Hüttengraben (Ludwigshafen)
Der Hüttengraben genannte Platz ist vermutlich der Graben einer ehemaligen Dorfeinhegung, es handelt sich um eine mächtige Rechteckschanze aus einem breiten Graben mit ehemaligem Erdwall auf der Innenseite. Er liegt in einem Feld südwestlich des Ludwigshafener Stadtteils Oggersheim.
Man hielt ihn viele Jahrhunderte lang für die Gräben einer ehemaligen römischen Befestigungsanlage.<ref>Friedrich Sprater: Der Hüttengraben bei Oggersheim, Germanen-Erbe, Band 3, J.A. Barth, 1938, S. 79–81.</ref> Archäologische Untersuchungen unter Leitung des Amtes für Vor- und Frühgeschichte beziehungsweise des Historischen Museums in Speyer im Jahr 1965 ergaben jedoch, dass es sich um Siedlungsreste aus dem 10. oder 11. Jahrhundert handelt.<ref>Helmut Bernhard: Hüttengraben/Oggersheim, Fundberichte aus der Pfalz, 1966–1970: Frühgeschichte – Frühes Mittelalter, Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, Abteilung Bodendenkmalpflege, Außenstelle Speyer, 1984.</ref> Die Grabungen zeigten, dass die Siedlung vom 10./11. bis ins 14. Jahrhundert bewohnt war. In dieser Siedlung stand eine Kapelle, deren Überreste auf das Jahr 1280 datiert werden konnten. Erstmals urkundlich erwähnt wird die Zollhütte in einer Urkunde aus dem Jahr 1323.<ref>Friedrich Graf von Leiningen verkauft Ludwig dem Bayer (…) seine Rechte an der. „hutte zu Mittelhank“</ref> Im Mittelalter befand sich dort der Oggersheimer Galgen, weshalb er in älteren Karten auch als Galgenbuckel verzeichnet ist – der Armsünderweg führt noch heute zum Nordeingang der Anlage.
Auffällig ist die rechteckige Form des Grabens mit einer Größe von 200 × 300 m, der umlaufende Graben selbst ist immer noch zwei Meter tief. Die römische Fernstraße von Straßburg nach Mainz führt direkt durch den Hüttengraben, die dort streckenweise von der heutigen Bundesstraße 9 überbaut ist. Die Siedlung mit der Zollhütte innerhalb des Hüttengrabens nannte man Mittelhank oder Mittelhaug.<ref>Eine verschwundene Siedlung – Zollhütte im Hüttengraben und der Ort Mittelhaug</ref>
Sage
Um die Anlage entstanden zahlreiche Sagen, die Pest soll der Siedlung ein Ende bereitet haben. Später soll dann die Fläche mit dem Graben als Schafweide genutzt worden sein. Auch soll sich dort nach der Sage vom Oggersheimer Hüttenhammel<ref>Paolo Parisi, Karl-Heinz Halbedl, Sagen und Geschichten aus Ludwigshafen am Rhein, (Nr. 51 Der Hüttenhammel und der Hüttengraben, S. 89 ff.) 2. Auflage, Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher u. a. 2016; Inhaltsverzeichnis online: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie ( des Vorlage:IconExternal vom 24. Juli 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> immer wieder zur Mittagsstunde ein Hammel gezeigt haben, der sich dann – in Menschengestalt – eiligst wieder entfernt hätte.
Literatur
- Jürgen Keddigkeit: Pfälzisches Burgenlexikon. Band II: F-H. Kaiserslautern 2002, ISBN 3-927754-48-X.
- Viktor Carl: Pfälzer Sagen und Legenden. Edenkoben 2000, ISBN 3-9804668-3-3.
- Helmut Seebach: Sagen in der Pfalz: Geister, Hexen, Teufel. Bachstelz-Verlag Seebach, 1996, ISBN 3-924115-17-6, S. 281 ff.
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 49° 28′ 33,8″ N, 8° 21′ 34,9″ O
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