Gothaer Versicherungsbank
| Gothaer Versicherungsbank VVaG
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|---|---|
| colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Gothaer.svg | |
| Rechtsform | Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit |
| Gründung | 2. Juli 1820 |
| Sitz | Köln, Deutschland |
| Leitung | Oliver Schoeller, CEO |
| Mitarbeiterzahl | 4.985 (2021)<ref name="GB2021">Gothaer Konzern: Geschäftsbericht 2021. (PDF) Abgerufen am 20. Dezember 2022.</ref> |
| Umsatz | 4,69 Mrd. EUR (2021)<ref name="GB2021"/> |
| Branche | Versicherungswesen |
| Website | www.gothaer.de |
Die Gothaer Versicherungsbank VVaG (kurz Gothaer) ist ein deutsches Versicherungsunternehmen. Der Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit hat seinen Sitz in Köln. Seit 2024 gehört die Gothaer zur BarmeniaGothaer Gruppe, die sie gemeinsam mit dem Versicherungsverein Barmenia führt.
Geschichte
Eine erste „Gothaer Feuer-Versicherungs-Bank“ entstand im Jahr 1779,<ref>Hans-Ulrich Wehler: Deutsche Gesellschaftsgeschichte. 2005, S. 118</ref> sie wurde im Jahr 1820 vom Kaufmann Ernst-Wilhelm Arnoldi in der namengebenden Stadt Gotha als erster deutscher Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit nach englischem Muster umgegründet.<ref>Julia Caroline Scherpe: Das Prinzip der Gefahrengemeinschaft im Privatversicherungsrecht. 2011, S. 64</ref> Arnoldi veröffentlichte im März 1817 einen „Vorschlag zu einem Bunde unter den deutschen Fabriken“, der auf die Gründung eines gesamtdeutschen Industrieverbandes abzielte, aber auch Gedanken zur gemeinschaftlichen Feuerversicherung enthielt. Während einer Geschäftsreise fand Arnoldi in Köln 1818 im Bauschutt einen großen Boracit, der ihn auf die Idee einer Feuerversicherung brachte.<ref>Ernst Wilhelm Arnoldi zum 175. Geburtstag. In: Monatsblätter Gothaer Feuer, Nr. 1, 1953, S. 5</ref> Mehrere Gothaer Firmen unterschrieben am 18. August 1818 seine Vorschläge zur Errichtung einer Feuerversicherungsbank, am 2. Juli 1820 beschloss man die Satzung – das war nach damaligem Gothaer Recht der Gründungstag. Am 9. Juli 1827 genehmigte Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg-Gotha den Plan zur Errichtung einer Lebensversicherungsbank für Deutschland, im Januar 1902 erfolgte deren Umfirmierung in Gothaer Lebensversicherungsbank auf Gegenseitigkeit.
Zwischen dem 5. Mai und 8. Mai 1842 gab es mit dem Hamburger Brand den ersten Großschaden für die Gothaer. Durch den Flächenbrand wurde Hamburgs Innenstadt vernichtet. Die Gothaer Feuer, damals hauptbetroffene deutsche Feuerversicherung, zahlte innerhalb von drei Jahren rund 1,4 Mio. Taler als Entschädigungssumme. Erstmals – und zugleich letztmals – mussten die Mitglieder 93 % des Jahresbeitrags als Nachschuss zahlen. Ein mehrtägiger Brand in Memel stellte am 4. Oktober 1854 die Gothaer Feuer erneut auf die Probe, als 800.000 Taler Entschädigung zu zahlen waren. Ein Nachschuss wurde zwar nicht erhoben, jedoch entfiel für dieses Jahr die Beitragsrückerstattung. Die „Gothaer Lebensversicherungsbank“ entwickelte 1868 ein spezielles Formular für die ärztliche Untersuchung (Gesundheitszeugnis).<ref>Peter Koch, Geschichte der Versicherungswissenschaft in Deutschland, 1998, S. 178</ref> Im Jahr 1878 versicherte die Bank bei 150.000 Mitgliedern eine Summe von 2,7 Mrd. Mark bei einer Beitragsrückvergütung von 80 %. Das Geschäft wurde durch 950 Agenturen belebt. Erstmals nahm die Gothaer Feuer eine Rückversicherung. Als erster Gegenseitigkeitsverein trat 1883 die Gothaer Feuer dem Verband Deutscher Privat-Feuerversicherungs-Gesellschaften bei und 1900 dem Prämienkartell der in Deutschland arbeitenden Privat-Feuerversicherungsgesellschaften. Die versicherten Summen erreichten 1913 eine Höhe von 7,4 Mrd. Mark bei einer Rückvergütung von 74 %. Für das sich entwickelnde Kraftfahrzeuggeschäft wurde 1924 die Gothaer Allgemeine Versicherungs-Aktiengesellschaft gegründet und die Gothaer Transport in Köln angesiedelt. Die Unternehmen waren mit gegenseitigen Beteiligungen untereinander verflochten, erstmals sprach man vom „Gothaer“-Konzern. Die Gothaer Feuer übernahm 1940 die Gothaer Kraftfahrzeug- und Transportversicherung AG und wurde somit erstmals ein Kompositversicherer, gleichzeitig wurde die Gothaer Transportversicherung in Gothaer Transport- und Rückversicherung AG umbenannt.<ref name=Hax >Details bei Karl Hax: 50 Jahre Gothaer Transport- und Rückversicherung AG 1923–1973. [Köln 1974].</ref> Im Februar 1945 kam es infolge des Kriegs zur Zerstörung des Gothaer Versicherungsgebäudes.
Zentralisierung nach Köln
Mit dem Besatzungswechsel im Juli 1945 begann das wohl entscheidende Kapitel in der Geschichte Gothas. Dies kam auf dem in Gotha abgehaltenen ersten Vereinigungsparteitag von KPD und SPD zur SED im April 1946 zum Ausdruck. Der „antifaschistisch-demokratischen Umwälzung“ fielen unter anderem die beiden Gothaer Versicherungsbanken zum Opfer. Sie sahen sich gezwungen, ihren Sitz nach Köln und Göttingen zu verlegen. Nachdem die Gothaer Feuerversicherung im sowjetisch besetzten Gotha wegen Verstaatlichung des Versicherungswesens im Jahr 1945 nicht mehr zum Geschäftsbetrieb zugelassen wurde, verlegte sie ihren Geschäftssitz am 8. April 1946 nach Köln<ref>William L Evenden: Deutsche Feuerversicherungs-Schilder. 1989, S. 204</ref> und bezog als „Gothaer Feuerversicherung“ eine ehemalige, 1888 fertiggestellte Villa am Kaiser-Wilhelm-Ring Nr. 23–25. Ihren Sitz hatte sie bereits 1943 hierhin verlegt,<ref>Handbuch der deutschen Aktiengesellschaften, Band 48, Teil 6, 1943, S. 5631</ref> während gleichzeitig die Lebensversicherung nach Göttingen wechselte. Zwischen 1946 und 1950 wurden die Bestände der Dresdner Feuerversicherung übernommen, die das gleiche Schicksal wie die Gothaer traf.
Wachstumsphase
Durch Erwerb kleinerer Versicherungen und Gründung eigener Gesellschaften wuchs der Gothaer-Konzern stetig. Im Jahr 1957 beteiligte er sich an der Roland Rechtsschutzversicherung, im Januar 1961 gründete er die Kölnische Sachversicherung AG, 1965 erwarb er eine Beteiligung an der Aachener Bausparkasse, 1967 an der Nothilfe Krankenversicherung VaG. Im Jahr 1968 kam es zur Bildung der Gothaer Versicherungsgruppe durch die Gothaer Leben/Gothaer Allgemeine (Göttingen) und Gothaer Feuer/Gothaer Transport und Rück (Köln) unter wechselseitiger Beteiligung der Muttergesellschaften an den Tochterunternehmen (jeweils 26 % des Aktienkapitals).<ref name=Hax /> 1980 entstand die Gothaer Krankenversicherung AG. Im Januar 1991 verlegte die Gothaer Allgemeine ihren Sitz ebenfalls nach Köln.
Dieses Wachstum hatte Auswirkungen auf den Kölner Standort, so dass Architekt Paul Petry zwischen 1994 und 1996 Neubauten auf dem ehemaligen Pohlig-Industriegelände in Köln-Zollstock, Gothaer Allee 1–3, errichtete. Der im Juli 1997 mit der Berlin-Kölnischen Versicherung unter dem Namen „Parion“ gebildete Gleichordnungskonzern wurde im September 2001 auf die Kölner Gothaer Versicherungsbank verschmolzen, die Gothaer Lebensversicherung verlegte im Januar 2006 ebenfalls ihren Geschäftssitz nach Köln-Zollstock (Arnoldiplatz 1). Damit sind alle Stammgesellschaften und die Konzernzentrale in Köln ansässig. Die ehemalige Hauptverwaltung Göttingen verlor infolgedessen ihren Status und wurde ein Standort Göttingen. Neben einigen allgemeinen Verwaltungsbereichen verblieb ein Teil des operativen Geschäfts der Gothaer Kranken- und Lebensversicherung am Standort Göttingen.<ref>Gothaer-Chronik über den Standort Göttingen</ref>
Am 31. Januar 2008 wurden Planungen über eine mögliche Fusion des Gothaer Konzerns mit der Schweizer Bâloise bekannt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Financial Times Deutschland, 31. Januar 2008 ( vom 3. Februar 2008 im Internet Archive) abgerufen am 16. Februar 2008</ref> Am 15. Februar 2008 wurden die Verhandlungen für gescheitert erklärt, da sich die Konzerne nicht über die kommerziellen Rahmenbedingungen einigen konnten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein. abgerufen am 16. Februar 2008</ref>
2024 schloss sich die Gothaer mit der Barmenia zur BarmeniaGothaer zusammen. Offiziell vollzogen wurde der Zusammenschluss, nach Genehmigung durch das Bundeskartellamt und die BaFin, im September 2024.<ref>Michael Fiedler: Barmenia und Gothaer planen Fusion. In: Versicherungsbote. 29. September 2023, abgerufen am 12. Februar 2026.</ref>
Geschäftsfelder
Die Konzerngesellschaften bieten über ihren angestellten und selbstständigen Außendienst, über Makler sowie über den Direktvertrieb Versicherungsprodukte aus den Sparten Schaden/Unfall, Kranken und Leben an. Die Gothaer versichert Industrie-, Firmen- und Privatkunden. Ein weiteres Geschäftssegment ist das Kapital- und Anlagegeschäft.
Der gesamte Gothaer-Konzern gehört mit 4,52 Milliarden Euro Beitragseinnahmen und rund 4,1 Millionen versicherten Mitgliedern (Stand: Mai 2020) zu den größten deutschen Versicherungsunternehmen. Die größte Gesellschaft des Konzerns ist die Gothaer Allgemeine Versicherung AG mit Beitragseinnahmen von rund 2,15 Milliarden Euro (Geschäftsjahr 2019). Seit 1992 ist der Finanzvertrieb A.S.I. Wirtschaftsberatung AG in den Gothaer Konzern eingebunden.<ref>Unternehmensgeschichte - A.S.I. Wirtschaftsberatung AG. Abgerufen am 26. März 2026.</ref> Die IT der Gothaer wird seit 1994 von der Gothaer Systems gepflegt.
Die Gothaer lagerte 2005 einen Teil der Antragsbearbeitung in die Gothaer Kunden-Service-Center GmbH (GKC) aus. Auch diese Gesellschaft mit Sitz in Köln-Mülheim war nicht im Arbeitgeberverband. Gleichzeitig wurden die Niederlassungen Berlin, Dortmund und Frankfurt geschlossen. Ca. 370 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. In der Umstellungsphase schob das GKC Medienberichten zufolge 200.000 Geschäftsvorfälle vor sich her. Ursache sei die hoffnungslose Überforderung der Mitarbeiter gewesen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Callcenter verärgert Gothaer-Kunden ( vom 3. August 2013 im Internet Archive)</ref><ref>Call-Center verärgert Gothaer-Kunden</ref> 2011 wurde eingestanden, dass man falsche Prioritäten gesetzt hat und auch die Kostenziele nicht eingehalten werden konnten.<ref>Trendgespräche 2011: Wohin die Reise geht. Abgerufen am 26. März 2026.</ref> Die Gothaer erwarb die MLP Versicherung AG und benannte die Gesellschaft in Janitos Versicherung AG mit Sitz in Heidelberg um. 2005 wurde auch das Industriegeschäft der Inter Allgemeine Versicherung AG übernommen.
Standorte
Die Gothaer hat seit vielen Jahrzehnten ihre Hauptverwaltung und seit einigen Jahren alle Stammgesellschaften in Köln-Zollstock angesiedelt. Hier sind die Gothaer Versicherungsbank VVaG, die Gothaer Allgemeine Versicherung AG, die Gothaer Lebensversicherung AG und die Gothaer Krankenversicherung AG auf dem ehemaligen Industriegelände der J. Pohlig AG beheimatet. Hinter dem Begriff „Pohlig-Gelände“ in Zollstock verbergen sich das ehemalige Gelände der PHB-Weserhütte (42.840 m²), der Tapetenfabrik Flamersheim (22.855 m²) sowie Bahngelände (4.604 m²) und Handwerksbetrieb Marmor Hammes (3.380 m²).<ref>Geographisches Institut der Universität zu Köln, Kölner geographische Arbeiten, Ausgaben 71–72, 1999, S. 88</ref>
Weitere Standorte befinden sich in Göttingen sowie in Hamburg, Stuttgart (Kompetenzcenter Unternehmerkunden) und in Berlin (Gothaer Schaden-Service-Center). Im Zuge der Zentralisierung des Konzerns verlieren diese aber zunehmend an Bedeutung. Bundesweit ist die Gothaer an über 30 Standorten mit einer Vertriebs- und/oder einer Maklerdirektion vertreten.
Unternehmensstruktur
Die Gothaer Versicherungsbank VVaG ist ein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, gehört also den Versicherungsnehmern. Gemeinsam mit der Barmenia steht die Gothaer der 2024 gegründeten BarmeniaGothaer vor.<ref name="Versicherungsmagazin">BarmeniaGothaer: Es ist vollbracht. In: versicherungsmagazin.de. 4. September 2024, abgerufen am 12. März 2026.</ref> Die Gothaer hält 64 % an der Versicherungsgruppe. Die Satzung schreibt Parität vor, Entscheidungen werden also im Einvernehmen getroffen.<ref>Bastian Hebbeln: Was auf Gothaer und Barmenia nach der Fusion zukommt. In: private-banking-magazin.de. 26. August 2024, abgerufen am 12. März 2026.</ref>
Kritik
Im Juni 2013 wurde die Kritik laut, dass die Gothaer den Tarifwechsel innerhalb der privaten Krankenversicherung systematisch blockiere. Das Unternehmen würde Kunden, die in einen günstigeren Tarif wechseln wollen, verunsichern und nicht ausreichend informieren.<ref>PKV: Gothaer, Signal, Allianz behindern Tarifwechsel. Spiegel Online, abgerufen am 31. Oktober 2013.</ref> Das Unternehmen hat diese Kritik zurückgewiesen. Alle Punkte, die im Beratungsverlauf wichtig sind, würden angesprochen. „Dazu gehören insbesondere die Bedarfssituation des Kunden, auch Hinweise zu Auswirkungen von Tarifwechseln.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Gothaer bezieht Stellung zu Kritik ( vom 2. November 2013 im Internet Archive) abgerufen am 31. Oktober 2013.</ref>
Weblinks
- gothaer.de – Offizielle Website der Gothaer
- Frühe Dokumente und Zeitungsartikel zur Gothaer Versicherungsbank in den Historischen Pressearchiven der ZBW
Einzelnachweise
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Koordinaten: 50° 54′ 55,3″ N, 6° 56′ 22,7″ O
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