Gustav Adolf Schröder
Gustav Adolf Schröder (* 25. März 1943 in Plön) ist ein deutscher Manager und war zwischen 1989 und 2007 Vorstandsvorsitzender der größten deutschen kommunalen Sparkasse, der Sparkasse KölnBonn.
Werdegang
Schröder war bereits 1972 der seinerzeit mit 29 Jahren jüngste Vorstandsvorsitzende einer Sparkasse, der Stadtsparkasse Langenberg/Rheinland (heute: Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert). 1978 übernahm er den Vorstandsvorsitz der Kreissparkasse Hannover, 1986 wurde er Geschäftsführer des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) in Bonn. Am 1. November 1989 übernahm er das Amt des Vorstandsvorsitzenden der Stadtsparkasse Köln, die unter seinem Vorsitz 2005 mit der Sparkasse Bonn zur Sparkasse KölnBonn fusionierte. Von 1996 bis 2007 war Schröder als Bundesobmann Sprecher der deutschen Sparkassenvorstände, zudem war er Vorstandsmitglied und stellvertretender Präsident des DSGV.
Nach dem Ende seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender wurde Schröder am 11. Juni 2007 die Dr.-Johann-Christian-Eberle-Medaille verliehen. Mit der höchsten Auszeichnung der deutschen Sparkassenorganisation würdigten die rheinischen Sparkassen Schröders „hervorragende Verdienste um das Sparkassenwesen im Rheinland und damit um das Wohl von Wirtschaft und Bevölkerung“.<ref>DSGV (Hrsg.), Deutsche Sparkassenzeitung vom 15. Juni 2007, Personalien</ref>
Rezeption
Schröders Zeit als Vorstandschef der Sparkasse Köln-Bonn und seine Geschäftspolitik wurden nach seiner aktiven Amtszeit in den Medien mit dem Begriff „Kölscher Klüngel“ verbunden. Als ungewöhnlich für eine Sparkasse gelten beispielsweise die Übernahme der Golf Club Lärchenhof GmbH oder das Engagement bei der Magic Media Company (MMC).<ref>Caspar Dohmen: Sparkasse Köln-Bonn in der Krise – Unter Freunden, in: Süddeutsche Zeitung vom 4. August 2008</ref> Insbesondere die Zusammenarbeit mit der Oppenheim-Esch-Holding (ein Joint-Venture zwischen der Privatbank Sal. Oppenheim mit dem Bauunternehmer Josef Esch) bei der Erweiterung der Messe Köln sorgten für Irritationen.<ref>Klaus Ott/Uwe Ritzer: Stadtsparkasse Köln unter Verdacht – Teure Einflussnahme. in: Süddeutsche Zeitung vom 24. Juni 2008</ref> Ein Ermittlungsverfahren in Sachen MMC wurde von der Kölner Staatsanwaltschaft 2008 eingestellt, ein anderes Verfahren, das sich um Unregelmäßigkeiten beim Kauf von Schröders Privatgrundstück drehte, wurde unter der Auflage der Zahlung eines sechsstelligen Geldbetrages eingestellt.<ref name="Ludwig">Florian Ludwig: Gustav Adolf Schröder zahlt 100 000 Euro, in: General Anzeiger vom 28. Mai 2008</ref> In diesem Zusammenhang wurde 2008 berichtet, dass sich bei der Sparkasse KölnBonn die Verluste aus risikobehafteten Kapitalbeteiligungen aus der Zeit Gustav Adolf Schröders auf 155,3 Millionen Euro beliefen.<ref name="Ludwig" /> Schröder wird in der Presse auch als „Teflon-Gustav“ bezeichnet, angesichts „seiner Fähigkeit […] Untreue-Vorwürfe abtropfen zu lassen“.<ref name="Bein">Hans-Willy Bein: Ärger an zwei Fronten, in: Süddeutsche Zeitung vom 21. Februar 2009, S. 24</ref>
Mit Schreiben vom 4. August 2005<ref>vorschriftswidrig nur vom Sparkassenvorstand Gustav Adolf Schröder unterschrieben: Die Vertretungsregelungen der Sparkasse sehen für verpflichtende Regelungen das Vier-Augen-Prinzip vor.</ref> stellte die Sparkasse mit einer Patronatserklärung die beiden MMC-Mitgründer „über die Lana Beteiligungsgesellschaft mbH“ endgültig frei von „sämtlichen Verpflichtungen, die Sie im Rahmen Ihrer früheren Beteiligung an der MMC eingegangen sind“. Insgesamt habe die Sparkasse die übrigen MMC-Gesellschafter zwischen 1998 und 2007 von Garantierisiken in Höhe von 60 Millionen Euro befreit.<ref>Der Spiegel 45/2007 vom 5. November 2007, Schröders Alleingang, S. 110 ff.</ref> Damit war die Sparkasse im Dezember 2007 alleinige Mietgarantin und Mit-Gesellschafterin der MMC.
Gustav Adolf Schröder gilt als SPD-Mann, sein Wechsel zum Finanzvorstand der RAG-Stiftung im Jahr 2007 wird auf Einflussnahme durch den Bundesfinanzminister Peer Steinbrück zurückgeführt.<ref name="Bein" /> Im Februar 2009 verkündete die RAG-Stiftung in einer Pressemitteilung, dass Schröder darum gebeten habe, seine Vorstandstätigkeit bis auf Weiteres ruhen zu lassen. „Der Stiftung und ihm selbst soll dadurch die Möglichkeit gegeben werden, die durch Medienberichte über Vorkommnisse während seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Köln entstandene Situation zu beurteilen und zu klären.“<ref>RAG-Stiftung: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pressemitteilung ( vom 4. Juli 2009 im Internet Archive) (PDF; 396 kB). 12. Februar 2009</ref> Im April 2009 beendete Schröder seine Tätigkeit als Vorstand der RAG-Stiftung, unter Verzicht auf eine Abfindung für die vorzeitige Auflösung des bis 2012 abgeschlossenen Vertrages.<ref name="Damm">Sparkassenaffäre: Schröder verlässt RAG-Stiftung. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 28. April 2009</ref> In der Medienberichterstattung wurde dabei ein Zusammenhang mit laufenden Ermittlungen der Kölner Staatsanwaltschaft bezüglich eines Beratervertrages der Sparkasse KölnBonn mit dem Ex-CDU-Bundestagsabgeordneten Rolf Bietmann gesehen, dem möglicherweise keine angemessenen Gegenleistungen gegenüber standen.<ref name="Damm" />
Im August 2009 wurde bekannt, dass die Kölner Staatsanwaltschaft Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Chef der Sparkasse Köln-Bonn, Gustav Adolf Schröder, und gegen den Bauunternehmer Josef Esch im Zusammenhang mit dem Neubau der Kölner Messe wegen „Anfangsverdacht einer Bestechung und Bestechlichkeit in einem besonders schweren Fall“ aufgenommen hat.<ref>Chris Merting: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Vorwurf der Bestechung: Staatsanwalt ermittelt gegen Esch und Schröder ( des Vorlage:IconExternal vom 24. September 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., in: Express vom 20. August 2009</ref> Im September 2009 leitete die Kölner Staatsanwaltschaft außerdem ein Ermittlungsverfahren gegen Schröder wegen des Verdachts der Untreue bezüglich der Übernahme des Golf Club Lärchenhof ein.<ref>Susanne Happe: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ermittlungen wegen Untreue: Ex-Chef der Sparkasse Köln Bonn im Visier ( des Vorlage:IconExternal vom 24. September 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., in: Kölnische Rundschau vom 7. September 2009</ref> Im Jahr 2011 wurde bekannt, dass die Ermittlungen auf den Kauf der aus dem Besitz von „Burgenkönig“ Herbert Hillebrand stammenden Burg Hemmersbach ausgedehnt wurden.<ref>Betrugsvorwürfe: Wirtschaftskrimi um Burg Hemmersbach. In: Kölner Stadt-Anzeiger. 24. Januar 2011, abgerufen am 23. Juni 2013.</ref> Gegenstand der Ermittlungen gegen insgesamt 25 Beschuldigte sind Subventionen für die Käufer von Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch, die Brüder Bernd und Helmut Breuer, die aus dem Objekt mit Kai Krause und der Unterstützung des Landes eine „ByteBurg“ machen wollten.<ref>Vgl. Technologiezentrum Oberhausen</ref><ref>„Wirtschaftspolitik wird geschwächt“. In: Kölnische Rundschau. 7. November 2007, ehemals im Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 25. April 2017. (Seite nicht mehr abrufbar. Suche im Internet Archive )</ref>
Im Juni 2018 wurde Schröder vom Landgericht Köln wegen Untreue, Steuerhinterziehung und Beihilfe hierzu zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.<ref>„Ex-Sparkassenvorstände zu Bewährungsstrafen verurteilt“. In: General-Anzeiger. 18. Juni 2018, abgerufen am 6. November 2020.</ref>
Mitgliedschaften
Bis zum 31. März 2007 war Schröder Mitglied des Verwaltungsrates der DekaBank Deutsche Girozentrale.
Schröder engagiert sich im Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer.
Literatur
- Gustav Adolf Schröder: Standpunkte. Ausgewählte Aufsätze, Reden und Interviews. Hrsg. von der Sparkasse KölnBonn. Deutscher Sparkassen Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-09-303584-5
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schröder, Gustav Adolf |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Manager |
| GEBURTSDATUM | 25. März 1943 |
| GEBURTSORT | Plön |