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Großer Sackträger

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Großer Sackträger
Datei:Canephora hirsuta.jpg

Großer Sackträger (Canephora hirsuta), rechts ein Raupensack mit einem geschlüpften Männchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Echte Sackträger (Psychidae)
Unterfamilie: Oiketicinae
Gattung: Canephora
Art: Großer Sackträger
Wissenschaftlicher Name
Canephora hirsuta
(Poda, 1761)
Datei:Canephora hirsuta larva.jpg
Raupe an der vorderen Sacköffnung
Datei:2018 05 29 Canephora hirsuta Sack vor Verpuppung.jpg
Sack kurz vor dem Schlüpfen des Falters – die Verpuppung findet im hinteren Teil des Sacks statt.
Datei:2018 05 29 Canephora hirsuta Puppe.jpg
Geöffnete Puppe am hinteren Ende des Sacks

Der Große Sackträger (Canephora hirsuta, Syn.: Canephora unicolor<ref name="Savela" />, auch als Mohrenkopf bezeichnet,<ref name="Savela" />) ist ein Schmetterling aus der Familie der Echten Sackträger (Psychidae).

Merkmale

Bau der Imago

Der Bau der erwachsenen Tiere ist durch einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus geprägt. Die Männchen sind ganz schwarz und weisen eine metallisch glänzende Oberfläche auf, ihr Erscheinungsbild ist dunkel und unscheinbar.<ref name="Ponec" /> Sie erreichen eine Spannweite von 20 bis 25 Millimetern. Ihre Flügel und die gefiederten Antennen sind gut ausgeprägt. Auf dem Caput (Kopfteil), der Rückseite des Thorax und am Ansatz der Beine befinden sich feine, weißgraue Härchen. Die bräunlich gefärbten Weibchen haben einen walzenförmigen Körper und werden 13 bis 20 Millimeter lang. Sie besitzen weder entwickelte Fühler, noch Flügel, auch sind ihre Augen verkümmert und die Beine zu Stummeln reduziert.<ref name="Ponec" /> Nach anderen Angaben erreicht die Art Körperlängen von 12–14 mm.<ref name="Zahradník"/>

Bau der Raupe

Die Raupen werden etwa 16 Millimeter lang. Sie haben einen gelblichen Körper, Kopf und Thorax sind braun gemustert.<ref name="Bellmann" /> Sie spinnen sich in einen sackartigen Gespinstsack ein. Dessen innere Schicht ist im Querschnitt rund oder oval und besteht aus Seide, an dessen Außenseite die Raupe Teile von Pflanzenstängeln, Blattstücken oder Baumnadeln anfügt, sodass das Seidensäckchen durch einen Köcher aus organischen Substanzen umhüllt ist. Die Raupensäckchen sind robust gebaut und haben ein sehr grobes und zerzaustes Erscheinungsbild. Der Sack ist meist länger als 20 Millimeter, etwa 30–40 mm, die organischen Fremdmaterialien sind in Längsrichtung angesponnen, meist ragt der Seidensack unterhalb hervor. Befestigt wird das Gebilde an Grasstängeln.<ref name="Sauter" /> Männliche Raupen spinnen deutlich größere Pflanzenteile zusammen, insbesondere stehen vom vorderen Ende lange Stücke schräg ab. Am Hinterende ist ein Teil des Gespinstes nicht durch Pflanzenmaterial bedeckt. Die Weibchen hingegen bauen ihre Behausung aus feineren Pflanzenteilen und bedecken auch das Hinterende.<ref name="Bellmann" />

Das nach oben gerichtete Ende des Sacks ist das Vorderende, aus dem die Raupe den Kopf und das Brustsegment herausstrecken und sich mit den Thorakalbeinen fortbewegen kann<ref name="Sauter" />. Dies geschieht vor allem, um eine neue Nahrungspflanze aufzusuchen. Der Hinterleib verbleibt im Sack, die Raupe hält sich darin mit den Bauchbeinen fest. Aus dem Hinterende des Sacks erfolgt die Kotabgabe, nach der Verpuppung schlüpft aus dieser Seite der fertige männliche Schmetterling. Hierzu dreht sich die Raupe im Sack um, bevor sie mit der Verpuppung beginnt. Das Weibchen verbleibt im Sack und wird bei der Paarung durch das Hinterende befruchtet.<ref name="Sauter" />

Vorkommen

Die Raupen leben auf sonnigen Wiesen oder in lichten Wäldern, insbesondere auf sandigen Böden. Ihr Sack ist an Grasstängeln befestigt. Sowohl die weibliche Imago, die ihr ganzes Leben im Raupensack verbleibt, als auch die männliche Imago halten sich im selben Habitat auf.<ref name="Ponec" /> Sie sind in Mitteleuropa weit verbreitet und häufig zu finden, mancherorts sind ihre Populationen aber stark rückläufig.<ref name="Bellmann" /> Sie wird manchmal auch als nicht mehr häufige Art bezeichnet.<ref name="Zahradník"/>

Lebensweise

Nur der männliche erwachsene Schmetterling verlässt den Raupensack und sucht das Weibchen auf, um sich mit ihm zu paaren. Das Männchen wird durch Sexualpheromone angelockt. Durch synchrone Schlüpfzeitpunkte gelingt die Paarung trotz der kurzen Lebenszeiten, die für alle Imagines der Echten Sackträger charakteristisch ist, da diese wegen ihrer verkümmerten Mundwerkzeuge keine Nahrung aufnehmen können.

Flug- und Raupenzeiten

Die Imagines fliegen in einer Generation von Ende Mai bis Mitte Juli. Die Raupen findet man ab August und nach der Überwinterung bis Mai.<ref name="Koch" />

Nahrung der Raupen

Die Raupen ernähren sich polyphag von vielen verschiedenen holzigen oder krautigen Pflanzen, wie beispielsweise von Eingriffeligem Weißdorn (Crataegus monogyna), Brombeeren (Rubus fruticosus), Besenginster (Cytisus scoparius), Wiesensalbei (Salvia pratensis) und Spitzwegerich (Plantago lanceolata).<ref name="Bellmann" />

Entwicklung

Während des gesamten Raupenstadiums bleibt die Raupe in ihrer Umhüllung und verlässt sie auch zur Nahrungsaufnahme nicht. Die Entwicklung dauert mindestens zwei Jahre, die Überwinterung findet somit als Raupe statt. Auch die Verpuppung geschieht im Raupensack, sodass erst der erwachsene männliche Schmetterling seine Brut- und Reifungsstätte verlässt. Man findet die männlichen Säcke zahlreich entweder an Grashalmen oder an Mauern angesponnen. Die weiblichen Säcke befinden sich schwer erkennbar in ein bis zwei Metern Höhe in Gebüschen.<ref name="Bellmann" />

Taxonomie

Synonyme der Art lauten unter anderem Canephora unicolor, Pachytelia unicolor, Pachythelia unicolor und Lepidopsyche unicolor.

Literatur

  • Jiří Zahradník: Der Kosmos Insektenführer 6. Auflage. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart 2002, ISBN 3-440-09388-3, S. 246.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Savela"> Markku Savela: Lepidoptera and some other life forms, Canephora: Canephora hirsuta. </ref>

<ref name="Ponec"> Jozef Ponec: Schmetterlinge unserer Heimat. Verlag Obzor, Bratislava (deutsche Übersetzung der slowakischen Originalausgabe von 1982), ISBN 3-8112-0380-0. </ref> <ref name="Bellmann"> Heiko Bellmann: Der neue Kosmos-Schmetterlingsführer, Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09330-1, S. 38. </ref> <ref name="Sauter"> W. Sauter und P. Hättenschwiler: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Zum System der palaearktischen Psychidae (Memento vom 15. Dezember 2013 im Internet Archive) (PDF; 208 kB). 3. Teil: Bestimmungsschlüssel für die Säcke. In: Nota lepidopterologica. Bd. 27, Nr. 1, 2004, S. 59–69. </ref> <ref name="Koch"> Manfred Koch: Wir bestimmen Schmetterlinge. Band 2: Bären, Spinner, Schwärmer und Bohrer Deutschlands. 2., erweiterte Auflage. Neumann, Radebeul/Berlin 1964, DNB 452481929, S. 126 f. </ref> <ref name="Zahradník"> Jiří Zahradník: Der Kosmos Insektenführer. 6. Auflage. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart 2002, ISBN 3-440-09388-3, S. 246. </ref> </references>

Weblinks

Commons: Großer Sackträger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien