Großisrael
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Großisrael (hebräisch: אֶרֶץ יִשְׂרָאֵל הַשְּׁלֵמָה, Eretz Israel ha-Schlema „Das vollständige Land Israel“, oft nur „Eretz Israel“) ist eine religiöse und politische Forderung jüdischer und christlicher Zionisten in und außerhalb Israels. Sie postuliert die Unteilbarkeit des als Eretz Israel bezeichneten Gebietes und beinhaltet die Ausdehnung der Souveränität auf das gesamte Gebiet zwischen Mittelmeer und dem Fluss Jordan, manchmal auch auf Teile Jordaniens und in ihrer extremeren Form zusätzlich auf Gebiete des Libanons, Syriens und Ägyptens.
Verschwörungsnarrative im Kontext israelischer Territorialpolitik reichen von der Darstellung eines angeblich durch westliche Mächte vorangetriebenen israelischen Plans für ein „Großisraels“ bis hin zu spiegelbildlichen Deutungen eines angebliche durch westliche Mächte vorangetriebenen palästinensischen Plans zur Vernichtung Israels.
Biblischer Hintergrund
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Die konkrete Ausdehnung des gelobten Landes wird in der Bibel unterschiedlich dargestellt.<ref name=":0">Egbert Ballhorn: Gebietskonzepte Israels. Deutsche Bibelgesellschaft, abgerufen am 17. April 2026.</ref>
„Ganz-Groß-Israel“
In Gen Vorlage:Bibel/Link wird die Landverheißung an Abraham mit dem Gebiet „vom Strom Ägyptens bis zum großen Strom, dem Euphrat“ beschrieben. Diese Ausdehnung vom Nil (mit dem „Strom Ägyptens“ ist in dieser Bibelstelle vermutlich der östliche Pelusische Arm des Nils gemeint<ref>Strom Ägyptens – Bibel-Lexikon. In: Bibel-Lexikon. Abgerufen am 17. April 2026.</ref>) bis zum Euphrat basiert nicht auf einem politischen Besitzanspruch, sondern ist Ausdruck einer Vorstellung von Israels Bedeutung im kulturellen und politischen Kontext des Alten Orients. Die Größe des verheißenen Gebiets soll den universalen Herrschaftsanspruch des biblischen Gottes symbolisieren. Das Konzept eines großen geografischen Gebiets steht für den universalen Herrschaftsanspruch dieses Gottes. Es entstand vermutlich frühestens in der Exilzeit und verweist auf eine zukünftige, von Gott bestimmte Ordnung. Eine ähnliche Aussage macht das Landkonzept in Vorlage:Bibel/Link. Mit den darin genannten Grenzen „Von der Wüste bis zum Libanon und von dem großen Strom Euphrat bis an das große Meer gegen Sonnenuntergang“ sind sowohl geographische als auch mythische Größen gemeint. Die Wüste gilt als der Inbegriff des lebensfeindlichen Raumes, das Meer steht in Beziehung zum Urozean, der die Welt umfasst. Der Euphrat entspringt laut Vorlage:Bibel/Link im Paradies, und der Libanon hat ebenfalls eine paradiesische Konnotation. Hier wird eine symbolische Vorstellung entwickelt, in der „Israel“ nicht als konkretes geografisches Gebiet verstanden wird, sondern als Teil einer umfassenderen, kosmischen Ordnung.<ref name=":0" />
„Groß-Israel“
In Vorlage:Bibel/Link entspricht die Landverheißung, die Moses gemacht wird, möglicherweise der ägyptischen Provinz Kanaan aus dem 2. Jt. v. Chr. Das Gebiet reicht von Beerscheba bis in den südlichen Teil Syriens, wobei der Fluss Jordan als Ostgrenze die Realität des 7. Jh. v. Chr. widerspiegelt.<ref name=":0" />
„12-Stämme-Israel“
Dieses Gebiet wird mit „von Dan bis Beerscheba“ umschrieben; definiert wird es in den Ortslisten in Vorlage:Bibel/Link. Es geht dabei nicht einfach um die den 12 Stämmen Israels gehörenden Gebiete, sondern stellt alle Territorien zusammen, die einmal als judäisch oder israelitisch galten. Es ist deshalb keine historische Beschreibung realer Besitzverhältnisse, sondern die idealisierende Vereinigung mehrerer historischer Landbesitze und Siedlungsvorstellungen. Dass das Ostjordanland erwähnt wird, ist beispielsweise als Erinnerung an frühere Zeiten zu verstehen, wo es israelisches Siedlungsterritorium war. Dass es Diskrepanzen zwischen der Idealisierung und dem realen Besitz gab, zeigt Vorlage:Bibel/LinkJos 13; hier wird festgehalten, dass noch sehr viele Gebiete eingenommen werden müssen.<ref name=":0" />
„Juda-Israel“
Laut Vorlage:Bibel/Link wird Abraham und seinen Nachkommen alles Gebiet versprochen, das er vom Berg aus überblicken kann. Das sichtbare und im Sinne des Wortes überschaubare Gebiet, welches nicht genauer definiert wird, entspricht ungefähr der Ausdehnung der persischen Provinz Juda.<ref name=":0" />
„Juda und Samaria“
Sowohl Abraham als auch Jakob wurde Landbesitz verheißen. Darauf beruht die Vorstellung, dass Juda und Samaria zusammengehören. Es ist eine Kombination der anderen Gebietskonzepte, die vor allem in Vorlage:Bibel/Link festgehalten wird. In ihr spiegelt sich das territoriale Selbstverständnis des nachexilischen Israels im 5. Jh. und 4. Jh. wider.<ref name=":0" />
Geschichte
Vor der Staatsgründung
Theodor Herzl, einer der Gründer des Zionismus, hatte keine konkreten Vorstellungen von der Lage oder Größe des von ihm vorgeschlagenen Judenstaats. Ihm ging es unter dem Eindruck der Pogrome in Russland und der Dreyfus-Affäre vor allem darum, einen sicheren Ort für Juden zu finden.<ref>deutschlandfunk.de: Theodor Herzl und sein Programm vom Judenstaat. 4. September 2012, abgerufen am 17. April 2026.</ref> In seinem Buch „Der Judenstaat“ (1896) schlug er sowohl Argentinien vor als auch Palästina, die „unvergeßliche historische Heimat“. Auch eine jüdische Siedlung auf britischem Gebiet auf der Sinai-Halbinsel oder in Uganda kamen für ihn in Frage.<ref>Theodor Herzl. Encyclopedia Britannica, abgerufen am 16. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Der Judenstaat – Theodor Herzl. Abgerufen am 16. April 2026.</ref> Am ersten Zionistenkongress 1897 wurde schließlich das „Basler Programm“ verabschiedet, welches eine „öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina für diejenigen Juden, die sich nicht anderswo assimilieren können oder wollen“ als Ziel des Zionismus definierte.
Die Dispensationalisten, auf welche die Christlichen Zionisten folgten, betrachteten das gesamte Gelobte Land zwischen Nil und Euphrat als Gottes Eigentum und Israel zugehörig, woraus sie einen göttlich begründeten Anspruch auf uneingeschränkte Souveränität über Westjordanland, Golanhöhen sowie ganz Judäa und Samaria und die Annexion Groß-Jerusalems ableiteten.<ref>Erhard Kamphausen: Christlicher Zionismus: Die Bedeutung Jerusalems im Endzeitdenken des protestantischen Fundamentalismus. Evangelische Akademie Bad Boll, 2007, abgerufen am 14. April 2026.</ref><ref>Deborah Feldman: Beschleuniger der Endzeit. 27. März 2026, abgerufen am 17. April 2026.</ref><ref>Michael J. Vlach: Dispensational Theology. In: The Gospel Coalition. Abgerufen am 17. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Der britische christliche Zionist und Millennialist William Hechler glaubte, dass die biblische Prophezeiung zur Rückkehr der Juden nach Palästina wörtlich erfüllt würde. In Herzl sah er den von Gott gesandten Propheten, der sie verwirklichen würde. Laut Herzl zeigte Hechler ihm eine Karte, auf der die nördliche Grenze das Taurusgebirge und die südliche Grenze der Suezkanal sein sollte.<ref>Howard M. Sachar: A history of Israel from the rise of zionism to our time. Alfred A. Knopf, New York 2007, ISBN 978-0-8041-5049-1.</ref><ref>Theodor Herzl: Theodor Herzls Tagebücher. Band 1. Jüdischer Verlag, Berlin 1922, S. 391: „26. April, Wien. Als ich gestern mittags in München den Orientexpreß bestieg, saß Hechler da. [...] Wir fuhren angenehm. Er faltete im Coupe seine Karten von Palästina auseinander und belehrte mich stundenlang. Die Grenze im Norden sollte das Gebirge gegen Kappadozien sein, im Süden der Suezkanal . Als Ruf auszugeben : Palästina wie zu Davids und Salomonis Zeit!“</ref>
Mit der Balfour-Deklaration von 1917 erklärte sich die britische Regierung damit einverstanden, unter Berücksichtigung der Rechte der ansässigen nicht-jüdischen Bevölkerung in Palästina eine „nationale Heimstätte für das jüdische Volk“ zu errichten. Damals gehörte Palästina allerdings noch zum Osmanischen Reich.
Der revisionistische Zionismus, welcher nach 1925 Fuß fasste, verlangte eine Überarbeitung des britischen Mandats für Palästina, um einen souveränen jüdischen Staat zu schaffen, der beide Seiten des Jordanflusses umfassen sollte. Statt der bisher von Zionisten priorisierten sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas sollte die unmittelbare Errichtung eines am Vereinigten Königreich ausgerichteten jüdischen Staates vorangetrieben werden.<ref>Richard Edwards: Revisionist Zionism. In: Spencer Tucker, Priscilla Mary Roberts (Hrsg.): The encyclopedia of the Arab-Israeli conflict: a political, social, and military history. Band 1: A–H. ABC-CLIO, 2008, ISBN 978-1-85109-841-5, S. 863–866 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 5. Januar 2012]).</ref>
Nach der Staatsgründung
Die im Juni 1948 gegründete revisionistisch-zionistische Cherut-Partei, die später in der Likud-Partei aufging, bezeichnete das Gebiet beidseits des Jordans auch nach der Gründung des Staates Israel als „die jüdische Heimstätte“, die ein „historisches und geografisches Ganzes“ bildet. Bis zum Juni 1967 blieb Cherut die einzige politische Partei in Israel, die diese Haltung vertrat.<ref name="EJYShavit">Ya'akov Shavit: Revisionists, Zionist. Some Historical Notes on the Development of the Right in Zionist and Israeli Politics. In: Encyclopaedia Judaica. Band 17. Macmillan Reference USA, Detroit 2007, S. 262–267 (go.galegroup.com [abgerufen am 5. Januar 2012]).</ref>
Mit den israelischen Eroberungen im Sechstagekrieg im Juni 1967 erhielt die Großisrael-Idee Zuspruch auch außerhalb des rechts-nationalistischen und nationalreligiösen Lagers.<ref>Julia Brauch: Nationale Integration nach dem Holocaust: Israel und Deutschland im Vergleich. Campus Verlag, Frankfurt a. M. 2004, ISBN 3-593-37622-9, S. 147 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 13. Dezember 2011]).</ref> Im August 1967 wurde die Bewegung für ein Großisrael gegründet, die die Beibehaltung der eroberten Gebiete verlangte. In der Wahl 1969 wurden mehrere ihrer Mitglieder ins israelische Parlament (Knesset) gewählt. Die Großisrael-Bewegung wurde später von der Gusch-Emunim-Bewegung abgelöst.<ref>Stephan Maul: Israel auf Friedenskurs? Politischer und religiöser Fundamentalismus in Israel. Wirkungen auf den Friedensprozess im Nahen Osten. LIT Verlag, Münster 2000, ISBN 3-8258-4535-4, S. 90 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden. [abgerufen am 3. Januar 2012]).</ref>
Die Forderungen der säkularen ein Großisrael befürwortenden Parteien und Gruppierungen beinhalten heute in der Regel die von Israel im Juni 1967 eroberten Gebiete. Die Likud-Wahlplattform für die Wahl 1977, die den Likud erstmals an die Macht brachte, enthält das Versprechen, „zwischen dem Meer und dem Jordan wird es keine andere als israelische Souveränität geben“.<ref name="EJYShavit" /> Nach dem Wahlsieg des Likud hat die Siedlungstätigkeit jüdischer Israelis, besonders des nationalreligiösen Gusch Emunim, in den israelisch besetzten Gebieten beträchtlichen Auftrieb erhalten.<ref name="ADL">Arnon Medsini: Gebiete, Grenzen und Siedlungen seit 1967. (PDF) Anti Defamation (ADL) Kommission von Bnai Brith Zürich, 15. Dezember 2003, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 1. November 2012; abgerufen am 3. Januar 2012.</ref> Besonders in den 1980er Jahren vertrat der Chef der später verbotenen Kach-Partei, Meir Kahane, eine der extremsten Positionen. Er forderte ein Großisrael, welches sowohl das gelobte Land, als auch die im Sechstagekrieg durch Israel eroberten Gebiete umfassen sollte.<ref name="ajc">Ehud Sprinzak: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. The American Jewish Committee.</ref>
1994 stimmte die Mehrheit des Likuds für einen Friedensvertrag mit Jordanien und erkannte damit sein Existenzrecht an.<ref>‘Both Banks of the Jordan’ to the ‘Whole Land of Israel’: Ideological Change in Revisionist Zionism (engl.)</ref> Im Herbst 2008 machte der damalige israelische Premierminister Ehud Olmert, ein ehemaliges Mitglied der revisionistisch-zionistischen Betar-Jugendorganisation, internationale Schlagzeilen, als er den „Traum von einem Groß-Israel“ für tot erklärte, und meinte, wer ihn weiter träume, mache sich etwas vor.<ref>Olmert realistisch „Groß-Israel am Ende“. In: n-tv.de. 14. September 2008, abgerufen am 3. Januar 2012. und Scott MacLeod: Olmert's Lame-Duck Epiphany About Palestinian Peace. In: Time Magazine. 30. September 2008, abgerufen am 5. Januar 2012 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Während die Kontrolle über das Westjordanland, die Golanhöhen und andere Gebiete die Folge verschiedener Konflikte ist, wird Großisrael von Teilen der israelischen Rechten als politisches Programm verfolgt. So antwortete Israels Premierminister Benjamin Netanjahu 2025 während eines Interviews mit dem TV-Moderator und ehemaligen Knesset-Abgeordneten Sharon Gal auf i24news auf die Frage, ob er sich mit der Vision eines „Großisrael“ identifiziere, ohne zu zögern: „Sehr sogar.“ und äußerte ausdrücklich, sich auf einer historischen und spirituellen Mission zu befinden. Der entsprechende Wortwechsel war auf dem Youtube-Kanal des TV-Senders herausgeschnitten worden, aber weiterhin auf der eigenen Website zu finden. Der ehemalige Knesset-Abgeordnete Gal schenkte Netanjahu gegen Ende des Interviews ein Schmuckstück, das er als Amulett in Form einer „Karte des Gelobten Landes“ bezeichnete. Das Schmuckstück, das Gal online verkauft, hat die Form des Konzepts „Großisrael“, das sich an die Umrisse in Genesis (15:18) anlehnt.<ref>Ryan Jones: Netanjahu: „Sehr stark“ verbunden mit der Vision eines „Großisrael“. In: Israel heute. Abgerufen am 16. August 2025.</ref><ref>Netanyahu says he’s on a ‘historic and spiritual mission,’ also feels a connection to vision of Greater Israel. In: The Times of Israel. 12. August 2025, abgerufen am 22. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das führte zu Empörung in arabischen Ländern.<ref>Umfasst auch Teile von Syrien und Jordanien: Empörung in arabischen Ländern über Netanjahus Vision eines „Groß-Israel“, Tagesspiegel 14. August 2025</ref><ref>Arabische Staaten protestieren Netanjahu träumt von Israel in biblischer Größe, t-online 14. August 2025</ref>
Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, erklärte in einem unter anderem auf YouTube am 22. Februar 2026 veröffentlichtem Interview mit Tucker Carlson, dass Israel das biblische Recht habe, den gesamten Nahen Osten zu übernehmen. Huckabee antwortete auf die Frage zu seiner Interpretation des Bibelverses Genesis 15:18, in dem beschrieben wird, wie Gott Abram, später Abraham genannt, und seinen Nachkommen Land „vom Nil bis zum Euphrat“ verspricht: „Es wäre in Ordnung, wenn sie sich alles nehmen würden.“ Dies führte zu Empörung auf Seiten arabischer Staaten.<ref>Nahost US-Botschafter irritiert mit Äußerungen zu Gebietsansprüchen Israels, Deutschlandfunk 22. Februar 2026</ref><ref>US-Botschafter erzürnt mit Bibel-Aussage arabische Welt, Deutsche Welle 22. Februar 2026 </ref><ref>US-Botschafter irritiert mit Aussagen über Israels Grenzen, von Sabine Brandes, Jüdische Allgemeine 24. Februar 2026 </ref>
Verschwörungsnarrative
Israel kontrolliert seit dem Sechstagekrieg 1967 Gebiete, die über die im UN-Teilungsplan von 1947 vorgesehenen hinausgehen, was unabhängig von politischen oder religiösen Forderungen nach „Großisrael“ eine Erweiterung der effektiven Kontrolle darstellt. Gleichzeitig existieren Narrative, welche behaupten, dass Israel seit seiner Staatsgründung systematisch und mit finanzieller Unterstützung „des Westens“ die Etablierung eines Großisraels in der maximalen biblischen Ausdehnung verfolge. Louis Fishman beschreibt sie 2025 als antisemitische Narrative basierend auf der Jüdischen Weltverschwörung.<ref name="fishman">Those who see plans for a ‘Greater Israel’ are not the first to do so. Abgerufen am 27. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Daniel Pipes sah solche Narrative als in der arabischen Welt weit verbreitet an und interpretierte sie vor allem als Ausdruck eines verzerrten oder „paranoiden“ Denkens.<ref>Daniel Pipes: Imperial Israel: The Nile-to-Euphrates Calumny. Middle East Quarterly, 1994, abgerufen am 27. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Neuere Ansätze kritisieren Pipes’ Erklärung als typisch für eine westliche, orientalistische Sicht auf die arabische Welt und postulieren, dass diese Narrative wesentlich weniger verbreitet sind, als behauptet, und sich weniger gegen Israel, sondern vor allem gegen „westliche Mächte“ richten, welche als Drahtzieher hinter allen israelischen Aktionen gesehen werden. Die neueren Ansätze betonen stärker die funktionale Dimension solcher Narrative in der Region selbst. So weist Sauerland darauf hin, dass sie Unsicherheiten und Bedrohungsgefühle in konkrete Deutungsmuster überführen, Erklärungen für erlebte politische Realität liefern und die Verantwortung dafür bestimmten Akteuren zuschreiben. Dabei werden sie nicht ausschließlich als irrationale Fehlwahrnehmungen verstanden, sondern auch als Versuch, die erlebten Gewalterfahrungen, Unsicherheiten und asymmetrischen Machtverhältnissen zu deuten.<ref>Sauerland, Johannes David (2024): Conspiracy narratives and Fear in Israel and Palestine – Emotions, Power, Politics. Doctoral thesis, Durham University. S. 179–200</ref> Fishman kritisiert, dass diese Narrative keine Lösung böten für die Ungerechtigkeit, die Palästinensern widerfahre.<ref name="fishman" /> Im Gegenzug gibt es in rechten israelischen Gruppierungen ähnliche Verschwörungsnarrative, welche jede Aktion der Palästinenser, liberaler und linker israelischer Gruppen, oder „westlicher Mächte“, als Beleg für einen geheimen, koordinierten und bösartigen Plan zur Zerstörung Israels ansehen. Diese Narrative sind laut Sauerland als Ausdruck von Ängsten vor Vernichtung oder Verlust der Identität anzusehen.<ref name="sauerland2024">Sauerland, Johannes David (2024): Conspiracy narratives and Fear in Israel and Palestine – Emotions, Power, Politics. Doctoral thesis, Durham University. S. 131–152</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />