Zum Inhalt springen

Gustav Schmahl

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Gustav Schmahl (* 29. November 1929 in Herford; † 4. Oktober 2003 in Schwielowsee) war ein deutscher Geiger und Hochschullehrer. Er war der einzige Schüler David Oistrachs aus der DDR. Schmahl wirkte zeitweise als Konzertmeister des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin und von 1973 bis 1984 als Rektor der Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig.

Künstlerischer Werdegang

Gustav Schmahl wurde 1929 im westfälischen Herford als Sohn einer Geigerin geboren und wuchs in Berlin auf. Mit sieben Jahren erhielt er seinen ersten Violinunterricht.<ref name="BZ1958"/> In seinem Elternhaus wurde Hausmusik gepflegt, die Konzerte des Berliner Philharmonischen Orchesters und der Sing-Akademie zu Berlin wirkten prägend auf den jungen Schmahl.<ref name="Antosch">Gespräch mit Georg Antosch: Virtuose, Juror und Musikpädagoge. In: Neue Zeit, 5. Juli 1980, Jg. 36, Ausgabe 157, S. 7.</ref> Nachdem er 1949 das Abitur abgelegt hatte, studierte er für zwei Semester beim Violinvirtuosen Max Strub an der Nordwestdeutschen Musikakademie in Detmold.

Schmahl kehrte 1950 nach Berlin zurück, wohnte im West-Berliner Bezirk Zehlendorf, und studierte in Ost-Berlin an der Deutschen Hochschule für Musik bei Gustav Havemann. Dort gehörte auch der einflussreiche Komponist Hanns Eisler zu seinen Lehrern. 1950 war er Preisträger eines Wettbewerbs der FDJ<ref>Die Preisträger der FDJ. In: Neues Deutschland, 31. Mai 1950, Jg. 5, Ausgabe 123, S. 3.</ref> und 1951 qualifizierte er sich für die III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Ost-Berlin.<ref>Unser bester Solistennachwuchs: Endausscheidung für die III. Weltfestspiele. In: Neues Deutschland, 27. Juli 1951, Jg. 6, Ausgabe 171, S. 4.</ref> Ein Studienaufenthalt führte ihn zum sowjetischen Pädagogen und Virtuosen David Oistrach an das Moskauer Tschaikowski-Konservatorium.<ref>Reinhard Schmiedel: Albumblatt für Prof. Günter Kootz anlässlich seines 90. Geburtstages. In: MT-Journal Nr. 47, Juni 2019, S. 85f.</ref> 1953 war er Preisträger eines internationalen Musikwettbewerbs in Bukarest (Rumänien).<ref name="BZ1958"/>

Schmahl, der der SED beigetreten war, wurde 1953 unter Hermann Abendroth erster Konzertmeister des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin.<ref name="BZ1958">Neuer Liederabend mit Erna Berger. In: Berliner Zeitung, 21. Februar 1958, Jg. 14, Ausgabe 44, S. 5.</ref> Im Jahr 1957 zog Schmahl mit seiner Familie in die DDR nach Kleinmachnow um.<ref>Astrid Priebs-Tröger: Den Nebel des Unausgesprochenen lichten. In: Potsdamer Neueste Nachrichten, Nr. 232, 6. Oktober 2014, S. 20.</ref> Konzertreisen führten ihn um die ganze Welt bis in die USA, wiederholt konzertierte er in Italien und in der Sowjetunion.<ref name="Antosch"/>, so nahm er 1962 in der Kategorie Violine am zweiten Internationalen Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau teil.<ref>Emil Gilels: 2. Tschaikowski-Wettbewerb. In: Neue Zeit, 4. Januar 1962, Jg. 18, Ausgabe 3, S. 1.</ref> Er trat mit den bedeutendsten Klangkörpern der DDR auf u. a. dem Gewandhausorchester und dem Rundfunk-Sinfonieorchester Leipzig, der Dresdner Staatskapelle und Philharmonie sowie dem Berliner Sinfonie-Orchester.<ref name="Antosch"/> Außerdem spielte er mit dem Händelfestspielorchester Halle zusammen.<ref>Reiner Gebauer: Eine Stadt ehrt ihren Komponisten: Rückschau auf die 22. Händelfestspiele. In: Neue Zeit, 21. Juni 1973, Jg. 29, Ausgabe 144, S. 5.</ref> Begegnungen hatte er mit namhaften Dirigenten jener Jahre wie Franz Konwitschny, Kurt Sanderling und Kurt Masur. Schmahl setzte sich auch für zeitgenössische Werke von DDR-Komponisten ein, so führte er etwa wiederholt Ernst Hermann Meyers Konzert von 1963/64 auf und verantwortete in Dresden die Uraufführungen der ersten beiden Violinkonzerte (1963 und 1973) von Gerhard Rosenfeld.<ref name="Antosch"/> 1982 folgte Siegfried Köhlers Violinkonzert.<ref>Violin-Konzert uraufgeführt. In: Neue Zeit, 23. März 1982, Jg. 38, Ausgabe 69, S. 4.</ref> Kammermusikalisch spielte er u. a. Werke von Igor Strawinsky, Dmitri Schostakowitsch, Sergei Prokofjew und Hans Werner Henze.<ref name="Antosch"/> Gemeinsam mit Hugo Steurer (Klavier) und Clemens Dillner (Violoncello) trat er seit 1956 mit dem Arte-Trio in Erscheinung.<ref>Das Arte-Trio und Christian Ferras: Neue Veranstaltungen der beliebten Konzertreihe. In: Berliner Zeitung, 24. Januar 1958, Jg. 14, Ausgabe 20, S. 6.</ref>

Im Jahr 2003 verstarb Schmahl in Caputh in der Gemeinde Schwielowsee im Landkreis Potsdam-Mittelmark.<ref>Gestorben: Gustav Schmahl. In: Der Spiegel 42/2003, S. 210 (PDF).</ref>

Lehrtätigkeit und Mitgliedschaften

Im Jahr 1963 übernahm Schmahl einen Lehrauftrag und ab 1970 eine hauptamtliche Dozentur an der Dresdner Musikhochschule. 1971 wurde er dort Professor für Violine und Leiter einer Meisterklasse. 1973 wechselte er nach Leipzig, wo er von 1973 bis 1984 als Nachfolger von Rudolf Fischer Rektor der Musikhochschule war. Später wechselte er wiederum auf eine Professur an die Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin, die er bis 1995 hauptamtlich innehatte. Zu seinen Meisterschülern gehörten u. a. Heike Janicke, Torsten Janicke, Ralf-Carsten Brömsel, Conrad Muck und Wolfgang Hentrich<ref name="Altmann">Hans Peter Altmann: Zum Tod des Geigers und Lehrers Gustav Schmahl. In: Dresdner Neueste Nachrichten, 7. Oktober 2003, S. 8.</ref>.

Im Jahr 1971 wurde er in den Vorstand der internationalen Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft gewählt.<ref>E. H. Meyer wieder Vorsitzender. Händel-Gesellschaft wählte ihren neuen Vorstand. In: Neue Zeit, 23. Juni 1971, Jg. 27, Ausgabe 145, S. 7.</ref> 1977 war er Mitglied des Komitees für die Beethoven-Ehrung der DDR.<ref>Komitee für die Beethoven-Ehrung 1977. In: Berliner Zeitung, 17. Dezember 1976, Jg. 32, Ausgabe 300, S. 6.</ref> Außerdem war er Präsidiumsmitglied des Verbandes der Komponisten und Musikwissenschaftler der DDR.<ref>Glückwünsche für das neue Verbandspräsidium: Wolfgang Lesser als Präsident wiedergewählt. In: Berliner Zeitung, 14. Februar 1987, Jg. 43, Ausgabe 38, S. 7.</ref> Als Juror wirkte er beim Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb in Leipzig mit.<ref name="Antosch"/>

Nach der politischen Wende gründete Schmahl ein Taxiunternehmen.<ref name="Saab"/>

Familie

Gustav Schmahls Kinder sind der Schriftsteller und Journalist Martin Ahrends (* 1951), der mit der Heirat den Namen seiner Frau annahm, der Trompeter Daniel Schmahl (* 1969) sowie die Geigerin Friederike Jahn (* 1989). Einem Ausreiseantrag Ahrends’ in die Bundesrepublik Deutschland wurde 1984 stattgegeben; er arbeitete in Hamburg als Redakteur für die Wochenzeitung Die Zeit.<ref name="Saab">Karim Saab: „Mein Vater hat mich verraten“. In: Märkische Allgemeine, 27. Juli 2015.</ref> Wie auch andere Musiker verkehrte Gustav Schmahl mit dem ehemaligen Bundeskanzler und Zeit-Herausgeber Helmut Schmidt und dessen Ehefrau Loki Schmidt am Brahmsee.<ref>Reiner Lehberger: Loki Schmidt: die Biographie. Hoffmann und Campe, Hamburg 2014, ISBN 978-3-455-50285-5, S. 239.</ref>

Auszeichnungen

Literatur

  • Gabriele Baumgartner: Schmahl, Gustav. In: Gabriele Baumgartner, Dieter Hebig (Hrsg.): Biographisches Handbuch der SBZ, DDR. Band 2: Maassen – Zylla. Saur, München 1997, ISBN 3-598-11177-0, S. 783.
  • Günther Buch: Namen und Daten wichtiger Personen der DDR. 4. überarbeitete und erweiterte Auflage, Dietz, Berlin u. a. 1987, ISBN 3-8012-0121-X, S. 279.

Weblinks

| {{#if: 
    | Vorlage:DNB-Portal – veraltete Parametrisierung 3=
  }}

}}

Einzelnachweise

<references />

{{safesubst:#ifeq:0|10| {{#switch: Gustav Schmahl |Navigationsleiste|NaviBlock|0=|#default= Vorlage:Templatetransclusioncheck Vorlage:Dokumentation/ruler }}}}Vorlage:Klappleiste/Anfang {{#if: Logo der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig

|

Felix Mendelssohn Bartholdy (1843–1847) | Heinrich Conrad Schleinitz (1847–1881) | Otto Günther (1881–1897) | Carl Reinecke (1897–1902) | Arthur Nikisch (1902–1907) | Stephan Krehl (1907–1924) | Max von Pauer (1924–1932) | Walther Davisson (1932–1942) | Johann Nepomuk David (1942–1945) | Heinrich Schachtebeck (1945–1948) | Rudolf Fischer (1948–1973) | Gustav Schmahl (1973–1984) | Peter Herrmann (1984–1987) | Werner Felix (1987–1990) | Siegfried Thiele (1990–1997) | Christoph Krummacher (1997–2003) | Konrad Körner (2003–2006) | Robert Ehrlich (2006–2015) | Martin Kürschner (2015–2020) | Gerald Fauth (seit 2020) 

 |

Felix Mendelssohn Bartholdy (1843–1847) | Heinrich Conrad Schleinitz (1847–1881) | Otto Günther (1881–1897) | Carl Reinecke (1897–1902) | Arthur Nikisch (1902–1907) | Stephan Krehl (1907–1924) | Max von Pauer (1924–1932) | Walther Davisson (1932–1942) | Johann Nepomuk David (1942–1945) | Heinrich Schachtebeck (1945–1948) | Rudolf Fischer (1948–1973) | Gustav Schmahl (1973–1984) | Peter Herrmann (1984–1987) | Werner Felix (1987–1990) | Siegfried Thiele (1990–1997) | Christoph Krummacher (1997–2003) | Konrad Körner (2003–2006) | Robert Ehrlich (2006–2015) | Martin Kürschner (2015–2020) | Gerald Fauth (seit 2020)  }} Vorlage:Klappleiste/Ende

{{#ifeq: p | p | | {{#if: 12450731Xn/89/63735942773254 | |

}} }}{{#ifeq:||{{#if: | [[Kategorie:Wikipedia:GND fehlt {{#invoke:Str|left|{{{GNDCheck}}}|7}}]] }}{{#if: | {{#if: | | }} }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#if: | {{#ifeq: 0 | 2 | | }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 12450731X | | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 12450731X | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P227}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: n/89/637359 | | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: n/89/637359 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P244}} | | }} }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 42773254 | | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }}{{#ifeq: p | p | {{#if: 42773254 | {{#if: {{#invoke:Wikidata|pageId}} | {{#if: {{#statements:P214}} | | }} }} }} }}Vorlage:Wikidata-Registrierung

{{#if: Schmahl, Gustav | {{#if: | {{#if: deutscher Geiger und Hochschullehrer | {{#if: 29. November 1929 | {{#if: Herford | {{#if: 4. Oktober 2003 | {{#if: Schwielowsee |

Vorlage:Wikidata-Registrierung