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Hartmannswillerkopf

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Vorlage:Infobox Berg

Der 957 Meter hohe Hartmannswillerkopf (französisch auch Vieil Armand, hochdeutsch Hartmannsweiler Kopf oder Hartmannsweilerkopf)<ref>Werner Lacoste: Deutsche Sturmbataillone 1915–1918 – Der Kaiserstuhl und das Markgräfler Land als Geburtsstätte und Standort deutscher Sturmbataillone des Ersten Weltkriegs. Helios Verlags- und Buchvertriebsgesellschaft, 2010 Aachen, ISBN 978-3-86933-013-6, S. 17.</ref> ist eine Bergkuppe in den Südvogesen im Département Haut-Rhin im Elsass, nahe den Orten Hartmannswiller und Berrwiller.

Geographie

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Blick vom Storkenkopf nach Südosten: links der Große Belchen, in der Bildmitte der Hartmannswillerkopf, rechts der Molkenrain; im Hintergrund die Oberrheinebene

Der Hartmannswillerkopf liegt etwa in der Mitte zwischen Colmar und Belfort und von der Autoroute A 35 gesehen genau westlich von Ensisheim. An seiner Nordwestseite entspringt der Gutenbach. An der Südseite haben zum Molkenrain hin das Siehlbaechle und der Silberlochrunz ihre Quellgebiete.

Von Süden erreicht man den Hartmannswillerkopf vom Ausgangspunkt Cernay und von Norden über die Vogesenkammstraße {{#invoke:Vorlage:lang|flat}}. Diese verläuft über den Bergsattel, durch den der Hartmannswillerkopf von der höheren Bergkuppe Molkenrain getrennt ist.

Der Gipfelbereich liegt auf dem Gebiet der Gemeinden Hartmannswiller, Wuenheim, Wattwiller und Uffholtz.

Geschichte

Der Hartmannswillerkopf war im Ersten Weltkrieg wegen seiner exponierten und strategisch günstigen Lage mit Ausblick in die elsässische und die Oberrhein-Ebene zwischen Deutschen und Franzosen erbittert umkämpft. Der Kampf um den Gipfel begann am 31. Dezember 1914. Die schwersten Kämpfe gab es am 19./20. Januar, 26. März, 25./26. April und 21./22. Dezember 1915. Die Deutschen besetzten die nordöstliche Flanke des Berges, die Franzosen lagen auf der anderen Seite. Die Bergkuppe wechselte in den vier Kriegsjahren viermal den Besitzer. Oft mussten geringe, unter hohen Verlusten erkämpfte Geländegewinne beim nächsten Gegenangriff wieder aufgegeben werden. Auch Flammenwerfer und Giftgaseinsätze brachten keine nachhaltigen Erfolge. Auf französischer Seite wurden Gebirgsjäger eingesetzt, auf deutscher Seite Sturmtruppen geschult. Schneestürme im Winter und sengende Hitze im Sommer erschwerten den Kampf. Etwa ab Mitte 1916 reduzierten beide Seiten ihre Truppen dort; intensivere Kämpfe fanden in nördlicheren Frontabschnitten statt.<ref>siehe auch hier (englisch; weitere Links am Seitenende)</ref> Ab 1916 kam es im Wesentlichen nur noch zu Artillerieduellen. Beide Seiten beschränkten sich darauf, ihre Linien zu halten.

In den Schanzenkämpfen am Hartmannswillerkopf starben je nach Schätzung 7500<ref>Expedition Hartmannsweilerkopf 1914–18. In: hk1418.de (abgerufen am 27. Juni 2024).</ref> bis 30.000 französische und deutsche Soldaten; etwa 60.000 wurden verwundet. Die Kämpfe führten für keine Seite zu einem Ergebnis und stehen heute für die Sinnlosigkeit des Krieges. Der Hartmannswillerkopf ist gelegentlich „Berg des Todes“ genannt worden.<ref name="Südkurier">Isabell Michelberger: Hartmannsweilerkopf: Ort des gemeinsamen Gedenkens. In: Südkurier vom 29. Juli 2015</ref> Französische Zeitungen nannten den Berg nach dem Krieg Vieil Armand („Alter Armand“).<ref>Das Schlachtfeld des Hartmannswillerkopfs. Comité du monument national Hartmannswillerkopf (offizielle Internetpräsentation der Gedenkstätte), abgerufen am 24. Januar 2023.</ref>

Am 3. August 2014, dem 100. Jahrestag der Kriegserklärung Deutschlands an Frankreich (Erster Weltkrieg), trafen sich Bundespräsident Joachim Gauck und der französische Staatspräsident François Hollande am Hartmannswillerkopf.<ref>bundespräsident.de: Text von Gaucks Rede</ref><ref>spiegel.de: Gauck und Hollande bei Weltkriegs-Gedenken: Eine Umarmung, eine Botschaft</ref><ref>Rheinische Post: Gauck und Hollande: Gemeinsames Europa als Lehre der Geschichte (Titel der Printversion: Friedenstreffen am „Menschenfresserberg“)</ref><ref>elysee.fr: Vorlage:Webarchiv (Hollandes Rede)</ref> Am 10. November 2017 weihten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Staatspräsident Emmanuel Macron ein gemeinsames deutsch-französisches Museum zum Gedenken an die Gefechte ein.<ref>Eckart Lohse, Michaela Wiegel: Gesten des Vertrauens. Macron und Steinmeier schreiten über den Hartmannsweilerkopf. 30.000 Soldaten verloren im Ersten Weltkrieg hier ihr Leben. Die Erinnerung daran soll wach bleiben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. November 2017, S. 2.</ref>

Relikte

Die vier Kriegsjahre hinterließen sichtbare Spuren und Relikte am Hartmannswillerkopf. Ursprünglich bewaldet, zeigt sich die Bergkuppe heute grasüberwachsen mit spärlichem Baumbewuchs. Vor allem in den ersten beiden Kriegsjahren verschwand der Wald durch die Angriffe vollkommen. Von dem erstarrten Stellungskrieg zeugen ein gut erhaltenes System von ungefähr 6000 Stollen und Unterständen und 90 Kilometer Schützengräben, Drahtverhaue und Granattrichter.<ref name="Südkurier" />

Das Schlachtfeld einschließlich der Befestigungsanlagen steht seit 1921 als Monument historique unter Denkmalschutz.<ref>Vorlage:Base Mérimée</ref>

Gedenkstätte

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Die Krypta

Die an der Zufahrtsstraße liegende Gedenkstätte Hartmannswillerkopf erinnert an die gefallenen Soldaten: Sie besteht aus dem französischen Nationalfriedhof Nécropole nationale du Silberloch - Hartmannswillerkopf und einer Krypta mit je einem katholischen, evangelischen und jüdischen Altar und wurde als eines von vier französischen Denkmälern nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 errichtet sowie 1921 unter Denkmalschutz gestellt. Mit (2009) ca. 250.000 Besuchern auf der frei zugänglichen Plattform des Soldatenfriedhofs und ca. 20.000 zahlenden Besuchern in der Krypta gehört die Gedenkstätte zu den meistbesuchten Tourismuszielen des Elsass.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Datei:Vieil Armand - nécropole nationale (valo139).jpg
Friedhof der Nécropole national du Silberloch beim Hartmannswillerkopf

Im November 2017 wurde das deutsch-französische Museum (Historial), ein Symbol für die Aussöhnung, von den Präsidenten beider Länder, Emmanuel Macron und Frank-Walter Steinmeier, eröffnet.<ref>Vorlage:Internetquelle</ref><ref>Vorlage:Internetquelle</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Karlheinz Deisenroth: Oberelsaß und südliche Vogesen. 2. Auflage. Mittler, Hamburg u. a. 2001, ISBN 3-8132-0763-3 (Militärgeschichtlicher Reiseführer), S. 49–82 und 103–105.
  • Karlheinz Deisenroth: Elsass – Land zwischen den Fronten. 1699–1870, 1914–1918, 1939–1945. Kriegsschauplätze in den Vogesen und am Oberrhein. 2. Auflage. Morstadt, Kehl a. Rh. 2015, ISBN 978-3-88571-374-6, S. 101–180, 184–189, 214–225.
  • Armand Durlewanger: Kriegsschauplätze im Elsaß. Lingekopf, Hartmannsweilerkopf, Buchenkopf, Schoenenbourg, Esch, Marckolsheim, Grassersloch, Struthof. La Nuée Bleue, Strasbourg 1992, ISBN 2-7165-0151-3 (Kaléidoscope d’Alsace).
  • Detlef Bussat: Hartmannsweilerkopf 1914/18 – Berg des Todes. Epubli, Berlin 2016, ISBN 978-3-7418-6942-6.
  • Detlef Bussat: Der Hartmannsweilerkopf 1914/18. Epubli, Berlin 2024, ISBN 978-3-758495-78-6.

Weblinks

Vorlage:Commons

Einzelnachweise

<references />