Grusical
Grusical ist ein Kofferwort, gebildet aus den Wörtern „gruseln“ und „Musical“. Es bezeichnet einen nach Art eines Musicals inszenierten Film, der den Zuschauer zum Gruseln anregen soll.<ref name="carstensen">Broder Carstensen, Ulrich Busse: Anglizismen-Wörterbuch. De Gruyter, Berlin 2001, ISBN 3-11-017169-4, S. 601.</ref> Darüber hinaus kann er sich auch auf ein Theaterstück beziehen und wird übertragen im Sinn einer gruseligen Angelegenheit verwendet.<ref>Broder Carstensen: Plenumsvortrag. In: Herbert Grabes (Hrsg.): Anglistentag 1980 Giessen. Hoffmann, Grossen-Linden 1981, ISBN 3-88098-023-3, S. 33.</ref>
Begriff
Laut dem Lexikon der Filmbegriffe ist Grusical ein Kofferwort aus „Grusel“ und „Musical“, das beinahe ausschließlich in der deutschen Sprache gebraucht wird. Selten kommt auch die Schreibweise Grusikal vor. Das Kunstwort geht zurück auf einen Wortwitz in der Titelsequenz der Filmkomödie Das Spukschloß im Spessart von Kurt Hoffmann aus dem Jahr 1960.<ref>Grusical im Lexikon der Filmbegriffe.</ref> Der Begriff ist seit Beginn der 1960er Jahre nachweisbar. Er ist ein frühes Beispiel für ein deutsches Substantiv mit der Endung „-ical“<ref name="carstensen" /> und wird wie ähnlich gebildete Substantive häufig spöttisch gebraucht.<ref name="brockhaus">Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden. Brockhaus, Mannheim 1995, ISBN 3-7653-1027-1, S. 1668.</ref> Für Johannes Erben steht der Begriff im Spannungsfeld zwischen einem heimischen („gruseln“) und einem Fremdwort („Musical“).<ref>Johannes Erben: Neologismen im Spannungsfeld von System und Norm. In: Brigitte Schlieben-Lange: Geschichte und Architektur der Sprachen. De Gruyter, Berlin 1981, ISBN 3-11-086304-9, S. 40.</ref> Alan Kirkness und Melanie Woolford vertreten hingegen die Auffassung, dass das Wort „Musical“ zum Zeitpunkt der Entstehung bereits in der deutschen Sprache heimisch geworden war, es sich also um einen Neologismus innerhalb der deutschen Sprache, basierend auf dem Suffix „-ical“ handelt.<ref>Alan Kirkness, Melanie Woolford: Zur Herkunft der Anglizismen im Deutschen. Beobachtungen und Vorschläge anhand des Anglizismen-Wörterbuchs. In: Rudolf Hoberg (Hrsg.): Deutsch – Englisch – Europäisch. Impulse für eine neue Sprachpolitik. Dudenverlag, Mannheim 2002, ISBN 3-411-71781-5, S. 203–204.</ref> Über die konkrete Verwendung für einen Film oder ein Theaterstück hinaus bezeichnet der Begriff in ironisierender Form auch allgemein eine negative Angelegenheit, die Gruseln hervorruft. In dieser übertragenen Bedeutung war er vor allem in den 1970er Jahren gebräuchlich.<ref name="carstensen" />
Merkmale und Beispiele
Grusicals zeichnen sich durch ihren Showcharakter oder ihre Effekte aus, die an ein Musical erinnern.<ref>Duden. Das Bedeutungswörterbuch. Dudenverlag, Mannheim 2002, ISBN 3-411-04103-X, S. 491.</ref> Sie zielen in besonderer Weise auf die Emotionen des Publikums.<ref name="brockhaus" /> Wolfgang Willaschek spricht am Beispiel der Rocky Horror Show von einem „Bühnenspektakel“.<ref>Wolfgang Willaschek: 50 Klassiker Oper. Die wichtigsten musikalischen Bühnenwerke. Gerstenberg, Hildesheim 2000, ISBN 3-8067-2510-1.</ref> In seiner Besprechung des Films Der kleine Horrorladen entwirft Andreas Kilb ein Kochrezept für Grusicals, die aus einer Kreuzung von altem Gruselstoff mit komödiantischen Einlagen bestehen. Sie würden im Stile der 1950er Jahre präsentiert, seien aber vom „bonbonfarbenen Zynismus“ der 1980er Jahre durchzogen.<ref name="kilb">Andreas Kilb: „Der kleine Horrorladen“ von Frank Oz. In: Die Zeit vom 29. Mai 1987.</ref>
Als Grusical bezeichnet wurde etwa der Film Tanz der Vampire (1967) von Roman Polanski oder die Filmkomödie Das Spukschloß im Spessart (1960) von Kurt Hoffmann.<ref name="carstensen" /> Dasselbe gilt für die Theaterstücke The Rocky Horror Show (1973)<ref name="carstensen" /> und Der kleine Horrorladen (1982) samt ihren Verfilmungen.<ref name="kilb" /> Die Musicalbearbeitung des Dracula-Stoffes von Claus Martin trägt das Wort „Grusical“ sogar als Gattungsbezeichnung im Titel: Dracula – Das Grusical (2005).<ref>Dracula – Das Grusical, offizielle Webseite.</ref> Gleiches gilt für die Filmparodie Biss zur großen Pause – Das Highschool Vampir Grusical (2011).
Einzelnachweise
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