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Gesine Schwan

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Gesine Schwan (2023), 50 Jahre Grundwertekommission der SPD, Willy-Brandt-Haus Berlin
Unterschrift Gesine Schwan deutsche Politikwissenschaftlerin
Unterschrift Gesine Schwan deutsche Politikwissenschaftlerin

Gesine Marianne Schwan (geborene Schneider; * 22. Mai 1943 in Berlin) ist eine deutsche Politikwissenschaftlerin, frühere Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin, und Vorsitzende der Grundwertekommission der SPD. Von Oktober 1999 bis September 2008 war sie Präsidentin der 1991 gegründeten Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Von Juni 2010 bis Juni 2014 war sie Präsidentin der Humboldt-Viadrina School of Governance. Heute ist sie Präsidentin des Nachfolgeprojekts Berlin Governance Platform.<ref>Team - Governance Platform gGmbH. 9. Mai 2016, abgerufen am 13. Mai 2023.</ref>

Leben

Herkunft

Die Tochter des Volksschullehrers und späteren Oberschulrats Hans R. Schneider<ref>Vorlage:Whoswho</ref> und seiner aus Schlesien stammenden Frau Hildegard Anna, geb. Olejak, einer politisch aktiven Katholikin,<ref name="Lebenslauf"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lebenslauf (Memento vom 27. März 2020 im Internet Archive) gesine-schwan.de</ref> wuchs mit ihren Eltern und ihrem Bruder in Berlin-Heiligensee auf.<ref>Gesine Schwan im Munzinger-Archiv, abgerufen am 8. Februar 2024 (Artikelanfang frei abrufbar)</ref> Ihre Mutter stammte aus Lublinitz in Oberschlesien, das im Jahr 1922 polnisch wurde, und schilderte das Zusammenleben von Deutschen und Polen in dem vormals preußischen Städtchen positiv.<ref name="schwan2006">Gesine Schwan: Wie es den Deutschen mit den Polen geht: Polen oder Die Freiheit im Herzen Europas, in: zur debatte. Themen der Katholischen Akademie in Bayern, 1/2006, S. 30 f.</ref> Ihr sozial engagiertes Elternhaus gehörte im Nationalsozialismus zu protestantischen und sozialistischen Widerstandskreisen und versteckte im letzten Kriegsjahr ein jüdisches Mädchen unter Mithilfe des Gefängnispfarrers Harald Poelchau. Die Familie setzte sich nach dem Krieg für die Freundschaft mit Polen ein. Am Französischen Gymnasium Berlin legte Gesine Schneider das Abitur ab. Dort war sie Klassenkameradin von Reinhard Mey.<ref name="schwan2006" />

Studium

Ab dem Jahr 1962 studierte sie Romanistik, Geschichte, Philosophie und Politikwissenschaft an den Universitäten FU Berlin und Freiburg im Breisgau. Als Studentin begann sie, Polnisch zu lernen. Studienaufenthalte führten sie nach Warschau und Kraków. Dort bereitete sie ihre Promotion über den polnischen Philosophen Leszek Kołakowski vor, die sie im Jahr 1970 abschloss.<ref>Leszek Kolakowski. Eine politische Philosophie der Freiheit nach Marx.</ref> Ihr Doktorvater war Wilhelm Weischedel.<ref> Gesine Schwan: Warum ich die Hoffnung nicht aufgebe. Ein Gespräch mit Holger Zaborowski. Ostfildern 2023. S. 64.</ref> Als Kołakowski im Jahr 1977 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhielt, hielt die damals 34-jährige Schwan die Laudatio bei der Preisverleihung in der Frankfurter Paulskirche. Sie war Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes.<ref>90 Jahre, 90 Köpfe. In: Eine Porträtserie zum 90-jährigen Bestehen der Studienstiftung des deutschen Volkes. 1. Dezember 2018, abgerufen am 16. April 2020.</ref>

Akademische Karriere

Im Jahr 1971 wurde Gesine Schwan zunächst wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Politische Wissenschaft der Freien Universität Berlin. 1975 wurde sie dort habilitiert.<ref>Habilitationsschrift: Die Gesellschaftskritik von Karl Marx. Philosophische und politökonomische Voraussetzungen. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1974.</ref> Ab 1977 lehrte sie als Professorin für Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, von 1992 bis 1995 war sie Dekanin am Otto-Suhr-Institut.<ref>Gegen die SPD-Linke. In: FAZ.net, 5. März 2004</ref> Ihre wissenschaftlichen Schwerpunkte sind politische Theorie und Philosophie, Demokratietheorie und Politische Kultur.

Im Verlauf ihrer Professorentätigkeit forschte sie von 1980 bis 1981 als Fellow am Woodrow Wilson Center for Scholars in Washington, D.C., USA. Weitere Forschungsaufenthalte folgten 1984 als Visiting Fellow am Robinson College der University of Cambridge und 1998 als Visiting Professor an der New School for Social Research in New York.<ref>Kurzbiografie Auswärtiges Amt</ref> Von 1985 bis 1987 war sie Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft.

Vom 1. Oktober 1999 bis zum 1. Oktober 2008 war sie Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Ihre Wahl fand gut zwei Monate vor Amtsantritt am 22. Juli 1999 durch den Akademischen Senat des Hochschulrats Brandenburg statt, nachdem sie einige Monate zuvor bei den Präsidentschaftswahlen der Freien Universität Berlin ihrem Gegenkandidaten Peter Gaehtgens unterlegen war.<ref>Watergate in Dahlem. In: Der Spiegel. Nr. 19, 1999, S. 62 ff. (online).</ref>

Am 16. Januar 2004 bezeichnete sie die aktuelle Diskussion zum Thema „Elite-Universitäten in Deutschland“ in einem Interview mit dem DeutschlandRadio Berlin als „kurzsichtig“. Ihr sei nicht klar, wie fünf oder zehn Elite-Universitäten das gesamte Bildungssystem verbessern sollten, kommentierte sie entsprechende Vorschläge. „Die Idee, dass eine demokratische Bildung und Gesellschaft von einigen Eliten vorangetrieben werden kann und alle anderen trotten hinterher, halte ich für völlig falsch.“<ref>Eine streitbare Frau mit Charme. In: Stern, 5. März 2004</ref> Am 1. März 2008 erreichte sie ihr zentrales hochschulpolitisches Ziel, die Umwandlung der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder in eine Stiftungsuniversität, der ersten im Land Brandenburg.<ref>Der Schlüssel zur Freiheit. In: Der Tagesspiegel, 22. April 2008</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mehr Freiheit für die Viadrina. (Memento vom 13. Oktober 2008 im Internet Archive) In: Märkische Allgemeine, 22. April 2008</ref> Im Oktober 2008 folgte ihr Gunter Pleuger im Amt des Viadrina-Präsidenten nach.

Sie gründete mit Stephan Breidenbach, Alexander Blankenagel und anderen die Humboldt-Viadrina School of Governance und war mit Wirkung vom 15. Juni 2010 bis zum Ende der Hochschule im Jahr 2014 deren gewählte Präsidentin. Mit dem Insolvenzantrag vom 1. Juni 2014 musste der Lehrbetrieb eingestellt werden. Die Studenten konnten an staatlichen Hochschulen ihr Studium fortsetzen.<ref>Humboldt-Viadrina School of Governance stellt Betrieb ein. In: Der Spiegel. Abgerufen am 5. Juni 2014.</ref> Heute ist sie Präsidentin und Gesellschafterin<ref>Prof. Dr. Gesine Schwan governance-platform.org</ref> des Nachfolgeprojekts<ref>Die Humboldt-Viadrina School of Governance ist seit Juni 2014 geschlossen humboldt-viadrina.org</ref> Humboldt-Viadrina Governance Platform gGmbH.

Gesine Schwan ist Lehrkraft an der Akademie für Soziale Demokratie.<ref>Unsere wissenschaftlichen Lehrkörper fes-soziale-demokratie.de</ref>

Politische Laufbahn

Unter dem Eindruck der Ostpolitik von Willy Brandt Ende der 1960er Jahre trat Gesine Schwan 1972 in die SPD ein. Sie war an der Gründung des Seeheimer Kreises beteiligt,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />In der Mitte der Partei. Gründung, Geschichte und Wirken des Seeheimer Kreises (PDF; 1,02 MB) (Memento vom 24. September 2021 im Internet Archive). Herausgegeben von Johannes Kahrs und Sandra Viehbeck. Berlin, 2005, S. 24.</ref> der in den 1970er Jahren unter anderem neomarxistischen Positionen in der SPD entgegentrat. Im Jahr 1977 wurde sie Mitglied der Grundwertekommission der SPD. Zu Beginn der 1980er Jahre trat die bekennende Katholikin und Antikommunistin für den NATO-Doppelbeschluss ein. Da sie die Art und Weise, wie die SPD mit kommunistischen Regimes umging, als „lax“ kritisierte, wurde sie 1984 öffentlichkeitswirksam aus der SPD-Grundwertekommission ausgeschlossen. Sie vertrat damals die Position, dass Willy Brandt nicht dem damaligen Trend entgegengetreten sei, den Gegensatz zwischen Demokratie und Diktatur als reine Theorie zu bagatellisieren. Im Jahr 1996 wurde sie wieder in das Gremium aufgenommen. Seit 2014 ist Schwan Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Mitglieder, SPD (Memento vom 29. November 2019 im Internet Archive) grundwertekommission.spd.de.</ref>

Datei:Gesine Schwan 2011.jpg
Gesine Schwan in Halle/Saale (2011)

Gesine Schwan war in den Jahren 2004 bis 2009 die Koordinatorin für die deutsch-polnische Zusammenarbeit der Bundesregierung.<ref>Der Koordinator für die deutsch-polnische Zusammenarbeit. In: Auswärtiges Amt. 7. Dezember 2018, abgerufen am 2. August 2019.</ref> In dieser Funktion warb sie für ein tieferes Verständnis für Polen in der Bundesrepublik und engagierte sich für die grenznahe und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit mit Polen. Das Amt, das sie noch unter der Regierung Schröder angetreten hatte, behielt sie auch unter der Bundeskanzlerin der Großen Koalition, Angela Merkel. Im Streit um das Zentrum gegen Vertreibungen kritisierte sie die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, die damalige CDU-Abgeordnete Erika Steinbach, scharf und warb für die Position der polnischen Regierung.<ref>Streit über Steinbach: Schwan fordert rasche Entscheidung von Merkel, spiegel.de, 25. Februar 2009.</ref> Ihre Nachfolgerin in dem Amt wurde die Staatsministerin beim Bundesminister des Auswärtigen, Cornelia Pieper.

Im September 2010 war Schwan an der Gründung der Spinelli-Gruppe beteiligt, die sich für den europäischen Föderalismus einsetzt.

Im August 2019 gab sie ihre Kandidatur als SPD-Vorsitzende im Duo mit ihrem Parteikollegen Ralf Stegner bekannt.<ref>Nahles-Nachfolge: Schwan und Stegner bewerben sich für SPD-Vorsitz. In: Spiegel. 14. August 2019, abgerufen am 14. August 2019.</ref> Unter sechs Kandidatenpaaren belegte das Duo mit 9,6 % der Stimmen im ersten Wahlgang den letzten Platz.

Privates

Beim Studium in Freiburg im Breisgau lernte sie ihren akademischen Lehrer<ref>Anna Mayr, »Man kann den anderen nicht wie ein Stück Dreck behandeln, nur weil man mit ihm verheiratet ist«, In: Zeit Magazin Nr. 28 vom 8. Juli 2021, S. 14 ff.</ref> und Politikwissenschaftler Alexander Schwan kennen, den sie am 17. Juli 1969 heiratete. Mit ihm adoptierte sie zwei Kinder,<ref>Cathrin Kahlweit: Die hinreißend Schwierige, in: Süddeutsche Zeitung, 2. April 2004 (zum Datum siehe den Copyright-Hinweis am Ende des Textes).</ref> teilweise publizierte sie gemeinsam mit ihm.<ref>Gesine und Alexander Schwan: Sozialdemokratie und Marxismus. Zum Spannungsverhältnis von Godesberger Programm und marxistischer Theorie. Hamburg 1974.</ref> Alexander Schwan war seit 1967 Mitglied der SPD, während seine Frau erst 1972 in die Partei eintrat. Er entwickelte sich jedoch durch seine Erfahrungen mit der Studentenbewegung immer weiter nach rechts. 1978 trat er aus der SPD aus und der CDU bei. In dieser Zeit war er führendes Mitglied der antikommunistisch orientierten „Notgemeinschaft für eine freie Universität“. Alexander Schwan starb 1989. Seit dem 3. September 2004 ist Gesine Schwan mit Peter Eigen verheiratet, dem Gründer der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International.

Gesine Schwan bezeichnet sich als praktizierende Katholikin.<ref>Gesine Schwan und die Seelsorger. Radio Vatikan, 14. Mai 2008, Abruf im Juli 2017.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Schwan hofft auf Rebellion der Bevölkerung (Memento vom 27. März 2020 im Internet Archive) (Gesine Schwan. (Audio, Minute 6:33) In: srv.deutschlandradio.de. Deutschlandfunk, 26. Juli 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. Februar 2019; abgerufen am 16. Mai 2025.)</ref> Sie zählte zu den 125 Prominenten, die den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel im Jahr 2017 zum 150. Jubiläum gratulierten.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Herzlichen Dank an unsere Jubiläumsbotschafter (Memento vom 10. August 2020 im Internet Archive) bethel.de</ref>

Kandidaturen für das Amt der Bundespräsidentin

In den Jahren 2004 und 2009 kandidierte Schwan für das Amt der Bundespräsidentin, beide Male scheiterte sie im ersten Wahlgang gegen Horst Köhler. In einem Kandidaten-Duo mit Ralf Stegner bewarb sie sich bei der Wahl zum SPD-Vorsitz 2019, das Duo konnte die Wahl jedoch nicht für sich entscheiden.

Kandidatur 2004

Am 4. März 2004 wurde Gesine Schwan gemeinsam von SPD und Bündnis 90/Die Grünen für das Amt der Bundespräsidentin vorgeschlagen. Sie trat damit am 23. Mai bei der Wahl zum Bundespräsidenten 2004 in der Bundesversammlung gegen Horst Köhler an, den Kandidaten von CDU/CSU und FDP. Es war das erste Mal, dass die beiden wichtigsten Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nicht aus dem Kreis der „lang gedienten“ Politiker stammten. Eine Folge dieser Konstellation war, dass es zu einem kleinen Wahlkampf kam, den insbesondere Gesine Schwan nutzte, um für ihr politisches Programm zu werben.

Schwan unterlag erwartungsgemäß im ersten Wahlgang. Horst Köhler erhielt mit 604 auf ihn abgegebenen Stimmen eine Stimme mehr, als für die absolute Mehrheit erforderlich war. Schwan erhielt jedoch mit 589 Stimmen auch mindestens 10 Stimmen aus dem Lager von CDU/CSU und FDP.

Kandidatur 2009

Angesichts der Spekulationen über eine zweite Amtszeit von Bundespräsident Horst Köhler wurde Gesine Schwan als erneute SPD-Kandidatin für die Bundespräsidentenwahl im Mai 2009 ins Gespräch gebracht. Am 26. Mai 2008 teilte die SPD mit, Gesine Schwan als Präsidentschaftskandidatin ins Rennen zu schicken. Bei der Wahl war Schwan auf Abweichler aus dem bürgerlichen Lager und die Stimmen der Grünen und der Linkspartei angewiesen. Dies wurde von vielen Beobachtern als Fingerzeig auf eine zukünftig verstärkte Zusammenarbeit mit der Linkspartei gewertet.<ref>Müntefering stürzt Beck ins Dilemma. In: Spiegel Online, 27. Mai 2008.</ref> Am 29. Mai 2008 schrieb Schwan in der SPD-Parteizeitung Vorwärts, die Wahl sei „kein Präjudiz für die Bundestagswahl oder für künftige Koalitionen. Die einzige Aufgabe der Bundesversammlung ist es, diejenige Person zu wählen, die unser Land am besten repräsentiert.“<ref name="vorwaerts.de 2008"/> Sie hoffe zwar auf Stimmen aus Reihen der Linken, gleichzeitig kritisierte sie die aus ihrer Sicht realitätsfernen Vorstellungen der Linken. In dieser Partei gebe es auch Mitglieder, die mit „demagogischem Populismus“ Stimmen zu gewinnen versuchen. „Aber wie vor vier Jahren werde ich mit Vertretern dieser Partei sprechen, weil ich gegen Kommunikationstabus bin. Wer mich wählt, hat sich für konstruktive demokratische Politik entschieden. Ich möchte möglichst viele Mitglieder und Abgeordnete der ‚Linken‘ für die Demokratie gewinnen.“<ref name="vorwaerts.de 2008">Gesine Schwan: Gesine macht’s! vorwaerts.de, 29. Mai 2008.</ref>

Kurz vor der Wahl äußerte sich Schwan zur Bewertung der DDR. Sie lehnte es ab, die DDR als „Unrechtsstaat“ zu bezeichnen, da der Begriff zu diffus sei: „Er impliziert, dass alles unrecht war, was in diesem Staat geschehen ist. So weit würde ich im Hinblick auf die DDR nicht gehen.“ Die DDR sei aber auch kein Rechtsstaat gewesen, sondern ein Staat, „in dem Willkür und Unsicherheit begünstigt wurden“.<ref>Debatte: Schwan will DDR nicht Unrechtsstaat nennen Focus Online, 16. Mai 2009.</ref>

Ihre zweite Kandidatur scheiterte am 23. Mai 2009 mit einem Anteil von 503 Stimmen erneut. Damit erhielt sie elf Stimmen weniger, als SPD und Grüne, die sich für Schwan aussprachen, zusammen an Wahlleuten hatten.<ref>Bundespräsident im Amt bestätigt tagesschau.de-Archiv, 23. Mai 2009.</ref>

Kritik

Kritiker warfen ihr vor, im Jahr 2007 in Geschäftsanbahnung mit der Firma Ratiopharm nicht sauber zwischen Spendenwerbung und angebotenen Dienstleistungen unterschieden zu haben.<ref>Gesine Schwan: Dubiose Spendenwerbung bei Ratiopharm. In: Wirtschaftswoche, 24. Mai 2008</ref><ref>Ratiopharm-Vortrag bringt Schwan in Erklärungszwang. In: Spiegel Online, 25. Mai 2008</ref> Aus der Wissenschaft wurde sie dagegen verteidigt.<ref>Kein Schatten auf der Sauberfrau, taz vom 27. Mai 2008</ref> Schwan selbst wies die Vorwürfe zurück.

Im April 2009 warnte Schwan in einem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau vor sozialer Wut als Folge der anhaltenden Wirtschaftskrise. Würde der Eindruck entstehen, dass die Verursacher der Krise keinen angemessenen Beitrag zu ihrer Behebung leisten müssten, „könnte sich ein massives Gefühl der Ungerechtigkeit breit machen“, so Schwan. An anderer Stelle erklärte sie: „Ich kann mir vorstellen, dass in zwei bis drei Monaten die Wut der Menschen deutlich wachsen könnte.“ In einigen Monaten würden zudem „abfedernde Maßnahmen“ wie das Kurzarbeitergeld auslaufen. Wenn sich bis dahin kein Hoffnungsschimmer auftue, dass sich die Lage verbessert, könne „die Stimmung explosiv werden“. Diese Äußerungen wurden unverzüglich heftig kritisiert, selbst Parteifreunde Schwans gingen auf Distanz. So warnten der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes Gerd Landsberg davor, Ängste vor sozialen Unruhen zu schüren und diese damit herbeizureden. Auch der Bundesaußenminister und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sowie Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (beide SPD) verwiesen auf die funktionierende soziale Absicherung in Deutschland und die erwiesene Handlungsfähigkeit bei der Krisenbewältigung.<ref>Scharfer Gegenwind für Schwan, in: Süddeutsche Zeitung, 24. April 2009 (siehe zum Datum den Copyright-Hinweis am Ende des Textes).</ref>

Die Kritik an Schwans Moderation des Jour fixe des Kulturforums der Grundwertekommission vom 18. Februar 2021<ref>Jour Fixe - Kultur schafft Demokratie - mit Sandra Kegel. Abgerufen am 8. März 2021.</ref>, bei dem die Leiterin des FAZ-Feuilletons Sandra Kegel zu Gast war, führte zu einer Kontroverse in der SPD-Spitze.<ref>Joane Studnik: Die SPD und die Identitätsdebatte. 2. März 2021, abgerufen am 8. März 2021.</ref><ref>Tilmann Warnecke: Esken und Kühnert „beschämt“ SPD debattiert Umgang mit queeren Menschen. 2. März 2021, abgerufen am 8. März 2021.</ref><ref>Stellungnahme zum Gespräch mit Sandra Kegel. In: kulturforum.spd.de. Kulturforum der SPD, 22. Februar 2021, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 3. März 2021; abgerufen am 8. März 2021.</ref> Bei dem Jour fixe ging es auch um einen Kommentar Kegels<ref>Sandra Kegel: Manifest der 185: Selbstbewusstsein und Kalkül. In: FAZ.NET. Abgerufen am 8. März 2021.</ref> zu #ActOut, einer Veröffentlichung queerer Filmschaffender im Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 5. Februar 2021, die Kegel in ihrem Kommentar als „Kalkül“ bezeichnet hatte. Schwans Moderation wurde für das Misgendern des nichtbinären Gasts Heinrich Horwitz und einen Witz kritisiert, der als lesbophob aufgefasst wurde.<ref>Tilmann Warnecke: Esken und Kühnert „beschämt“ SPD debattiert Umgang mit queeren Menschen. 2. März 2021, abgerufen am 13. März 2021.</ref><ref>Herwig Hakan Mader: „Die SPD hat versagt“: LSVD-Kritik nach bizarrem Online-Talk. 22. Februar 2021, abgerufen am 8. März 2021.</ref><ref>Johannes Kram: Ich bin nicht beleidigt! 7. März 2021, abgerufen am 8. März 2021.</ref>

Mitgliedschaften und weitere Funktionen

Arbeit in Kuratorien und anderen Gremien

Schwan ist in folgenden Gremien tätig:<ref name="Lebenslauf"/>

Schirmherrschaften

Ehemalige Schirmherrschaften

Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • Leszek Kolakowski. Eine politische Philosophie der Freiheit nach Marx (Diss. 1970). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1971
  • Die Gesellschaftskritik von Karl Marx. Philosophische und politökonomische Voraussetzungen (Habil.). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1974
  • (Gemeinsam mit Alexander Schwan) Sozialdemokratie und Marxismus. Zum Spannungsverhältnis von Godesberger Programm und marxistischer Theorie. Hoffmann & Campe, Hamburg 1974
  • (Hrsg.) Demokratischer Sozialismus für Industriegesellschaften. Europäische Verlagsanstalt, Köln u. a. 1979
  • Sozialismus in der Demokratie? Theorie einer konsequent sozialdemokratischen Politik. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1982
  • (Hrsg.) Internationale Politik und der Wandel von Regimen. Heymann, Köln u. a. 1987
  • (Hrsg.) Bedingungen und Probleme politischer Stabilität. Nomos, Baden-Baden 1988
  • Wissenschaft und Politik in öffentlicher Verantwortung – Problemdiagnosen in einer Zeit des Umbruchs. Zum Gedenken an Richard Löwenthal. Baden-Baden Nomos, 1995
  • Politik und Schuld. Die zerstörerische Macht des Schweigens. Fischer, Frankfurt am Main 1997
  • Antikommunismus und Antiamerikanismus in Deutschland. Kontinuität und Wandel nach 1945, Nomos, Baden-Baden 1999
  • (Hrsg.) Demokratische politische Identität. Deutschland, Polen und Frankreich im Vergleich. Verlag für Sozialwissenschaft, Wiesbaden / Stuttgart 2006, ISBN 978-3-531-14555-6
  • Vertrauen und Politik: politische Theorie im Zeitalter der Globalisierung. Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Stuttgart 2006<ref>Schwan ist Autorin des Kapitels 'Schlussfolgerungen' (S. 359–392); die Einleitung schrieb sie zusammen mit Birgit Schwelling</ref>
  • mit Susanne Gaschke: Allein ist nicht genug. Für eine neue Kultur der Gemeinsamkeit. Herder, Freiburg im Breisgau / Basel / Wien 2007, ISBN 978-3-451-29477-8.
  • mit Michael Albus: Ich bin ein leidenschaftlicher Mensch: Vom Mut, Grenzen zu überschreiten. Claudius, München 2015, ISBN 978-3-532-62477-7.
  • Umkehren, Genossen! (Gastbeitrag, zeit.de vom 6. Februar 2017)

Hörbuch

  • Vertrauen. Für eine Philosophie der Politik. Konzeption und Regie: Klaus Sander. Erzählerin: Gesine Schwan. supposé, Köln 2006, ISBN 978-3-932513-73-2.

Film

Weblinks

Commons: Gesine Schwan – Sammlung von Bildern und Audiodateien

Porträts

Interviews

Einzelnachweise

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