Grabstele von Niederdollendorf
Die Grabstele von Niederdollendorf wurde 1901 bei Bauarbeiten auf einem Fabrikgelände in Niederdollendorf (Stadtteil von Königswinter in Nordrhein-Westfalen) in einem beigabenlosen fränkischen Plattengrab gefunden. Eine systematische Ausgrabung fand nicht statt, auch eine genauere Dokumentation unterblieb. Entdeckt wurden dort noch weitere, beigabenlose Steinplattengräber. Die Sitte der Beigabenlosigkeit – oft in Steinplattengräbern – setzt sich im Rheinland in spätmerowingischer Zeit immer stärker durch. Wohl aus dem Gräberfeld sind noch andere Funde, Waffen, Schmuck und Gefäße aus Ton bekannt.
Das Stück ist heute im LVR-LandesMuseum Bonn ausgestellt<ref>Inventarnummer 14189</ref>.
Die Stele
Die 53 cm hohe, 22–25 cm breite und 16–19 cm dicke Stele aus Lothringer Kalkstein ist sowohl auf den vier Seiten wie auch auf der Oberseite verziert<ref>Fotos der vier Seiten und von oben bei Krause S. 140–143, siehe auch den Link zum 3-D Modell</ref>. Unten befindet sich ein Steinzapfen, der vermuten lässt, dass das Denkmal ursprünglich auf einem anderen Grab aufgestellt war und erst in Zweitverwendung in das Plattengrab gelangte.
Eine Seite trägt eine Darstellung im Hochrelief, diese wird in der Forschung als Vorderseite angesprochen. Es handelt sich um die Abbildung eines Mannes in Frontalansicht, nur die Füße weisen nach links. Er ist mit einem mit zwei Streifen versehenen Gewand bekleidet. Augen, Nase und Mund sind stark stilisiert, auf der linken Wange ist durch Ritzlinien ein Bart angedeutet. Mit der rechten Hand kämmt er sich mit einem einseitig gezahnten Kamm, mit der Linken umfasst er sein Schwert, das er quer vor dem Körper trägt. Die Schwertscheide ist mit einer Reihe von Punkten sowie einer seitlichen Linie verziert, auch der Griff trägt am Ende eine punktförmige Verzierung. Nach archäologischen Vergleichen handelt es sich dabei um ein einseitiges Hiebschwert, den Sax. Über dem Kopf des Mannes befindet sich eine zweiköpfige Schlange, eine weiter beißt in Richtung des Schwertgriffs. Neben dem Fuß steht eine runde Flasche mit zwei Henkeln. Die Grundform dieser Feldflaschen ist schon seit der Antike bekannt.
Auf der gegenüberliegenden Seite ist ein stilisierter stehender Lanzenträger abgebildet. Sein Haupt ist von einer Art Strahlenkranz (Nimbus) umgeben, auf der Brust befindet sich eingravierter Kreis. Unter den Füßen des Mannes befindet sich ein Flechtbandornament, im Hintergrund sowie unten ein Linienmuster.
Auf einer der Schmalseiten ist ein weiteres Flechtband abgebildet, welches in Tierköpfen endet (Tierstilornament). Die andere Schmalseite trägt außen getreppte Leiterbänder, in der Mitte eine Füllung aus winkelförmigen und einem annähernd pilzförmigen Ornament. Die Oberseite weist ein zentrales Feld mit einem Diagonalkreuz auf, dessen Mitte von einem Kreis gebildet wird. Auf zwei Seiten wird dieses Feld von je drei Diagonalkreuzen gesäumt.
Zur Datierung
Eine Datierung des Steins in die Merowingerzeit ist in der Forschung unstrittig. Die Form des Schwertes mit den Saxscheidenknöpfen und einem Endknopf deutet wohl frühestens auf eine Entstehung im späten 6. Jahrhundert hin. Auch die Flechtbandornamentik und die geometrischen Ornamente der Seiten sind auf Metallobjekten des ausgehenden 6. und 7. Jahrhunderts bekannt. Aufgrund der mutmaßlichen Zweitverwendung gelangte der Stein dann wohl noch einmal später unter die Erde.
Interpretation
Die Deutung der Motive auf dem Grabstein von Niederdollendorf ist in der Forschung umstritten. Das Motiv des Lanzenträgers lässt sich in der frühchristlichen Kunst eindeutig nachweisen. Ein frühmittelalterliches Ziegelfragment aus Gresin, heute im Musée d’Archéologie nationale in Saint-Germain-en-Laye zeigt einen Lanzenträger, der auch mit einem Schwert bewaffnet ist und auf einer Schlange steht. Die Abbildung auf dem Ziegel von Gresin wird als Darstellung Christi interpretiert<ref>Beschreibung des Ziegels aus Gresin mit Abbildung auf der Museumshomepage (französisch)[1]</ref>. Ein auf einer doppelköpfigen Schlange stehender Lanzenträger aus dem Durham-Manuskript aus Sutton Hoo ist durch die Beischrift als der biblische Daniel identifiziert<ref>Vgl. etwa Krause S. 148</ref>.
Auf dem Stein von Niederdollendorf selbst sind keine eindeutig christlichen Symbole (wie etwa Christogramme) angebracht worden, daher sehen Teile der Forschung auch keine zweifelsfrei christliche Deutung<ref>Vgl. etwa Ristow S. 383</ref>. Vor allem mit Bezug auf den Lanzenträger sind andere Stimmen jedoch von der christlichen Interpretation überzeugt<ref>Zusammenfassend etwa Krause S. 148</ref>.
In der älteren Forschung sind auch germanische Vorstellungen diskutiert worden, die jedoch erst in wesentlich späteren Quellen nachweisbar sind.
Auf der Grabstele von Niederdollendorf finden sich die Darstellung eines fränkischen Kriegers mit Gegenständen, für die Vergleiche aus archäologischen Funden bekannt sind. Der Bildinhalt des Lanzenträgers lässt einen christlichen Bezug zumindest vermuten. Die genaue Bedeutung mancher Elemente wie etwa der schlangenartigen Tiere ist noch nicht abschließend geklärt. Auch wenn einzelne Bildelemente wie die Flechtbandornamente aus dem Frühmittelalter bekannt sind, ist der Stein als Gesamtheit bislang einzigartig.
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Rückseite des Grabsteins
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Seitenansicht des Grabsteins
Literatur
- C. Krause: Der fränkische Grabstein von Niederdollendorf. In: Josef Engemann und Chr. B. Rüger: Spätantike und frühes Mittelalter. Kunst und Altertum am Rhein Band. 134, Köln 1991. S. 140–149.
- Manfred van Rey: Der fränkische Grabstein von Niederdollendorf. In: Manfred van Rey, Ansgar Sebastian Klein (Hrsg.): Königswinter in Zeit und Bild, Band I, 4. Teillieferung, Königswinter 1995.
- Günter Zehnder (Hrsg.): 100 Bilder und Objekte. Archäologie und Kunst im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Bonn 1999.
- Sebastian Ristow: Frühes Christentum im Rheinland. Die Zeugnisse der archäologischen und historischen Quellen an Rhein, Maas und Mosel. Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz/Aschendorff, Köln/Münster 2007. S. 382 f.
Weblinks
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- Informationen zur Grabstele von Niederdollendorf auf suehnekreuz.de
- Informationen zur Grabstele auf der Website des Kreises der Heimatfreunde Niederdollendorf (Archivversion der Seite auf archive.ph)
- 3D-Modelle der kompletten Grabstele bzw. des oberen, verzierten Teils
Einzelnachweise
<references />