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Goldenes Dreieck (Asien)

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Hauptanbaugebiet von Opium
Datei:Goldenes Dreieck.jpg
Mekong am Goldenen Dreieck

Das Goldene Dreieck ist eine Region im Grenzgebiet der Staaten Laos, Thailand und Myanmar, in der Schlafmohn (Papaver somniferum) angebaut und zu Heroin verarbeitet wird. Seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan, das traditionell für 80–85 % der weltweiten illegalen Opiumproduktion verantwortlich ist<ref>Afghan opiates supply 8 out of 10 opiate users worldwide, UNODC finds, as experts meet in Vienna to combat illicit trafficking. Abgerufen am 20. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>, haben strikte Drogenverbote die Produktion bis zu 95 % eingeschränkt<ref>Afghanistan opium cultivation in 2023 declined 95 per cent following drug ban: new UNODC survey. Abgerufen am 20. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>.

Seit 2023 gilt das Goldene Dreieck, insbesondere der Shan-Staat in Myanmar, derzeit als der weltweit größte Produzent illegalen Opiums<ref>United Nations Office on Drugs and Crime: Myanmar Opium Survey 2024 (PDF)</ref>. Jährlich wird dort mit geschätzten 1,000 bis 1,010 Tonnen doppelt so viel Opium produziert wie in Afghanistan<ref>Myanmar remains a world’s leading source of opium and heroin. Abgerufen am 20. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>.

Begriff

Das Goldene Dreieck ist ein Synonym für die Opium- bzw. Heroinherstellung und den Drogenhandel in Südostasien.<ref>Opium control in Asia: "like emptying ocean with a teacup'. In: Christian Science Monitor. ISSN 0882-7729 (csmonitor.com [abgerufen am 1. November 2024]).</ref><ref>NICK B. WILLIAMS Jr: Opium-Plagued Thailand Fights New Problem: Pot. 27. Dezember 1986, abgerufen am 1. November 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>https://nsarchive2.gwu.edu/NSAEBB/NSAEBB284/6-UNDERCOVER_ARMIES.pdf Seite 163 (182 im PDF)</ref> Der Begriff stammt aus dem Jahr 1971<ref>United States Congress Senate Committee on Armed Services: Committee Prints. 1967 (google.com [abgerufen am 1. November 2024]).</ref> und geht auf die geometrische Form der ein Dreieck bildenden Länder Myanmar, Thailand, und Laos zurück.

Lage

Datei:Mae Salong.jpg
Mae Salong mit Teeplantagen, Provinz Chiang Rai, Nordthailand.

Lage und Größe des Goldenen Dreiecks werden sehr unterschiedlich beschrieben, was vor allem daran liegen mag, dass dem Schlafmohnanbau räumlich und zeitlich keine festen Grenzen zugeordnet werden können. Einigkeit besteht darin, dass der Kern durch das Dreiländereck gebildet wird.

Während die thailändische Tourismusindustrie die Mündung (20° 21′ 20″ N, 100° 4′ 53″ OKoordinaten: 20° 21′ 20″ N, 100° 4′ 53″ O

 {{#coordinates:20,355611111111|100,08147222222|primary
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  }}) des Ruaks in den Mekong beim Dorf Sop Ruak (Amphoe Chiang Saen) als Goldenes Dreieck vermarktet, umfasst das Goldene Dreieck nach anderen Quellen ein sehr viel größeres Gebiet, dem neben dem Norden Thailands und Laos’ und dem Osten Myanmars (Shan-Staat) u. a. Mong La, häufig auch das südchinesische Grenzgebiet zu Myanmar und Laos (Xishuangbanna, Provinz Yunnan) und sogar der Nordwesten Vietnams zugerechnet wird.

Dieses Gebiet wird überwiegend von tibetobirmanisch-, Hmong-Mien-, Mon-Khmer- und Tai-sprachigen Ethnien besiedelt, die sich in ihrem Lebensstil deutlich von der Mehrheitsbevölkerung der jeweiligen Staaten unterscheiden und zum Teil als „Bergvölker“ (bzw. in Laos als Lao Soung oder Lao Theung) bezeichnet werden. Der US-amerikanische Politologe und Anthropologe James C. Scott zählt diese Region zu Zomia, womit er die Hochländer Südostasiens bezeichnet, die eine sehr hohe ethnische und sprachliche Vielfalt aufweisen und deren Bewohner sich lange Zeit der Kontrolle durch die umliegenden Staaten entzogen haben.<ref>James C. Scott: The Art of Not Being Governed. An Anarchist History of Upland Southeast Asia. Yale University Press, 2009.</ref>

Schlafmohnanbau

Datei:Akha man with opium pipe.jpg
Akha-Mann mit Opiumpfeife.

Der Schlafmohnanbau im Goldenen Dreieck geht auf die Einwanderung der verschiedenen Ethnien aus China zurück. Er hat bei mehreren Ethnien dieser Region eine lange Tradition. Besonders ältere Leute rauchen Opium als in der Gesellschaft akzeptiertes Genussmittel. Bei den Hmong ist Opium auch schon immer zum Handel erzeugt worden, anfänglich nur für den chinesischen Markt. Später kauften die Franzosen während ihrer Kolonialherrschaft in Indochina den Hmong Opium in großen Mengen ab.

Nach dem Sieg der Kommunisten unter Mao Zedong über die Kuomintang kamen viele Chinesen in die angrenzenden Länder, darunter auch ein ganzes Kuomintang-Regiment ins thailändisch-burmesische Grenzgebiet um den heutigen Ort Mae Salong, die auf der Suche nach Einkommensmöglichkeiten den Drogenhandel weiter ankurbelten.

Südostasiens Rolle als Opiumproduzent stieg durch die Unterdrückung des Mohnanbaus in China und Iran in den fünfziger Jahren weiter an (siehe z. B. die Operation X der GCMA).

Seinen notorischen Ruf als Hochburg der Opium- und Heroinherstellung erlangte das Goldene Dreieck während des Vietnamkriegs, als einerseits der Absatzmarkt für Rauschmittel sprunghaft anstieg und andererseits Gelder aus dem Drogenhandel von der CIA zur Finanzierung verbündeter Armeen, z. B. Hmong-Armee in Laos, verwendet wurden. Die Rauschmittelproduktion stieg aber auch nach dem Ende des Vietnamkriegs bis Ende der achtziger Jahre weiter an (siehe z. B. Khun Sa), eine Folge der verstärkten Nachfrage im Westen.

Die Regierungen der Staaten um das Goldene Dreieck gehen auf verschiedene Weise und mit unterschiedlicher Schärfe gegen den Mohnanbau vor. In Thailand ist der Anbau illegal und das Land hat ihn in seinen Nordprovinzen weitestgehend eindämmen können. Dazu beigetragen haben vor allem der Tourismus, der den Bergvölkern neue Einnahmequellen erschlossen hat (Trekking, Kunsthandwerk), und die gezielte Förderung von Tee- und Kaffee-Anbau (z. B. in Mae Salong). Parallel dazu ist der thailändische Norden mit neuen Straßen und Flugplätzen erschlossen worden, was Polizei und Militär nun eine viel bessere Kontrolle über die Gegend erlaubt.


Im wesentlich ärmeren Laos trifft man im Norden sehr viel häufiger auf Einheimische mit Opiumpfeife. Das Land versucht allerdings ebenso den Tourismus anzukurbeln und kann dabei einige Erfolge aufweisen (z. B. Luang Prabang). In Hotels, Wats, Restaurants, Trekking- und Tour-Agenturen finden ausländische Besucher Hinweise zum Kontakt mit den Bergvölkern, die neben verschiedenen anderen Verhaltensmaßregeln auch dazu auffordern, auf gar keinen Fall selber Opium zu rauchen, da der Effekt besonders auf die einheimische Jugend desaströs ist.

Diese Bemühungen der Nachbarstaaten führten somit dazu, dass Myanmar der größte Opiumerzeuger des Goldenen Dreiecks wurde.

Heroinherstellung

Im September 1992 veröffentlichte die US-amerikanische Drug Enforcement Administration (DEA) unter dem Außenministerium der USA den Bericht "Worldwide Heroin Situation 1991"<ref>Worldwide Heroin Situation 1992. (PDF; 5,2 MB) In: Office of Justice Programs. U.S. Department of Justice, September 1992, abgerufen am 20. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>. Der Bericht, der zusammen mit dem "Office of Intelligence" und der Abteilung für Heroinuntersuchung der DEA angefertigt wurde, beschreibt detailliert die zu deren Zeit typischen Schritte der Heroinherstellung von der Ernte des Rohopiums bis zum Endprodukt im Goldenen Dreieck.

Rohopium und Opium

Demnach bepflanzt ein durchschnittlicher Opiumbauer im Goldenen Dreieck gegen Ende der traditionellen Regenzeit im September eine Fläche von etwa 0,5 ha, was im Mittel rund 50.000 Schlafmohnpflanzen ergibt. Dadurch kann im Februar des folgenden Jahres mit der Ernte begonnen werden, wenn die Pflanzen ausgereift sind. Etwa zwei Wochen nachdem die Blütenblätter von den inzwischen angeschwollenen Kapseln abgefallen sind, ritzt der Bauer jede Kapsel mit einem Werkzeug mit drei oder vier Klingen in diagonalen Schnitten etwa 1 mm tief ein. Dies geschieht meist am Nachmittag, damit der weiße, latexartige Rohopiumsaft über Nacht an die Oberfläche der Kapsel austreten kann.

Anschließend schabt der Anbauer die Absonderung mit einem gebogenen Werkzeug von jeder Kapsel ab und gibt sie in ein Gefäß. Dieser Vorgang wird bis zu sechsmal wiederholt, bis die Kapsel erschöpft ist und keine Flüssigkeit mehr absondert. Jede Kapsel liefert bis zu 80 mg Rohopium; das Feld von 0,5 ha ergibt insgesamt im Durchschnitt zwischen 4 und 8 kg.

Das gesammelte Opium enthält einen hohen Wasseranteil, daher lässt der Bauer es mehrere Tage in der heißen Sonne trocknen, da sein Wert mit sinkendem Wassergewicht pro Kilogramm steigt. Danach wird es in standardisierte Blöcke von 1,6 kg geschnitten und in Plastik verpackt, um es an Opiumhändler zu verkaufen.

Morphin

Zur Umwandlung von Opium in Morphin werden etwa 15 kg Rohopium mit ca. 113 Litern (30 Gallonen) Wasser in ein 208 Liter umfassende Ölfass gegeben. Unter dem Fass wird ein Feuer entfacht, um die Lösung zum Kochen gebracht. Nachdem sich das Opium gelöst hat, schwimmen nicht lösliche Bestandteile wie (z. B. Pflanzenreste) auf der Oberfläche und können abgeschöpft werden. Anschließend wird Calciumhydroxid zugesetzt, um das hydrophobe Morphin in wasserlösliches Calciummorphenat zu überführen. Andere Alkaloide werden dabei zu Schlamm.

Nach dem Abkühlen wird der Inhalt durch einen Filter (etwa einen Jutesack) in einen Topf gegossen. Die gefilterte Flüssigkeit wird erneut bis knapp unter den Siedepunkt (190 °C) erhitzt. Ammoniumchlorid wird zugegeben, um den pH-Wert auf 9 einzustellen. Danach wird die Flüssigkeit einige Stunden abgekühlt, wobei die allmähliche Morphinbase aus der Lösung tritt und sich am Boden des Topfes absetzt. Die Flüssigkeit wird daraufhin durch einen Filter abgegossen; dabei aufgefangene Stücke werden wieder in den Topf zurückgegeben. Die verbleibenden Feststoffe werden ausgeschabt und in der Sonne getrocknet, bis sie sich in ein kaffeefarbenes Pulver verwandeln. Am Ende dieses Vorgangs entsteht eine rohe Morphinbase. Diese wird anschließend in Salzsäure gelöst, danach mehrfach aufgekocht und filtriert, bevor sie zu 1,3-kg-Ziegeln gepresst und aus dem Hochland zu Heroinverarbeitungslaboren transportiert wird.

Heroin

Die Ziegel aus Morphinhydrochlorid werden zu Pulver zerkleinert und in einen Topf mit Essigsäureanhydrid gegeben. Der Topf wird etwa zwei Stunden lang bei leichter Siedetemperatur erhitzt; dabei gehen Morphin und das Anhydrit eine chemische Bindung ein, wodurch eine unreine Form von Diacetylmorphin (Heroin) entsteht.

Danach werden Wasser und Holzkohle zugesetzt. Nach dem Umrühren wird die Flüssigkeit durch einen Filter in einen neuen Behälter abgeseiht. Natriumcarbonat wird in heißem Wasser gelöst und anschließend langsam hinzugegeben, wodurch die Heroinbase am Boden des Behälters ausfällt. Diese wird herausfiltriert und eine Stunde lang in einem Dampfbad getrocknet. Aus 455 g Morphin lassen sich auf diese Weise etwa 311 g rohe Heroinbase gewinnen, die anschließend an ein Labor weitergeleitet, das sich auf die Herstellung von purem Heroin spezialisiert hat.

Heroin Number 3

Heroin wird in verschiedenen Qualitätsstufen produziert. So entsteht das weniger reine "Heroin Number 3" durch das Vermischen der rohen Heroinbase mit Salzsäure, wodurch Heroinhydrochlorid entsteht, das eine Reinheit von (teilweise weit) unter 40 % aufweist und laut des US-amerikanischen National Institut for Health (NIH) für den Konsum ungeeignet ist, dennoch oft als "Chinese heroin" oder "brown sugar" verbreitet ist<ref>The Supply of Illicit Drugs to the United States, Report (PDF), U.S. Department of Justice, 1991</ref> und lediglich durch Rauchen konsumiert wird. Streckmittel wie Koffein oder Chinin werden in einem Verhältnis von eins zu eins zugesetzt, und die feuchte Paste wird unter Rühren über einem Dampfbad bis zur Trocknung erhitzt. Das daraus resultierende trockene Heroin Nummer 3 liegt als dunkelbraune, grobe Klumpen vor, wird in 1-kg-Plastikbeutel abgefüllt und anschließend an Großhändler im Schmuggel weiterverkauft.

Heroin Number 4

Heroin Nummer 4, das von hoher Qualität ist (über 80 % rein) und typischerweise für den Konsum durch intravenöse Injektion ins Ausland exportiert wird, wird durch das Vermischen der rohen Heroinbase mit Wasser und Essigsäureanhydrid hergestellt. Nach dem Verrühren wird eine kleine Menge Chloroform zugegeben. Nach etwa 20 Minuten sinken Verunreinigungen auf den Boden des Behälters, oben schwimmt eine rote, fettige Schicht, und die hellgelbe Wasserschicht in der Mitte wird vorsichtig in einen sauberen Behälter abgegossen. Holzkohle wird eingerührt, und die Flüssigkeit wird anschließend durch einen Filter in einen neuen, sauberen Topf gegossen.

Dieser Vorgang wird wiederholt, bis die Flüssigkeit klar wird. Natriumcarbonat wird in heißem Wasser gelöst und dann langsam zugegeben, wodurch die Heroinbase am Boden des Behälters ausfällt. Diese wird herausfiltriert und eine Stunde lang unter Dampf getrocknet. Das resultierende trockene Heroin Nummer 4 liegt als sehr weißes, feines Pulver vor, das anschließend zu 350-g-Blöcken gepresst und in Plastik verpackt wird. Diese werden danach an Großhändler im Schmuggel verkauft.

Siehe auch

Literatur

  • Ko-Lin Chin: The Golden Triangle. Inside Southeast Asia’s drug trade. University Press, Ithaca, N.Y. 2009, ISBN 978-0-8014-7521-4.
  • Christopher R. Cox: Chasing the dragon. Into the heart of the Golden Triangle. Holt Publ., New York 1996, ISBN 0-8050-3863-9.
  • Paul & Elaine Lewis: Peoples of the Golden Triangle. Six tribes in Thailand. Thames & Hudson, London 1984, ISBN 0-500-97472-1.
  • Alfred W. McCoy: Die CIA und das Heroin. Weltpolitik durch Drogenhandel („The politics of heroin“). Verlag Zweitausendeins, Frankfurt/M. 2003, ISBN 3-86150-608-4.
  • Alfred W. McCoy, Alan A. Block (Hrsg.): War on Drugs. Studies in the Failure of U.S. Narcotics Policy. Westview Press, Boulder, Col. 1992, ISBN 0-8133-8551-2.
  • Ronald R. Renard: The Burmese connection. Illegal drugs and the making of the Golden Triangle. Rienner Books, Boulder, Col. 1996, ISBN 1-55587-618-8 (Studies on the impact of the illegal drug trade; 6).

Weblinks

Wiktionary: Goldenes Dreieck – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

<references />