfahrzeugtechnik. 4. überarbeitete Auflage. Bahn Fachverlag GmbH, 2020, ISBN 978-3-943214-26-0.</ref>

Siehe auch

Einzelnachweise

<references></references>