Hans Höfer von Heimhalt
Hans Höfer von Heimhalt (* 17. Mai 1843 in Elbogen; † 9. Februar 1924 in Wien) war ein österreichischer Montangeologe. Er war ein Pionier der Erdölbohrtechnik und ein Sachverständiger für Trinkwasserversorgung.<ref> ÖBL, Bd. 2. 351 (PDF; 191 kB), ÖBL, Bd. 2. 352 (PDF; 198 kB)</ref>
Leben
Geboren in Elbogen Nr. 135 als Sohn des Bürgers und Fleischhauermeisters Johann Josephus Höfer (1802–1852) und der Anna Creszenzia, geb. Schmidt (1807–1870) kam Hans (wie er später genannt wurde) Höfer zur Welt und wurde am 18. Mai 1843 auf den Namen Johann Nepomuk Höfer getauft<ref>Taufbuch Elbogen 1841 – 1853, fol. 40; Taufpaten: Engelbert Höring, Stadtthürmer; Anna Häring, dessen Ehegemahlin; Hebamme: Magdalena Schönecker, Zeugmachermeister(switwe?), geprüft, von hier;</ref>.
Nach dem Besuch der Ober-Realschule in Elbogen, wo er durch den berühmten Mineralogen Wilhelm von Haidinger erste Anregung zu seinem späteren Beruf erhielt<ref>Robert Schwarz: Hofrat Dr.-mont. h. c. Hans Höfer-Heimhalt. Petroleum Nr. 6, 1924, S. 205 ff., hier S. 206</ref>, studierte Höfer ab 1860 an der Montanistischen Hochschule Leoben und wurde dort Mitglied des Corps Tauriscia.<ref>Alfred Wieser: Anschriftenliste des Kösener SC.-Verbandes. Innsbruck 1921, S. 151.</ref> 1864 nahm er nach einem ausgezeichneten Absolutorium eine Anstellung bei der Geologischen Reichsanstalt in Wien an und studierte parallel an der Universität Wien bei Prof. Eduard Suess. Anschließend trat er in den staatlichen Montandienst und war zuerst im Goldbergwerk im Dorf Nagyág im siebenbürgischen Komitat Hunyad tätig.<ref>Nagyag bei zeno.org</ref><ref> Szekerembe bei zeno.org</ref> 1865 untersuchte er das Tal des Jiu (Fluss). In Petroșani begann infolgedessen der Kohlenbergbau. Anschließend war er im Silberbergwerk im mittelböhmischen Březové Hory. 1867/68 kartierte er für die Geologische Reichsanstalt in Wien die Hohe Tatra und das Gebiet bis hin zur Stadt Prešov (Eperjes). Dabei gelang ihm die Erstbesteigung der Gerlsdorfer Spitze durch.
Ab 1869 war er Leiter und Professor der neugegründeten Bergschule in Klagenfurt, sodann ab 1880 an der 1849 gegründeten Bergakademie Příbram (heute Bergbaumuseum<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Bergbaumuseum Příbram ( vom 16. Juni 2010 im Internet Archive)</ref>). 1882 wurde er zum o. ö. Professor für Mineralogie, Geologie und Lagerstättenlehre an der Montanlehranstalt (ab 1904 Montanistische Hochschule) in Leoben ernannt, wo 1895–1897 Karl August Redlich sein Assistent war.<ref>ÖBL, Bd.9 zu Redlich</ref> Von 1887 bis 1889 war er Direktor der Montanlehranstalt, an der er bis zu seinem 70. Lebensjahr 1913 wirkte.<ref>Friedwin Sturm: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Direktoren, Rektoren und Dekane der Montanuniversität ( vom 22. August 2015 im Internet Archive) Abgerufen am 22. August 2015.</ref>
1872 nahm Höfer als Geologe an der Nordpolexpedition von Johann Nepomuk Wilczek teil. Dabei konnte er Spitzbergen (Inselgruppe), die russische Doppelinsel Nowaja Semlja und das nordöstliche Russland studieren. Bei seinem Besuch der Centennial Exhibition in Philadelphia hatte er Gelegenheit, die dortigen Bergbaugebiete und Erdölvorkommen zu besichtigen. Aufgrund seiner Beobachtungen stellte er die weltweit beachtete Theorie der Antiklinale auf.<ref>Hans Höfer: Die Entstehung der Erdöllagerstätten. In: Mitteilungen der Österreichischen Geologischen Gesellschaft. Band 2, 1909, S. 136–147 (Vorlage:ZOBODAT).</ref> Mit seinem Bericht Die Petroleumindustrie Nordamerikas von 1877, in der er auf die Wichtigkeit der Wasserabsperrung der Bohrlöcher und die Vorteile der kanadischen Bohrmethode (vgl. William Henry McGarvey) hinwies, trug er zur raschen Entwicklung der galizischen Erdölindustrie bei. Später bereiste er als Erdölexperte nahezu alle europäischen Erdölgebiete. Mit seinem Buch Das Erdöl und seine Verwandten führte er 1913 den Begriff „Erdöl“ als Bezeichnung für alle flüssigen, organischen brennbaren Naturprodukte ein, die aus der Erde stammen. Erdöl setzte sich im deutschen Sprachgebrauch gegenüber den vorher gebräuchlichen Begriffen Steinöl, Bergöl oder Felsenöl als wörtliche Übersetzungen des Begriffes Petroleum (Petro = Stein, Oleum = Öl) durch.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Geschichte des Erdöls ( vom 26. Februar 2021 im Internet Archive) In: chemgapedia.de.</ref> 1895 wurde er mit 52 Jahren Mitglied des Deutsch-akademischen Lesevereins Leoben.
Sein Sohn Hudo Höfer-Heimalt, Berginspektor in Schlesisch Ostrau, schrieb 1932 die Erzählungen seines Vaters über Leoben nieder. Im April 1932 erschienen sie in der Freiberger Montanenzeitung. Der Verein für corpsstudentische Geschichtsforschung veröffentlichte 1975 einen Abdruck.<ref>Hudo Höfer-Heimalt: Corpsleben in Leoben vor 70 Jahren. Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, Bd. 20 (1975), S. 160–163.</ref>
Standeserhöhung
Im Taufeintrag Elbogens findet sich der folgende Hinweis zu Höfers Standeserhöhung:
'Ermächtigung vom Konsistorium Prag 27. April 1912, Nr.5564 : Laut der K.K. Statthalterei in Prag vom 10. April 1912 ZI/A.847 ist mit dem Allerhöchst unterzeichneten Diplome vom 6. Feber 1911 dem hier als Kind genannten Johann Nep. Höfer, nunmehr K.K. Hofrate in Leoben der Adelsstand und die Führung es Ehrenwortes "Edler" und des Prädikates "Heimhalt" Allergnädigst verliehen worden. Wurde angemerkt am 17. Juni 1912, Gros, Dechant;'<ref>Taufbuch Elbogen 1841 – 1853, fol. 40;</ref>
Ehrungen
- Wahl in die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (1898)<ref>Mitgliedseintrag von Hans Höfer bei der Deutschen Akademie der Naturforscher LeopoldinaVorlage:Abrufdatum</ref>
- Ehrendoktor der Montanistischen Hochschule Leoben
Veröffentlichungen
- Die Mineralien Kärntens<ref>Die Mineralien Kärntens Volltext, abgerufen am 17. Februar 2024</ref>
- Das Erdöl (Petroleum) und seine Verwandten. 1888.
- Anleitung zur Bestimmung der Familien und Gattungen der Ammoniten und deren Nebenformen. 1892.
- On the development of anticlinal theory (of oil and gas accumulation). In: Economic Geology. Juli 1910, v. 5, no. 5, p. 492–493; doi:10.2113/gsecongeo.5.5.492.
- Grundwasser und Quellen. 1912.
- Anleitung zum geologischen Beobachten, Kartieren und Profilieren. 1915.
- Schachtteufen oder Bohren. Petroleum, 18. Jg., Nr. 4, v. 1.02.1922, S. 113 f.
- Das Wasser in den Erdölfeldern. Petroleum, 18. Jg., Nr. 6, v. 20.02.1922, S. 201–206.
- Die Erdbeben Kärntens und deren Stoß … 1923.
- mit Carl Engler (Hrsg.): Das Erdöl – seine Physik, Chemie, Geologie, Technologie und sein Wirtschaftsbetrieb, 6 Bde., Neudruck Nabu Press 2011, ISBN 978-1248023860.
Siehe auch
Literatur
- Walther E. Petrascheck: Höfer von Heimhalt, Hans. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 9. Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
- Karl August Redlich: H. Höfer von Heimhalt, Verhandlungen der Geologischen Bundesanstalt; 1924
- Hans Höfer von Heimhalt. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 2, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1959, S. 351 f. (Direktlinks auf S. 351, S. 352).
Weblinks
- Thomas Hofmann: Hans Höfer Edler von Heimhalt: Heimischer Erdölpionier der ersten Stunde. In: DerStandard.at. 24. April 2026, abgerufen am 24. April 2026.
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Höfer von Heimhalt, Hans |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Montangeologe |
| GEBURTSDATUM | 17. Mai 1843 |
| GEBURTSORT | Loket |
| STERBEDATUM | 9. Februar 1924 |
| STERBEORT | Wien |
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- Person (Kaisertum Österreich)
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- Gestorben 1924
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- Ehrendoktor der Montanuniversität Leoben
- Corpsstudent (19. Jahrhundert)