Goethegymnasium (Hannover)
Das ehemalige Königliche<ref name="LeMo">Sandy Apelt: Theo Lingen. Tabellarischer Lebenslauf im LeMO (DHM und HdG)</ref> Goethegymnasium (auch: Goethe-Gymnasium oder Lyzeum II) in Hannover war ein Gymnasium für Jungen.<ref name="Hannover Chronik">Dieter Brosius: Goethegymnasium, In: Hannover Chronik, S. 133, 148; online über Google Books</ref> Standort war die Goethestraße in der Calenberger Neustadt.<ref>siehe Ansichtskarte</ref>
Geschichte
1870 begann die schon seit 1828 geplante Erweiterung Hannovers, als in der Calenberger Neustadt der letzte Rest des Stadtgrabens – Teil der ehemaligen Stadtbefestigung Hannover – zugeschüttet<ref name="Denkmaltopographie">Ilse Rüttgerodt-Riechmann: Die nordwestliche Vorstadt Glocksee, In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 1, Bd. 10.1, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesamt – Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege, Braunschweig/Wiesbaden: Friedr. Vieweg & Sohn, ISBN 3-528-06203-7, S. 94f.</ref> und darüber hinweg die Goethestraße angelegt wurde.<ref>Helmut Zimmermann: Goethestraße, In: Die Straßennamen der Landeshauptstadt Hannover, Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 94</ref> Nun konnte 1871 das Lyzeum II gegründet werden<ref name="Hannover Chronik" /> als Abspaltung des traditionsreichen Lyzeums (dem späteren Ratsgymnasium).<ref>Dieter Brosius: Goethegymnasium, in Geschichte der Stadt Hannover, Band 2 – Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, hrsg. von Klaus Mlynek und Waldemar R. Röhrbein, schlütersche, Hannover 1994, ISBN 3-87706-364-0, S. 386</ref> Das von dem Fotografen Karl Friedrich Wunder um 1898 aufgenommene und als Ansichtskarte Nummer „217“ dokumentierte Schulgebäude an der Goethestraße<ref>Datei:Karl F. Wunder PC 0217 Hannover, Göthestraße mit Lyzeum II.jpg</ref> wurde jedoch erst später, 1888/89<ref name="Denkmaltopographie" /> bis 1890 errichtet nach Plänen des Architekten Paul Rowald.<ref>Klaus Siegner: Rowald, Paul (1850–1920), In: Laves und Hannover. Niedersächsische Architektur im neunzehnten Jahrhundert, hrsg. von Harold Hammer-Schenk und Günther Kokkelink (revidierte Neuauflage der Publikation Vom Schloss zum Bahnhof...), Ed. Libri Artis Schäfer, 1989 (582 S.), ISBN 3-88746-236-X, S. 569</ref>
Noch Anfang des 20. Jahrhunderts diente das spätere Goethe-Gymnasium auch als Vor- und Grundschule, die ab Ostern 1901 beispielsweise durch Ernst Jünger besucht wurde.<ref name="Kiesel">Ernst Kiesel: Ernst Jünger. Die Biographie, 1. Auflage, München: Siedler, 2007, ISBN 978-3-88680-852-6 und ISBN 3-88680-852-1; Vorschau über Google Books</ref>
1907 wurde das Gymnasium vom Staat übernommen. Nachdem der Rat der Stadt Hannover 1912 beschlossen hatte, den Begriff „Lyzeum“ für die bisherigen Höheren Mädchenschulen zu verwenden, wurde das Lyzeum I in Ratsgymnasium umbenannt, das Lyzeum II in Goethegymnasium.<ref name="Hannover Chronik" />
Kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde das Gymnasium 1933 zur Sammelstelle für diejenigen Bücher, die der Bücherverbrennung in Hannover an der Bismarcksäule zum Opfer fallen sollten.<ref>Rainer Hoffschildt: Die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933, In: Olivia. Die bisher geheime Geschichte des Tabus Homosexualität und der Verfolgung der Homosexuellen in Hannover. Verein zur Erforschung der Geschichte der Homosexuellen in Niedersachsen, Hannover 1992, Selbstverlag, ISBN 3-9802909-0-5, S. 87ff.</ref>
Durch die Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude in der Goethestraße zerstört, auf dem Grundstück wurde in den Wiederaufbaujahren das Eichamt errichtet.<ref name="Denkmaltopographie" />
Personen
Schulleiter
- Wilhelm Wiedasch, Lehrer ab 1871, erster Direktor des Lyceums II, Autor<ref>Programm des neu errichteten Städtischen Lyceums II. am Kleverthor zu Hannover für das Schuljahr von Ostern 1871–1872, Hannover: Friedrich Culemann, 1872; Digitalisat</ref>
Lehrer
- Adolf Ey (1844–1934), Lehrer ab 1871, Schriftsteller<ref>Hugo Thielen: Ey, (1) Karl Julius Adolf, in Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 112</ref>
- Lutz Korodi (1867–1954), Lehrer und Politiker, ungarischer Reichstagsabgeordneter
- Hugo Rabe (1867–1932), Lehrer 1897–1915 (Reifeprüfung ebenda 1885), Klassischer Philologe
- Hans Gossen (1884–1946), Lehrer 1928–1935, Klassischer Philologe
- Albert Herrmann (1886–1945), Gymnasiallehrer, Geografiehistoriker
- Rudolf Hoffmann (1889–1958), Lehrer 1944–1945, Historiker
Schüler
- Wilhelm Polstorff (1843–1906), Gymnasiallehrer, Publizist und Satiriker
- Christian Wilhelm Berghoeffer (1859–1938), Bibliothekar
- Adolf Ulrich (1860–1889), Archivar im Stadtarchiv Hannover<ref name="HBL Ulrich">Klaus Mlynek: Ulrich, (1) Adolf und Ulrich, (2), Oskar In: Hannoversches Biographisches Lexikon S. 366</ref>
- Oskar Ulrich (1862–1946), Lehrer und Direktor der Höheren Töchterschule II und III in Hannover<ref name="HBL Ulrich" />
- Julius Blanck (1865–1930), Fonds- und Wechsel-Makler, Bankier, Autor und Herausgeber sowie Mäzen
- Wilhelm Feise (1865–1948), Philologe, Lehrer und Autor<ref>Vergleiche u. a.: Franz Kössler: Feise, Wilhelm Georg Ernst, In: Personenlexikon von Lehrern des 19. Jahrhunderts, Berufsbiographien aus Schul-Jahresberichten und Schulprogrammen 1825–1918 mit Veröffentlichungsverzeichnissen, Band: Faber – Funge, Vorabdruck (Preprint), Stand: 18. Dezember 2007, Universitätsbibliothek Gießen, Giessener Elektronische Bibliothek, 2008; online als PDF-Dokument</ref>
- Klaudius Bojunga (1867–1949), Germanist, Pädagoge, Schulleiter und Fachautor
- Wilhelm Vöge (1868–1952), Kunsthistoriker<ref>Erwin Panofsky und Ernest C. Hassold: Wilhelm Vöge. A Biographical Memoir. In: Art Journal. Vol. 28, No. 1, (1968), S. 27–37</ref>
- Friedrich Wilhelm von Rauch (1868–1899), Premierleutnant beim Potsdamer 1. Garde Regiment zu Fuss, Militärgouverneur und Erzieher der Söhne Kaiser Wilhelms II. und der Kaiserin Auguste Viktoria im Prinzenhaus Plön
- Wilhelm Spiegelberg (1870–1930), Ägyptologe
- Arnold Freyer (1872–1960), Abitur 1890, Jurist und Landgerichtsdirektor am Landgericht Hannover
- Rudolf Herzfeld (1872–1939), Reifezeugnis 1931, Regierungsbaumeister, Erfinder und Bankier
- Max Meyerhof (1874–1945), Augenarzt und Medizinhistoriker
- Börries von Münchhausen (1874–1945), Schriftsteller und Lyriker<ref>Sammy Gronemann: Erinnerungen. Aus dem Nachlass herausgegeben von Joachim Schlör, Philo 2002, S. 49 f.</ref>
- Alfred Gildemeister (1875–1928), Abitur 1896, Politiker (DVP), Reichstagsabgeordneter, Mitglied der Bremischen Bürgerschaft
- Sammy Gronemann (1875–1952), Rechtsanwalt, Schriftsteller, Sohn des Rabbiners Selig Gronemann<ref>Peter Schulze: Gronemann, (1) Sammy. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 135, online über Google Books</ref>
- Friedrich Meyenberg (1875–1949), Ingenieur und Hochschullehrer<ref>Herbert Mundhenke (Bearb.): Die Matrikel der Höheren Gewerbeschule, der Polytechnischen Schule und der Technischen Hochschule zu Hannover ( = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, Band 9, Abt. 6), Band 2: 1891 – 1911, Hannover: Hahnsche Buchhandlung 1991, ISBN 3-7752-5854-X, S. 420</ref><ref>o. V.: Meyenberg, Friedrich Ludwig in der Datenbank Niedersächsische Personen in der Version vom 28. September 2012, zuletzt abgerufen am 27. September 2025</ref>
- Karl Schwering (1879–1948), Verwaltungsbeamter
- Paul Madsack (1881–1949), Journalist, Maler, Schriftsteller und Jurist
- Bernhard Rust (1883–1945), Politiker (NSDAP), preußischer Kultusminister und Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung<ref>Guido Janthor: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kurzbiographie Rust, Bernhard ( des Vorlage:IconExternal vom 5. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., für das Webprojekt Mahnmale-aus-Stein.de vom 24. Dezember 2003, als PDF-Dokument</ref>
- Albrecht Schaeffer (1885–1950), Schriftsteller
- Karl Jakob Hirsch (1892–1952), Künstler und Schriftsteller, sowie dessen Zwillingsbruder Gottfried Hirsch<ref>Heiko Postma: Der Autor des Geistes. Karl Jakob Hirsch – Autor des „Kaiserwetter“, Nachwort in Karl Jakob Hirsch: Kaiserwetter. Roman, 6. Auflage, Hannover: jmb-Verlag, 2014, ISBN 978-3-940970-98-5, S. 267–288; hier: S. 273</ref>
- Ernst Jünger (1895–1998), Schriftsteller<ref name="Kiesel" />
- Ludolf Haase (1898–1972), Politiker (NSDAP), Mediziner
- Pauline Kühle (1898–1972), Abitur 1914, Politikerin (CDU), Mitglied des Niedersächsischen Landtages, Mitglied des Ernannten Niedersächsischen Landtages und Mitglied des Ernannten Hannoverschen Landtages
- Christoph Hackethal (1899–1942), katholischer Geistlicher, im KZ Dachau umgekommen<ref>Klaus Mlynek: Hackethal, (1) Christoph Bernhard Wilhelm, in Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 144</ref>
- Adolf Katz (1899–1980), Abitur 1917, Jurist, Politiker (NSDAP), Reichstagsabgeordneter, Generalmajor der Waffen-SS.
- Bernhard Sprengel (1899–1985), Fabrikant und Kunstmäze
- Kurt Dehne (1901–1990), römisch-katholischer Priester und Jesuit
- Gustav Mensching (1901–1978), Religionswissenschaftler
- Erwin Spiegelberg (1901–1938), Reifeprüfung 1919, Chemiker
- Theo Lingen (1903–1978), Schauspieler, Regisseur und Buchautor<ref name="LeMo" />
- Herbert Röhrig (1903–1977), Heimatforscher, Jurist, Kaufmann und Vorsitzender des Niedersächsischen Heimatbundes
- Werner Kreipe (1904–1967), Abitur 1922, General der Flieger der Wehrmacht und vorletzter Generalstabschef der Luftwaffe
- Josef Augstein (1909–1984), Strafverteidiger
- Ernst J. Eichwald (1913–2007), Emigrant, Pathologe
Goetheschule
1955 ging aus der Sophienschule die heutige Goetheschule hervor mit den beiden Standorten Franziusweg 43 in Hannover-Nordstadt.<ref>Hans Kammel: Goetheschule, In: Stadtlexikon Hannover, S. 224</ref> Die Schwerpunkte der Goetheschule sind Naturwissenschaften, Musik und Theater. Besonders am Gymnasium Goetheschule ist der Musikzweig (seit 25 Jahren) und der freiwillige Ganztagsbetrieb, sowie die Austauschprogramme und die Hochbegabtenförderung.<ref name="test-1">Info-Flyer als PDF für das Schuljahr 2013/2014 (nicht mehr abrufbar). – Vgl. Flyer 2019 (PDF), Website der Goetheschule.</ref> Im Abiturjahrgang 2013 hatte die Goetheschule stadtweit die meisten Abiturienten. Mit exakt 128 erfolgreich abgelegten Abiturprüfungen belegte sie den Spitzenplatz vor der St.-Ursula-Schule (125) und der IGS Mühlenberg (124).<ref name="test-2"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Goetheschule: Spitze in Hannover ( vom 2. Oktober 2013 im Internet Archive), Website der Goetheschule 2013</ref>
Literatur
- Programm des neu errichteten Städtischen Lyceums II. am Kleverthor zu Hannover für das Schuljahr von Ostern 1871–1872, Hannover: Friedrich Culemann, 1872; Digitalisat
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Vorlage:Navigationsleiste Gymnasien in Hannover Koordinaten: 52° 22′ 24,4″ N, 9° 43′ 30,2″ O
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