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Grenztunnel Füssen

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Grenztunnel Füssen
Grenztunnel Füssen
Grenztunnel Füssen
Südportal auf der österreichischen Seite
Nutzung Straßentunnel
Verkehrsverbindung 7 E 532 179 E532
Bundesstraße 310
Bundesautobahn 7
Fernpassstraße (B 179)
Ort Füssen
Länge 1284 m
Anzahl der Röhren 1
Größte Überdeckung 210 m
Fahrzeuge pro Tag 15.989 (davon 1397 LKW-ähnliche KfZ)(2022)<ref>Zählstelle Vils (Nr. 8187) B179 Fernpassstraße Jahr 2022, abgerufen auf Verkehrsinformation Tirol am 14. September 2023</ref>
Bau
Bauherr Bundesrepublik Deutschland
Bundesministerium für Verkehr
und
Republik Österreich
Bundesministerium für wirtschaftliche Angelegenheiten
Baubeginn Herbst 1995
Fertigstellung Sommer 1999
Planer ILF Beratende Ingenieure
Betrieb
Maut Deutsche Autobahnmaut ab Tunnelmitte (Bundesgrenze) für mautpflichtige Fahrzeuge über 3,5 Tonnen
Freigabe 24. Juli 1999
Lagekarte
Koordinaten
Nordportal 47° 34′ 3″ N, 10° 39′ 32″ O
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Südportal 47° 33′ 22″ N, 10° 39′ 22,3″ O
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Der Grenztunnel Füssen ist ein 1284 Meter langer grenzüberschreitender Basistunnel zwischen dem deutschen Kurort Füssen im bayerischen Kreis Ostallgäu und dem österreichischen Vils im Tiroler Bezirk Reutte, dessen Oströhre 1999 fertiggestellt wurde. Er unterquert den Falkensteinkamm unter dem Vilser Berg (1026 m ü. A.).

Der Tunnel besteht aus einer Röhre mit einem Fahrstreifen für jede Richtung. Vorwiegend sorgt er für eine Entlastung der Füssener Innenstadt, die vor der Fertigstellung vor allem vom Urlaubsreiseverkehr in Richtung Fernpass stark mit Lärm und Abgasen belastet wurde. Im Jahr 2011 passierten im Schnitt 14.707 Kraftfahrzeuge pro Tag den Tunnel, davon rund 16 % LKWs.<ref>Amt der Tiroler Landesregierung, Abt. Verkehrsplanung (Hrsg.): Verkehr in Tirol - Bericht 2011. Innsbruck 2012 (PDF; 1,5 MB)</ref>

Parallel zum Tunnelbau wurde auf deutscher Seite der Ausbau der Bundesautobahn 7 vorangetrieben. Seit September 2009 führt die A 7 bis zum nördlichen Tunnelportal nahe Füssen. Vor allem während des Urlaubsverkehrs – vornehmlich an Wochenenden – ist die auf österreichischer Seite liegende Fernpassstraße überlastet und führt zu Rückstaus in den Grenztunnel Füssen. Zur Vermeidung stehenden Verkehrs im Tunnel wird der Verkehr in Blockabfertigung abgewickelt, davon ist überwiegend die Fahrtrichtung Fernpass betroffen.

Bau

Datei:Grenztunnel Füssen Nordportal.jpg
Nordportal auf deutscher Seite

Initiiert wurde der Bau des Grenztunnels durch den Füssener Stadtrat Alfred Köpf, der in den späten 1960er Jahren Pläne zur Stadtentwicklung im damals noch weitgehend unbebauten Füssener Westen erarbeitete, die auch die nördliche Stadtumgehung und den Bau des Grenztunnels zum Anschluss der Bundesautobahn 7 an das internationale Verkehrsnetz beinhalteten.<ref>Füssener Ehrenbürger Alfred Köpf wird 95. In: merkur.de. 28. März 2023, abgerufen am 1. August 2024.</ref>

Der Tunnel wurde in den Jahren 1995 bis 1999 erbaut. Am 9. März 1996 ereignete sich beim Vortrieb ein unerwarteter Wassereinbruch mit einer Anfangsschüttung von etwa 400 l/s.<ref name="TUM">Kurosch Thuro, Gerhard Brugger, Friedrich Winkler: Ungewöhnliche geologische Verhältnisse und deren Bewältigung im Vortrieb des Grenztunnels Füssen. In: Felsbau 15 (1997), Nr. 6, S. 507–513 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF; 605 kB (Memento vom 15. Februar 2010 im Internet Archive))</ref> Durch sofort eingeleitete, umfangreiche vorauseilende Injektionsmaßnahmen konnte der Wasserzufluss so weit eingedämmt werden, dass eine Gefährdung der nahe der Tunneltrasse entspringenden Heilquelle Nothburga des Kurortes Bad Faulenbach und eine nachhaltige Beeinträchtigung des Grundwasserspiegels im naturgeschützten Faulenbachtal als Folge der Baumaßnahmen vermieden werden konnten. Dies führte jedoch dazu, dass der feierliche Tunneldurchschlag erst am 17. September 1997 mit einer Verzögerung von etwa neun Monaten gegenüber dem ursprünglichen Bauzeitplan erfolgte.

Der Bau eines südlichen Fluchtstollens und die betriebstechnische Nachrüstung an die aktuellen Erfordernisse technischer Regelwerke sind im April 2009 abgeschlossen worden.<ref name="ABS1">Autobahndirektion Südbayern, Dienststelle Kempten: Pressemitteilung Nr. 25/2008 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF; 46 kB (Memento vom 2. November 2013 im Internet Archive))</ref><ref name="ABS2">Autobahndirektion Südbayern, Dienststelle Kempten: Pressemitteilung Nr. 07/2009 (<templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />PDF; 49 kB (Memento vom 2. November 2013 im Internet Archive))</ref>

Im Zuge der in den 1970er-Jahren geplanten Autobahn von Ulm nach Mailand hätte der Tunnel eine zweite Röhre bekommen sollen. Die geplante Transitautobahn ist mittlerweile verworfen. Die zweite Röhre des Grenztunnels wird aber in verschiedenen Diskussionen vor Ort immer wieder gefordert. Eine Realisierung scheint aber unwahrscheinlich, da sich vor allem Österreich dagegen mit dem Verweis auf noch mehr Verkehr sperrt. Zudem wurde im Staatsvertrag von 1987 zwischen Deutschland und Österreich „ausdrücklich“ nur der Bau einer Röhre vereinbart.<ref name="RIS">Abkommen zwischen der Republik Österreich und der Bundesrepublik Deutschland über Bau, Instandhaltung und Betrieb eines Grenztunnels zwischen Reutte und Füssen</ref>

Weblinks

Commons: Grenztunnel Füssen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />