Glänzende Wiesenraute
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| Glänzende Wiesenraute | ||||||||||||
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| Datei:Thalictrum lucidum.jpg
Glänzende Wiesenraute (Thalictrum lucidum), Illustration | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Thalictrum lucidum | ||||||||||||
| L. |
Die Glänzende Wiesenraute (Thalictrum lucidum), auch Glanz-Wiesenraute genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Wiesenrauten (Thalictrum) innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Ihr Vorkommen ist eng an Flusstäler und Auen gebunden. Das gelbe Erscheinungsbild der Pflanze beruht auf der gelben Farbgebung der Staubblätter.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Die Glänzende Wiesenraute wächst als sommergrüne, ausdauernde krautige Pflanze,<ref name="BiolFlor" /> die Wuchshöhen von 60 bis 120 Zentimetern erreicht. Als Speicherorgan besitzt sie ein kurzes, nichtkriechendes Rhizom, welches keine unterirdischen Ausläufer bildet<ref name="Adler">Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich, S. 265ff.</ref>. Wie für einen Hemikryptophyten typisch, befinden sich die Erneuerungsknospen in unmittelbarer Nähe der Erdoberfläche. Da sich die Sprossachse in einen gestauchten rosettenbildenden und einen gestreckten laubblatttragenden Abschnitt gliedert wird die Glänzende Wiesenraute den Halbrosettenpflanzen zugeordnet<ref name="BiolFlor" />. Der unverzweigte, vierkantige Stängel ist glänzend.<ref name="forst">Gerhard K. Stinglwagner, Ilse E. Haseder, Reinhold Erlbeck: Das Kosmos Wald- und Forstlexikon, S. 963</ref><ref name="portal">Steckbrief zur Art im Pflanzenportal</ref>
Die sieben bis zehn wechselständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert.<ref name="finn">Steckbrief zur Art bei Naturegate</ref> Die Blattspreite ist zwei- bis vierfach unpaarig gefiedert.<ref name="finn" /> Es sind keine Nebenblätter vorhanden<ref name="bio">Info zur Art bei Floraweb</ref>, ebenso bilden die Blättchen keine Nebenblättchen aus<ref name="roth">Werner Rothmaler: Exkursionsflora von Deutschland, Grundband, S. 131ff.</ref>. Die Spreite der Fiederblättchen ist länger als breit und linealisch-lanzettlich zugeschnitten. Die genaue Form der Blättchen ist von der Stellung der Blätter am Stängel abhängig. Die Blättchen der untersten Blätter besitzen eine länglich-ovale Form<ref name="finn" />. Die Blättchen der mittleren Stängelblätter sind eiförmig bis länglich; die Relation von Länge zu Breite entspricht hier in etwa dem Verhältnis 1:2 bis 1:4. Die Blättchen der obersten Stängelblätter variieren in der Form von lanzettlich über länglich-keilförmig bis schmal-linealisch; ihre Länge beträgt mehr als das fünffache der Breite.<ref name="Adler" /> Die Spreite der Blättchen ist gewöhnlich ungeteilt<ref name="roth" />, kann jedoch auch gelappt sein<ref name="Adler" />. Der Rand weist manchmal an der Spitze eine zwei- bis dreifache Zähnung auf<ref name="finn" />. Die Oberseite der Blättchen besitzt eine dunkelgrüne glänzende Farbgebung, die hellgrüne Unterseite weist entlang der Nerven eine feine Behaarung auf<ref name="finn" />.
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli (August). Die Blüten sind in ausladenden, dichtblütigen, arm- oder reichästigen rispigen Blütenständen zusammengefasst. Die aufrechten, nicht überhängenden Rispen sind vom Umriss her eiförmig. An ihren Zweigenden sitzen die Blüten dicht gedrängt. Die Blüten sind in den Rispen aufrecht gerichtet.<ref name="Adler" />
Die duftenden Blüten sind gelbgrün. Die radiärsymmetrischen, zwittrigen Blüten der Glänzenden Wiesenraute besitzen eine einfache Blütenhülle. Da die Kronblätter fehlen, bilden gewöhnlich vier Kelchblätter das Perigon. Das einzelne gelbgrünliche Perigonblatt wird etwa 4 bis 5 Millimeter lang. Die Perigonblätter sind sehr hinfällig. Häufig fallen sie bereits während des Aufblühens ab<ref name="Adler" /><ref name="roth" /> Die in Vielzahl vorhandenen Staubblätter sind auffallend deutlich länger als die Perigonblätter<ref name="portal" />. Sie besitzen aufrecht abstehende, weißlich- bis grüngelbe Staubfäden. Diese sind unterhalb der Staubbeutel nicht verdickt. Die stumpfen Staubbeutel zeigen eine gelbe Farbgebung<ref name="Adler" />. Die Blüte der Glänzenden Wiesenraute besitzt mehrere, oberständig stehende, freie Fruchtblätter, die in ihrer Gesamtheit ein choricarpes Gynoeceum bilden. Fruchtknoten und Griffel sind nicht klebrig, der Griffel ist bisweilen hakig gebogen<ref name="roth" />.
Aus jedem der Fruchtblätter entwickelt sich nach der Befruchtung ein Nüsschen, aus denen in ihrer Gesamtheit die Frucht besteht<ref name="roth" />. Die Nüsschen sind aufrecht sitzend, können jedoch an ihrer Basis bisweilen annähernd gestielt sein<ref name="roth" />. Sie sind elliptisch gestaltet, ihr Querschnitt entspricht der Form eines Sterns. Ihre matte, glatte Oberfläche ist von acht bis zehn Längsrippen durchzogen. Die Kantenbildung ist schwach ausgeprägt<ref>Daniel Günther: Archäobotanik der Pfahlbausiedlung Konstanz-Staad Hörlepark, Seite 34.</ref>. Die Ausbreitung der Diasporen wird über den Wind und Wasser sichergestellt.<ref name="roth" /><ref name="roth2" /> Zur Keimung sind sie auf Kälte angewiesen.<ref name="roth2">Rothmaler: Exkursionsflora von Deutschland, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, Berlin, 20. Auflage 2011, Seite 309 f., ISBN 978-3-8274-1606-3</ref>
Chromosomenzahl
Die Glänzende Wiesenraute besitzt einen tetraploiden Chromosomensatz mit 2n = 28, bei einer Chromosomengrundzahl von 7<ref name="BiolFlor" />.<ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie
Blütenökologie
Bei den zwittrigen Blüten der Glänzenden Wiesenraute reifen die weiblichen Geschlechtsorgane -Griffel und Narbe- vor den männlichen Fortpflanzungsorganen, den Staubbeuteln. Dieser Mechanismus, botanisch Proterogynie genannt, fördert Fremdbestäubung im Vergleich zur Selbstbestäubung<ref name="roth" />.
Die Glänzende Wiesenraute verfügt über verschiedene Strategien, die Bestäubung sicherzustellen: Zum einen übernehmen Insekten die Bestäubung. Die Glänzende Wiesenraute bietet keinen Nektar an, verfügt jedoch über ein reichliches Pollenangebot. Signalwirkung für Bestäuber besitzen bei reduzierter Blütenhülle die gelben Staubfäden und Duftstoffe. Als typische Bestäuber fungieren kurzrüsselige Bienen, Schwebfliegen, Echte Fliegen und Käfer<ref name="BiolFlor" />. Auch über den Wind wird Pollen übertragen. Unterstützt wird die Windbestäubung durch die langen Staubfäden und das reichliche Pollenvorkommen<ref name="roth" />. Die Windbestäubung wird im Verhältnis zur Insektenbestäubung auch als sekundäres Merkmal interpretiert, also einen Übergang von Insektenbestäubung zu Windbestäubung, wobei für beide Bestäubungsformen typische Merkmale nebeneinander vorkommen<ref>Dieter Heß: Systematische Biologie, S. 97, 136ff.</ref>. Zusätzlich zur Wind- und Insektenbestäubung besitzt die Glänzende Wiesenraute die Möglichkeit der Selbstbestäubung<ref name="roth" />.
Synökologie
Die Glänzende Wiesenraute gilt als Futterpflanze für die Raupen der Wiesenrauten-Goldeule (Lamprotes c-aureum) und des Wiesenrauten-Blattspanners (Perizoma sagittata). Beide Arten gelten nach der Roten Liste als stark gefährdet. Sie sind oligophag auf Wiesenrautenarten existenziell angewiesen<ref>Die Glänzende Wiesenraute als Raupenfutterpflanze Eintrag bei FloraWeb</ref>.
Vorkommen
Verbreitung
Das Areal der Glänzenden Wiesenraute erstreckt sich über Mittel- und Osteuropa bis in die Türkei. Seine nördliche Grenze findet es in Südfinnland. Die Westgrenze der Vorkommen bilden die mitteleuropäischen Standorte.<ref name="portal" />
Im Einzelnen sind im gemäßigten Asien Bestände in der Türkei belegt. In Mitteleuropa zieht sich das Areal durch Österreich, die Tschechoslowakei, Deutschland, Ungarn und Polen. In Osteuropa ist die Glänzende Wiesenraute in Belarus, dem europäischen Teil der Russischen Föderation, angrenzend mit nördlichen Vorposten in Südfinnland, Est- und Lettland, Litauen sowie der Ukraine nativ. In Südwesteuropa erreichen die Vorkommen Albanien, Bulgarien, das frühere Jugoslawien, Griechenland und Rumänien.<ref name="GRIN" />
In Deutschland ist die Glänzende Wiesenraute mit zerstreuten Beständen in Südost-Bayern, Nordwest- und Ost-Sachsen sowie im nördlichen Teil Sachsen-Anhalts belegt. Seltene Vorkommen sind aus Mittel- und Ost-Brandenburg wie auch Ost-Niedersachsen bekannt. In Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen gilt die Glänzende Wiesenraute als ausgestorben.<ref name="roth" /><ref name="roth2" /> In Österreich ist die Glänzende Wiesenraute in fast allen Bundesländern mit zerstreuter oder seltener Bestandsdichte vertreten, lediglich aus Vorarlberg sind keine Funde belegt. Im pannonischen Gebiet gelten die Vorkommen gefährdet<ref name="Adler" />.
Standorte
Die Glänzende Wiesenraute gilt als Stromtalpflanze<ref name="roth" />. Eine auf Deutschland bezogene Untersuchung stellt fest, dass 55 % bis 70 % der Vorkommen im Bereich von Flussauen zu finden sind<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Untersuchung zu Stromtalpflanzen in Deutschland ( vom 4. Januar 2015 im Internet Archive)</ref>. Ihr Hauptvorkommen besitzt die Glänzende Wiesenraute in nassen, nährstoffreichen Flachmoorwiesen und basenreichen nassen bis wechselfeuchten Wiesen. Bruch- und Auenwälder zählen zu den Nebenvorkommen<ref name="roth" />.
Pflanzensoziologie
Die Glänzende Wiesenraute gilt als Kennart des Verbands Mädesüß-Hochstaudenfluren (Filipendulion Seg. 1966) und besitzt ein Hauptvorkommen in den Verbänden Eutrophe Feuchtwiesen (Calthion Tx. 1937), Wechselfeuchte Pfeifengraswiesen (Molinion caeruleae W.Koch 1926) und Hartholzauenwälder (Alno-Ulmion Br.-Bl. et Tx. 1943)<ref name="bio" />.
Systematik
Die Erstveröffentlichung von Thalictrum lucidum L. erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus 1, S. 546<ref name="bio" /><ref>Erstveröffentlichung von Linné eingescannt bei Biodiversitylibrary.</ref>. Als Synonym zu Thalictrum lucidum L. besteht Thalictrum angustifolium L.<ref name="GRIN" />
Gefährdung
Trotz rückläufiger Entwicklung der mitteleuropäischen Vorkommen gilt die Glänzende Wiesenraute in ihren Beständen im zentraleuropäischen Bereich als ungefährdet. Nach der Bundesartenschutzverordnung, FFH-Richtlinie und der Berner Konvention liegt kein Schutzstatus vor<ref name="bio" />. Bezogen auf Deutschland und Österreich gilt die Art als gefährdet<ref name="bio" /><ref name="Adler" />, auch in Finnland wird eine Bestandsgefährdung angenommen<ref name="finn" />. Die ausbleibende Überflutung von Auen wird als wesentliche Ursache für die Gefährdung der Bestände angesehen<ref name="bio" />.
Quellen
Literatur
- Werner Rothmaler: Exkursionsflora von Deutschland. Grundband. Spektrum Akademischer Verlag, Berlin 2002, ISBN 3-8274-1359-1.
- Gerhard K. Stinglwagner, Ilse E. Haseder, Reinhold Erlbeck: Das Kosmos Wald- und Forstlexikon. 3. Aufl. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2005, ISBN 3-440-10375-7.
- Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.
- Daniel Günther: Archäobotanik der Pfahlbausiedlung Konstanz-Staad Hörlepark. Subsistenz in der Urnenfelderzeit. Grin-Verlag, München 2005, ISBN 978-3-640-36488-6.
- Dieter Heß: Systematische Biologie. Ulmer Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-8252-2673-5 (UTB; 2673).
Einzelreferenzen
<references> <ref name="BiolFlor"> Glänzende Wiesenraute. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland. </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. S. 420. </ref> </references>
Weblinks
- Glänzende Wiesenraute. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Glänzende Wiesenraute. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Thalictrum lucidum L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- Verbreitungskarte Deutschland In: FloraWeb.de
- Photos von Glänzender Wiesenraute: Günther Blaich.
- Pflanzen und Blütenpflanzen – Glänzende Wiesenraute.
- Bedeutung des Droemling für die Bestandserhaltung der Glänzenden Wiesenraute und Darstellung der Biotoppflege Seite 16 und Seiten 20-21 (PDF; 2,3 MB)