Zum Inhalt springen

Harald Feller (Diplomat)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Harald Feller (* 14. Januar 1913 in Bern<ref>Erfolg mit später Rache. In: Der Bund. 14. Januar 2003.</ref>; † 28. Dezember 2003<ref>Er war ein Original. In: Der Bund. 30. Dezember 2003.</ref>) war ein Schweizer Jurist und Diplomat, der während des Holocaust ungarische Juden rettete.

Leben

Harald Feller war der Sohn des Schweizer Historikers Richard Feller. Auf Druck der Eltern studierte der künstlerisch interessierte junge Mann Rechtswissenschaften, ab 1933 an der Sorbonne in Paris und von 1934 bis 1937 in Bern. In seiner Studienzeit trat er dem Schweizerischen Zofingerverein bei.<ref>Schweizerischer Zofingerverein, Schweizerischer Altzofingerverein (Hrsg.): Mitgliederverzeichnis 1997. Zofingen 1997, S. 31. (Verfügbar in der Schweizerischen Nationalbibliothek, Signatur SWR 1338.)</ref>

Nach dem Studium begann er am 26. Februar 1938 als Aushilfssekretär im Richteramt I und II sowie bei der Kriminalkammer des Obergerichts des Kantons Bern zu arbeiten, wo er bis im Jahr 1939 blieb. Am 1. Juni 1939 wechselte er in den Rechtsdienst des Eidgenössischen Politischen Departements (EPD, heute EDA), wo er ab 1941 eine Festanstellung als Anwalt erhielt. Weil er ein Doppelbesteuerungsabkommen mit Ungarn vorbereitete, wurde er ab dem 25. März 1943 als Legationssekretär in Budapest angestellt.<ref>Harald Feller in der Datenbank Dodis der Diplomatischen Dokumente der Schweiz (abgerufen am 28. April 2026)</ref> Nachdem die faschistischen Pfeilkreuzler mittels Putsch an die Macht gekommen waren, rief Bern seinen offiziellen Gesandten zurück. Auch sein Stellvertreter musste aus gesundheitlichen Gründen seinen Posten verlassen. Ab dem 10. Dezember 1944 vertrat daher Feller als Geschäftsträger Maximilian Jaeger, den Schweizer Gesandten in Budapest. Er sollte 1000 Kinder für eine Spitalbehandlung in die Schweiz transportieren lassen, was schlussendlich nur für 44 Kinder gelang. Er unterstützte Carl Lutz bei der Rettung von Juden unter schweizerischem Schutz. Er arbeitete eng mit den anderen neutralen Gesandtschaften zusammen, um mit ständigem Druck auf die Horthy- und Sztójay-Regierungen die Beendigung der Verfolgung und Deportation der Juden in Ungarn zu erreichen.

Feller schützte auch Mitglieder der schwedischen Gesandtschaft, welche eine Zielgruppe der Pfeilkreuzler waren, indem er ihnen gefälschte Schweizer Pässe und Unterkunft bereitstellte. Am 29. Dezember 1944 nahmen ihn Pfeilkreuzler fest, bedrohten und misshandelten ihn, nur mit List und Glück kam er wieder frei. Er meldete den Vorfall im ungarischen Aussenministerium, wobei zwei Mitarbeiter ihm danach polizeilichen Schutz und Zugang zu Lebensmitteln vermittelten. Gegen Ende des Krieges versteckte Feller bis zu fünfzig Juden im Luftschutzkeller seiner konsularischen Residenz in Budapest, was nicht im Sinn des Schweizerischen Politischen Departements war.

Im Februar 1945 verhafteten die Sowjets Feller und Max Meier, einen weiteren Mitarbeiter der Schweizer Gesandtschaft, und schickten sie nach Moskau, zusammen mit anderen Schweizer Staatsangehörigen. Beide wurden im Februar 1946 im Austausch für zwei Piloten, die sich in die Schweiz abgesetzt hatten, zurückgebracht. Der schweizerische Aussenminister Max Petitpierre hatte bereits vorgängig den Berner Oberrichter Jakob Otto Kehrli mit einer Untersuchung betraut, um mehr über die Gründe der Entführung nach Moskau in Erfahrung zu bringen. Es kam heraus, dass Offiziere der Spionageabwehr an Informationen der beiden Schweizer interessiert waren. Zudem wurden Fellers Kontakte zu den ungarischen Pfeilkreuzern, seine widerrechtliche Vergabe von Schweizerpässen, sein Alkoholkonsum und sein ausschweifender Lebensstil kritisiert. Dagegen wurde er für die Rettung von wahrscheinlich 32 Menschen gelobt.<ref>Christoph Wehrli: Lesetipp: Diplomat, Retter und Opfer in Budapest 1943-1945, Website aussenpolitik.ch (September 2025, abgerufen am 28. April 2026)</ref>

Daraufhin erhielt Feller ab dem 13. September 1946 einen neuen Posten als Legationssekretär in der Botschaft von Ankara, aber bereits am 25. April 1949, als eine erneute Disziplinaruntersuchung drohte, verliess er mit gut 36 Jahren den diplomatischen Dienst.<ref>Harald Feller in der Datenbank Dodis der Diplomatischen Dokumente der Schweiz (abgerufen am 28. April 2026)</ref> Er wurde 1959 zum Berner Staatsanwalt berufen<ref>Wold Südbeck-Baur: Der unbekannte Held, Website reformiert.info (16. Februar 2026, abgerufen am 28. April 2026)</ref>, und in der Freizeit war er ein passionierter Schauspieler.<ref>Christoph Wehrli: Lesetipp: Diplomat, Retter und Opfer in Budapest 1943-1945, Website aussenpolitik.ch (September 2025, abgerufen am 28. April 2026)</ref>

Zeit seines Lebens blieben die Verdienste Fellers etwas im Schatten von Carl Lutz, der in Bern verzweifelt um Anerkennung seiner Taten kämpfte.<ref>Der Fall Harald Feller: ein vergessener Schweizer Held, Passage, Website srf.ch (27. Januar 2023, abgerufen am 28. April 2026)</ref> Erst im Jahr 1999 erhielt Feller von Yad Vashem die Auszeichnung Gerechter unter den Völkern<ref>Harald Feller auf der Website von Yad Vashem (englisch).</ref>, wobei er sich in der Dankesrede nicht als Held, sondern als Mensch, der nur sein Pflicht getan hatte, darstellte.<ref>Wold Südbeck-Baur: Der unbekannte Held, Website reformiert.info (16. Februar 2023, abgerufen am 28. April 2026)</ref>

Siehe auch

Angehörige der:

Literatur

  • Peter Haber: Budapest. Auch Harald Feller rettete, in: Max Schweizer (Hg.): Diplomatenleben. Akteure, Schauplätze, Zwischenrufe. Ein Lesebuch, Zürich 2014, S. 151–165.
  • François Wisard: Enlevé à Budapest, prisonnier à Moscou, jugé à Berne. Les vies du diplomate Harald Feller, Juste parmi les nations. Alphil, Neuchâtel, 2025.
    • François Wisard: Harald Feller. Retter von Verfolgten. Gefangener von Stalin. Die Leben eines Schweizer Diplomaten in Budapest. Übers. von Lis Künzli. Elfundzehn, Ziegelbrücke 2025, ISBN 978-2-88950-276-9 (Leseprobe der französischen Ausgabe in Google Books).

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein