Gruner + Jahr
| Gruner + Jahr Deutschland GmbH
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| colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Gruner+Jahr-Logo.svg | |
| Rechtsform | Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) |
| Gründung | 1965 |
| Sitz | Verlagsgebäude Gruner + Jahr Koreastraße Hafencity Datei:Flag of Germany.svg Deutschland |
| Leitung | Ingrid Heisserer Christian Behr |
| Umsatz | 1,05 Mrd. Euro (2021) |
| Branche | Medien, Verlagswesen |
| Website | company.rtl.com |
| Stand: 24. Mai 2023 | |
Gruner + Jahr ist ein deutsches Medienunternehmen mit Sitz in Hamburg. Es wurde 1965 von Richard Gruner, John Jahr und Gerd Bucerius gegründet. Gruner + Jahr wurde 2021 eine Tochtergesellschaft von RTL Deutschland und somit Teil der börsennotierten RTL Group, an der Bertelsmann die Mehrheit hält. Die Übernahme wurde im Jahr 2023 abgeschlossen.<ref name=":8">Digitalfernsehen.de: RTL und Gruner+Jahr sind jetzt vereint, 11. Januar 2022.</ref><ref>kress: RTL Deutschland und G+J sind jetzt eins – 7.500 Quadratmeter großes Waldstück wird zum Symbol.</ref> Später wurden unter dem Dach von Gruner + Jahr einige Magazine weitergeführt, bei denen nur geringe Synergieeffekte mit RTL Deutschland bestehen.
Auch Die Zeit erschien ursprünglich bei Gruner + Jahr. Das Unternehmen hatte eine Beteiligung am Spiegel-Verlag, die heute wieder direkt von Bertelsmann gehalten wird.
Geschichte
Gründung als Druck- und Verlagshaus
Gruner + Jahr wurde 1965 von Richard Gruner, John Jahr und Gerd Bucerius gegründet.<ref name=":10">John Jahr: Medienindustrie: Ein Pakt unter Freunden. In: Die Zeit. Nr. 27, 2005 (zeit.de [abgerufen am 17. Mai 2024]).</ref> Bucerius und Jahr verlegten Zeitschriften, Gruner betrieb eine Druckerei. Schon vor 1965 ließen Bucerius und Jahr einige ihrer Publikationen bei Gruner drucken.<ref name=":11">Irene Altenmüller: Richard Gruner: Das große G vom G+J-Verlag. In: ndr.de. 25. Dezember 2015, abgerufen am 17. Mai 2024.</ref> Grund für den Zusammenschluss der drei Unternehmer waren positive Skaleneffekte, etwa beim Einkauf von Papier für die Druckereien oder dem Vertrieb von Zeitschriften über Lesezirkel. Die Fusion wurde vor allem von Gerd Bucerius vorangetrieben.<ref>Wolf Schneider: Gruner + Jahr Story: Ein Stück deutsche Pressegeschichte. Piper Verlag, 2000, ISBN 3-492-04265-1, S. 13.</ref> Den Grundstock des gemeinsamen Geschäfts von Gruner + Jahr bildeten die von den Gesellschaftern eingebrachten Zeitschriften.<ref name="Sjurts, S. 99">Insa Sjurts: Die deutsche Medienbranche: Eine unternehmensstrategische Analyse. Gabler Verlag, Wiesbaden 1996, ISBN 3-322-96462-0, S. 99.</ref> Zu den wichtigsten Titeln zählten unter anderem Brigitte, Capital, Stern und Schöner Wohnen. Sie erreichten 1965 zusammen bereits eine Millionenauflage.<ref>Unterzeichnung im Gewitter. In: Der Spiegel. Nr. 28, 1965, ISSN 0038-7452 (spiegel.de [abgerufen am 17. Mai 2024]).</ref> Das Unternehmen Gruner + Jahr wurde als haftungsbeschränkte Kommanditgesellschaft gegründet. Gruner besaß 39,5 %, Jahr 32,3 % und Bucerius 28,2 % der Anteile.<ref name="Sjurts, S. 99" /> Bis 1968 wuchs der Umsatz auf über 400 Millionen Deutsche Mark. Gruner + Jahr war damit damals das zweitgrößte deutsche Presseunternehmen nach Axel Springer.<ref>Einfach schneller. In: Der Spiegel. Nr. 49, 1968, ISSN 0038-7452 (spiegel.de [abgerufen am 17. Mai 2024]).</ref>
Rückzug der Unternehmensgründer
1969 stieg Richard Gruner wieder aus dem Unternehmen aus. Differenzen über die politische und strategische Ausrichtung des Hauses hatten dazu geführt.<ref name=":11" /><ref>Hans-Jürgen Jacobs: Zum Tod von Richard Gruner – Der den Namen gab. In: sueddeutsche.de. 17. Mai 2010, abgerufen am 17. Mai 2024.</ref> Gruner gab seine Anteile an die Mitgesellschafter Bucerius und Jahr ab, die kurzzeitig jeweils 50 % besaßen.<ref>Ralf Dahrendorf: Liberal und unabhängig: Gerd Bucerius und seine Zeit. Verlag C.H.Beck, München 2000, ISBN 3-406-46474-2, S. 179.</ref> Beide verkauften anschließend 25 % von Gruner + Jahr an Bertelsmann.<ref>Thomas Lehning: Das Medienhaus: Geschichte und Gegenwart des Bertelsmann-Konzerns. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn, München 2004, ISBN 3-7705-4035-2, S. 142–143.</ref> Der Betriebsrat kritisierte diesen Schritt aufgrund der Kapitalverflechtung mit dem Haus Springer, an dem Bertelsmann damals ebenfalls beteiligt war.<ref>Erster Schritt. In: Der Spiegel. Nr. 12, 1970, ISSN 0038-7452 (spiegel.de [abgerufen am 17. Mai 2024]).</ref> 1970 wechselten Bucerius und Jahr in den neu geschaffenen Verwaltungsrat, die Leitung wurde einer fünfköpfigen Geschäftsführung übertragen.<ref>Gruner + Jahr – Wenn ich 70 bin. In: Der Spiegel. Nr. 24, 1970, ISSN 0038-7452 (spiegel.de [abgerufen am 17. Mai 2024]).</ref> Um die Unabhängigkeit der Geschäftsführung zu stärken, wandelte man die Komplementärin (persönlich haftende Gesellschafterin) von Gruner + Jahr 1971 in eine Aktiengesellschaft um.<ref name=":15" />
Nach dem Rückzug aus dem operativen Geschäft tauschte Bucerius 1973 seine Anteile an Gruner + Jahr gegen ein Aktienpaket von Bertelsmann. Damit stieg der Konzern zum Mehrheitsgesellschafter von Gruner + Jahr auf.<ref name=":10" /> Bis 1975 erhöhte Bertelsmann seine Beteiligung auf insgesamt 74,9 %.<ref>Henning Kornfeld: Gruner + Jahr: „Das Nokia unter den Verlagen“. In: Kress Report. Nr. 19, 2014, S. 6.</ref> Mit dem Rückzug von Bucerius wurden die Rechte an der Wochenzeitung Die Zeit auf eine Stiftung übertragen, um ihre wirtschaftliche Unabhängigkeit dauerhaft sicherzustellen.<ref>Zeit-Gründer Gerd Bucerius ist gestorben. In: Horizont. Nr. 40, 1995, S. 14.</ref>
Beteiligungen im In- und Ausland
In den 1960er- und 70er-Jahren bestimmte zunächst der Ausbau der Aktivitäten im Heimatmarkt die Geschäfte von Gruner + Jahr.<ref name=":15">G+J Chronik. Gruner + Jahr, abgerufen am 1. September 2016.</ref> Beispielhaft hierfür ist der Erwerb von Minderheitsbeteiligungen am Spiegel-Verlag und den Vereinigten Motor-Verlagen (heute Motor Presse Stuttgart) im Jahr 1971.<ref>50 Jahre Gruner + Jahr – Ein bedeutendes Stück deutsche Pressegeschichte. In: vdz.de. Verband Deutscher Zeitschriftenverleger, 26. August 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. September 2015; abgerufen am 1. September 2016.</ref><ref>Erfolg mit Zeitschriften rund um das Auto. In: Handelsblatt. 20. Juni 1996, S. 22.</ref> Ende der 1970er-Jahre forcierte das Unternehmen dann die Expansion ins Ausland: In Frankreich wurde 1978 die Tochtergesellschaft Participations Edition Presse (heute Prisma Media) gegründet.<ref>Cherchez la femme. In: Manager Magazin. 1. Dezember 1988, S. 125–128.</ref> Im selben Jahr kaufte Gruner + Jahr den spanischen Verlag Cosmos Distribuidora und die US-amerikanische Druckerei Brown Printing. In den 1980er Jahren kamen weitere Beteiligungen und Niederlassungen im Ausland hinzu, zum Beispiel in Großbritannien.<ref>Im Ausland rührig und aktiv. In: Horizont. Nr. 30, 1994, S. 59.</ref>
Umzug in das neue Pressehaus
Bis Mitte der 1980er-Jahre waren die Mitarbeiter von Gruner + Jahr auf mehrere Gebäude an der Außenalster verteilt. Um die verlagsinterne Zusammenarbeit zu fördern und Platz für zusätzliches Personal zu schaffen, wurde ab 1985 das Pressehaus am Baumwall gebaut.<ref>Grundsteinlegung für G+J-Pressehaus. In: Handelsblatt. 21. September 1987, S. 17.</ref> Dort befand sich bis 2025 die Zentrale des Unternehmens.<ref>Ulrich Gaßdorf: Was plant Hamburg mit dem G+J-Gebäude? In: abendblatt.de. Hamburger Abendblatt, 30. Oktober 2015, abgerufen am 17. Mai 2024.</ref> Das Grundstück, auf dem das Pressehaus errichtet wurde, liegt zwischen Michaeliskirche und der Speicherstadt. Es war zuvor in Besitz der Stadt und hat eine Grundfläche von 22.000 Quadratmetern.<ref name="Der Spiegel (51/1990)" /> Richtfest war am 26. Mai 1989. Die Bauarbeiten waren 1989 weitgehend beendet,<ref name=":12">Thomas Hirschbiegel: Baumwall: „Goliath“ besiegt „David“. In: Hamburger Morgenpost (Mopo). 28. September 2007, ZDB-ID 291023-8, S. 20 (mopo.de [abgerufen am 1. September 2016]).</ref> die ersten Mitarbeiter zogen ein Jahr später in das Pressehaus ein. Der Bau kostete insgesamt rund 300 Millionen Deutsche Mark. Zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme bot er Platz für 2.000 Mitarbeiter und war damit das größte innerstädtische Bürohaus der Hansestadt.<ref name="Der Spiegel (51/1990)">Viel Blech. Nr. 51, 1990, ISSN 0038-7452 (spiegel.de [abgerufen am 17. Mai 2024]).</ref><ref>Uwe Kiessler, Otto Steidle: Verlagshaus Gruner + Jahr Hamburg. Oktagon Verlag, München, Stuttgart 1991, ISBN 3-927789-15-1, S. 18.</ref> In den folgenden Jahren mietete Gruner + Jahr zahlreiche Flächen in umliegenden Straßen und erweiterte das Areal durch Zukäufe.<ref name=":12" />
Ostdeutschland und US-Expansion
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1989/90 wurde Gruner + Jahr in Ostdeutschland aktiv. Zum Beispiel gründete das Unternehmen die Dresdner Morgenpost.<ref>G+J-Konzentration auf Berlin. In: Horizont. Nr. 37, 1992, S. 1.</ref> Mit der Chemnitzer Morgenpost folgte wenig später eine weitere Tageszeitung.<ref>Gruner + Jahr mit Chemnitzer Morgenpost. In: Handelsblatt. 22. August 1990, S. 21.</ref> 1991 kaufte Gruner + Jahr das Sächsische Druck- und Verlagshaus, in dem die Sächsische Zeitung erscheint.<ref>„Sächsische Zeitung“ ging an Gruner und Jahr. In: Handelsblatt. 17. September 1991, S. 21.</ref> Außerdem beteiligte sich das Unternehmen am Berliner Verlag: 1990 zunächst mit 50 %, ab 1992 dann zu 100 %.<ref>Donata Riedel: G+J schluckt Berliner Verlag allein. In: Die Tageszeitung. 18. Februar 1992, S. 7.</ref> Zu ihm gehören insbesondere die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier.<ref>Holtzbrinck kauft „Berliner Zeitung“. In: Der Tagesspiegel. 27. Juni 2002, S. 35.</ref> International erhielt Gruner + Jahr durch den Erwerb von sieben Zeitschriften der New York Times Company größere Aufmerksamkeit.<ref>Thomas Lehning: Das Medienhaus: Geschichte und Gegenwart des Bertelsmann-Konzerns. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn, München 2004, ISBN 3-7705-4035-2, S. 150–151.</ref> Das Unternehmen stieg 1994 zu einem führenden US-Verlag auf und erzielte erstmals die Hälfte seiner Umsätze außerhalb Deutschlands.<ref>Bertelsmann-Tochter kauft Frauenzeitschriften. In: Handelsblatt. 20. Juni 1994, S. 10.</ref><ref>Gruner + Jahr kauft in USA ein. In: Der Tagesspiegel. 18. Juni 1994.</ref><ref>Big Deal für G+J in USA. In: Horizont. Nr. 25, 1994, S. 6.</ref>
Einstieg in das digitale Geschäft
1995 startete Gruner + Jahr mit Websites unter den Domains geo.de, mopo.de, pm-magazin.de, stern.de und tvtoday.de als einer der ersten professionellen Anbieter im World Wide Web.<ref name=":15" /><ref>Insa Sjurts: Die deutsche Medienbranche: Eine unternehmensstrategische Analyse. Gabler Verlag, Wiesbaden 1996, ISBN 3-322-96462-0, S. 163.</ref> In den folgenden Jahren kam digitalen Geschäftsmodellen eine immer größere Bedeutung zu: 1997 gab das Unternehmen den Startschuss für Fireball, eine Suchmaschine speziell für deutschsprachige Inhalte.<ref>Ralf Wegner: Ein Fireball für deutsche Sites. In: Horizont. Nr. 25, 1997, S. 46.</ref> Sie wurde in Kooperation mit AltaVista und der Technischen Universität Berlin entwickelt.<ref>Fireball vorgestellt. In: Handelsblatt. 24. Juni 1997, S. 40.</ref> 1998 folgte mit Paperball eine auf Nachrichten spezialisierte Suchmaschine.<ref>Zeitungssuchmaschine im Internet. In: Handelsblatt. 21. April 1998, S. 24.</ref> Ein E-Mail-Anbieter (Firemail) gehörte ebenfalls zum Portfolio.<ref>Holger Bleich: Freemailer als Kommunikationszentralen. In: c’t Magazin. Nr. 11, 2000, S. 140.</ref> 2000 brachte Gruner + Jahr Fireball und verwandte Marken in Lycos Europe ein.<ref>Fireball geht in Lycos auf. In: Berliner Zeitung. 8. März 2000, S. 34.</ref> Im Gegenzug erhielt Gruner + Jahr eine Beteiligung am Unternehmen,<ref>Gruner + Jahr bringt Fireball in Lycos Europe ein. In: derstandard.at. 7. März 2000, abgerufen am 17. Mai 2024.</ref> dessen Börsengang bevorstand.<ref>Gruner + Jahr bereitet Töchter auf Börse vor. In: Handelsblatt. 9. Februar 2000, S. 27.</ref> Gruner + Jahr versprach sich von der Transaktion ein stärkeres Wachstum im Internet.<ref>G+J erwartet ein kräftiges Wachstum im Internet-Geschäft. In: Deutscher Drucker. Nr. 10, 2000, S. 4.</ref> Nach dem Platzen der Dotcom-Blase konzentrierte sich Gruner + Jahr ab Ende 2000 wieder auf inhaltsorientierte Angebote, also vor allem die Websites seiner Medienmarken.<ref>Ralf Wegner: G+J spielt auf allen Onlinefeldern mit. In: Horizont. Nr. 10, 2000, S. 80.</ref>
Titeloffensive und Konsolidierung
Um die Jahrtausendwende stieß Gruner + Jahr mehrere regionale Tageszeitungen ab.<ref>Bernd Kundrun: Aufsteiger unter Druck. In: Focus. Nr. 26, 1999, S. 186–188.</ref><ref>Ralf Wegner: Gruner + Jahr bereinigt Zeitungsportfolio. In: Horizont. Nr. 38, 1999, S. 60.</ref> 1999 stieg das Unternehmen zunächst bei der kostenlosen Zeitung zum Sonntag aus.<ref>Gruner + Jahr gibt „Zeitung zum Sonntag“ auf.</ref><ref>Sonntagsblätter, bis es richtig wuppt. In: Die Tageszeitung. 9. Februar 1999, S. 14.</ref> Die defizitäre Hamburger Morgenpost wurde 1999 an Hans Barlach und Frank Otto verkauft.<ref>Hamburger Morgenpost steht vor dem Verkauf. In: Der Tagesspiegel. 21. Oktober 1999, S. 43.</ref><ref>Ulrike Simon: G+J trennt sich von „Hamburger Morgenpost“. In: Die Welt. 21. Oktober 1999, S. 35.</ref> Außerdem trennte sich Gruner + Jahr von einigen regionalen Ausgaben der Sächsischen Zeitung.<ref>Wolf Schneider: Gruner + Jahr Story: Ein Stück deutsche Pressegeschichte. Piper Verlag, 2000, ISBN 3-492-04265-1, S. 377.</ref> Gleichzeitig gründete das Unternehmen mit der Financial Times Deutschland eine neue bundesweite Wirtschaftszeitung.<ref>Die deutsche Financial Times vor dem Start. In: Der Standard. 14. Februar 2000, S. 15.</ref><ref>Gruner + Jahr setzt auf den Wirtschaftsleser. In: Frankfurter Rundschau. 9. Februar 2000, S. 16.</ref> Dabei handelte es sich um eines der ambitioniertesten Zeitungsprojekte der damaligen Zeit.<ref>Roland Karle: Die Zeitung muss auf den Punkt kommen. In: Horizont. Nr. 45, 1999, S. 96.</ref> Im Jahr 2000 kaufte Gruner + Jahr mit Inc. und Fast Company zwei führende Wirtschaftsmagazine für insgesamt circa 550 Millionen Dollar.<ref>Gruner + Jahr kauft ein. In: Financial Times Deutschland. 20. Dezember 2000, S. 5.</ref>
2002 verkaufte Gruner + Jahr den Berliner Verlag an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck.<ref>Justus Demmer: Gruner + Jahr verkauft „Berliner Zeitung“ und „Kurier“ an die Holtzbrinck-Gruppe. In: Leipziger-Volkszeitung. 27. Juni 2002, S. 5.</ref> Aufgrund der Konzentration im Berliner Zeitungsmarkt kommentierten einige Medien die Transaktion kritisch.<ref>Berliner Zeitungsmarkt in Aufruhr. In: Aargauer Zeitung. 27. Juni 2002, S. 36.</ref><ref>Steffen Grimberg: Dahinter steckt immer derselbe Verlag. In: Die Tageszeitung. 27. Juni 2002, S. 21 (taz.de [abgerufen am 1. September 2016]).</ref> 2003 gab Gruner + Jahr Teile seines Zeitungsgeschäfts in Osteuropa an die Ringier-Gruppe ab.<ref>Zeitungsgeschäft in Osteuropa an Ringier verkauft. In: spiegel.de. 24. Oktober 2003, abgerufen am 1. September 2016.</ref>
Nach dem Verkauf des Berliner Verlags konzentrierte sich Gruner + Jahr wieder auf das Geschäft mit Zeitschriften und Druckereien.<ref>G+J verkauft Berliner Zeitung an Holtzbrinck. In: Frankfurter Neue Presse. 27. Juni 2002, S. 6.</ref> Mitte 2003 begann das Unternehmen, diverse neue Zeitschriften zu entwickeln.<ref>Ralf Wegner: „Herausforderungen nehmen wir sportlich“. In: Horizont. Nr. 27, 2003, S. 28.</ref> Unter anderem kamen Neon und Brigitte Woman in Deutschland auf den Markt.<ref>Bernhard Baumgartner: Gruner + Jahr: „Gärtnern“ gegen die Krise. In: Die Presse. 16. September 2003, S. 34.</ref><ref>Hans-Peter Siebenhaar: Gruner + Jahr will in den USA mit „Gala“ angreifen. In: Handelsblatt. 27. Februar 2004, S. 15.</ref> Mit dieser Offensive wollte der Vorstand neue Leserkreise erreichen.<ref>Gregory Lipinski, Hans-Peter Siebenhaar: Gruner + Jahr setzt auf Expansion. In: Handelsblatt. 4. September 2003, S. 15.</ref>
Gruner + Jahr expandierte ungeachtet eines immer schwierigeren Marktumfeldes.<ref>Ulrike Simon: Titelschwemme. In: Der Tagesspiegel. 2. April 2004, S. 31.</ref><ref>Isabella Wallnöfer: Groß, größer, G+J. In: Die Presse. 3. April 2004, S. 40.</ref> Das Unternehmen setzte diese Strategie in den folgenden Jahren fort und plante weitere Zukäufe,<ref>Neue Zeitschriften geplant. In: Frankfurter Rundschau. 19. März 2005, S. 13.</ref><ref>Gruner + Jahr hält Ausschau nach weiteren Zukäufen. In: Financial Times Deutschland. 21. März 2005, S. 4.</ref> verordnete sich aber gleichzeitig einen Sparkurs in Deutschland und den Vereinigten Staaten.<ref>Gregory Lipinski: Gruner + Jahr verordnet sich Schlankheitskur. In: Handelsblatt. 14. Februar 2005 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Artikelvorschau ( vom 10. August 2022 im Internet Archive) [abgerufen am 1. September 2016]).</ref> 2004 gründete Gruner + Jahr mit Arvato und Axel Springer den Druckdienstleister Prinovis.<ref>Tiefdruckfusion auf der Zielgeraden. In: Börsen-Zeitung. 4. Mai 2004, S. 10.</ref><ref>Bertelsmann und Springer schaffen neuen Druck-Riesen in Europa. In: Die Welt. 3. September 2004, S. 14.</ref> 2005 verkaufte Gruner + Jahr sein gesamtes US-Geschäft an die Meredith Corporation;<ref>Gruner + Jahr trennt sich von US-Magazinen. In: Financial Times Deutschland. 25. Mai 2005, S. 4.</ref><ref>G+J verkauft US-Geschäft. In: kress.de. Johann Oberauer GmbH, 24. Mai 2005, abgerufen am 17. Mai 2024.</ref> einen einzelnen Jugendtitel übernahm Condé Nast.<ref>Norbert Rüdell: G+J sagt Amerika good bye. In: Horizont. 2005, S. 12.</ref> Das Unternehmen zog sich damit weitgehend aus dem US-amerikanischen Markt zurück,<ref>Gregory Lipinski: Gruner + Jahr kehrt USA den Rücken. In: Handelsblatt. 25. Mai 2005, S. 13.</ref> wo es bis dato der sechstgrößte Zeitschriftenverlag gewesen war.<ref>Burkhard Riering: Gruner + Jahr hat genug vom US-Markt. In: Die Welt. 25. Mai 2005, S. 12.</ref>
Wirtschaftskrise und Auswirkungen
Noch im Jahr 2006 konnte Gruner + Jahr einen Umsatz von 2,86 Milliarden Euro vorweisen.<ref>Uwe Mantel: G+J mit deutlich mehr Umsatz und Gewinn. In: DWDL.de. 23. März 2007, abgerufen am 8. Mai 2023.</ref> Durch die globale Finanz- und Weltwirtschaftskrise ab 2007 musste Gruner + Jahr mehrere Zeitschriften einstellen.<ref>Hamburger Schule. In: Der Tagesspiegel. 31. Oktober 2008, S. 31.</ref><ref>David Denk, Steffen Grimberg: Krise erreicht Kiosk. In: Die Tageszeitung. 1. November 2008, S. 15 (taz.de [abgerufen am 1. September 2016]).</ref> Das Unternehmen war wirtschaftlich gesund und schuldenfrei, kämpfte aber mit rückläufigen Anzeigenerlösen.<ref>Gruner + Jahr stemmt sich gegen die Krise. In: Sächsische Zeitung. 3. April 2009, S. 20.</ref> Ungeachtet dessen brachte Gruner + Jahr neue Zeitschriften auf den Markt.<ref>Tim Klimeš: Rein in Nischen, ran an Männer. In: Der Tagesspiegel. 15. Oktober 2009, S. 31.</ref> Nach Verlusten im Vorjahr kehrte das Unternehmen 2010 in die Gewinnzone zurück.<ref>Millionenverlust: Gruner + Jahr in der Krise. In: Hamburger Morgenpost. 26. März 2010, S. 9.</ref><ref>Gruner + Jahr schreibt wieder schwarze Zahlen. In: Westfalen-Blatt. 1. April 2011.</ref> Vor dem Hintergrund der strategischen Transformation wurde der Vorstand umgebaut, 2013 rückte Julia Jäkel an die Spitze des Gremiums.<ref>Johannes Ritter: Julia Jäkel übernimmt die Führung des Verlags. In: faz.net. 11. September 2013, abgerufen am 11. August 2016.</ref> Während der digitale Geschäftsbereich immer wichtiger wurde,<ref>Mit Websites zurück in die Gewinnzone. In: Der Tagesspiegel. 1. April 2011, S. 31.</ref><ref>Investitionen ins Digitale. In: Frankfurter Rundschau. 28. März 2014, S. 36.</ref> verloren die Druckereien an Bedeutung: Nachdem Prinovis 2013 bereits die Schließung der ehemaligen Gruner-Druckerei in Itzehoe verkündet hatte,<ref>Prinovis-Druckerei Itzehoe wird im August 2014 geschlossen. In: Deutscher Drucker. Nr. 4, 2013, S. 4.</ref> trennte sich Gruner + Jahr 2014 von seiner US-Tochter Brown Printing.<ref>Gruner + Jahr verkauft Druckerei in den USA. In: Handelsblatt. 7. April 2014, abgerufen am 1. September 2016.</ref> Dies bedeutete eine „Zäsur“ für das Unternehmen.<ref>Melanie Melzer: „Der Verkauf ist eine Zäsur“: G+J trennt sich von US-Druckgeschäft BPC. In: kress.de. 7. April 2014, abgerufen am 1. September 2016.</ref> Mit dem Verkauf wurde das letzte operative Geschäft in den Vereinigten Staaten abgestoßen.<ref>Roland Pimpl: G+J füllt die Kasse auf. In: Horizont. Nr. 15, 2014, S. 4.</ref>
Erwerb aller Anteile durch Bertelsmann
2014 einigte sich Bertelsmann mit den Erben von John Jahr, deren verbleibende Anteile in Höhe von 25,1 % zu kaufen.<ref>Bertelsmann übernimmt Gruner + Jahr vollständig. In: spiegel.de. 6. Oktober 2014, abgerufen am 1. September 2016.</ref><ref>Bertelsmann übernimmt Gruner + Jahr komplett. In: zeit.de. 6. Oktober 2014, abgerufen am 10. September 2016.</ref><ref>Kai-Hinrich Renner: Bertelsmann übernimmt Gruner + Jahr komplett. In: Handelsblatt Live. 6. Oktober 2014.</ref><ref>Benedikt Fuest: Übernahme: Bertelsmann kann bei Gruner + Jahr jetzt durchregieren. In: welt.de. 6. Oktober 2014, abgerufen am 1. September 2016.</ref><ref>„Es gibt keine Zerschlagung“. In: Reutlinger General-Anzeiger. 7. Oktober 2014.</ref> Die Übernahme sollte als Bekenntnis zum Journalismus verstanden werden.<ref>Isabell Hülsen: Freie Bahn für die Sanierer. In: spiegel.de. 6. Oktober 2014, abgerufen am 1. September 2016.</ref> Bertelsmann stärkte damit sein publizistisches Geschäft,<ref>Kurznachrichten. Bertelsmann übernimmt Verlag Gruner + Jahr komplett. In: deutschlandradiokultur.de. 6. Oktober 2014, abgerufen am 31. Januar 2017.</ref> insbesondere durch die etablierten Medienmarken von Gruner + Jahr.<ref>Bernhard Hertlein: Diesmal ging der Riss tiefer. In: westfalen-blatt.de. 7. Oktober 2014, abgerufen am 31. Januar 2017.</ref> Der Vorstand von Gruner + Jahr wurde im Amt bestätigt und die bis 1971 verwendete Rechtsform (GmbH & Co. KG) wieder eingeführt.<ref>Petra Schwegler: Bertelsmann verlängert Vertrag mit Julia Jäkel. In: Werben & Verkaufen. 14. November 2014, abgerufen am 8. September 2024.</ref><ref>Gruner + Jahr vollzieht Wechsel der Rechtsform in GmbH & Co KG. Pressemeldung. In: bertelsmann.de. Bertelsmann SE & Co. KGaA, 18. Dezember 2014, abgerufen am 30. Juli 2024.</ref><ref>Marco Saal: G+J verändert Rechtsform und verlängert mit Julia Jäkel und Co. In: horizont.net. 14. November 2014, abgerufen am 1. September 2016.</ref> Anschließend intensivierte Gruner + Jahr die Zusammenarbeit mit anderen Bertelsmann-Unternehmen:<ref>Bertelsmann übernimmt Gruner + Jahr. In: Bonner General-Anzeiger. 7. Oktober 2014, S. 6.</ref> 2016 wurde beispielsweise unter dem Dach von Gruner + Jahr die Medienfabrik Gütersloh mit den G+J Corporate Editors zur Agentur Territory fusioniert.<ref>Markus Weber: Gruner + Jahr bläst mit Content-Agentur Territory zum Angriff. In: wuv.de. 12. Mai 2016, abgerufen am 27. August 2016.</ref> Sie ist Marktführer im Bereich der inhaltsgetriebenen Kommunikation.<ref>Catrin Bialek: Auf Anhieb Marktführer. In: Handelsblatt. 12. Mai 2016, S. 18.</ref> G+J Electronic Media Sales, die Vermarktungsgesellschaft von Gruner + Jahr, gründete mit der RTL-Tochter IP Deutschland und mit Smartclip die Ad Alliance, unter deren Dach neue Angebote für Werbetreibende und Agenturen entwickelt wurden.<ref>Jan Hauser: RTL und Gruner+Jahr verkaufen gemeinsam Werbung. In: blogs.faz.net. 29. Juni 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 10. August 2022; abgerufen am 6. Juni 2025.</ref><ref>RTL und G+J verbünden sich zu einer Vermarktungsallianz. In: horizont.net. 30. Juni 2016, abgerufen am 1. September 2016.</ref><ref>Petra Schwengler: IP und G+J EMS vermarkten Outstream-Werbung mit Smartclip. In: wuv.de. 11. Oktober 2016, abgerufen am 31. Januar 2017.</ref> Die Ad Alliance erreicht über Mediengrenzen hinweg monatlich mehr als 98 % der deutschen Bevölkerung,<ref>Ad Alliance: der neue Vermarktungsriese von RTL und Gruner + Jahr. In: absatzwirtschaft.de. 30. Juni 2016, abgerufen am 1. September 2016.</ref><ref>Ad Alliance: der neue crossmediale Vermarktungs-Riesentanker von RTL und Gruner + Jahr. In: meedia.de. 30. Juni 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. November 2020; abgerufen am 6. Juni 2025.</ref> mittlerweile ist ihr auch Spiegel Media beigetreten.<ref>Neuzugang bei Ad Alliance: Spiegel schlüpft unter das Dach des Supervermarkters von G+J und RTL. In: meedia.de. Meedia GmbH, 1. September 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Dezember 2022; abgerufen am 6. Juni 2025.</ref>
Digitalisierung und Transformation
2016 baute das Unternehmen seine digitalen Angebote aus und entwickelte sich zu einem der wichtigsten Teilnehmer in diesem Vermarktungsbereich.<ref>Gruner + Jahr baut Digitalgeschäft aus. In: abendblatt.de. 4. Juli 2016, abgerufen am 20. September 2016.</ref> Außerdem brachte Gruner + Jahr neue Zeitschriften auf den Markt<ref>Viele neue Zeitschriften. In: Deutscher Drucker. 28. Januar 2016, S. 10.</ref> - wie Barbara und Stern Crime.<ref>Roland Pimpl: „Das sitzt wie eine Eins“. In: Horizont. 6. Oktober 2016.</ref><ref>Alexander Josefowicz: Gruner + Jahr: Verbrechen lohnt sich doch – in Zeitschriftenform. In: Hamburger Abendblatt. 11. Juni 2015, ISSN 0949-4618, S. 17 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />archivierte Kopie. [ des Vorlage:IconExternal vom 15. Juni 2015 im Internet Archive]).</ref> Für Titel wie Landlust und Essen & Trinken gründete Gruner + Jahr mit dem Landwirtschaftsverlag Münster das Unternehmen Deutsche Medien-Manufaktur, an dem beide Seiten jeweils zur Hälfte beteiligt waren.<ref>David Hein: Gruner + Jahr und Landwirtschaftsverlag besiegeln Zusammenarbeit. In: horizont.net. 19. April 2016, abgerufen am 31. Januar 2017.</ref><ref>Petra Schwegler: G+J steigt über Joint Venture bei Kassenknüller „Landlust“ ein. In: wuv.de. 30. Juli 2015, abgerufen am 6. Februar 2017.</ref>
Das Zeitschriftengeschäft in Spanien wurde 2016 an einen Investor veräußert.<ref>Gruner + Jahr verkauft Tochter in Spanien. In: Börsen-Zeitung. 7. Dezember 2016, S. 10.</ref> Außerdem zog sich Gruner + Jahr aus Österreich zurück.<ref>David Hein: Gruner + Jahr zieht sich aus Österreich zurück. In: horizont.net. Deutscher Fachverlag GmbH, 20. Juni 2016, abgerufen am 7. Juni 2018.</ref> 2016 wuchs das Geschäft mit digitalen Inhalten und Dienstleistungen. In den Kernmärkten Deutschland und Frankreich steigerte sich der Umsatz dieses Bereiches um rund ein Drittel.<ref>Petra Schwegler: Was Gruner + Jahr richtig macht. In: wuv.de. 29. März 2017, abgerufen am 1. April 2017.</ref><ref>Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr schafft die Wende. In: abendblatt.de. 30. März 2017, abgerufen am 1. April 2017.</ref> Das Handelsblatt urteilte daraufhin, nach einer mehrjährigen Durststrecke sei „die Wende bei Gruner + Jahr geschafft“.<ref>Medienkonzern steckt Milliarden in neue Märkte. In: Handelsblatt. 28. März 2017, abgerufen am 1. April 2017.</ref>
Im April 2019 wurde der Native-Advertising-Anbieter Ligatus an den Konkurrenten Outbrain verkauft.<ref>Giuseppe Rondinella: Outbrain schließt Ligatus-Übernahme ab und baut Management um. In: horizont.net. 2. April 2019, abgerufen am 8. Oktober 2020.</ref> Der Kaufpreis betrug ca. 40,1 Mio. US-Dollar und wurde vollständig in Anteilen an Outbrain gezahlt. Gruner + Jahr erhielt in diesem Zuge 8 % der Anteile von Outbrain und einen Sitz im Board of Directors von Outbrain.<ref>UNITED STATES SECURITIES AND EXCHANGE COMMISSION Washington, D.C. 20549 Form S-1 REGISTRATION STATEMENT UNDER THE SECURITIES ACT OF 1933 Outbrain Inc. In: investors.outbrain.com. 21. April 2021, abgerufen am 11. Februar 2022.</ref> Im Juni des Jahres gab das Unternehmen den Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der Motor Presse Stuttgart an die Gründerfamilie Pietsch bekannt.<ref>Giuseppe Rondinella: Gruner + Jahr steigt bei der Motor Presse Stuttgart aus. In: horizont.net. 3. Juni 2019, abgerufen am 8. Oktober 2020.</ref> Auf diesem Weg wollte sich Gruner + Jahr noch stärker auf seine eigenen Marken konzentrieren.<ref>Ausstieg bei der Motor Presse Stuttgart: Gruner + Jahr verkauft Mehrheitsbeteiligung an die Firmengründer. In: meedia.de. 3. Juni 2019, abgerufen am 28. Mai 2020.</ref> Das unter dem Namen Brands gebündelte Geschäft mit Lizenzen und Merchandising erhielt zuletzt immer mehr Bedeutung.<ref>Irmela Schwab: Licensing: G+J erweitert sein Kerngeschäft unter der neuen Marke Brands. In: wuv.de. 30. Oktober 2019, abgerufen am 28. Mai 2020.</ref> Gruner + Jahr ist nach eigenen Angaben mit über 5.000 Lizenzprodukten Deutschlands größte Lizenzagentur für Medienmarken.<ref>Stefan Golunski: Gruner + Jahr richtet Lizenzgeschäft auf Handel aus. In: dnv-online.net. 29. Oktober 2019, abgerufen am 8. Oktober 2020.</ref>
Im Mai 2021 wurde bekannt, dass Gruner + Jahr einen neuen Standort für ein neues Verlagsgebäude in Hamburg sucht.<ref name="GrunerJahrbekennts">Gruner + Jahr bekennt sich zu Hamburg – und sucht in der Hansestadt neuen Standort. In: guj.de. Abgerufen am 30. Juli 2021.</ref>
Übernahme durch RTL Deutschland
Im August 2021 gab RTL Deutschland den Erwerb von Gruner + Jahr für einen Kaufpreis ohne Schulden in Höhe von 230 Millionen Euro bekannt. Die Zusammenführung beider Unternehmen wurde bis zum Jahresende abgeschlossen. Der Hamburger Standort am Baumwall blieb als Zweitsitz von RTL Deutschland (neben dem Kölner Hauptsitz des fusionierten Medienunternehmens) für die übernommenen Geschäfte von Gruner + Jahr erhalten. Die Beteiligungen am Spiegel-Verlag, an der DDV Mediengruppe, an Territory und an AppLike wanderten unter das Dach von Bertelsmann.<ref>Uwe Mantel: Fusion kommt: RTL Deutschland übernimmt Gruner + Jahr. In: DWDL.de. 6. August 2021, abgerufen am 12. August 2021.</ref><ref>RTL Deutschland übernimmt Gruner+Jahr-Magazine. In: tagesschau.de. 6. August 2021, abgerufen am 12. August 2021.</ref>
Im Februar 2023 teilte das Management der RTL Group & Bertelsmann mit, insgesamt 23 Zeitschriftentitel von Gruner + Jahr einzustellen oder zu verkaufen. Allein dadurch würden 200 Arbeitsplätze entfallen. Der Abbau von insgesamt etwa 700 Stellen würde weniger den redaktionellen Bereich als vielmehr die Verwaltung betreffen. Schon zuvor war der Name vollständig vom Pressehaus am Baumwall entfernt worden.<ref>Bertelsmann baut 700 Jobs bei Gruner + Jahr ab. In: tagesschau.de. 7. Februar 2023, abgerufen am 8. Februar 2023.</ref> Nach dem Stellenabbau sollten unter Gruner + Jahr wieder Zeitschriften erscheinen, bei denen Synergieeffekte zu RTL Deutschland fehlten. Eingestellt bzw. verkauft werden sollten alle Medien mit Ausnahme von Stern, Geo, Capital, Stern Crime, Brigitte, Gala, Schöner Wohnen, Häuser, Couch, Geolino, Geolino mini sowie die digitalen Bereiche von Eltern und Chefkoch. Geplant war zunächst auch, das Geschichtsmagazin Geo Epoche einzustellen. Diese Entscheidung wurde nach massiven Protesten von Lesern und Redaktion erneut überprüft und revidiert.<ref>Kahlschlag bei Gruner + Jahr: »Geo Epoche« soll doch weiterbestehen. In: Der Spiegel. 4. Mai 2023, abgerufen am 18. August 2023.</ref>
In der Folge wurden im Jahr 2023 mehrere Zeitschriften verkauft, darunter Business Punk an die Weimer Media Group, 11 Freunde an die Spiegel-Gruppe sowie Salon, P.M. und die Beteiligung an der Deutschen Medien-Manufaktur. Keine Käufer konnten für die Zeitschriften art und Beef! gefunden werden. Im August 2023 gab der Konzern bekannt, das Kunstmagazin art bleibe „Teil des Portfolios von Gruner + Jahr“.<ref>„art“ bleibt auch künftig Teil des Portfolios von Gruner + Jahr. In: RTL Media Hub. Pressemitteilung. 30. August 2023, abgerufen am 14. August 2024.</ref><ref>Gregory Lipinski MEEDIA: RTL-CEO Thomas Rabe schließt Restrukturierung bei Gruner + Jahr ab. Abgerufen am 30. August 2023.</ref> Für das „Männer-Kochheft“ Beef! sah RTL keine Chancen mehr und stellte es ein.<ref>Anna Ernst: RTL und Bertelsmann: Rückschläge beim Magazin-Verkauf von „Beef“ und „Art“. In: Süddeutsche Zeitung. 16. August 2023, abgerufen am 30. August 2023.</ref>
Im März 2025 verkaufte RTL Deutschland die Marken Brigitte, Gala und Eltern an die Funke Mediengruppe.<ref>Neuaufstellung im Publishing-Bereich: RTL Deutschland verkauft BRIGITTE, GALA und ELTERN an FUNKE Mediengruppe. (Pressemitteilung). In: media.rtl.com, 24. März 2025.</ref>
Unternehmensstruktur
Dachgesellschaft des Unternehmens ist die Gruner + Jahr Deutschland GmbH mit Sitz in Hamburg. Es handelt sich um eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) nach deutschem Recht, deren Gesellschafter die RTL Deutschland GmbH ist. Damit gehört Gruner + Jahr zum Konsolidierungskreis des Bertelsmann-Konzerns.<ref name=":0">Unternehmensregister. Bundesanzeiger Verlag, abgerufen am 18. Juli 2018.</ref>
Die Zentrale von Gruner + Jahr befindet sich seit Anfang der 1990er Jahre im Pressehaus am Baumwall in Hamburg-Neustadt. 2017 kündigte das Unternehmen den Umzug in die HafenCity an.<ref name=":3">Ulrich Gaßdorf: Gruner + Jahr zieht in die HafenCity. In: Hamburger Abendblatt. 9. Dezember 2016, S. 14.</ref><ref>Peter-Matthias Gaede: Es war zum Dahinschmelzen. In: Die Zeit. 15. Dezember 2016, S. 3.</ref>, dort sollte am Lohsepark ein neues Gebäude entstehen.<ref>Angelika Slavik: Umzug bei G+J: Leinen los. In: sueddeutsche.de. 8. Dezember 2016, abgerufen am 18. Juli 2018.</ref><ref>Hafencity: Investor für neue Zentrale von Gruner+Jahr steht fest. In: abendblatt.de. 8. August 2017, abgerufen am 18. Juli 2018.</ref> Das Pressehaus am Baumwall sollte zunächst an die Stadt verkauft werden, die es nach einem Umzug von Gruner + Jahr für eigene Zwecke nutzen wollte.<ref name=":3" /> Doch letztlich erhielt der Immobilienentwickler Tishman Spyer den Zuschlag. Im Mai 2021 wurde bekannt, dass der Umzug doch nicht stattfinde.<ref>Gruner + Jahr will doch nicht mehr in die Hafencity. In: Die Welt, 6. Mai. 2021.</ref> Gruner + Jahr suchte seither nach einem neuen Standort in Hamburg.<ref name="GrunerJahrbekennts" /> Im Mai 2023 wurde ein neuer Standort bekannt gegeben: Bis zum Jahr 2025 wird das Unternehmen mit seinen aktuell rund 1.500 Mitarbeitenden (RTL Deutschland, Ad Alliance, DPV, Gruner + Jahr und RTL News) in zwei Phasen in die Hafencity umziehen. In dem 2016 erbauten Gebäude in der Koreastraße 7 wird das Unternehmen rund 17.200 m² nutzen.<ref>Nach G+J-Einsparungen: RTL Deutschland findet neue Hamburger Heimat. In: Blickpunkt:Film. 22. Mai 2023, abgerufen am 22. Mai 2023.</ref> Das Gebäude am Baumwall 11 steht seit dem Auszug von Gruner + Jahr Anfang 2025 leer. Lediglich die Eigentümer von Tishman Spyer haben einige wenige Büros belegt. Pläne, das Gebäude zu einer Markthalle umzubauen und zur Michelwiese zu öffnen, scheiterten.
Gruner + Jahr war bis 2021 ein Unternehmensbereich von Bertelsmann.<ref>Henrik Mortsiefer: Neue Geschäfte, höhere Ziele: Bertelsmann stellt sich breiter auf. In: tagesspiegel.de. 22. März 2016, abgerufen am 1. September 2016.</ref> Im Geschäftsjahr erzielte Gruner + Jahr einen Umsatz von 1,05 Milliarden Euro, der 8 % unter dem Vorjahresergebnis lag. Davon wurden rund 70 % in Deutschland erwirtschaftet, 30 % stammte aus internationalen Geschäften, insbesondere aus Frankreich und Großbritannien. Jeweils etwa ein Drittel der Einnahmen entfiel auf den Absatz von Produkten und Waren, den Verkauf von Werbung und Anzeigen sowie mediennahe Dienstleistungen. Dazu kam das Geschäft mit der Vergabe von Rechten und Lizenzen an Dritte.<ref name=":2">Geschäftsbericht 2021. (PDF; 2,1 MB) Bertelsmann. Bertelsmann SE & Co. KGaA, 31. März 2022, S. 22, abgerufen am 17. Mai 2024.</ref>
Geschäftstätigkeit
Magazine
Die wichtigsten deutschsprachigen Zeitschriften von Gruner + Jahr sind bzw. waren, bezogen auf Bekanntheit und Reichweite, Brigitte, Capital, Eltern, Eltern family, Essen & Trinken, Essen & Trinken für jeden Tag, Gala, Geo, P.M., Schöner Wohnen und der Stern.<ref>Quartalsauflagen. Print. Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V., archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. Oktober 2016; abgerufen am 17. Mai 2024.</ref> Alle Publikationen von Gruner + Jahr sind seit 2013 in acht Bereiche, sogenannten Communities of Interest, geclustert.<ref>Verlagschefin Jäkel setzt jetzt auf „Communities“. In: spiegel.de. 10. September 2013, abgerufen am 1. September 2016.</ref> Dort werden medienübergreifend sowohl gedruckte als auch digitale Inhalte erstellt.<ref>Sonja Álvarez: Hamburger Kommune: Neue Strategie für Gruner + Jahr. In: tagesspiegel.de. 10. September 2013, abgerufen am 1. September 2016.</ref> 2023 sollen zahlreiche Titel eingestellt werden.<ref>manager magazin: Kahlschlag im Zeitschriftengeschäft: RTL streicht 700 Jobs bei Gruner + Jahr. In: manager-magazin.de. 7. Februar 2023, abgerufen am 7. Februar 2023.</ref>
Digitalangebote
2012 bündelte Gruner + Jahr die digitalen Geschäfte seiner Medien in der Gruner + Jahr Digital GmbH.<ref name=":7">Gruner+Jahr bündelt digitale Geschäfte seiner Marken. In: Handelsblatt. 23. August 2012, S. 22.</ref> Neben der inhaltlichen und technischen Verbesserung der Websites des Verlags waren vor allem der Ausbau digitaler Angebote und die Entwicklung neuer Formate in allen Communities of Interest das Ziel des Unternehmens.<ref name=":7" /> Durch die Vermarktung von Online-Werbeplätzen sollten rückläufige Erlöse aus dem Zeitschriftengeschäft kompensiert werden.<ref>Roland Pimpl: G+J zentralisiert Digital. In: Horizont. 23. August 2012, S. 7.</ref> Der Umsatz im digitalen Bereich wuchs in den letzten Jahren überproportional, zuletzt um 30 % jährlich.<ref>Bertelsmann: Ein ganzes halbes Rekordjahr. In: Handelsblatt. 1. September 2016, S. 26.</ref> Gruner + Jahr investiert nicht nur in eigene Plattformen, sondern auch in Angebote Dritter: Zum Beispiel wurde 2015 ein Start-up-Fonds ins Leben gerufen.<ref>Hannah Loeffler: Gruner + Jahr startet 50-Millionen-Fonds für Startups. In: gruenderszene.de. 1. September 2015, abgerufen am 25. September 2016.</ref><ref>Roland Pimpl: G+J gründet 50-Millionen-Euro-Investitionsfonds. In: horizont.net. 6. Mai 2015, abgerufen am 25. September 2016.</ref> 2016 startete unter der Marke Schöner Wohnen ein eigener Onlineshop.<ref>Petra Schwegler: Gruner + Jahr startet E-Commerce im Wohn-Bereich. In: wuv.de. 17. August 2016, abgerufen am 25. September 2016.</ref> Das 2016 gegründete Adtech-Unternehmen AppLike wurde 2017 aufgrund starken Wachstums ausgegründet.<ref>Alexander Becker: „Wir wollen auf jedes Telefon der Welt“: Gruners große Ad-Tech-Hoffnung AppLike. In: meedia.de. MEEDIA GmbH & Co. KG, 23. Oktober 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 14. August 2018; abgerufen am 7. Juni 2018.</ref><ref>Matthias Lauerer: AppLike von Gruner + Jahr wächst deutlich. In: turi2.de. Oberauer Media Group GmbH, 23. Oktober 2017, abgerufen am 17. Mai 2024.</ref>
Medienmarken (Auswahl)
Brigitte (bis März 2025)
Brigitte ist Marktführer unter den klassischen deutschen Frauenzeitschriften.<ref>Annette Milz: „Brigitte“: Flaggschiff im Gegenwind. In: Welt am Sonntag. 27. Juni 1999, S. 66.</ref> Die Geschichte des Blattes und seiner Vorläufer reicht bis ins Jahr 1886 zurück.<ref name=":13" /> In den 1920er-Jahren erreichte Brigitte durch den gesellschaftlichen Wandel größere Popularität,<ref>Elisabeth Binder: Eine ziemliche Zickerei. In: Der Tagesspiegel. 22. Mai 2014, S. 31.</ref> in der heutigen Form existiert die Zeitschrift seit 1954.<ref name=":13">Mit 50 Jahren bekommt Brigitte nochmals Familienzuwachs. In: Deutscher Drucker. 13. Mai 2014, S. 66.</ref> Ende der 1960er-Jahre gab Gruner + Jahr unter anderem Constanze zu Gunsten der Brigitte auf.<ref>In der Erden. Nr. 51, 1969 (spiegel.de [abgerufen am 1. September 2016]).</ref> Seit den 90er-Jahren hat Gruner + Jahr unter der Dachmarke Brigitte diverse Magazine auf den Markt gebracht,<ref>Johannes Breckner: Brigitte im Paradies. In: Darmstädter Echo. 12. Dezember 2015, S. 10.</ref> zum Beispiel Brigitte Woman für Frauen ab 40 Jahren.<ref>Ralf Wegner: G+J justiert die Brigitte-Familie nach. In: Horizont. Nr. 42, 2004.</ref> Jüngstes Mitglied der Gruppe ist Brigitte Wir, eine 2015 erstmals veröffentlichte Ausgabe für Frauen ab 60 Jahren.<ref>Antje Hildebrandt: „Brigitte Wir“: „Früher dachten wir, nur alte Menschen werden älter“. In: welt.de. 16. September 2015, abgerufen am 1. September 2016.</ref>
Chefkoch (bis 2025)
Chefkoch wurde 1998 gegründet und hat seinen Sitz in Bonn.<ref>Chefsache Kochen. In: Sächsische Zeitung. 16. Juli 2014, S. 22.</ref> 2007 übernahm Gruner + Jahr die Mehrheit der Rezepte- und Koch-Website.<ref name=":14">Alexander Hüsing: Jetzt offiziell: Gruner + Jahr kauft Chefkoch.de. In: deutsche-startups.de. 23. November 2007, abgerufen am 25. September 2016.</ref> Zunächst besaß Gruner + Jahr 50,2 % des Unternehmens,<ref>Gruner + Jahr übernimmt Onlineportal Chefkoch.de. In: Berliner Zeitung. 24. November 2007, S. 37.</ref> seit 2011 waren es 100 %.<ref name=":14" /><ref name=":4">G+J Beteiligungen. Gruner + Jahr, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 14. September 2016; abgerufen am 10. September 2016.</ref> Chefkoch blieb unter dem Dach von Gruner + Jahr weitgehend unabhängig.<ref>Roland Pimpl: „Wir zahlen keine Mondpreise“. In: Horizont. Nr. 48, 2007, S. 10.</ref> 2025 erfolgte der Verkauf an die Funke Mediengruppe. Bis heute ist Chefkoch nach Seitenaufrufen und registrierten Nutzern das größte Angebot dieser Art in Europa und eines der größten mobilen Angebote in Deutschland.<ref>chefkoch.de Traffic Statistics. In: alexa.com. Amazon, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Dezember 2016; abgerufen am 17. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Hans-Peter Siebenhaar: Gruner + Jahr kauft Chefkoch.de. In: Handelsblatt. 19. November 2007, S. 19.</ref><ref>Jens Schröder: AGOF: Chefkoch erstmals mit mehr als 20 Mio. Nutzern, Rekorde auch für Kochbar, Essen & Trinken und Lecker. 9. März 2017, abgerufen am 18. Juli 2018.</ref>
Publizistisches Engagement
Stern-Preis
2004 rief Gruner + Jahr mit dem Stern den Henri-Nannen-Preis ins Leben,<ref>Gruner + Jahr und „Stern“ stiften Henri-Nannen-Preis. In: spiegel.de. 28. September 2004, abgerufen am 1. September 2016.</ref> der ab 2016 Nannen-Preis hieß und seit 2021 Stern-Preis heißt.<ref>Preisgeld gestrichen: Beim Nannen-Preis wird gespart. In: abendblatt.de. 27. April 2016, abgerufen am 1. September 2016.</ref> Die Auszeichnung würdigt herausragende journalistische Leistungen in Kategorien wie Reportage, Dokumentation und Fotografie.<ref>Ein neuer Henri-Nannen-Preis. In: Hamburger Abendblatt. 16. April 2005, S. 10.</ref><ref>Henri-Nannen-Preis. In: spiegel.de. Abgerufen am 19. Dezember 2016.</ref> Als Vorbild für den Henri-Nannen-Preis diente der Egon-Erwin-Kisch-Preis, der 1977 von Henri Nannen gestiftet worden war.<ref>Hermann Schreiber: Die edelste Feder. In: Der Tagesspiegel. 4. Juli 2002, S. 31.</ref> Er entwickelte sich zu einem der renommiertesten Journalistenpreise im deutschsprachigen Raum und wird heute als Kategorie des Nannen-Preises fortgeführt.<ref>Nannen Preis: Fast 1000 Arbeiten eingereicht. In: Hamburger Abendblatt. 27. Januar 2016, S. 22.</ref><ref>Thomas Osterkorn: Neuer Henri-Nannen-Preis. In: Stern. Nr. 41, 2004.</ref> Peter Scholl-Latour erhielt 2005 als erster den Henri-Nannen-Preis für sein publizistisches Lebenswerk.<ref>Christian Meier: Nannen-Preis geht an Peter Scholl-Latour. In: Welt am Sonntag. 15. Mai 2005, S. 66.</ref> Zu den Preisträgern zählte zum Beispiel auch Helmut Schmidt (2010).<ref>Helmut Schmidt erhält Henri-Nannen-Preis für Lebenswerk. In: abendblatt.de. 29. April 2010, abgerufen am 1. September 2016.</ref> Gruner + Jahr würdigt regelmäßig besondere Verdienste um die Pressefreiheit mit einem Sonderpreis, der etwa 2014 Laura Poitras für ihre Beteiligung an der Aufdeckung der globalen Überwachungs- und Spionageaffäre durch Edward Snowden zuerkannt wurde.<ref>Henri-Nannen-Preis 2014 an US-Journalistin Laura Poitras. In: derstandard.at. 8. Mai 2014, abgerufen am 19. Dezember 2016.</ref><ref>Timo Niemeier: Laura Poitras erhält Nannen-Preis für Pressefreiheit. In: dwdl.de. 8. Mai 2014, abgerufen am 19. Dezember 2016.</ref><ref>Frauke Hunfeld, Andrea Rungg: Der Mut der Laura Poitras. In: stern.de. 16. Mai 2014, abgerufen am 19. Dezember 2016.</ref>
Henri-Nannen-Schule
Gruner + Jahr bildete in den 1960er- und 70er-Jahren keine Journalisten aus.<ref name=":6">Bernd Matthies: Die Rechtschreiber. In: Der Tagesspiegel. 2. April 2004, S. 31.</ref> Dies änderte sich 1978 mit Gründung der Henri-Nannen-Schule nach dem Vorbild der Deutschen Journalistenschule.<ref>Siegfrid Weischenberg (Hrsg.): Journalismus & Kompetenz: Qualifizierung und Rekrutierung für Medienberufe. Westdeutscher Verlag, Opladen 1990, ISBN 3-531-12089-1, S. 94.</ref> Sie hieß zunächst Hamburger Journalistenschule, 1983 erhielt sie schließlich zu Ehren des Stern-Gründers Henri Nannen ihren heutigen Namen.<ref>Ole von Beust: Hamburg als wichtigen Medienstandort erhalten. In: Die Welt. 5. April 2004, S. 30.</ref> An der Gründung der Einrichtung war Wolf Schneider maßgeblich beteiligt,<ref name=":6" /> der 16 Jahre als ihr Leiter fungierte.<ref>Christoph Keese, Sven Michaelsen: „Mein Gott, ich kann so viel“. In: welt.de. 16. Oktober 2015, abgerufen am 1. September 2016.</ref> Die Henri-Nannen-Schule hat ihren Sitz heute im Kontorhaus Stubbenhuk.<ref>Jan Söfjer: Zwölf Weltenwanderer. In: Journalist. Nr. 10, 2011 (journalist.de [abgerufen am 1. September 2016]).</ref> Sie bildet Zeitungs-, Zeitschriften-, Radio-, Fernseh- und Online-Journalisten in verschiedenen Genres aus.<ref>Henri-Nannen-Schule feiert 25. Geburtstag. In: Hamburger Abendblatt. 27. März 2004, S. 10.</ref> Die Henri-Nannen-Schule ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung,<ref name=":0" /> Träger sind die Verlage Gruner + Jahr, Die Zeit und Der Spiegel.<ref>Henri-Nannen-Schule feiert. In: Die Welt. 1. April 2004, S. 34.</ref><ref>Wer ist die denn? Und wo bitte liegt Nollywood? In: spiegel.de. 5. Februar 2013, abgerufen am 1. September 2016.</ref>
Kritik
1983 überschattete die Affäre um die vermeintlichen Hitler-Tagebücher das Unternehmen.<ref>Michael Seufert: Der Skandal um die Hitler-Tagebücher. Scherz Verlag, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-502-15119-7.</ref> Sie bescherte dem Stern die größte Fehlleistung seiner Geschichte und beschädigte das öffentliche Ansehen von Gruner + Jahr und Bertelsmann.<ref>Michael Seufert: Henri Nannen und der GAU. In: stern.de. 28. April 2013, abgerufen am 6. Oktober 2016.</ref><ref>Die Kehrseite. Nr. 22, 1983 (spiegel.de [abgerufen am 1. September 2016]).</ref><ref>Gunhild Freese, Richard Gaul: Kopflos in die Krise. In: Die Zeit. Nr. 28, 1983 (zeit.de).</ref> Der Stern hatte in der Folge einen gravierenden Einbruch seiner Auflage zu verkraften, der jedoch nur vorübergehend war. Gruner + Jahr und Bertelsmann reagierten mit harten personellen Konsequenzen auf die Affäre.<ref>175 Jahre Bertelsmann: Eine Zukunftsgeschichte. C. Bertelsmann, München 2010, ISBN 978-3-570-10175-9, S. 46.</ref> Unter anderem musste Henri Nannen als Herausgeber der Zeitschrift zurücktreten, obwohl ihn persönlich keine Schuld traf.<ref>Emanuel Eckardt: Der Bildermann. In: Die Zeit. Nr. 50, 2013 (zeit.de [abgerufen am 1. September 2016]).</ref> Die Veröffentlichung der vermeintlichen Hitler-Tagebücher gilt heute als Lehrbuchbeispiel für Versagen im Bereich der Medienethik.<ref>Adrian Holderegger (Hrsg.): Kommunikations- und Medienethik – Interdisziplinäre Perspektiven. 3. Auflage. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, Wien 2004, ISBN 3-451-28558-4.</ref> 2013 kündigte Gruner + Jahr an, die Hitler-Tagebücher dem Bundesarchiv zu übergeben.<ref>„Stern“ verschenkt Hitler-Tagebücher. In: sueddeutsche.de. 23. April 2013, abgerufen am 6. Oktober 2016.</ref> Das ist bis heute nicht erfolgt, die gefälschten Hitler-Tagebücher werden nach wie vor im Verlagshaus Gruner + Jahr archiviert.<ref>Fabian Strunk: Verlag macht Rückzieher: Gefälschte „Hitler-Tagebücher“ kommen wohl doch nicht nach Koblenz. In: rhein-zeitung.de. 27. August 2015, abgerufen am 6. Oktober 2016.</ref>
Literatur
- Wolf Schneider: Die Gruner + Jahr Story. Ein Stück deutsche Pressegeschichte. Piper, München/Zürich 2000, ISBN 3-492-04265-1.
Weblinks
- Offizielle Website von Gruner + Jahr Deutschland
- Gruner + Jahr in der Mediendatenbank der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK)
Einzelnachweise
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