Hamza (Grundwasserleiter)
Als Hamza (portugiesisch Rio Hamza) wird ein vermuteter Grundwasserleiter in Brasilien bezeichnet, der in einer Tiefe von 4000 Metern unterhalb des Amazonas verläuft.<ref name=Spektrum>Daniel Lingenhöhl: Amazonas besitzt mächtigen Zwilling im Untergrund. In: Spektrum.de. 26. August 2011, abgerufen am 28. Februar 2012.</ref> Seine Entdeckung wurde im August 2011 bekanntgegeben und geht auf Untersuchungen einer brasilianischen Forschungsgruppe um Valiya Mannathal Hamza zurück, nach dem der Grundwasserleiter benannt ist.<ref name="Guardian">Alok Jha: Underground river 'Rio Hamza' discovered 4km beneath the Amazon. In: The Guardian. 26. August 2011, abgerufen am 30. August 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Verlauf und Bedeutung
Der Hamza-Grundwasserleiter zieht sich unterhalb des Amazonas weitgehend entlang dem Amazonaslauf über eine Länge von mehr als 6000 Kilometern von West nach Ost aus den peruanischen Anden in Richtung des Atlantischen Ozeans.<ref name="Guardian" /> Der Aquifer transportiert auf einer Breite von zwischen 200 und 400 Kilometern ca. 3900 Kubikmeter Wasser pro Sekunde,<ref name=Spektrum /> was etwa 2 % der Abflussmenge des Amazonas entspricht und ein zweites wichtiges Entwässerungssystem des Amazonasbeckens darstellt.<ref name="Friesetal">Andreas Fries, Holger Benavides Muñoz, Antonio Gallegos Reina, Jorge Arias Zari, José Sánchez-Paladines, Pablo Ochoa Cueva: Baseline of Study. In: dies. u. a.: Management of Hydrological Systems. Analysis and perspective of the contingent valuation of water for mountain basins. CRC Press, Leiden 2020, ISBN 978-0-367-45655-9, S. 5.</ref>
Das Fließsystem ist kein Fluss im üblichen Sinne, wird aber häufig im übertragenen Sinne so bezeichnet.<ref name="Friesetal" /><ref name=BBC>Richard Black: Subterranean Amazon river 'is not a river'. In: BBC. 27. August 2011, abgerufen am 30. August 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Der Wassertransport findet vielmehr innerhalb poröser Gesteinsschichten etwa 2 bis 4 Kilometer unterhalb der Erdoberfläche statt, dabei liegen die Fließgeschwindigkeiten nur zwischen 10 und 100 Metern im Jahr,<ref name="Friesetal" /> d. h. unterhalb der Geschwindigkeiten durchschnittlicher Gletscher.<ref name="Spektrum" /><ref name="BBC" /> Das Wasser wird als salzhaltig beschrieben,<ref name="BBC" /> führt vermutlich jedoch trotzdem zu einer Verminderung der Salinität des salzigeren Atlantik im Mündungsbereich.<ref name=Spektrum /><ref name="Guardian" />
Entdeckung
Der Hamza-Aquifer wurde durch eine Forschungsgruppe des brasilianischen Observatório Nacional entdeckt, einer Einrichtung des brasilianischen Wissenschaftsministeriums, die thermische Daten von 241 Tiefbohrungen auswertete, welche bereits in den 1970er und 1980er Jahren durch die Erdölgesellschaft Petrobras vorgenommen worden waren.<ref name="Guardian" /> Als Entdeckungsstudie gilt die von dem indischen Wissenschaftler Valiya Hamza (* 1941) von der Universidade Federal do Amazonas betreute Doktorarbeit von Elizabeth Tavares Pimentel aus dem Jahr 2010.<ref name="Friesetal" /> Die Ergebnisse lassen auf den beschriebenen langsamen Wasserfluss schließen. Die Erkenntnisse wurden erstmals im August 2011 auf dem 12. Internationalen Kongress der Sociedade Brasileira de Geofísica (SBGf) vorgestellt. Eine endgültige Bestätigung für die Existenz des Grundwasserleiters in der dargestellten Form lag damals noch nicht vor.<ref name="Guardian" /> Auch die weitere Bedeutung des Entwässerungssystems, beispielsweise für ökologische Prozesse, muss weiter erforscht werden.
Kritik
Kritisiert wurden die Ergebnisse nach ihrer Präsentation von Jorge Figueiredo, einem Geologen von Petrobras. Er wies die These eines durchgängigen Grundwasserleiters zurück und bezeichnete die vorgestellten Ergebnisse als unwissenschaftlich und durch andere Zusammenhänge erklärbar. Weiterhin verwies er darauf, dass die Ergebnisse bis dato nur auf einer Konferenz vorgestellt wurden und noch nicht in der Wissenschaft diskutiert werden konnten.<ref name=AlJazeera>Chris Arsenault: 'Huge underground river' found below Amazon. In: Al Jazeera. 28. August 2011, abgerufen am 30. August 2011 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Literatur
- Elizabeth T. Pimentel, Valiya M. Hamza: Indications of an Underground River beneath the Amazon River: Inferences from Results of Geothermal Studies. 12th International Congress of the Brazilian Geophysical Society & EXPOGEF, Rio de Janeiro, Brasilien, 2011, doi:10.1190/sbgf2011-153.
- Elizabeth T. Pimentel, Valiya M. Hamza: Indications of regional scale groundwater flows in the Amazon Basins: Inferences from results of geothermal studies. In: Journal of South American Earth Sciences. Band 37, 2012, S. 214–227, doi:10.1016/j.jsames.2012.03.007 (researchgate.net [PDF]).
Einzelnachweise
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