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Gewöhnlicher Judasbaum

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

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Gewöhnlicher Judasbaum
Datei:Cercis siliquastrum a1.jpg

Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Tribus: Cercideae
Gattung: Judasbäume (Cercis)
Art: Gewöhnlicher Judasbaum
Wissenschaftlicher Name
Cercis siliquastrum
L.

Der Gewöhnliche Judasbaum (Cercis siliquastrum), auch kurz Judasbaum genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Judasbäume (Cercis) in der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Sie ist in Südeuropa sowie Vorderasien heimisch und wird als Zierpflanze verwendet.

Beschreibung

Datei:Cercis siliqastrum Blätter.jpg
Gestielte, einfache Laubblätter
Datei:Cercis silquastrum Taub84.png
Illustration

Erscheinungsbild und Blatt

Der Gewöhnliche Judasbaum wächst als sommergrüner, großer Strauch oder als kleiner öfters mehrstämmiger Baum und erreicht Wuchshöhen von 4 bis 8, seltener auch 10 bis zu 13 Metern. Die gräuliche bis bräunliche, raue Borke ist rissig bis furchig oder schuppig.

Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind gestielt. Die einfache, kahle und dünne, papierige Blattspreite ist bei einem Durchmesser von bis zu 13 cm herz- bis nierenförmig, oft breiter als lang und ganzrandig sowie abgerundet bis stumpf oder eingebuchtet, seltener leicht spitz oder bespitzt. Der frische Blattaustrieb ist häufig noch bronzefarben und die Herbstfärbung ist gelb. Die kleinen Nebenblätter fallen früh ab.

Datei:Cercis siliquastrum MHNT.jpg
Blüten
Datei:Cercis siliquastrum0.jpg
Hülsenfrüchte
Datei:Cercis siliquastrum MHNT.BOT.2007.40.59.jpg
Cercis siliquastrum
Datei:Cercis siliquastrum Ecorse.jpg
Stamm mit Borke
Datei:Cercis siliquastrum Holzbild.jpg
Sägerauer Radialschnitt mit Maserknollen und Splintholz (weiß), Kernholz (grün-gelb kurz nach Aufsägen) und Faulstellen (braun)

Blütenstand und Blüte

Der Judasbaum ist eines der wenigen in Europa vorkommenden Gehölze, bei denen die Blütenstände an älteren Stammteilen hervortreten (Kauliflorie), sie erscheinen vor dem Laubaustrieb am mehrjährigen Holz. Die kurzen traubigen, büscheligen Blütenstände enthalten nur bis etwa zehn Blüten. Die Tragblätter sind schuppenartig. Die zwittrigen, länger gestielten Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf, rötlichen bis purpurnen Kelchblätter sind glockenförmig verwachsen mit fünf gleichen Kelchzähnen. Die fünf purpur-rosafarbenen Kronblätter bilden eine 1,2 bis 1,5 cm lange Krone, die in einer anderen Form der Knospendeckung (cochlear aufsteigend) als bei den typischen Schmetterlingsblüten zusammenstehen. Es sind zehn freie Staubblätter vorhanden. Alle Staubbeutel sind gleich. Das einzige, gestielte und längliche, mittelständige Fruchtblatt enthält viele Samenanlagen. Der Griffel ist schlank. Die Bestäubung erfolgt beispielsweise durch Bienen.

Frucht und Samen

Die sich mit zwei Klappen öffnende und bespitzte, ledrige, kahle Hülsenfrucht ist bei einer Länge von 7,5 bis 9,5 cm und einer Breite von 1,7 bis 1,8 cm lineal-länglich und abgeflacht; die obere Naht ist schmal geflügelt. Die an den Samen eingeschnürte Hülsenfrucht enthält viele eiförmige, braune und glatte, teils etwas abgeflachte, etwa 5–6 Millimeter lange Samen.

Vorkommen

Die natürliche Verbreitung des Gewöhnlichen Judasbaumes erstreckt sich über Mittelmeerländer in Südeuropa und Vorderasien. Er hat ursprüngliche Vorkommen in den Ländern Frankreich, Italien, im früheren Jugoslawien, in Albanien, Griechenland, Bulgarien, in der Türkei, im Gebiet von Syrien und Libanon, Israel und Jordanien, Irak, Iran und Afghanistan.<ref name="POWO" />

Der Gewöhnliche Judasbaum bevorzugt kalkhaltige Böden und Höhenlagen unter 400 Metern. Er bevorzugt als Standort lichte Wälder, kommt aber auch in Strauchform als Pioniervegetation auf steinigen Böden vor. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2 (mäßig trocken), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 5 (sehr warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).<ref name="InfoFlora" />

Nutzung

Der Gewöhnliche Judasbaum wird als Ziergehölz verwendet.<ref name="RoyalHorticulturalSociety" /> Es sind mehrere Zuchtformen bekannt: 'Alba' mit weißen Blüten, 'Bodnant' mit dunkelrosa Blüten und 'Rubra' mit dunkelroten Blüten (Auswahl).

Das sehr harte Holz wird aufgrund seiner schönen Maserung als Furnierholz verwendet.<ref name="PFAF" />

Die Blüten können roh gegessen werden und sind eine süßlich-saure Bereicherung und Dekoration für jeden Salat. Die Blütenknospen werden sauer eingelegt und als Gewürz verwendet. Es wird berichtet, dass die Hülsenfrüchte roh gegessen werden.<ref name="PFAF" />

Namensherkunft

In frühneuzeitlichen Herbarien ist die Pflanze erstmals 1597 nachgewiesen.<ref>Hellmuth Baumann: Die griechische Pflanzenwelt in Mythos, Kunst und Literatur. 3., erw. Aufl. München: Hirmer 1993. S. 25.</ref> Der Name „Judasbaum“ gründet möglicherweise in der Legende, Judas Ischariot habe sich an einem solchen Baum erhängt (Vorlage:Bibel/Link). Laut einer Erzählung des Mittelmeerraumes sei der Baum hierauf vor Scham rot angelaufen (vgl. rosa Blüten). Ergänzend hierzu kann man die rundlichen Blätter, die sich erst während der Blüte bilden, als die Judas für seinen Verrat bezahlten Silberstücke sehen. Der Baum wird in der neutestamentlichen Erzählung jedoch nicht namentlich erwähnt.

Für den Gewöhnlichen Judasbaum bestehen bzw. bestanden auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Judasboom (mittelhochdeutsch), Liebesbaum und Salatbaum.<ref>Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 88. (online).</ref>

Taxonomie und Systematik

Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, S. 374.<ref name="biodiversitylibrary" /><ref name="GRIN" /><ref name="tropicos" />

Man kann folgende Unterarten unterscheiden:

  • Cercis siliquastrum subsp. hebecarpa <templatestyles src="Person/styles.css" />(Bornm.) Yalt.: Sie kommt in Vorderasien vor.<ref name="POWO" />
  • Cercis siliquastrum subsp. siliquastrum: Sie kommt im Mittelmeerraum und im Iran vor.<ref name="POWO" />
  • Cercis siliquastrum nothosubsp. yaltirikii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Ponert) Govaerts: Sie ist die Hybride zwischen den obigen Unterarten und kommt in der Türkei vor.<ref name="POWO" />

Ökologie

Der Gewöhnliche Judasbaum ist Wirtspflanze für den Samenkäfer Bruchidius siliquastri, der sich in den Hülsenfrüchten entwickelt.<ref>Gael Joseph Kergoat, Pierre Delobel und Axel Delobel: Phylogenetic relationships of a new species of seed-beetle infesting Cercis siliquastrum L. in China and in Europe (Coleoptera: Chrysomelidae: Bruchinae: Bruchini). In: Annales de la Société Entomologique de France. Band 43, Nr. 3, 2007, S. 265–271 (inrae.fr [PDF]).</ref>

Literatur

  • Michael Hickey, Clive King: Common Families of Flowering Plants. Cambridge Univ. Press, 1997, 1998, 2001, 2003, ISBN 0-521-57281-9, S. 90 f.
  • S. I. Ali: Caesalpiniaceae. In: Flora of Pakistan. Volume 54: Cercis siliquastrum – online (Abschnitt Beschreibung).
  • Marilena Idžojtić: Dendrology. Academic Press, 2018, ISBN 978-0-444-64175-5, S. 142.

Weblinks

Commons: Gewöhnlicher Judasbaum (Cercis siliquastrum) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.</ref> <ref name="tropicos">Cercis siliquastrum bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum.</ref> <ref name="biodiversitylibrary">Erstveröffentlichung eingescannt bei biodiversitylibrary.org.</ref> <ref name="RoyalHorticulturalSociety"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Eintrag bei der Royal Horticultural Society (Memento des Vorlage:IconExternal vom 5. Juni 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/apps.rhs.org.uk (englisch).</ref> <ref name="PFAF">Eintrag bei Plants for A Future.</ref> <ref name="POWO">Cercis siliquastrum. In: POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew ScienceVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="InfoFlora">Cercis siliquastrum L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> </references>