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Grüne Stielzunge

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Grüne Stielzunge
Datei:2012-07-04 Microglossum viride (Schrad.) Gillet 233769.jpg

Grüne Stielzunge (Microglossum viride)

Systematik
Unterabteilung: Echte Schlauchpilze (Pezizomycotina)
Klasse: Leotiomycetes
Ordnung: Leotiales
Familie: Gallertkäppchenverwandte (Leotiaceae)
Gattung: Stielzungen (Microglossum)
Art: Grüne Stielzunge
Wissenschaftlicher Name
Microglossum viride
(Pers. : Fr.) Gillet

Die Grüne Stielzunge<ref name="Bollmann2007" /> (Microglossum viride, syn. Geoglossum viride und Leptoglossum viride) ist ein Schlauchpilz aus der Familie der Erdzungenverwandten. Sie wird manchmal auch als Grüne Erdzunge bezeichnet,<ref name="Bon2005" /> obwohl eigentlich die Vertreter der Gattung Geoglossum Erdzungen genannt werden.

Merkmale

Datei:2012-06-09 Microglossum viride (Schrad.) Gillet 228862.jpg
Junge Exemplare der Grünen Stielzunge haben ein hellgrünes Kopfteil.
Datei:2012-06-18 Microglossum viride (Schrad.) Gillet 228863.jpg
Mit Sporen gefüllte Schläuche der Grünen Stielzunge unter dem Lichtmikroskop

Makroskopische Merkmale

Der 1–6 cm hohen und 3–7 mm breite, feucht glänzende Fruchtkörper besteht aus einem schlanken, abgesetzten und sterilen Stielteil sowie einem zungen-, spatel- bis keulenförmigen, breitgedrückten und tief längsgefurchtem Kopfteil, der mit der sporenproduzierenden Fruchtschicht überzogen ist. Letzterer ist glatt und zunächst hellgrün, später spangrün gefärbt und kann manchmal auch ockerliche Töne aufweisen. Beim Eintrocknen dunkeln die Farben schwarzgrün nach. Der oft verbogene Stiel ist kleiig-schuppig besetzt, klebrig und hat eine grau-grünliche bis grün-blaue, zur Basis hin eine weißliche Farbe. Das untere Stielende ist oft mit anderen Fruchtkörpern verwachsen. Das brüchige und spangrüne Fleisch ist im Stielteil voll, im Kopfteil dagegen ausgehöhlt.<ref name="Hennig1986" /><ref name="Laux2001" />

Mikroskopische Merkmale

In den bis zu 150 Mikrometer langen und 10 µm breiten Schläuchen – die Spitzen lassen sich mit Iodlösung blau anfärben – reifen jeweils 8 Sporen heran. Die farblosen Ascosporen sind zylindrisch-spindelförmig, glatt, mit großen Öltröpfchen gefüllt und besitzen bei Reife 3(–4) Querwände.<ref name="Hennig1986" /><ref name="Laux2001" /> Sie werden 22–35 µm lang und messen in der Breite 4–6 µm – Marcel Bon gibt die Maße 15–23 × 4–6 µm an.<ref name="Bon2005" /> Die Schläuche sind mit schmalen, verzweigten und an der Spitze leicht verdickten sterilen Zellfäden untermischt und bilden zusammen die Fruchtschicht.<ref name="Dennis1978" />

Artabgrenzung

Datei:2012-01-09 Microglossum olivaceum (Pers.) Gillet 194616 crop.jpg
Die Olivbraune Stielzunge wächst auf Wiesen und Halbtrockenrasen.

Die Olivbraune Stielzunge (M. olivaceum) kann ebenfalls grünliche Farben aufweisen, wächst aber auf naturbelassenen Wiesen und Halbtrockenrasen. Von den Erdzungen (Geoglossum) unterscheiden sich die Stielzungen in der Sporenfarbe: Erstere sind bräunlich gefärbt, Zweitere hyalin.<ref name="Laux2001" />

Ökologie und Phänologie

Datei:Tributary of Milton Brook - geograph.org.uk - 1045770.jpg
Zu den typischen Standorten der Grünen Stielzunge gehören zum Beispiel feuchte Bereiche entlang von Bachläufen.

Die Grüne Stielzunge wächst zerstreut in Laubwäldern auf dem Erdboden zwischen Gräsern und Moosen an feuchten Stellen wie z. B. an Bachrändern. Die Fruchtkörper erscheinen von September bis November.<ref name="Hennig1986" />

Verbreitung und Gefährdung

Die Art ist in weiten Teilen Europas, aber auch in Asien und Nordamerika in Höhenlagen von bis zu 2650 Meter gefunden worden. In Baden-Württemberg gilt sie als „potenziell gefährdet“,<ref name="Winterhoff1984" /> in Bayern und der bundesweiten Ausgabe der Roten Liste sogar als „stark gefährdet“.<ref name="Hahn2010" /><ref name="Paetzold2010" />

Literatur

  • Werner Rothmaler: Exkursionsflora für Deutschland. 3. Auflage. Band 1: Niedere Pflanzen. Fischer, Jena 1994, ISBN 3-334-60827-1, S. 283.

Einzelnachweise

<references> <ref name="Bollmann2007"> Achim Bollmann, Andreas Gminder, Peter Reil: Abbildungsverzeichnis europäischer Großpilze. In: Jahrbuch der Schwarzwälder Pilzlehrschau. 4. Auflage. Band 2. Schwarzwälder Pilzlehrschau, 2007, ISSN 0932-920X (inkl. CD). </ref> <ref name="Bon2005"> </ref> <ref name="Dennis1978"> Richard William George Dennis: British Ascomycetes. J. Cramer, Vaduz 1978, ISBN 3-7682-0552-5. </ref> <ref name="Hahn2010"> Peter Karasch, Christoph Hahn: Rote Liste gefährdeter Großpilze Bayerns. Stand November 2009. Hrsg.: Bayerisches Landesamt für Umwelt [LfU]. Augsburg 2010. </ref> <ref name="Hennig1986"> Bruno Hennig, Hans Kreisel, Edmund Michael: Nichtblätterpilze (Basidiomyzeten ohne Blätter, Askomyzeten). In: Handbuch für Pilzfreunde. 3. Auflage. Band 2. VEB Gustav Fischer, Jena 1986. </ref> <ref name="Laux2001"> Hans E. Laux: Der große Kosmos-Pilzführer. Alle Speisepilze mit ihren giftigen Doppelgängern. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2001, ISBN 3-440-08457-4. </ref> <ref name="Paetzold2010"> Walter Pätzold u. a.: Rote Liste gefährdeter Großpilze in Deutschland. Hrsg.: Bundesamt für Naturschutz [BfN]. Bonn. </ref> <ref name="Winterhoff1984"> Wulfard Winterhoff, German Josef Krieglsteiner unter Mitarbeit von Xaver Finkenzeller, Gerhard Gross, Hans Haas, Dieter Knoch, Doris Laber und Helmut Schwöbel: Rote Liste der Großpilze Baden-Württembergs. 2. Fassung, Stand 31.1.1984. Hrsg.: LUBW Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg. Karlsruhe 1984 (fachdokumente.lubw.baden-wuerttemberg.de). </ref> </references>

Weblinks

Commons: Grüne Stielzunge (Microglossum viride) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien