Guanidiniumnitrat
Guanidiniumnitrat, das Guanidinsalz der Salpetersäure, ist ein durchsichtiger bis weißer, brandfördernder kristalliner Feststoff.
Darstellung
Guanidiniumnitrat kann durch Eintragen von Salpetersäure in Guanidin- oder Guanidiniumcarbonatlösung dargestellt werden.<ref>Vorlage:Literatur</ref> Die Reaktion kann stark exotherm verlaufen, daher muss die Temperatur ständig kontrolliert werden.
Eine andere Möglichkeit ist das gemeinsame Erhitzen von Ammoniumnitrat mit Harnstoff oder Dicyandiamid auf 210–230 °C.<ref>Vorlage:RömppOnline</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref> Während das Reaktionsgemisch flüssig ist, muss es vor jeglicher Erschütterung geschützt werden und darf nicht umgerührt werden. Mechanische Störungen der Reaktion können zu einem rasanten Temperaturanstieg führen und unkontrollierbare Nebenreaktionen verursachen.
Eigenschaften
Guanidiniumnitrat bildet farblose Kristalle mit einem Schmelzpunkt von 214 °C. Es ist gut löslich in Wasser.<ref name="GESTIS" /> Guanidiniumnitrat ist ein explosionsfähiger, brandfördernder Stoff mit vergleichbaren Eigenschaften wie Ammoniumnitrat. Im Stahlhülsentest ergibt sich ein Grenzdurchmesser von 2,5 cm.<ref name="Explosivstoffe">Köhler, J.; Meyer, R.; Homburg, A.: Explosivstoffe, zehnte, vollständig überarbeitete Auflage. Wiley-VCH, Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-32009-7.</ref> Die Bleiblockausbauchung beträgt 240 cm3/10 g.<ref name="Explosivstoffe"/> Die Verbindung ist nicht schlag- bzw. reibempfindlich.<ref name="Explosivstoffe"/> Sie kann aber durch eine Zündkapsel mit Booster zur Detonation gebracht werden. Mit einigen organischen Stoffen und manchen Metallpulvern bildet es auch hochexplosive Mischungen. Die Explosionswärme beträgt 2449 kJ·kg−1.<ref name="Explosivstoffe"/>
Im Gegensatz zu anderen Salpetersäure-Salzen wie z. B. Harnstoffnitrat, reagiert Guanidiniumnitrat in wässriger Lösung nicht sauer, was auf den basischen Charakter des Guanidins zurückzuführen ist. Obwohl es sich um ein organisches Nitrat handelt, zählt es nicht zu den Salpetersäureestern, wie beispielsweise Glycerinnitrat oder Cellulosenitrat.
Von der Verbindung sind abhängig von der Temperatur mehrere Kristallstrukturen bekannt.<ref>Vorlage:Literatur</ref>
Verwendung
Während des Zweiten Weltkriegs wurde es aus Rohstoffmangel zusammen mit Ammoniumnitrat und Zusätzen von Hexogen in schmelzbaren Mischungen verwendet.<ref name="Josef Köhler, Rudolf Meyer">Vorlage:Literatur</ref>
Heutzutage dient es überwiegend als Ausgangsstoff für die Synthese von Nitroguanidin.<ref name="Josef Köhler, Rudolf Meyer" /> Darüber hinaus findet Guanidiniumnitrat auch als Bestandteil von Festtreibstoffen in Airbags Anwendung.<ref>Vorlage:Literatur</ref><ref>Vorlage:Literatur</ref>
Einzelnachweise
<references />