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Gordyene

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(Weitergeleitet von Girdiyan)
Gordyene (Urartu)
Gordyene (Urartu)
Diyarbakır
Grenzen der Carduene

Die Gordyene ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (f. sg.)), auch bekannt als Corduene, Carduene, Gorduene, Cordyene, Cardyene, Gordyaia, Korduene, Korchayk, Qardū (bzw. Beth Qardū) und Girdiyan, bezeichnet in der Antike einen kleinen Landstrich östlich des Tigris im äußersten Südosten der Türkei an der Grenze zum Irak. Er wird in der Gegend nördlich der heutigen Stadt Cizre bis hin zum Botan Çayı lokalisiert, wobei die Grenzen unsicher bleiben.<ref>Michał Marciak: Sophene, Gordyene, and Adiabene Three Regna Minora of Northern Mesopotamia Between East and West. Brill, Leiden, Boston 2017, ISBN 978-90-04-35072-4, S. 202</ref> Auch der Landepunkt der Arche Noah wird in jüdischen Quellen dort verortet, was auf den Cudi Dağı zutreffen könnte, wo bis zur Gegenwart eine entsprechende Tradition besteht.<ref>Michał Marciak: Sophene, Gordyene, and Adiabene. Three Regna Minora of Northern Mesopotamia Between East and West Brill, Leiden, Boston 2017, ISBN 978-90-04-35072-4, S. 200/201</ref> Die Lokalisierung wird dadurch verunklart, dass die antiken Schriftsteller sich teilweise widersprechen, die Identifikation der von ihnen genannten Namen mit den gegenwärtigen teils unsicher sind und auch Fehler nicht auszuschließen bzw. sogar offensichtlich sind.<ref>Zum Gesamtkomplex der Lokalisierung mit Einzelheiten das Kapitel Historical Geography of Gordyene in Michał Marciak: Sophene, Gordyene, and Adiabene. Three Regna Minora of Northern Mesopotamia Between East and West. Brill, Leiden, Boston 2017, ISBN 978-90-04-35072-4, S. 163–203</ref> Gordyene lag südöstlich von Großarmenien. Nach der Encyclopædia Britannica ist Gordyene der antike Name der Region von Bohtan (Provinz Şırnak).<ref></ref> In syrischen Quellen wird es als Beth Qardū und kleiner Vasallenstaat zwischen Armenien und Persien bezeichnet. Es soll in der bergigen Region um den Vansee in der heutigen Türkei gelegen haben. Die Landschaft erstreckte sich bis an das linke Tigrisufer.

Ursprung des Namens

Der Name Gordyene mit den oben genannten Variationen ist möglicherweise von dem Stamm der Karducher ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) abgeleitet, den Xenophon in der Anabasis (4,18) erwähnt. Die unterschiedlichen Namen rühren wahrscheinlich von der schwierigen Transkription des „ch“ im Lateinischen her. Der Name Karduchoi könnte auch aus dem Armenischen stammen, da die Silbe „-choi“ oft das armenische Pluralsuffix „-ch“ ersetzt. Die Bewohner der Region sprachen vermutlich eine iranische Sprache<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />utexas.edu (Memento des Vorlage:IconExternal vom 24. September 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.utexas.edu</ref> und waren nach Ansicht von Mekerdich Chahin Nachfahren der Meder.<ref>M. Chahin: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Lutterworth Press, Cambridge 1996, ISBN 0-7188-2950-6, S. 109</ref> Laut Xenophon hingegen sprachen die Karduchoi einen skythischen Dialekt.

Erwähnung in römischen Quellen

Der griechische Geograph Strabon setzt Gordiaia und die Gordaier mit den Karduchoi Xenophons gleich.<ref>Strabon 11, 747.</ref> Strabon verwendete den Begriff Gordyene ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value): Gordyene oder {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value): Gordiaia Orē) für die Berge zwischen Diyarbakır und Muş. Die größten Städte sollen Sareisa (Şarış) bei Ergani, Satalka und Pinaka gewesen sein.<ref>Strabon 16, 1, 24.</ref> Pinaka wird mit Finek, Cizre oder Eski Yapi identifiziert.<ref>Nigel Pollard: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). University of Michigan Press, Ann Arbor 2000, ISBN 0-472-11155-8. S. 288.</ref> Ammianus Marcellinus erwähnt es als Phaenicha in der Zabdikene, die syrische Bezeichnung war Phenek.<ref>P. M. Michèle Daviau, John William Wevers, Michael Weigl, Paul-Eugène Dio (Hrsg.): {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). Sheffield Academic Press, Sheffield 2001, S. 173.</ref> Nach Strabon waren die Gordyener große Baumeister und als Experten im Belagerungswaffenbau bekannt. Auch das Carduene der römischen Quellen wird mit der Gordyene identifiziert. Ammianus Marcellinus besuchte die Region auf einer diplomatischen Reise. Plinius nennt einen König Zarbinios.<ref>Plinius, Naturalis historia 6, 44.</ref>

Das Corduene oder Carduene der römischen Quellen war eine Landschaft im Zagros oder dem armenischen Hochland. Sie lag zwischen Arzanene im Westen, Zabdikene im Süden, Adiabene im Südosten, der Sophene im Südwesten, Moxoene und Armenien im Norden. Driver beschreibt sie als das Bergland zwischen Diyarbakır, Nusaybin und Zaxo.<ref name="Driver 564">G. R. Driver, S. 564.</ref>

Nach der Kirchengeschichte des Philostorgios (III, 7, auch bei Nikephorus Kallistos) entspringen in der Carduene, gegenüber von Syrien, zahlreiche Nebenflüsse des Tigris'. Iulius HonoriusCosmographia kennt eine Stadt Corduena, die von den Flüssen Chrysorroas und Tigris umflossen wird<ref name="Driver 565">G. R. Driver, S. 565</ref>.

Die Bewohner der Carduene werden meist mit dem Karduchoi des Xenophon (Anabasis) und Strabons Gordiene gleichgesetzt. Nach Plinius<ref>Naturalis historia, 5, 30, 118.</ref> grenzen die Karduchoi an die Azoni, die Driver bei Ḥazzu vermutet<ref name="Driver 5642">G. R. Driver, S. 564</ref>, an. Auch das Qardū der frühen syrischen Quellen entspricht vielleicht der Carduene<ref>G. R. Driver, S. 563</ref>. Corduene lag in den Ländern Sems.<ref name="Driver 5652">G. R. Driver, S. 565</ref>

Geschichte

Datei:Near East ancient map.jpg
Das Königreich Corduene um 60 v. Chr.

Gordyene war die meiste Zeit seiner nur lückenhaft bekannten Geschichte ein mehr oder minder autonomer, bzw. sich selbst überlassener Teil eines der Nachbarstaaten. Als einziger König von Gordyene ist zur Zeit des Dritten Mithridatischen Krieges ein gewisser Zarbienos unter armenischer Oberhoheit namentlich bekannt. Nachfolger scheint er nicht gehabt zu haben, ob er Vorläufer hatte, ist nicht bekannt. Als Zeitraum für die Existenz eines hypothetischen unabhängigen Staates in Gordyene kommen die Jahre 165 v. Chr. – 122 v. Chr. in Betracht.<ref>Michał Marciak: Sophene, Gordyene, and Adiabene Three Regna Minora of Northern Mesopotamia Between East and West Brill, Leiden, Boston 2017, ISBN 978-90-04-35072-4, S. 244</ref> Zu einem nicht bekannten Zeitpunkt geriet das Land unter parthische Herrschaft, später unter die Herrschaft des Königs von Armenien Tigranes II. Nachdem Tigranes die Städte zerstört hatte und Teile der Bevölkerung nach Tigranokerta umsiedelte, gab es keinen Widerstand mehr gegen die armenische Herrschaft. 69 v. Chr. konspirierte der bereits genannte König Zarbienos von Gordiene mit den Römern gegen Tigranes. Er rief mithilfe von Appius Claudius Pulcher Rom um Unterstützung an, aber der Aufstand schlug fehl, und Zarbienos wurde von Tigranes hingerichtet. Ein neuer König wurde offenbar nicht ernannt, sondern Tigranes übernahm selbst die Herrschaft über Gordyene.<ref>Michał Marciak: Sophene, Gordyene, and Adiabene Three Regna Minora of Northern Mesopotamia Between East and West Brill, Leiden, Boston 2017, ISBN 978-90-04-35072-4, S. 244</ref> Kurz darauf ließ der römische Feldherr Lucullus nach seinem Sieg über die Armenier in der Schlacht bei Tigranokerta (Oktober 69 v. Chr.), durch den er auch die Herrschaft über die Gordyene gewann, ein Denkmal für Zarbienos aufstellen.<ref>Peter Scholz: Lucullus. Herrschen und Genießen in der späten römischen Republik. Klett-Cotta, Stuttgart 2024, ISBN 978-3-608-98778-2, S. 153 f.</ref>

Nach der Abberufufung des Lucullus durch den Senat und dem vorübergehenden Rückzug der Römer wurde das Land zum Zankapfel zwischen Phraates III. von Parthien und Tigranes II. von Armenien. Nach Pompeius’ Erfolgen gegen Pontos und Armenien drang dieser bis zum Euphrat vor und forderte Gordyene von den Parthern zurück. Da diese einem Konflikt mit Rom aus dem Weg gehen wollten, konnte der von Pompeius geschickte Afranius das Gebiet ohne Kampf einnehmen. Die verbliebenen Parther wurden aus dem Land vertrieben. Das Land fiel wieder an Tigranes, Die Darstellung des römischen Schriftstellers Appian, wonach es an Ariobarzanes von Kappadokien gegeben wurde, beruhen auf einem Missverständnis.<ref>Michał Marciak: Sophene, Gordyene, and Adiabene Three Regna Minora of Northern Mesopotamia Between East and West Brill, Leiden, Boston 2017, ISBN 978-90-04-35072-4, S. 244</ref>

Nach dem Zeugnis des Schriftstellers Flavius Josephus geriet Gordyene später unter die Herrschaft der Könige von Adiabene, längstens bis zum Partherfeldzug Kaiser Trajans.<ref>Michał Marciak: Sophene, Gordyene, and Adiabene Three Regna Minora of Northern Mesopotamia Between East and West Brill, Leiden, Boston 2017, ISBN 978-90-04-35072-4, S. 245/246</ref>

Im 3. Jahrhundert eroberte Kaiser Diokletian das Land erneut, und die römische Zugehörigkeit des Gebiets wurde in einem Friedensvertrag zwischen Rom und Persien bestätigt. Der Name der Provinz taucht erneut auf in den Berichten über eine Schlacht zwischen den Persern unter Schapur II. und Rom unter Julian.

Infolge des Sieges über Narseh 296 wurde ein Friedensvertrag unterzeichnet, der das nördliche Ufer des Tigris mit Gordyene dem römischen Einflussbereich zuschlägt. Im Frühling 360 begann Schapur II. einen Feldzug, um die Stadt (Singara) einzunehmen. Die Stadt fiel nach einigen Tagen Belagerung. Nach diesem Sieg setzte Schapur seinen Weg nordwärts fort, ließ Nisibis links liegen und griff die Festung Bezabde (Cizre oder Eski Hendek)<ref>Nigel Pollard: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). 2000, S. 288</ref> an. Diese Festung kontrollierte die Region am Tigris, an der dieser aus dem Bergland in die Ebenen fließt und wo viele Handelswege entlanglaufen. Daher war die Burg von den Römern mit einer doppelten Mauer ausgebaut und drei Legionen besetzt worden. Mit einem Trick gelang es Schapur, die Mauern zu überwinden, und es kam zu einer Schlacht, an deren Ende die Stadt eingenommen und die Verteidiger niedergemetzelt wurden. Unter Jovian (363–364) gaben die Römer Gordyene auf, nachdem sie auch Seleukeia-Ktesiphon nicht einnehmen konnten.

Heute gehört das Gebiet zur Türkei. Die Bewohner Gordyenes wurden mitunter als Vorfahren der heutigen Kurden angesehen.<ref>https://kurdishpeople.org/corduene Vorfahren der Kurden</ref>

Zeitleiste

Siehe auch

Literatur

Einzelnachweise

<references />