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Grimoald (Langobarde)

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Grimoald, auch: Grimuald, Grimwald, (* um 600; † 671) war von 647 bis 662 Herzog von Benevent und in den Jahren 662 bis 671 König der Langobarden.

Leben

Herkunft und Jugend

Grimoald wurde um 600 als jüngster Sohn des dux Gisulf II. von Friaul und dessen Frau Romilda geboren. Um 610 fiel sein Vater bei der Verteidigung Friauls gegen die Awaren. Grimoald und seine Brüder Taso, Cacco und Raduald gerieten mit ihrer Mutter und ihren vier Schwestern in Gefangenschaft und wurden verschleppt. Auf dem Weg nach Pannonien konnten die Brüder fliehen und ins Friaul zurückkehren.<ref name=histiv37>Historia Langobardorum IV, 37</ref><ref name=histv33/> Die Umstände der Flucht wurden, so glaubte man, von Paulus Diaconus in legendenhafter Weise ausgeschmückt.<ref name=hodg75>Thomas Hodgkin: Italy and her Invaders, Bd. VI, S. 53 ff</ref>

Um 625 wurden Grimoalds Brüder Taso und Cacco, die Söhne des dux von Friaul, vom patricius Gregor in Opitergium (Oderzo) ermordet. Grimoalds Onkel Grasulf II. übernahm das Dukat. Die Brüder Raduald und Grimoald, beide „fast im jugendlichen Alter“ (iam prope iuvenilem aetatem), fuhren darauf zu Arichis I., ihrem früheren Lehrer, der sie freundlich aufnahm.<ref name=histiv38>Paulus Diaconus, Historia Langobardorum IV, 38–39</ref> Hodgkin nimmt an, dass Arichis der Erzieher ihres Vaters Gisulf II. und ihres Onkels Grasulf II. war.

Ehen und Nachkommen

Grimoald war mit Ita verheiratet, mit der er drei Kinder hatte<ref name=histiv46>Historia Langobardorum IV, 46</ref>: den Sohn Romuald I.<ref name=histiv46/>, die Tochter Gisa<ref name=histiv8>Historia Langobardorum V, 8</ref> († um 672 auf Sizilien<ref name=histiv14>Historia Langobardorum IV, 14</ref>) und eine namentlich nicht bekannte Tochter, die 663 Transamund I. von Spoleto heiratete.<ref name=histiv16>Historia Langobardorum V, 16</ref>

Im Jahr 662 heiratete er die namentlich nicht bekannte Tochter des verstorbenen Königs Aripert I., mit der er den Sohn Garibald hatte.<ref name=histv1/>

Herzog von Benevent

Im Jahr 647 folgte er seinem Bruder Raduald als Herzog von Benevent nach. Als byzantinische Plünderer das Heiligtum des Erzengels Michael am Monte Garganus (Gargano) überfielen, kam Grimoald mit seinem Heer und tötete alle.<ref name=histiv46/><ref name=hodg81>Thomas Hodgkin, Italy and her Invaders Vol VI S. 81</ref>

Godepert, der gemeinsam mit seinem Bruder Perctarit als König der Langobarden herrschte, suchte 661/662 die Unterstützung Grimoalds gegen Perctarit und bot ihm seine Schwester zur Frau. Grimoald plante, das Königtum selbst an sich zu reißen und sah in der Heirat eine willkommene Legitimierung seines Anspruchs. Er übergab sein Herzogtum 662 seinem Sohn Romuald und marschierte mit einer kleinen Kriegerschar zum Königssitz nach Pavia. Auf dem Weg sammelte Grimoald Verbündete um sich und schickte Transamund, den comes (Graf) von Capua, nach Spoleto und Tuscia um weitere Bundesgenossen zu finden. In der Emilia vereinten sich beide Abteilungen. Grimoald erstach Godepert 662 in seinem Palast. Perctarit floh ins Exil zu den Awaren, während seine Frau Rodelinda und sein kleiner Sohn Cunincpert als Geiseln nach Benevent gebracht wurden.<ref name=histiv51>Historia Langobardorum IV, 51</ref>

König der Langobarden

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Italien um 662

Eine Volksversammlung bestätigte Grimoald als König. Er heiratete Godeperts Schwester und löste sein Heer bis auf eine kleine Gefolgschaft auf.<ref name=histv1>Historia Langobardorum V, 1</ref> Dennoch machte sich Widerstand breit; in Asti und Turin formierten sich die Anhänger der abgesetzten Dynastie und nahmen Kontakt zum Frankenreich auf. Unterdessen drohte Grimoald den Awaren mit Krieg, sollten sie Perctarit nicht ausliefern. Dieser kehrte ins Langobardenreich zurück und unterwarf sich Grimoald, der ihn zunächst freundlich in Pavia aufnahm. Er erhielt vom König eine Abfindung und ein stattliches Haus, doch blieb er als Thronprätendent eine Gefahr. Offenbar plante Grimoald seine Ermordung, jedenfalls floh er erneut, diesmal zu den Franken.<ref name=histv2>Historia Langobardorum V, 2</ref>

Eine militärische Intervention des Frankenreiches zugunsten der Agilolfinger scheiterte in einer für die Franken verlustreichen Schlacht bei Asti.<ref name=histv5>Historia Langobardorum V, 5</ref> Die Beziehungen zum Frankenreich besserten sich offenbar: Paulus Diaconus berichtet, dass Grimoald mit Dagobert II. in den späten 660er-Jahren einen pacis firmissimae (äußerst beständigen Frieden) geschlossen haben soll.<ref name=histv32>Historia Langobardorum V, 32</ref> Dagobert II. lebte zu dieser Zeit in Britannien in der Verbannung, so dass Georg Waitz vermutete, dass der Vertrag mit Childerich II. oder Chlothar III. geschlossen wurde.<ref>Georg Waitz: Pauli historia Langobardorum. In: Monumenta Germaniae, Scriptores Rerum Langobardicarum. S. 155.</ref> Auch Ludo Moritz Hartmann hält den Vertrag für historisch, schließt jedoch Dagobert als Vertragspartner ebenfalls aus.<ref>Hartmann: Geschichte Italiens im Mittelalter. Bd. 2,1. Leipzig 1900, S. 277.</ref>

662 landete der byzantinische Kaiser Konstans II. mit seinem Heer bei Tarent.<ref name=histv6>Historia Langobardorum V, 6</ref> Er eroberte zahlreiche Städte im Benevent. Luceria (Lucera) wurde dem Erdboden gleichgemacht, das stark befestigte Agerentia (Acerenza) konnte sich halten. Dux Romuald sandte aus dem belagerten Benevento Boten zu seinem Vater Grimoald mit der Bitte um Verstärkung.<ref name=histv7>Historia Langobardorum V, 7</ref> Grimoald ließ seinen Palast in der Obhut des dux Lupus von Friaul<ref name=histv17>Historia Langobardorum V, 17</ref> und marschierte nach Benevent. Als Konstans II. vom Nahen Grimoalds erfuhr, ließ er sich u. a. Romualds Schwester Gisa als Geisel stellen und nahm Friedensverhandlungen auf.<ref name=histiv8/> Die Verhandlungen scheiterten und er zog sich kämpfend nach Neapel zurück.<ref name=histv9>Historia Langobardorum V, 9</ref> Nachdem der byzantinische Optimat (Feldherr) Saburrus mit 20.000 Soldaten von Romuald am Fluss Forino vernichtend geschlagen worden war, zog sich Konstans 663 nach Sizilien zurück.<ref name=histv10>Historia Langobardorum V, 10–11</ref> Nach Abschluss der Kämpfe verheiratete Grimoald 663 seine andere Tochter mit Transamund, dem comes von Capua und ernannte ihn nach dem Tod Attos zum dux von Spoleto.<ref name=histv16>Historia Langobardorum V, 16</ref>

Um 664 rebellierte dux Lupus von Friaul gegen Grimoald. Der König wollte keinen Bürgerkrieg riskieren und vereinbarte mit den Awaren, dass diese den Aufstand niederwerfen sollten. In einer 4-tägigen Schlacht am Fluvius Frigidus ‚Kalter Fluss‘ (heute: Hubelj) fiel Lupus und die Awaren plünderten Friaul. Mit diplomatischem Geschick konnte Grimoald die Awaren zum Rückzug bewegen.<ref name=histv18>Historia Langobardorum V, 18–21</ref> Dann verheiratete er seinen Sohn Romuald mit Theuderada, der Tochter des dux Lupus von Friaul.<ref name=histv25>Historia Langobardorum V, 25</ref> Auch Andere, die seine Abwesenheit genutzt und von ihm abgefallen waren, wurden bestraft. In der byzantinischen Stadt Forum Populi (Forlimpopoli) richtete er ein Blutbad an.<ref name=histv26>Historia Langobardorum V, 26–27</ref> Um 667 zerstörte Grimoald die Stadt Opitergium, in der seine älteren Brüder ermordet worden waren, vollständig und verteilte das Gebiet und deren Einwohner an die Dukate Friaul, Treviso und Ceneda.<ref name=histv28>Historia Langobardorum V, 28</ref><ref>Thomas Hodgkin, Italy and her Invaders Vol VI S. 43</ref>

Alzeco (auch Alzek)<ref>Friedhelm Winkelmann u. a.: Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit, Bd. 1, Walter de Gruyter Verlag, Berlin 1999, ISBN 3110151790, S. 62f.</ref>, ein Chagan (Fürst) der Protobulgaren, überquerte 667 die Alpen und zog mit seinem Heer friedlich nach Norditalien in die Gegend um Ravenna. Grimoald schickte ihn nach Benevent, wo ihn dux Romuald freundlich empfing. Alzeco wurden u. a. die Städte Sepinum (Sepino), Bovianum (Bojano) und Isernia in der Region Molise zugesprochen, unter der Voraussetzung, dass er auf seinen Titel dux und Herrschaftsanspruch verzichte und den Titel gastaldius annehme.<ref name=histv29>Historia Langobardorum V, 29</ref>

Dem Edictum Rothari fügte er im Jahre 668 einige Kapitel hinzu:<ref name=histv33>Historia Langobardorum V, 33</ref> Das Gottesurteil durch einen Zweikampf wurde weitgehend durch Heilige Eide ersetzt. Bigamie wurde unter Strafe gestellt. Das Erbrecht wurde in Anlehnung an römisches Recht dahin geändert, dass nunmehr auch die Enkel anstelle ihrer verstorbenen Eltern erbberechtigt waren.<ref name=hodg291/>

Grimoald starb betagt 671 an den Folgen eines Aderlasses und wurde in der von ihm erbauten St. Ambrosius-Basilika in Pavia bestattet.<ref name=histv33/><ref name=hodg291>Thomas Hodgkin, Italy and her Invaders Vol VI S. 291f</ref>

Es folgte ein kurzes Intermezzo, als Garibald, Grimoalds Sohn, zum König erhoben wurde, doch bereits drei Monate später gelangt Perctarit ein zweites Mal auf den Thron.

Quellen

Literatur

Weblinks

Wikisource: Historia Langobardorum – Quellen und Volltexte (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value))

Einzelnachweise

<references responsive />

VorgängerAmtNachfolger
RadualdHerzog von Benevent
647–662
Romuald I.
Godepert
Perctarit
König der Langobarden
662–671
Garibald

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