Gustav-Heinemann-Brücke (Essen)
| Gustav-Heinemann-Brücke (Essen) | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Offizieller Name | Gustav-Heinemann-Brücke | |||||
| Nutzung | Straßenbrücke | |||||
| Überführt | B224, Fuß- und Radweg | |||||
| Querung von | Ruhr | |||||
| Ort | Essen, Werden | |||||
| Konstruktion | Balkenbrücke, gevoutet | |||||
| Gesamtlänge | 113,4 m | |||||
| Breite | 14 m | |||||
| Längste Stützweite | 66,4 m; 47 m | |||||
| Lichte Höhe | 1,65 m bis 3,40 m | |||||
| Fahrzeuge pro Tag | 40.000 | |||||
| Baukosten | 9,5 Millionen DM | |||||
| Baubeginn | 1967 | |||||
| Fertigstellung | 1968 | |||||
| Eröffnung | 20. Dezember 1968 | |||||
| Lage | ||||||
| Koordinaten | 51° 23′ 13″ N, 6° 59′ 58″ O
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| Höhe über dem Meeresspiegel | 51 m | |||||
Die Gustav-Heinemann-Brücke ist eine Straßenbrücke im Essener Stadtteil Werden. Sie führt die Bundesstraße 224 über die Ruhr.
Geschichte
Erste Bauwerke ab 1056
Die erste Brücke an dieser Stelle über die Ruhr wurde 1065 urkundlich erwähnt. Nachdem 1399 eine hölzerne Brücke einstürzte, ließ der Werdener Abt eine neue mit einem Holzsteg auf bogenlosen Steinpfeilern errichten. In der Nacht vom 5. auf den 6. Januar 1533 wurde diese beim Einsetzen des Hochwassers nach der Schmelze der zugefrorenen Ruhr weggerissen. Man hatte versäumt, die Steinpfeiler, die durch die Strömung im unteren Bereich ausgewaschen worden waren, zu verstärken.<ref name="VZ1931">Die Werdener Brücken von 1056–1643. In: Essener Volkszeitung vom 31. Oktober 1931</ref>
In den Jahren 1533 bis 1538 wurde diese weggespülte Brücke durch eine steinerne Bogenbrücke mit Brück- und Zolltor auf Werdener Seite ersetzt. Meister Gerwin von Langenberg aus Wesel baute die Brücke ab Juli 1533, und zwar immer bei niedrigem Wasserstand im Sommer, wobei 1537 ausgesetzt wurde, da es Unstimmigkeiten zwischen der Abtei und er Stadt gab. Im Jahr 1538 war die Brücke vollendet. Teils wurden Steine der alten Pfeiler benutzt, teils neue Steine aus einem Steinbruch unmittelbar bei der Brücke. Sie kostete 1040 Gulden. Die Abtei Werden trug davon 486 Gulden, die Stadt Werden 241, die Stiftseinwohner trugen 97 und der Herzog von Kleve trug 119 Gulden. Diese Steinbrücke wurde durch das Winterhochwasser 1642/43 zerstört.<ref name="VZ1931" /> In den darauf folgenden gut 200 Jahren hielt eine Fähre den Verkehr über die Ruhr aufrecht.<ref name="Volkszeitung" />
Königsbrücke 1854 bis 1932
Der Grundstein für die stählerne Königsbrücke wurde am 15. Oktober 1853 gelegt. Der am 29. November 1854 dem Verkehr übergebene Bau war für eine höhere Tragkraft für den zukünftig aufkommenden Kraftwagenverkehr ausgelegt und war damit durch die steinernen Strompfeiler den Vorgängern in Stabilität überlegen.<ref name="Denkmal" /> Die Brücke besaß eine Fahrbahn von 5,7 Metern Breite und ließ eine Belastung von acht Tonnen zu.<ref name="Volkszeitung" /> Zu Ehren von Kaiser Wilhelm I. wurde 1884 eine vom Werdener Bildhauer Wilhelm Albermann gefertigte Statue als Denkmal auf einem der drei Strompfeiler enthüllt. 1891 folgten auf den anderen beiden Strompfeilern der Königsbrücke die auch von Wilhelm Albermann geschaffenen Statuen von Helmuth von Moltke und Otto von Bismarck. Die drei Statuen wurden bei dem folgenden Brückenneubau nicht mehr aufgestellt, sind aber bis heute erhalten und befinden sich im Dückerpark in Werden. Der Dückerpark, an der Dückerstraße, ist ein ehemaliger Werdener Friedhof (1824–1875), auf dem einige Werdener Stadtpersönlichkeiten (wie z. B. der Bauhistoriker Prof. Wilhelm Effmann, Angehörige des Bildhauers Wilhelm Albermann, Tuchfabrikant Johann(es) Forstmann, Tuchfabrikant Matthias Wiese, Wilhelm Mintrop, genannt Schulte Barkhoven, und die in Essen bekannte Familie Baedeker) ihre letzte Ruhe fanden. Die drei Statuen aus Ruhrsandstein sind 1986 als bewegliches Denkmal in die Denkmalliste der Stadt Essen aufgenommen worden.<ref name="Denkmal">Auszug aus der Denkmalliste der Stadt Essen (PDF; 423 kB); abgerufen am 17. Dezember 2019</ref>
Der Verkehr auf der stählernen Brücke wurde in den letzten Jahren des Bauwerkes als Einbahnstraße durch eine Lichtzeichenanlage geregelt. 1930 erhielt die rostende Brückenkonstruktion 54 neue Querträger.<ref name="Volkszeitung" /> Die Königsbrücke wurde wegen des weiter gestiegenen Individualverkehrs und der einhergehenden Baufälligkeit schließlich 1932 abgerissen.
Brücke von 1932 bis in die 1960er Jahre
Die Königsbrücke wurde durch die direkt südlich daneben gelegene, mit größerer (Schiffs-)Durchfahrtshöhe gebaute Stahlbrücke mit Asphaltdecke ersetzt.<ref>Werden-an-der-Ruhr.de Zeitleiste der Geschichte; abgerufen am 17. Dezember 2019</ref> Die Stadt Werden hatte bereits mit den Planungen begonnen, welche nach der Eingemeindung 1929 von der Stadt Essen weitergeführt wurden. Die Gründungsarbeiten für die beiden Strompfeiler fanden im Sommer 1931 statt. Dabei entdeckte man am nördlichen Pfeiler Fundamentreste der oben erwähnten steinernen Bogenbrücke, die in den 1530er Jahren errichtet worden war.<ref name="VZ">Vom Brückenbau bei Werden. In: Essener Volkszeitung vom 6. Juni 1931</ref>
Die neue 120 Meter lange Balkenbrücke mit einer Breite von 11,5 Metern wurde am 23. April 1932 dem Verkehr übergeben. Die nach Plänen von Ernst Bode errichtete Brücke hatte eine Tragfähigkeit von 23 Tonnen. Die Betonpfeiler trugen die Fahrbahn und die Bürgersteige aus einer Stahlkonstruktion der Fried. Krupp AG.<ref name="Volkszeitung">Heute Nachmittag 17 Uhr: Einweihung der neuen Werdener Brücke! In: Essener Volkszeitung vom 23. April 1932</ref> Die Fahrbahn erhielt Oberleitungen für Trolleybusse.<ref name="VZ" />
Wegen des nach dem Zweiten Weltkrieg weiter ansteigenden (Durchgangs-)Verkehrs musste diese (namenlose) Stahlbrücke, die im Krieg nicht zerstört wurde, Ende der 1960er Jahre durch die heutige nochmals vergrößerte Brücke ersetzt werden.
Gustav-Heinemann-Brücke 1968
Der Rat der Stadt Essen beschloss 1965 den Brückenneubau. Nach einer Bauzeit von rund zwei Jahren wurde am 20. Dezember 1968 die neue Werdener Brücke im Beisein des damaligen Oberbürgermeisters Wilhelm Nieswandt eingeweiht und dem Verkehr übergeben. Im Zuge dieses Brückenneubaus wurde an deren Westseite auch die Überquerung der Bahnstrecke Essen-Werden–Essen in Richtung Kettwig, durch Ersatz des Bahnüberganges durch eine Brücke der Ruhrtalstraße, neu errichtet.
Im Februar 1982 wurde, 6 Jahre nach dessen Tod, die Werdener Ruhrbrücke nach Gustav Heinemann, als Anerkennung seines Wirkens als Oberbürgermeister von Essen (1946–1949) und als dritter deutscher Bundespräsident (1969–1974) benannt.<ref>Pressemeldung der Stadt Essen vom 18. Dezember 2008</ref>
In der Nähe der Brückenköpfe gibt es Bushaltestellen für den Anschluss an den ÖPNV, wobei sich speziell auf der westlichen Seite der Platz vor dem seit dem Neubau der beiden Brücken hierhin verlegten Bahnhof Essen-Werden als ÖPNV-Verkehrsknotenpunkt zwischen S-Bahn (S6) und mehreren Buslinien entwickelt hat.
Technische Daten
Die etwa 14 Meter breite, gevoutete Balkenbrücke aus Spannbeton besitzt einen Hohlkasten, in dem alle wichtigen Versorgungsleitungen verlaufen. Ihre Widerlager reichen bis zu 13 Meter tief in den Boden.
In den 1980er Jahren musste die Brücke mit Spanngliedern längs und quer der Pfeilerträger verstärkt werden, da Risse in der Bodenplatte ausgemacht wurden.
Ende 2011 wurden umfassende Sanierungsarbeiten im Wert von rund 1,3 Millionen Euro fertiggestellt. Hauptsächlich wurden Schäden durch eindringende Feuchtigkeit behoben. Des Weiteren gehörten neue Ampelanlagen, breitere Fuß- und Radwege, größere Fußgängerinseln, in der Breite und Anzahl angepasste Fahrspuren sowie auf eine Höhe von 1,2 Meter angepasste Geländer zum Umfang der Arbeiten.<ref>1,3 Millionen Euro für Werdener Brücke; in: Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 2. September 2010</ref>
Ende 2024 teilte die Stadt Essen mit, dass es nach einer erfolgten Überprüfung zu einer weiteren Sanierung kommen muss. Dabei ist Verstärkung der Fahrbahnplatte durch zusätzliche Bewehrung ebenso vorgesehen wie das Anbetonieren von Stahlbetonlisenen zur Aufnahme zusätzlicher Kräfte und der Einbau sogenannter Schubnadeln zur verbesserten Lastverteilung.<ref>Gustav-Heinemann-Brücke: Umfassende Sanierung zur Sicherung der Verkehrssicherheit geplant. In: Pressemeldung der Stadt Essen vom 26. Juni 2025</ref> Der Baustart ist für Herbst 2026 geplant. Die Dauer der Arbeiten wird auf etwa sieben Monate geschätzt.<ref>Sanierung der Gustav-Heinemann-Brücke verzögert sich. In: Pressemeldung der Stadt Essen vom 19. März 2026</ref>
Literatur
- Christoph Schmitz: Die Ruhrbrücken. Ardey Verlag, Münster 2004, ISBN 3-87023-311-7, S. 425–428.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />