Gewöhnlicher Fransenenzian
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| Gewöhnlicher Fransenenzian | ||||||||||||
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| Datei:Gentianopsis ciliata RhldPfalz 001.jpg
Gewöhnlicher Fransenenzian (Gentianella ciliata) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Gentianella ciliata | ||||||||||||
| (L.) Borkh. |
Der Gewöhnliche Fransenenzian (Gentianella ciliata <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Borkh., Syn.: Gentianopsis ciliata <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Ma), auch kurz Fransenenzian und Gefranster Enzian genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Kranzenziane (Gentianella) innerhalb der Familie der Enziangewächse (Gentianaceae).<ref name="Euro+Med" />
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Der Gewöhnliche Fransenenzian ist eine sommergrüne, zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 30 Zentimetern.<ref name="FloraWeb" /> Der kahle<ref name="FloraWeb" />, vierkantige Stängel ist aufrecht und gelegentlich spärlich verzweigt, aufsteigend und am Grund gebogen.
Es wird keine grundständige Blattrosette ausgebildet.<ref name="FloraWeb" /> Kreuzgegenständige Laubblätter werden nur wenige ausgebildet. Die Grundblätter sind spatelförmig mit stumpfem oberen Ende. Die Stängelblätter sind ein- bis dreinervig und linealisch-lanzettlich mit spitzem oberen Ende.
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von August bis November. Die Blüten sind endständig (selten zu zwei bis vier in den Achseln der obersten Blätter).
Die zwittrigen Blüten sind vierzählig mit doppelter Blütenhülle. Die vier<ref name="FloraWeb" /> Kelchzipfel sind linealisch-lanzettlich. Die Blütenkelche sind maximal halb so lang wie die Kronröhre. Zwischen den schmalen Kelchzipfeln befindet sich eine Verbindungshaut. Die leuchtend-blauen, 3 bis 5 Zentimeter langen Kronblätter sind nur relativ kurz verwachsen und die vier Kronzipfel am Rand deutlich bewimpert. Der Kronschlund ist nicht bärtig behaart.<ref name="FloraWeb" /> Der gestielte Fruchtknoten ist keulenförmig.<ref name="FloraWeb" /> Die sitzende Narbe ist kreisförmig.<ref name="FloraWeb" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 44.<ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie
Der Gewöhnliche Fransenenzian ist ein mesomorpher Hemikryptophyt,<ref name="FloraWeb" /> eine Schaftpflanze mit kriechendem Rhizom und ein Flachwurzler. Die Vegetative Vermehrung erfolgt durch Verzweigung des Rhizoms. Bei ihm liegt Saisondimorphismus vor, das bedeutet, dass zu unterschiedlichen Jahreszeiten unterschiedlich gebaute Pflanzen heranwachsen.<ref name="Düll2011" />
Blütenökologisch handelt es sich um „Große Trichterblumen“, die die Blütenbesucher durch Veilchenduft stark anlocken sowie durch die UV-Reflexion der gefransten Kronblätter. Die Blüten sind vormännlich und verschiedengrifflig; es liegt also Heterostylie vor. Die Blüten werden nur bei ausreichendem Lichtangebot gebildet. Die Bestäubung erfolgt durch Hummeln und Tagfalter.<ref name="Düll2011" />
Bei den Kapselfrüchten dient der elastische Fruchtstiel, der sich nach der Reife stark verlängert, und der Blütenkelch als Windfang; deshalb erfolgt ihre Ausbreitung als Wind- und Tierstreuer. Fruchtreife erfolgt von September bis Oktober.<ref name="Düll2011" />
Vorkommen und Gefährdung
Der Gewöhnliche Fransenenzian ist in Mittel- und Südeuropa, Vorderasien bis zum Kaukasusraum verbreitet. In Asien kommt er im Kaukasusraum, in der Türkei, im Iran und im westlichen Sibirien vor. In Nordafrika kommt er in Marokko vor.<ref name="Euro+Med" /> In Deutschland kommt er zerstreut vor, besonders im Süden.<ref name="Schmeil-Fitschen2024" /> In Österreich kommt er häufig bis zerstreut in allen Bundesländern von der submontanen bis zur subalpinen Höhenstufe vor.
Er gedeiht vor allem auf kalkreichen, steinigen Ton- und Lehmböden. Die Hauptverbreitung nach Oberdorfer ist präalpin (Arealtyp),<ref name="FloraWeb" /> genauer gesagt im montan-subalpinen Laub- und Nadelwaldgebiet der süd-, mittel- und osteuropäischen Hochgebirge. Er kommt in vielen Gebirgsregionen bis in Höhenlagen von 2250 Metern vor. In den Allgäuer Alpen steigt er in Bayern am Glasfelderkopf bis zu einer Höhenlage von 2200 Metern auf.<ref name="Dörr-Lippert2004" /> In Graubünden steigt er in der Sesvennagruppe bis in Höhenlagen von 2500 Metern auf.<ref name="Hegi1966" />
Standorte sind meist Halbtrockenrasen, Kalkmagerrasen, Schafweiden oder Weiden allgemein und Heiden. In tieferen Höhenlagen sind Standorte meist auf beweidete, mäßig trockenen Kalkmagerrasen des Gentiano-Koelerietum beschränkt.<ref name="Hilligardt" /><ref name="Oberdorfer2001" /> In höheren Lagen kommt der Gewöhnliche Fransenenzian in Pflanzengesellschaften der Ordnung Seslerietalia albicantis vor.<ref name="Oberdorfer2001" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3w+ (mäßig feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (montan), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
In Deutschland ist der Gewöhnliche Fransenenzian nach der Bundesartenschutzverordnung geschützt und wurde 1996 in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands in die Kategorie 3 = „gefährdet“ eingeordnet.<ref name="FloraWeb" />
Systematik
Die Erstveröffentlichung dieser Art erfolgte 1753 unter dem Namen (Basionym) Gentiana ciliata durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 231.<ref name="Linné1753" /> Die Neukombination zu Gentianopsis ciliata <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Ma erfolgte 1951 durch Ma Yuquan in Gentianopsis — A New Genus of Chinese Gentianaceae. in Acta Phytotaxonomica Sinica, Volume 1, Issue 1, S. 15.<ref name="Tropicos" />
Beispielsweise in Euro+Med 2011 ist der akzeptierte Name Gentianella ciliata <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Borkh. veröffentlicht in Moritz Balthasar Borkhausen: Archiv für die Botanik (Leipzig), Band 1 (1), 1796, S. 29, gehört dort also zur Gattung Gentianella.<ref name="Euro+Med" />
Je nach Autor gibt einige Unterarten von Gentianella ciliata (Auswahl):<ref name="Euro+Med" />
- Gentianella ciliata subsp. blepharophora <templatestyles src="Person/styles.css" />(Bordz.) N.M.Pritch. (Syn.: Gentianopsis blepharophora <templatestyles src="Person/styles.css" />(Bordz.) Galushko, Gentiana ciliata subsp. blepharophora <templatestyles src="Person/styles.css" />(Bordzil.) Greuter, Gentiana blepharophora <templatestyles src="Person/styles.css" />Bordzil.): Sie kommt in der Türkei vor.<ref name="Euro+Med" />
- Gentianella ciliata <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Borkh. subsp. ciliata (Syn.: Gentiana ciliata <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. ciliata): Sie ist in Mittel- und Südeuropa, Vorderasien bis zum Kaukasusraum, in der Türkei, im Iran und im westlichen Sibirien verbreitet und Nordafrika kommt sie in Marokko vor.<ref name="Euro+Med" />
- Gentianella ciliata subsp. doluchanovii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Grossh.) N.M.Pritch. (Syn.: Gentianopsis doluchanovii <templatestyles src="Person/styles.css" />(Grossh.) Tzvelev): Sie kommt im nördlichen bis östlichen Russland<ref name="Euro+Med" /> und in Westsibirien vor.
Trivialnamen
Andere deutschsprachige Trivialnamen sind oder waren Wilder Bittersüss (Tirol bei Fusch), Bläueli (Berner Oberland), Gülden Aurin (Mark Brandenburg) und Himmelsstengel (Schweiz, Schwaben).<ref name="Jessen1882" />
Literatur
- (Abschnitt Beschreibung und Vorkommen)
Einzelnachweise
<references> <ref name="FloraWeb"> Gentianopsis ciliata (L.) Ma, Gewöhnlicher Fransenenzian. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Gentiana ciliata L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Tropicos"> Gentianopsis ciliata bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Düll2011"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Linné1753"> Linné 1753. Erstveröffentlichung eingescannt bei biodiversitylibrary.org. </ref> <ref name="Euro+Med"> Karol Marhold, 2011+: Gentianaceae. Datenblatt Gentianella ciliata In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Hilligardt"> Matthias Hilligardt: Der Fransenenzian (Gentianella ciliata L.) im Naturschutzgebiet Mangerwiese-Wotanseiche, Amt für Umweltschutz Pforzheim: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Volltext-PDF mit Verbreitungskarte. ( des Vorlage:IconExternal vom 21. September 2014 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. </ref> <ref name="Dörr-Lippert2004"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 346. </ref> <ref name="Jessen1882"> Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen, Verlag von Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 161. </ref> <ref name="Hegi1966"> Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 3. Verlag Carl Hanser, München 1966. S. 2028–2029. </ref> <ref name="Schmeil-Fitschen2024"> Jens G. Rohwer: Gentianaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 639. </ref> </references>
Weblinks
- Gentianopsis ciliata subsp. ciliata (L.) Ma, Echter Fransenenzian (Unterart). auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum
- Vorlage:BIB
- Thomas Meyer: Fransenenzian Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- Gentianaceae / Gentianopsis ciliata (Gentianella ciliata / Gentiana ciliata) - Gewöhnlich-Fransenenzian / Gefranster Enzian - Datenblatt bei Botanik im Bild / Flora von Österreich, 2007.