Glasdachfabrik Eberspächer
Firmengeschichte
Der Flaschnermeister Jakob Eberspächer (1840–1899)<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Archivierte Kopie ( des Vorlage:IconExternal vom 6. Oktober 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> hatte am 9. Juli 1865<ref name="EGLA">http://www.eberspaecher.com/unternehmen/historie.html</ref> in der Esslinger Webergasse seinen Betrieb gegründet, der sich bald auf metallgefasste Dachverglasungen spezialisierte. Vom Sheddach ausgehend, wurden zahlreiche Fenster- und Verglasungsformen entwickelt. Um 1900 wurden die ersten Maschinen mit elektrischem Antrieb verwendet; Eberspächer hatte zu diesem Zeitpunkt rund 80 Mitarbeiter. Schon 1913 oder 1914 zog man auf das neue Werks- und Verwaltungsgelände am Bahnhof Oberesslingen um. Die erste ausländische Niederlassung wurde 1913 in Wien gegründet. 1925 war die Zahl der Mitarbeiter auf 350 gestiegen und Eberspächer lieferte europaweit Glasdächer für Bahnhöfe, Fabrikhallen und Hangars. 1928 wurden Niederlassungen in Tschechien, Polen und Italien eröffnet. Aus dem Jahr 1929 stammt die Verglasung des Mailänder Bahnhofes.
Ab 1928 wurden auch Automobilschalldämpfer und ab 1933 Heizungen für Automobile bei Eberspächer entwickelt und produziert. Ebenso Abgasanlagen und Verkleidungen für Flugzeugmotore. Deren Entwicklung und Nullserie verblieb in Esslingen, die Serienfertigung erfolgte im neu gegründeten Zweigwerk in Leipzig. Dort hatte Eberspächer bereits seit 1918 eine „Metallfenster GmbH“.
Rüstungsproduktion in Leipzig
In 1935 kam vom Oberbefehlshaber der Reichsluftwaffe die Weisung, die Flugzeugteile in neuen Fertigungsstätten in Leipzig zu fertigen. Diese Erweiterung wurde vom Reichsluftfahrtministerium als „geheime Kommandosache“ geführt und mit Krediten von mehreren Hunderttausend Reichsmark finanziert. In der Markranstädter Straße wurde mit neuen Maschinen eine rationelle Serienfertigung aufgebaut. Im August 1936 legte der Generalluftzeugmeister die Lieferung von 545 Auspuffsammlern fest. Prallel wurden – bei einem Personalbestand von 12 Angestellten und 70 Arbeitern – Schalldämpfer und Pressteile für Kfz-Motore gefertigt. In 1939 beschäftigte man 600 Mitarbeiter; 1943 waren es 1000. Auch im August wurde das Nachbargrundstück erworben und der Ausbau dank Garantien des Reichsluftfahrtministeriums und Subventionen weiter vorangetrieben. Der Umsatz lag 1936 bei 350.000 Reichsmark (RM), der Gewinn 1937 bei 104.000 RM. In 1944 betrug der Umsatz 38,8 Mio. RM und der Gewinn 8,7 Mio. RM. Aus Beutebeständen erwarb man 1944 zwei Bandsägen, eine Presse und zwei Elektroschweißapperate aus Frankreich und fünf weitere Maschinen aus Tschechien. Im Februar 1944 zerstörten Luftangriffe die Fertigungsanlagen und die Rüstungskommission Va ordnete schließlich die Gesamtverlagerung nach Ebingen in die stillgelegte Textilfabrik Gottlieb Ott an. Zur Tarnung erhielt diese Produktion den Decknamen Fritz Kuby GmbH Ebingen.<ref>Siehe bei Elisabeth Timm, S. 116 ff.</ref>
Einsatz von Zwangsarbeitern
In Leipzig wurden über 600 Zwangsarbeiter aus Belgien, Italien (Militärinternierte), UDSSR, Ungarn und Polen eingesetzt. Sie waren untergebracht in vier Lagern: Dem Lager "Sella" in der Gaststätte "Winters Kaffeegarten", dem Lager "Wema" oder "Volkspark" in der Antonienstraße (ca. 320 Personen) und im "Schloßweg" (ca. 300 Personen). In Ebingen stieg die Zahl der Beschäftigten auf 250. Der Anteil der Zwangsarbeiter lag bis Kriegsende stets bei ca. 70 %. Sie waren im "Gemeinschaftslager Bleuel" untergebracht.<ref>Siehe bei Elisabeth Timm, S. 116 f.</ref>
Nach Kriegsende
Die Eberspächer GmbH in Leipzig wurde am 15. Januar 1946 der Stadtverwaltung Leipzig unterstellt und durch einen öffentlichen Treuhänder übernommen. Mit ca. 275 Beschäftigten wurden Waggonreparaturen durchgeführt.
In 1960 wurde die Metallwarenfabrik Neunkirchen übernommen. 1965 erfolgte eine Dreigliederung es Unternehmens in die Bereiche Hochbau, Schalldämpfer und Heizungen. 1973 wurde in Kanada Espar Products gegründet, 1977 eine Niederlassung in Großbritannien. Ab den 1980er Jahren wurden weitere Produktionswerke in zahlreichen Ländern eingerichtet; Eberspächer war im Jahr 2011 auf vier Kontinenten und in 26 Ländern präsent.<ref>http://www.eberspaecher.com/unternehmen/historie.html</ref>
Da die Bereiche Schalldämpfer und Heizungen sich stärker entwickelt hatten als die Abteilung Hochbau, wurde 2003 der Baubereich von Eberspächer in die Eberspächer Glasbau GmbH & Co. KG (EGLA) ausgegliedert. Diese war eine 100%ige Tochter von J. Eberspächer. 2004 zog sie nach Köngen um. Im Zuge von Management-Buy-Out übernahmen im Jahr 2006 leitende Mitarbeiter 74 % der Anteile. Die restlichen 26 % blieben bei J. Eberspächer.<ref name="EGLA" /> Der Verkauf der verbliebenen 26 % Anteile an EGLA erfolgte am 8. April 2009.
Glaselemente
Bedachungen und andere Glaselemente von Eberspächer finden sich etwa am Verwaltungsgebäude der Hochtief in Frankfurt, auf der City-Galerie in Aschaffenburg, der Dreispitzpassage in Berlin, am Betriebsgebäude der EnBW in Altbach, an der Polizeidirektion in Erlangen, dem Verwaltungsgebäude der Deutschen Telekom in Frankfurt, dem Garbsener Rathaus, dem Berliner Johnson-Haus, dem Hochregallager von Villeroy & Boch in Merzig, dem Porsche-Zentrum in Mannheim, dem Düsseldorfer Hauptbahnhof, dem Flughafen München, dem Motorenwerk Daimler-Chrysler in Stuttgart und zahlreichen anderen Bauten.<ref name="EGLA" />
Fabrikgebäude
Das Gebäude mit den Postadressen Hauffstraße 6, Heugasse 33 und Zwerchstraße 12 in Esslingen am Neckar war das erste eigenständige Gebäude der Glasdachfabrik Eberspächer.
Das Fabrikgebäude für Eberspächer wurde von Hermann Falch entworfen und in mehreren Bauphasen nordöstlich der Esslinger Altstadt errichtet. Die zweigeschossige Werkhalle wurde im Jahr 1900 erbaut. Ihre Fassade weist Sichtziegelmauerwerk und eingetiefte Putzfelder auf. Bis 1910 wurde das Bauwerk nach Osten erweitert. Als Spezialist für kittlose Verglasungen ließ Eberspächer die Dachlandschaft des Baus entsprechend gestalten und mehrere Glasdachoberlichter einsetzen. Der westliche Gebäudeteil wurde in den Jahren 1910 bis 1924 angebaut. Er enthielt Wohn- und Büroräume auf drei Geschossen. Im zweiten Obergeschoss sind Jugendstilfenster vorhanden. Das Bauwerk wird inzwischen für Büros, Geschäfte und Ateliers genutzt.
Literatur
- Andrea Steudle u. a., Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmale in Baden-Württemberg. Band 1.2.1. Stadt Esslingen am Neckar, Ostfildern 2009, S. 287, ISBN 978-3-7995-0834-6.
- Elisabeth Timm: Zwangsarbeit in Esslingen 1939-1945, Jan Thorbecke Verlag Ostfildern, 2008, S. 113 ff, ISBN 978-3-7995-0821-6.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
Koordinaten: 48° 44′ 32,2″ N, 9° 18′ 44,6″ O
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