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Höhle von Gargas

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Datei:Gargas - Grande Paroi - Panneau 6- Mains noires et rouges doigts incomplets sauf pouce - YR.jpg
Handabdrücke
Datei:Gargas Cave - 1.jpg
Handabdruck in Felsnische
Datei:Incisive de bovidé percée (2).jpg
Höhle von Gargas
Datei:Burin caréné.png
Noailles-Stichel

Die Höhle von Gargas liegt 700 m hoch südöstlich von Aventignan im Département Hautes-Pyrénées in der Region Okzitanien in Frankreich und gehört zum Kreis der Frankokantabrischen Höhlenkunst. Sie besteht aus zwei Sälen und ist als historisches Denkmal eingestuft. Sie ist seit Anfang des 20. Jahrhunderts Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung; zunächst durch Émile Cartailhac und Abbé Henri Breuil.

Die Höhlenmalereien in der Grotte de Gargas bestehen aus rot und schwarz, mitunter auch ockerfarben (eine sogar weiß) ummalten Händen, sehr viele (144 von 154 einwandfrei erkennbaren) sind verstümmelt, sowie aus Tierdarstellungen, die ins späte Paläolithikum gehören. Die ersten Hände wurden im Jahre 1906 von Félix Régnault entdeckt. Breuil und Cartailhac zählten mehr als 150. Zuletzt hat Claude Barrière 231 festgestellt, obwohl einige bereits als Folge von Erosion und Vandalismus verschwunden sind.

2013 analysierte der Archäologe Dean Snow Handabdrücke aus acht französischen und spanischen Steinzeithöhlen, darunter der Höhle von Gargas.<ref name="Snow2013">Dean Snow: Sexual Dimorphism in European Upper Paleolithic Cave Art. In: American Antiquity, Band 78, Heft 4, Oktober 2013, S. 746–761.</ref> Zunächst erhob Snow in einer Vergleichsgruppe aus Studentinnen und Studenten europäischer Abstammung die Längen der Finger und der Hand und setzte die Werte zueinander ins Verhältnis. Das Geschlecht der Versuchspersonen ließ sich aus den Ergebnissen mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 60 % bestimmen.<ref name="Snow2013"/> Sein Verfahren wendete Snow auch auf Handabdrücke der Höhle von Gargas an.<ref name="Snow2013"/> Die Messungen und Berechnungen ließen bei fünf der sechs untersuchten Abdrücke den Schluss auf eine Frau als Urheberin zu.<ref name="Snow2013"/>

Snows Methode steht jedoch in der Kritik: So hob eine Forschungsgruppe um Emma Nelson 2016 die von Snow selbst berichtete geringe Wahrscheinlichkeit einer korrekten Zuordnung der Abdrücke zu einer Frau oder einem Mann hervor.<ref name="scienced-016493">Emma Nelson, Jason Hall, Patrick Randolph-Quinney, Anthony Sinclair: Beyond size: The potential of a geometric morphometric analysis of shape and form for the assessment of sex in hand stencils in rock art. In: Journal of Archaeological Science, Band 78, Februar 2017, S. 202–213</ref> Außerdem könnten die Ergebnisse aus einer zeitgenössischen Vergleichsgruppe nicht ohne weiteres auf eine paläolithische Population übertragen werden.<ref name="scienced-016493"/> Die Forschungsgruppe entwickelte eine differenziertere Analyse, die nicht auf die Länge der Finger, sondern auf eine Vielzahl charakteristischer Punkte der Handflächen abstellt.<ref name="scienced-016493"/> Die bisher allerdings nur an einer Gegenwartspopulation gewonnenen Ergebnisse legten nahe, dass die Form von Frauen- und Männerhänden signifikant verschieden sei.<ref name="scienced-016493"/> Diese Methode sollte, so die Forschungsgruppe, an Gegenwartspopulationen weiter getestet und verfeinert werden, bevor man sie auf Höhlenmalereien anwenden könne.<ref name="scienced-016493"/>

In der Höhle fand man auch die Schädelbestattungen von sechs Bisons sowie die Knochen und bearbeitete Zähne eines Höhlenbären. Fingerzeichnungen von verschiedenen Antilopenarten, Bisons, Pferden, Rentieren und anderen Tieren wurden mit zunehmender Differenzierung hergestellt. Im Lehm finden sich Mäandermuster. Die Krallen eines Höhlenbären hinterließen Kratzspuren an den Wänden.

Im vorderen Teil der Höhle wurden Siedlungsschichten mit Werkzeugen des Mittel- und Jungpaläolithikums gefunden. Der größte Fundniederschlag stammt aus dem Aurignacien. Die Petroglyphen an den Höhlenwänden stammen dagegen überwiegend aus dem Gravettien. Mittels der Radiokohlenstoffdatierung konnten Knochensplitter aus einer Felsritze an einer bemalten Wand auf 26.860±460 BP datiert werden.<ref>J. Clottes, H. Valladas, M. Cachier, M. Arnold: Des dates pour Niaux et Gargas. Bulletin de la Societe Prehistorique Francaise 89(9), 1992, S. 270–274</ref> Außerdem wurde eine Kalksteinplatte mit Gravuren in der Gravettien-Siedlungsschicht gefunden, in Verbindung mit zeittypischen Noailles-Sticheln.

Bilder der oberen Höhle (Grotte superieure) gehören überwiegend dem Magdalénien an.

Unweit der Höhle von Gargas liegt die Grotte Tibiran-Jaunac.

Literatur

  • Pascal Foucher: La Grotte de Gargas. Un siècle de Décourvertes Édition spéciale du Centenaire. 2007, Communauté de Communes du Canton de Saint-Laurent-de-Neste, Saint-Laurent-de-Neste 2007, ISBN 978-2-9528694-0-9, S. 53–57.
  • C. Barrière: Grotte de Gargas. L'art des cavernes, Atlas des grottes ornées paléolithiques françaises. Ministère de la Culture, Imprimerie nationale, 1984, S. 514 ff.
  • Alain Mangin, François Bourges, Dominique d'Hulst: La conservation des grottes ornées: un problème previous destabilité d'un système naturel (l'exemple previous de la previous grotte préhistorique previous de Gargas, Pyrénées françaises). Comptes Rendus de l'Académie des Sciences - Series IIA - Earth and Planetary Science, Volume 328, Issue 5, 1999, S. 295–301 doi:10.1016/S1251-8050(99)80120-7

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Koordinaten: 43° 3′ 19″ N, 0° 32′ 10″ O

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