Halacha
Die Halacha (Betonung auf der Schlusssilbe; {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}}; abgeleitet vom Verb {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr}} halach: „gehen“, „wandeln“) ist der rechtliche Teil der Überlieferung des Judentums, im Unterschied zur Aggada. Die Halacha umfasst die 613 Mizwot (Gebote und Verbote), deren spätere Auslegung im Talmud sowie die Bräuche und Traditionen, die im Schulchan Aruch zusammengefasst wurden, enthält darüber hinaus aber auch allgemeine Rechtsgrundsätze. Von den 613 Mizwot sind 365 {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}}, und 248 {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}}.
Geschichte
Die Texte der Halacha sind in Werken wie der Mischna (2. Jahrhundert), dem Babylonischen und Jerusalemer Talmud (5. und 6. Jahrhundert) oder in den späteren Kommentarwerken, so etwa in der Mischne Tora des Rechtsgelehrten und Philosophen Maimonides (12. Jahrhundert) gesammelt worden. Ein wesentlicher Teil des Entwicklungsprozesses der Halacha vollzog sich in Form gelehrter Korrespondenzen, insbesondere durch die Übermittlung von Responsen, ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}}).<ref>Martin Goodman: Die Geschichte des Judentums. Glaube, Kult, Gesellschaft. Übersetzung Susanne Held. Klett-Cotta, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-608-96469-1 S. 419</ref> Die rabbinischen Gelehrten bildeten eine kleine Gruppe spezialisierter Textgelehrter innerhalb der jüdischen Gemeinden und übernahmen die Auslegung der sich entwickelnden Halacha in einer Gesellschaft mit unterschiedlich ausgeprägten Formen religiöser Alphabetisierung. Das Funktionieren des „rabbinischen Briefnetzwerks“ hing entscheidend von der weiträumigen Verteilung jüdischer Gemeinden in der Diaspora und ihren etablierten Kommunikationsstrukturen ab.<ref>Catherine Hezser: Rabbinic Scholarship in the Context of Late Antique Scholasticism: The Development of the Talmud Yerushalmi. Bloomsbury Academic / Bloomsbury Publishing PLC, New York 2026, ISBN 978-1-350-42102-8.</ref><ref>Ross Shepard Kraemer: The Mediterranean Diaspora in Late Antiquity: What Christianity Cost the Jews. Oxford University Press, Oxford 2020, ISBN 978-0-19-022227-7.</ref> Zur Verbreitung rabbinischer Responsen nutzten die Gelehrten ein Netzwerk aus Boten, Handelswegen, Synagogenknotenpunkten und mündlicher Vermittlung, wodurch die rabbinische Autorität trotz der geographischen Streuung der Diaspora aufrechterhalten werden konnte.<ref>Anna Collar: 10 Re-thinking Jewish Ethnicity through Social Network Analysis. In: Carl Knappett (Hrsg.): Network Analysis in Archaeology: New Approaches to Regional Interaction. Oxford University Press, Oxford 2013, S. 222–245, https://doi.org/10.1093/acprof:oso/9780199697090.003.0010</ref> Der Aufstieg der Rabbiner wird in der Forschung, etwa bei Hezser<ref>Catherine Hezser: Oral and Written Communication and Transmission of Knowledge in Ancient Judaism and Christianity. Oral Tradition, 25/1 (2010): 75–92, auf journal.oraltradition.org [1]</ref> und Schäfer<ref>Peter Schäfer: Die Geburt des Judentums aus dem Geist des Christentums. Fünf Vorlesungen zur Entstehung des rabbinischen Judentums. (= Band 6, Tria Corda), Mohr Siebeck, Tübingen 2010, ISBN 978-3-16-150256-9.</ref>, als primär administrative und ordnungsleitende Institution innerhalb der jüdischen Gemeinden gesehen, deren Legitimität sich auf die Tora stützte, während spirituelle Funktionen sich erst sekundär stärker entwickelten.<ref>Ayre Edrei, Doron Mendels: A Split Jewish Diaspora: Its Dramatic Consequences. Journal for the Study of the Pseudepigrapha, 16(2), (2007) 91-137, https://doi.org/10.1177/0951820706074303, [2]</ref><ref>Aron C. Sterk: Latino‑Romaniotes: The Continuity of Jewish Communities in the Western Diaspora, 400–700 CE. In: Melilah: Manchester Journal of Jewish Studies (1759–1953), Vol. 9 Issue 1, (2013), S. 21–49, auf static1.1.sqspcdn.com [3]</ref>
Auslegung
Hintergrund
Die Unterscheidung und die daraus resultierenden Folgen zwischen
- der mündlichen ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}}) und
- der schriftlichen Tora ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}})
ist die zentrale Thematik im rabbinischen Judentum. Neben dieser Vorstellung zweier gleich ursprünglicher Torot gibt es die andere Hypothese, wonach die Halacha durch Methoden der Bibelauslegung aus der schriftlichen Tora abgeleitet wurde.<ref>Matthias B. Lehmann: Jüdische Geschichte Von der Antike bis zur Gegenwart. H. C. Beck, München 2025, ISBN 978-3-406-83482-0, S. 25 f</ref>
Aus heutiger Sicht lassen sich drei verschiedene Arten von Halacha unterscheiden:<ref>Günter Stemberger: Einleitung in Talmud und Midrasch, C.H.Beck, 9., völlig neu bearbeitete Auflage, München 2011, S. 145.</ref>
- Gebote, die aus der jüdischen Bibel (Tanach) abgeleitet sind;
- Gebote, die unabhängig von der Bibel bestehen;
- Gebote, die unabhängig von der Bibel sind, aber nachträglich eine biblische Begründung erhielten.
Halacha und mündliche Tora
Historisch ist die Halacha ein Teil des Talmuds. Sie gehört zur so genannten mündlichen Überlieferung, die sowohl in Jerusalem als auch in Babylon seit der Zeit nach der Zerstörung des ersten Jerusalemer Tempels und dem babylonischen Exil festgehalten wurde.
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}} „Das jüdische Recht der Halacha unterscheidet sich von dem uns bekannten Recht in wesentlichen Punkten. Am bedeutendsten sind wohl zwei Aspekte: Erstens sieht sich das jüdische Recht als Resultat göttlicher, nicht menschlicher, Schöpfung, so dass seine Befolgung eine religiöse und nicht nur eine staatsbürgerliche Pflicht ist. Zweitens stellt das jüdische Recht ein Rechtssystem dar, das die meiste Zeit ohne Einbettung in einen autonomen Staat und somit ohne den Rückhalt einer Staatsmacht existierte und sich entwickelt hat.“ Abgerufen am 4. November 2008.</ref> Auslegungen der schriftlichen Tora spiegeln sich die unterschiedlichen Meinungen der Rabbiner (oder Rabbanim), Weisen und Gelehrten wider. Sie zielen auf Verhaltensregeln, die das gesamte Leben der Gläubigen betreffen. Historisch ist die Halacha ein Teil des Talmuds. Sie gehört zur so genannten mündlichen Überlieferung, die sowohl in Jerusalem als auch in Babylon seit der Zeit nach der Zerstörung des ersten Jerusalemer Tempels und dem babylonischen Exil festgehalten wurde.
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Unterscheidung in „de-oraita“ und „de-rabbanan“
Grundlegend in der jüdischen Rechtsphilosophie ist die Unterscheidung von Gesetzen, Vorschriften und Verordnungen (Halachot und Taqqanot) in solche, deren Ursprung auf die Tora zurückgeführt wird, und solche, die der späteren Diskussion<ref>siehe hierzu auch Machloket</ref> der Gegenstände durch Rabbanim und Rechtsgelehrte entspringen.<ref name="homolka">Walter Homolka: Das jüdische Eherecht. de Gruyter, Berlin 2009, ISBN 978-3-89949-452-5, S. 8. /books.google.de</ref>
So bedeutet:
- de-oraita (Vorlage:ArcS-Hebr, {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}}) aus der Tora und
- de-rabbanan ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=arc |SCRIPTING=Armi |SERVICE=reichsaramäisch}}, {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}}) von den Rabbanim ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}}), siehe dazu De-oraita und de-rabbanan.
Die Unterscheidung ist dabei häufig nicht einfach, da zu de-oraita nicht nur die; in der Tora schriftlich fixierten Vorschriften gezählt werden, sondern auch diejenigen, die mit Hilfe der Auslegung (Midrasch, {{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}}) aus dem Text gewonnen werden können, sowie die der mündlichen Überlieferung zugerechneten Gesetze<ref name="homolka" /> ({{#invoke:Vorlage:lang|full|CODE=he |SCRIPTING=Hebr |SERVICE={{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| }} | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | Ivrit | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | neuhebräisch | {{#if: {{#invoke:TemplUtl|faculty| 0}} | hebräisch}}}}}} | hebräisch}} |SUITABLE=iv modern prefix neu}} – thora sche-ba'al peh).
{{#ifeq: {{{vor}}}@@-@@{{{nach}}} | -@@-@@-
| {{#if:trim|(…) Die klassische Unterscheidung zwischen Naturrecht und göttlich geoffenbartem Recht gibt es für die Rabbinen [ Rabbanim ] nicht: das gesamte religiöse Recht geht ohne Unterschied direkt auf Gott zurück. Dennoch unterscheiden auch sie zwischen dem allen Menschen offenbarten Recht<ref>siehe auch Noachidische Gebote</ref> und dem, das nur Israel offenbart worden ist.(…).}}
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Siehe auch
Literatur
- Yitzhak Goldfine: Einführung in das jüdische Recht. Eine historische und analytische Untersuchung des jüdischen Rechts und seiner Institutionen. Beiheft 2 zur Zeitschrift Verfassung und Recht in Übersee ({{#invoke:URIutil|{{#ifeq:1|1|linkISSN|targetISSN}}|0342-1228|0}}{{#ifeq:1|0|[!]
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}}{{#ifeq: 0 | 0 | {{#if: {{#invoke:URIutil|isDNBvalid|730522741}} | | (???)}} }}.
- Zvi Zohar: Halacha. In: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur (EJGK). Band 2: Co–Ha. Metzler, Stuttgart/Weimar 2012, ISBN 978-3-476-02502-9, S. 507–518.
- Louis Jacobs: A Tree of Life. Diversity, Flexibility, and Creativity in Jewish Law. (The Littman Library of Jewish Civilization.), 2nd. edition, Oxford / Portland, Oregon 2007, auf booksof.louisjacobs.org [4]
Weblinks
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- Lawrence H. Schiffman, Alyssa Gray, Benjamin Brown: Halakha. In: Encyclopedia of the Bible and Its Reception. De Gruyter, 2010.
- Talmud
- Die Halacha
- Solomon B. Freehof Institute of Progressive Jewish Law
- Isaac Kalimi: Der Platz der Bibel im Judentum und die klassisch-jüdische Schriftauslegung, eine paradoxe Konstellation. Oldenburg 1999, ISBN 3-8142-1114-6. (Oldenburger Universitätsreden 114)
- {{#if: | {{{Autor}}}: |{{#if: Joseph Jacobs | Joseph Jacobs: }}}}{{#if: Midrash Halakah | Midrash Halakah. In: Isidore Singer (Hrsg.):| Eintrag] in der}} Jewish Encyclopedia. {{#if: | Band {{{Band}}}, Funk and Wagnalls, New York|}} {{#if:|{{#switch: {{{Band}}}.
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Einzelnachweise
<references />
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