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Große Hamburger Straße

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Große Hamburger Straße
Datei:DEU Berlin COA.svg
Wappen
Straße in Berlin
Datei:Berlin, Mitte, Grosse Hamburger Strasse 27, Juedische Oberschule.jpg
Jüdische Oberschule
Datei:Placeholder.svg
Basisdaten
Ort  Berlin
Ortsteil  Mitte
Angelegt  1707
Neugestaltet 
Hist. Namen  Hamburger Straße
Name erhalten 
Anschluss­straßen 
Koppenplatz
Querstraßen  Sophienstraße, Krausnickstraße, Oranienburger Straße
Plätze 
Nummern­system 
Hufeisennummerierung
Bauwerke  siehe Gebäude
U-Bahn-Stationen
Nutzergruppen Straßenverkehr
Technische Daten
Straßengestaltung
Länge 400 Meter

-

Karte
Vorlage:Maplink

Die Große Hamburger Straße ist eine 400 Meter lange Straße im Berliner Ortsteil Mitte des gleichnamigen Bezirks zwischen der August- und der Oranienburger Straße.

Geschichte

Datei:Spandauer Vorstadt Dusableau 1723.jpg
Plan der Spandauer Vorstadt um 1723 (Norden unten)

Mit der Entwicklung der Spandauer Vorstadt entstand um das Jahr 1700 die Hamburger Straße mit zwei Abschnitten zwischen der Oranienburger Straße und der Armesünder Gasse (heute: Auguststraße) und weiter bis zum Hamburger Tor. Bereits auf dem Stadtplan von Dusableau aus dem Jahr 1723 ist sie als Hamburger Straße verzeichnet. 1737 wurde sie in Große Hamburger Straße und Kleine Hamburger Straße aufgeteilt, was auf dem Plan von 1738 zu erkennen ist. 1740 wurde sie gepflastert. Die Hausnummern folgen dem Prinzip der in Berlin ursprünglich üblichen Hufeisennummerierung, beginnend an der Auguststraße auf westlicher Seite (1–21) und auf östlicher Seite von der Oranienburger Straße (25–42).

Da hier auf engem Raum sowohl Gebäude jüdischen, protestantischen als auch katholischen Lebens stehen, spricht man auch von der „Toleranzgasse“. In Erinnerung an die Gräueltaten, die hier während der Zeit des Nationalsozialismus stattfanden, ist aber auch von der „Straße der Toleranz und des Todes“ die Rede.

Gebäude

Westliche Seite

Datei:Mitte Große Hamburger Straße St. Hedwig.JPG
St.-Hedwig-Krankenhaus mit Brunnen, rechte Bildseite Marienkapelle
Im Krankenhaus wohnte 1932–1934 zeitweise der zurückgetretene Reichskanzler Heinrich Brüning (Zentrumspartei), bevor er nach der Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes ins Exil gezwungen wurde. In den Jahren 1942 bis 1945 halfen der Arzt Erhard Lux und die Fürsorgerin Marianne Hapig mit Unterstützung von Ordensschwestern und Angestellten des Krankenhauses vielen von Deportation bedrohten Juden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Informationen über die Fürsorgerin Marianne Hapig (Memento vom 30. August 2007 im Internet Archive) </ref>


Östliche Seite

Datei:SarahEwart-158.JPG
Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen Jüdischen Altersheims
  • Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden.Nr. 26: Ab 1829 befand sich hier das erste Altersheim der jüdischen Gemeinde, das 1844 in das neuerbaute Gebäude zog. Es wurde zusammen mit der auf dem Nachbargrundstück liegenden jüdischen Schule am 14. November 1942 von der Gestapo als Sammellager eingerichtet,<ref>Dokument VEJ 6/190 in: Susanne Heim (Bearb.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945 (Quellensammlung) Bd. 6: Deutsches Reich und Protektorat Böhmen und Mähren Oktober 1941–März 1943. Berlin 2019, ISBN 978-3-11-036496-5.</ref> von dem aus Zehntausende Berliner Juden in das KZ Theresienstadt und das KZ Auschwitz deportiert und ermordet wurden. Das Altersheim wurde 1943 zerstört und das Grundstück nach Kriegsende enttrümmert. An der Stelle des Altersheims steht seit 1984 eine Figurengruppe von Will Lammert, die ursprünglich (1957) für die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück vorgesehen war, und erinnert an das Leid der 55.000 Juden, die von hier in den Tod verschleppt wurden.
Hier befindet sich auch der Eingang zum alten jüdischen Friedhof, der 1672 entstand und 1827 geschlossen wurde. Er lag damals direkt hinter dem Heim. Seit dem 18. Jahrhundert befanden sich hier das jüdische Gemeindehaus und das 1756 gegründete jüdische Krankenhaus („Juden-Lazarett“), das 1861 in die Auguststraße verlegt wurde.
  • Nr. 27: Im Jahr 1862 wurde hier die Knabenschule der jüdischen Gemeinde eröffnet. Am 11. April 1942 wurde das Gebäude auf Veranlassung des Reichssicherheitshauptamts geräumt und am 30. Juni endgültig geschlossen. Eine Gedenktafel und ein Porträtrelief erinnern an ihren Gründer Moses Mendelssohn. Wie durch ein Wunder blieb trotz der angeordneten Tilgung aller jüdischen Inschriften und Symbole über dem Portal der Schule die Inschrift „Knabenschule der Jüdischen Gemeinde“ mit Skulpturenschmuck erhalten (siehe Foto in der Infobox).
  • Nr. 28: Das Wohnhaus der Sophiengemeinde von Kurt Berndt entstand 1901 im Zusammenhang mit der Neuordnung des Umfeldes der Sophienkirche.<ref>Große Hamburger Straße 28</ref> Es enthält heute einen Spielzeugladen.
Datei:Sophienkirche Berlin Mitte - Maerz 2011.jpg
Sophienkirche
Datei:Berlin, Mitte, Grosse Hamburger Strasse 37, Mietshaus 01.jpg
Sophieneck

Siehe auch

Literatur

  • Berlin um 1723, Stadtplan von Abraham Guibert Dusableau
  • Berlin um 1738, Stadtplan von Reimer
  • Durch Berlin zu Fuß, Wanderungen in Geschichte und Gegenwart. VEB Tourist Verlag Berlin Leipzig 1989, ISBN 3-350-00240-4.
  • Irina Liebmann: Die Große Hamburger Straße. Roman. Schöffling & Co. Frankfurt a. M. 2020. ISBN 978-3-89561-258-9.

Weblinks

Einzelnachweise

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Koordinaten: 52° 31′ 32,1″ N, 13° 23′ 55,7″ O

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